Inhaltsverzeichnis Seite
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis VI
Abk ürzungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit 5
2. Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf den
l ändlichen Raum 6
2.1 Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von 1950 bis 2050 10
2.1.1 Die Gründe für den langfristigen Rückgang der Bevölkerung 14
2.1.1.1 Die Geburtenrate 14
2.1.1.2 Die Alterung der Bevölkerung 17
2.1.1.3 Die Wanderungsprozesse 19
2.2 Die Auswirkungen des demographischen Wandels 21
2.2.1 Die Folgen für die Erwerbstätigkeit 21
2.2.2 Der demographische Wandel unter dem Wohnungsaspekt 23
2.2.3 Die Folgen innerhalb der Gesundheitsversorgung und des
Altensicherungssystems 25
2.2.4 Die Folgen innerhalb des Bildungssektors 27
2.2.5 Die Folgen im Verkehrswesen 28
2.3 Zusammenfassung und zukünftiger Handlungsbedarf 29
3. Die Einzelhandelsentwicklung und Versorgungsstruktur im
l ändlichen Raum 31
3.1 Die gegenwärtige Versorgungssituation 31
3.2 Ursachen des Strukturwandels im Einzelhandel 33
3.2.1 Die Nachfrageseite 34
I
3.2.2 Angebotsseite und Wandel der Betriebsformen 36
3.2.3 Die politischen Einflussfaktoren 39
3.3 Folgen für die Versorgungsleistungen 40
3.4 Zusammenfassung der Einzelhandelsentwicklung 42
4. Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf den Einzel-
handel in der saarländischen Gemeinde Freisen 45
4.1 Die Struktur der Gemeinde Freisen 45
4.1.1 Geschichtliche Grundlagen 45
4.1.2 Die Landesnatur und -kultur der Gemeinde Freisen 46
4.1.3 Die Gemeinde innerhalb ihrer administrativen Gliederung 48
4.1.4 Die Bevölkerungsentwicklung 50
4.1.5 Bildungsrelevante Einrichtungen 53
4.1.6 Die Siedlungs- und Wohnungsstruktur 54
4.1.7 Die verkehrstechnische Einbindung der Gemeinde und
das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung 57
4.1.8 Wirtschaft und Erwerb 60
4.2 Bestandsanalyse der Versorgungsstruktur in der Gemeinde Freisen 65
4.2.1 Erhebungsmethode und Fragebogen 65
4.2.2 Stationäre Konzepte 66
4.2.2.1 Einzelhandelsunternehmen vor Ort 66
4.2.2.2 Die Direktvermarktung 72
4.2.3 Mobile Konzepte 76
4.2.3.1 Mobile Händler in der Freisener Gemeinde 76
4.2.3.2 Flexibler ÖPNV durch bedarfsorientierte Bedienung 81
4.2.4 Zusammenfassende Darstellung der Versorgungsmöglichkeit
mit Gütern des täglichen Bedarfs in der Gemeinde Freisen 82
4.3 Handlungsfelder und zukünftige Lösungskonzepte der Gemeinde Freisen 84
4.3.1 Handlungsfelder im Einzelhandelsbereich 86
4.3.2 ´Mehr Dorf schaffen für weniger Menschen
Das MELanIE-Projekt 88
4.3.3 Begegnungsstätte für Jung und Alt: Das Mehrgenerationenhaus 90
4.3.4 Familien stärken und das Gemeindewesen fördern Der
Generationentreff ´Hand-in-Hand 92
II
4.3.5 Internetkurse 93
4.3.6 Stärkung der Dorfgemeinschaft durch Vereinstätigkeit 94
4.3.7 Das Konzept der Freisener Achatwege 96
4.3.8 Thermische Sonnenkollektoren 98
5. Fazit und Ausblick 100
Literaturverzeichnis VIII
Anhang XIX
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland
Abbildung 2: Der demographische Wandel im Raum eine kartographische
Synthese
Abbildung 3: Die regionale Alterung in Deutschland bis 2025
Abbildung 4: Die künftige Dynamik der Erwerbspersonen in einem Alter bis
zu 45 Jahren im Zeitraum 2005 bis 2025 in
Abbildung 5: Krankenhausfälle nach Altersgruppen (Status-Quo-Szenario) in
Abbildung 6: Ursachen und Wechselwirkungen der Komponenten des demo-
graphischen Wandels
Abbildung 7: Anteil der Betriebsformen an der Verkaufsfläche des Lebens-
mitteleinzelhandels 1966 - 1999
Abbildung 8: Das Wirkungsgefüge des Strukturwandels im Einzelhandel
Abbildung 9: Das Freisener Bronzepferdchen
Abbildung 10: Die Gebietskörperschaften im Saarland
Abbildung 11: Die administrative Gliederung der Gemeinde Freisen
Abbildung 12: Die Bevölkerungsentwicklung von 1997 bis 2009 der
Gemeinde Freisen
Abbildung 13: Die Entwicklung der Geburten- und Sterbezahlen in der
Gemeinde Freisen
Abbildung 14: Entwicklung der Zu- und Fortzüge in der Gemeinde
Abbildung 15: Die Altersstruktur der Bevölkerung in der Gemeinde Freisen
Abbildung 16: Entwicklung der Kinderzahlen im Kindergartenalter
(3 - 5 Jahre) von 2006 bis 2025
Abbildung 17: Entwicklung des Wohnungsbestands und der Wohnfläche
in der Gemeinde Freisen von 1997 bis 2007
Abbildung 18: Das Verkehrsstraßennetz im Saarland, 2008
Abbildung 19: Das Schienennetz im Saarland im Jahr 1955
Abbildung 20: Die Angebotsstruktur der Gemeinde Freisen innerhalb des
Buslinienverkehrs
Abbildung 21: Kraftfahrzeugbestand der Gemeinde Freisen von 1997 bis 2008
Abbildung 22: Betriebe nach Wirtschaftsabteilungen in der Gemeinde
Freisen
IV
Abbildung 23: Gewerbegebiete der Gemeinde Freisen (Maßstab 1:50.000)
Abbildung 24: Die Bäckerei Berthold-Gillen in der Gemeinde Freisen
Abbildung 25: Die Bäckerei und Konditorei Keller in der Gemeinde Freisen
Abbildung 26: Tante-Emma-Laden in Grügelborn
Abbildung 27: Produktauswahl des Tante-Emma-Ladens in Grügelborn
Abbildung 28: Produktauswahl des Tante-Emma-Ladens in Grügelborn
Abbildung 29: Tante-Emma-Laden in Haupersweiler
Abbildung 30: Produktauswahl des Tante-Emma-Ladens in Haupersweiler
Abbildung 31: Produktauswahl des Tante-Emma-Ladens in Haupersweiler
Abbildung 32: Die landwirtschaftliche Direktvermarktung im hofeigenen
Bauernladen der Familie Bossert im Ortsteil Asweiler
Abbildung 33: Mobiler Verkaufswagen des Bofrost-Unternehmens
Abbildung 34: Zielräume und Routenführung der mobilen Verkaufswagen
in der Gemeinde Freisen (Maßstab 1:50.000)
Abbildung 35: Die Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte in den Ortsteilen der
Gemeinde Freisen (Maßstab 1:50.000)
Abbildung 36: Die Entstehung des Mehrgenerationentreffs durch Anbau-
ma ßnahmen an dem bereits bestehenden Kindergarten in Freisen
Abbildung 37: Kindergartenkinder und Senioren erstellen eine Spielzeugraupe
aus Holz
Abbildung 38: Multimedialer Tourguide auf einem Handcomputer
V
Tabellenverzeichnis Seite
Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung in der Europäischen Union Prognose bis 2050 7
Tabelle 2: Zusammengefasste Geburtenziffern in ausgewählten Staaten 8
Tabelle 3: Entwicklung ausgewählter Altersgruppen in Staaten der Europäischen Union 9
Tabelle 4: Die Zahl der Lebensmittelgeschäfte nach Betriebsformen von 1960 bis 2007 37
Tabelle 5: Top 5 der Handelsunternehmen in Deutschland, 2006 38
Tabelle 6: Bodenfläche nach Art der Nutzung in der Gemeinde Freisen 47
Tabelle 7: Anteile der Haushaltsgrößen in den Ortsteilen der Gemeinde Freisen, Stand 01.07.2005 (Angaben in %) 54
Tabelle 8: Wohngebäudeleerstand in der Gemeinde Freisen (Stand 01.07.2005) und Leerstandsprognose bis 2020 56
Tabelle 9: Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer in der Gemeinde Freisen von 1998 bis 2007 61
Tabelle 10: Arbeitsplatzbedingte Pendlerbewegungen in der Gemeinde Freisen 62
Tabelle 11: Darstellung aller Einzelhandelsgeschäfte in der Gemeinde Freisen 67
VI
Abkürzungsverzeichnis
BauNVO Baunutzungsverordnung
BBR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
IWS Industriewerke Saar GmbH
KSVG Kommunalselbstverwaltungsgesetzt
MELanIE Modellvorhaben zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch innerörtliche Entwicklung
MIV Motorisierter Individualverkehr
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
ZOK Zentrale-Orte-Konzept
VII
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
(BECKER 2006, S. 5) Schlagzeilen wie diese, zeigen auf, dass sich ein tiefgreifender Wandel vollzieht, der nicht nur Deutschland vor gravierende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Herausforderungen stellt. Auch global betrachtet, wird die natürliche Bevölkerungszahl aufgrund steigender Sterbeüberschüsse einen negativen Trend abzeichnen. Dieser als ´demographischer Wandel` deklarierte Ablauf, der sich als schleichender Prozess schon seit Jahrzehnten ereignet, zeigt vor allem eine steigende Lebenserwartung bei gleichzeitiger Abnahme der Geburtenhäufigkeit. Diese strukturellen Veränderungen zeigen sich vor allem im Altersaufbau: Insgesamt nimmt die Bevölkerung ab, während der Anteil der älteren Menschen stetig zunimmt und die Gruppe der Jungen immer weiter schrumpft. Obwohl es in Europa bereits früher schon durch äußere Ursachen bewirkte Phasen mit ausgeprägten Bevölkerungsrückgängen gab, wie beispielsweise während des Dreißigjährigen Krieges oder durch Ausbrüche von Seuchen, die einen Anstieg der Sterberate mit sich führten, fallen in Deutschland vor allem die 1970er Jahre auf. Bereits zu Beginn des Jahrzehnts unterschreitet die Fertilitätsrate das notwendige Bestanderhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau um ein Drittel. Der Einbruch der Geburtenzahlen bewirkt seither eine Abnahme der absoluten Bevölkerung von Generation zu Generation bei gleichzeitigem Anstieg der Lebenserwartung. Bisher konnten diese Schrumpfungsprozesse, aber insbesondere die Alterung der Bevölkerung durch Außenwanderungsgewinne aufgefangen beziehungsweise abgeschwächt werden (vgl. GANS et al. 2006, S. 1). Prognosen des Statistischen Bundesamtes zufolge, wird dennoch unverkennbar deutlich, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 mit gravierenden Veränderungen konfrontiert wird, deren Folgen sich in den diversen Raumtypen unterschiedlich hrumpfenden Räumen, was anderen Re-
gionen erst noch bevorsteht: Die Zahl der Geburten ist gering, die Jungen ziehen weg und der
Bevölkerungsentwicklung auf lange Sicht alle vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ausgewiesenen Regionstypen betreffen, zeichnet sich innerhalb Deutschlands ein differenziertes Bild ab. Somit zeigt die regionale Bevölkerungsprognose bis 2020 eine Gegenüberstellung von Schrumpfungsgebieten und Wachstumsinseln. Zunächst werden demnach die Einwohnerzahlen nicht überall in Deutschland abnehmen. Diese Stagnations- oder auch Wachstumsprozesse vollziehen sich nicht durch eine höhere Geburtenrate, sondern le-
1
diglich aufgrund von Wanderungsgewinnen (vgl. KOCKS et al. 2005a, S. 8). Hierzu gehören vor allem die hochverdichteten Regionen, wie beispielsweise Baden-Württemberg oder Bayern, die aufgrund einer innovativen Wirtschaft die Zuwanderung bestärken. Vorzugsweise sind es die Städte, die eine neue Renaissance der Zuwanderung erleben und besonders für junge Menschen wieder an Attraktivität gewinnen. Kleinräumig betrachtet, sind hierbei aber auch die suburbanen Räumen zu nennen, die sich als wachsende beziehungsweise ´verinselte` Gebiete herauskristallisieren (vgl. KRÖHNERT et al. 2007, S. 11ff.). Obwohl die Alterung und das Geburtendefizit insgesamt in allen Gebieten stattfinden, bilden sich vornehmlich der Osten Deutschlands sowie die ländlich-peripheren und strukturschwachen Kreise fernab von den städtischen Zentren als Verliererregionen der demographischen Entwicklung ab. Durch die Anziehungskraft der Städte gewinnen ländliche Räume nur selten an Zuwanderern, so dass sich hier der demographische Wandel mit größerer Dynamik als in anderen Räumen vollzieht. Die Definition ´ländlicher Raum` erscheint jedoch problematisch, da es ihn als solchen nicht gibt. Wurde er vor einigen Jahren noch als Restkategorie bezeichnet, sind es heute vor allem die mannigfachen Funktionen, die ihn als vielfältigen Raum betrachten lassen. Hinsichtlich ihrer Siedlungs- und Wohnfunktion, der Freizeit- und Erholungsfunktion, ihrer ökologischen Speicher- und Regulationsfunktion sowie der Entsorgungs- und Biodiversitätsfunktion weisen ländliche Räume ganz unterschiedliche Potentiale auf. Weiterhin lassen sie sich nach ihrer Lage zu Verdichtungsgebieten oder Zentren, in Bezug auf touristische Attraktivität, landwirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder aufgrund allgemein fehlender Nutzungsalternativen beziehungsweise nennenswerter Kräfte unterscheiden (vgl. SCHÄFER 1997 et al., S. 3ff.).
Auch wenn die Raumordnung den ländlichen zum verstädterten Raum abgrenzt und konsta-
und ohne Oberzentrum über 100 000 Einwohner (beziehungsweise) Räume unter 100 Ein-
2000, S. 77) sind, verwischen sich die siedlungsstrukturellen Unterschiede so stark, dass man den ländlichen Raum als Einzelkomponente nicht isoliert betrachten kann. Da sich der demographische Wandel differenziert und in allen ländlichen Räumen unterschiedlich auswirkt, wird im Folgenden eine allgemeinere Begriffsbestimmung übernommen: Als zentrale Charakteristika gelt -, Bebauungs-, Einwohner-, Arbeitsplatz- und In-
dustriedichten [...]. Dem entsprechend haben ländliche Siedlungen [...] im Vergleich zur Stadt (eine) geringere Größe, [...] Differenzierung (und) Zentralität, ein(en) geringer(en) Verknüpfungsgrad untereinander, weniger Arbeitsplätze vor allem im zweiten und dritten Sektor, ein
2
Pendlerdefizit (und) eine sozial überschaubare Gesellschaft (mit) vorwiegend Ein- und Zweifamilienhausbebau
Der demographische Wandel bedingt nicht nur die wesentlichen Elementen einer niedrigen Geburtenrate bei gleichzeitig hoher Lebenserwartung der Bevölkerung, sondern führt insgesamt zu einem sich gänzlich ändernden sozialen und kulturellen Umfeld. Gerade der ländliche
wird, ist hierbei von besonderem Interesse. Der weitere Bevölkerungsrückgang und eine Veränderung der Altersstruktur bei bestehender geringer Siedlungsdichte gefährdet die Tragfähigkeit für öffentliche und private Einrichtungen beziehungsweise Dienstleistungen. Regionale Auslastungsprobleme sind nicht nur für soziale und technische Infrastruktureinrichtungen zu erwarten, wenn aufgrund einer geringeren jungen Bevölkerung weniger Kindergarten- und Schulplätze nachgefragt werden.
Innerhalb dieser Schrumpfungslandschaft betreffen die Auswirkungen die medizinische Ver-sorgungs- und Betreuungseinrichtungen, sowie allgemein die sozialen Sicherungssysteme durch die abnehmende Zahl an Beitragszahlern. Ein genereller Bevölkerungsrückgang bedeutet für die Gemeinden sinkende Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten zur Infrastrukturerhaltung, was oftmals zu einem Abbau der noch bestehenden öffentlicher Einrichtungen führt. Einsetzende Abwanderungstendenzen führen zu einer geringeren Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt, Verödung der Orte und Auslastungsdefizite des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).
Eine ganz wesentliche Komponente betrifft den Rückgang von Versorgungseinrichtungen mit Gütern des täglichen Bedarfs. Durch die Abnahme der Bevölkerung, den geringer werdenden allgemeinen Bedarf und die damit einhergehende Unterschreitung von Tragfähigkeitsgrenzen können Einzelhandelsgeschäfte in ländlichen Gebieten nicht mehr gehalten werden und müssen schließen. Aber nicht nur der Kunde selbst ist für diesen Abwärtstrend verantwortlich. Seit den 60er Jahren vollzieht sich in Deutschland sowie in weiten Teilen Europas ein tiefgreifender Strukturwandel, der vor allem verheerende Folgen für die Versorgungsinfrastruktur in ländlichen Gebieten nach sich zieht. Veränderte Angebotsstrukturen und vielfältige Einflüsse von Seiten der Konsumenten und Planer beziehungsweise Politiker führen zu Konzentrationsprozessen der Versorgungseinrichtungen in den zentralen Orten. Öffentliche Anbieter r- / vgl. ZUBER 1996, S. 10)
3
Durch die Rückzugstendenzen des Einzelhandels hat sich vor allem die fußläufige Entfernung zur nächsten Einkaufsmöglichkeit stark verlängert, wobei hier besonders mobilitätseingeschränkte Menschen beeinträchtigt sind. Eine weitere Ausdünnung des Versorgungsnetzes durch die Schließung des letzten Lebensmittelladens oder aufgrund von Konzentrationsprozessen der Postfilialen und der öffentlichen Verwaltungseinrichtungen in kleinen Orten, führt zu einer wesentlichen Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung gegenüber den Verdichtungsräumen und ihrem Umland. Infolgedessen ist die Vorgabe der Raumentwicklungspolitik
et al. 2005a, S. 12) nicht mehr gegeben.
Die Einzelhandelsentwicklung ist ein wesentliches Indiz für die Auswirkungen des demographischen Wandels insgesamt, denn der private Markt strukturiert sich durch Angebot und
und eine Benachteiligung der dort lebenden Menschen zu verhindern beziehungsweise die Standortqualität des ländlichen Raumes zu bewahren, gilt es angesichts des demographischen Wandels und der raschen Alterung der Bevölkerung Alternativen zu dem bisherigen Infrastrukturangebot aufzuzeigen, die der besonderen Situation peripher gelegener Räume entsprechen. Um eine wohnortnahe Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs zu gewährleisten, (erforderlich, die) einen Umdenkungsprozess voraus(setzen), der sich vom Wachstumsgedanken weg und hin zum Umbaugedanken (Umbau bei geringer/rückläufiger Entwicklungsdynamik (beziehungsweise) bei gesamtregionaler Schrump- s- tabswechselvon den Länder- und Landkreis- hin zur Gemeindeebene vorzunehmen. Das Ziel dieser Arbeit ist es demnach, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Einzelhandelsstrukturen im Allgemeinen und insbesondere anhand der saarländischen Gemeinde Freisen darzustellen und zu untersuchen. Nur durch eine detaillierte Vor-Ort-Analyse können die bestehenden Strukturen aufgedeckt und zukunftsorientierte Strategien entwickelt werden, um die Bevölkerung am Ort zu halten und den Teufelskreis zu unterbrechen.
Welche Probleme aber auch Potentiale die Gemeinde Freisen innerhalb des dicht besiedelten Saarlandes aufweist, ob und welcher Handlungsbedarf hinsichtlich der Lebensmittelnahver-sorgung besteht und inwiefern bereits Maßnahmen bezüglich einer abnehmenden und alternden Bevölkerung ergriffen wurden oder noch in Planung stehen, soll im Zuge dieser Arbeit detailliert aufgezeigt werden.
4
1.2 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit
Der demographische Wandel, der gleichzeitig einen gesellschaftlichen Wandel ableitet, stellt als globale Erscheinung keine autonome Entwicklung dar. Er ist vielmehr die Folgerung und der Rahmen sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse (vgl. GANS et al. 2006 1f.). Demzufolge ist es bedeutsam den Betrachtungsmaßstab großräumig anzusetzen, um so in einem ersten Schritt die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklung Europas, jedoch im Besonderen Deutschlands aufzuzeigen (Kapitel 2). Aus diesem Grund sind die wichtigsten Teilprozesse der Fertilität, Mortalität beziehungsweise Alterung, sowie die internationalen Wanderungsprozesse darzulegen, die als Ausgangspunkte die zahlreichen Trends, Facetten und Folgen des demographischen Wandels induzieren (Kapitel 2.1.1). Speziell im ländlichen Raum sind dessen Auswirkungen bereits heute schon spürbar. Welche Veränderungen bereits eingetreten sind beziehungsweise welche zukünftigen Entwicklungen in ausgewählten Lebensbereichen, wie beispielsweise dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, dem Gesundheits-, Verkehrs- und Bildungswesen und hinsichtlich der kulturellen Infrastruktur zu erwarten sind, wird Kapitel 2.2 näher bringen.
Da sich die folgende Ausarbeitung grundlegend auf die durch den demographischen Wandel nachhaltig veränderten Einzelhandelstrukturen im ländlichen Raum bezieht, dient das Kapitel 3 dazu, die gegenwärtige Versorgungssituation, die Ursachen des Strukturwandels im Einzel-handel als auch die Folgen bezüglich der Nahversorgungsstruktur zu beleuchten. Methodisch erfolgt die Bearbeitung innerhalb dieses theoretischen Bezugsrahmens grundlegend durch eine Literatur- und Dokumentauswertung, wobei die jüngsten statistischen Daten und Prognosen insbesondere anhand internetgestütztem Datenmaterial erhoben werden. Da die Lebensmittelnahversorgung die Ausgangsbasis zur Ermittlung kleinteiliger Strukturen innerhalb der nachfolgenden Studie bildet, werden in Kapitel 4 die demographischen Analyseschritte konkretisiert betrachtet und diesbezüglich die saarländische Gemeinde Freisen untersucht. Einführend wird die Kommune mit ihren acht Ortsteilen hinsichtlich der demographischen Rahmenbedingungen, wie der Bevölkerungs-, Siedlungs-, Verkehrs- oder Erwerbsstruktur vorgestellt (Kapitel 4.1), um in einem nächsten Schritt die gegenwärtige Versorgungslage in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel darzustellen (Kapitel 4.2). Die Erhebung des stationären sowie mobilen Angebots erfolgt anhand eines auf die wichtigsten Aspekte gerichteten Kurzfragebogens, der gleichfalls im 4. Kapitel detaillierter vorgestellt werden soll. Ob die Lebensmitteleinzelhändler in der Gemeinde noch eine Nahversorgungsfunktion für die dort ansässige Bevölkerung übernehmen und damit als Frequenzbringer und
5
Kundenmagnet fungieren, ist Ziel dieser Untersuchung, die auf Basis eigener empirischer Erhebungen erfolgt.
Kapitel 4.3 stellt die zentralen und zukunftsorientierten Handlungsfelder und Lösungskonzepte der Gemeinde Freisen dar, die gegenwärtig bereits erfolgreich umgesetzt wurden oder noch in Planung stehen. Innerhalb dieses Arbeitschrittes wurden leitfadengestützte Expertengespräche mit den für die Themenfelder des demographischen Wandels und der Einzelhandelsstrukturen zuständigen Vertretern der Gemeindeverwaltung Freisen durchgeführt. Der ländliche Raum verliert stetig an Bevölkerung, was sich gleichfalls in den Versorgungsmöglichkeiten vor Ort widerspiegelt. Die Konsequenzen des demographischen Wandels betreffen zwar alle Raumkategorien, dennoch ist zwischen den erforderlichen Handlungsansätzen und Lösungsmöglichkeiten stark zu differenzieren und jede Gemeinde individuell zu betrachten. Am Ende dieser Arbeit erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und ein Ausblick auf mögliche Entwicklungen in der Zukunft (Kapitel 5).
2. Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf den ländlichen Raum
Veränderte Lebensbedingungen und medizinische beziehungsweise hygienische Fortschritte bewirken vor allem ab 1950 eine starke Zunahme der globalen absoluten Bevölkerungszahl. Leben zu diesem Zeitpunkt noch circa 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, haben sich die Werte, im zeitlichen Verlauf betrachtet, deutlich geändert. Vor allem die Entwicklungsländer zeigen bei einem Rückgang der Sterberate und gleichbleibend hohem Niveau der Geburtenrate ein rasches Bevölkerungswachstum von 224 auf 906 Millionen Menschen. Auch Lateinamerika verzeichnet beispielsweise ab den 50er Jahren einen Zuwachs von 294 Prozent. Die Industrieländer entwickeln sich hierbei jedoch moderater: Nordamerika nimmt lediglich um 93 Prozent zu, während Europa ein Bevölkerungswachstum von 33 Prozent aufzeigt (vgl. WALLA et al. 2006, S. 15).
Ab den 1970er Jahren vollzieht sich in Europa und den meisten Entwicklungsländern ein gravierender Wandel, dessen Hauptcharakteristikum das Unterschreiten der Geburtenrate unter das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau bildet. Innerhalb dieses langsamen Prozesses, bringt somit jede weitere Generation immer weniger potenzielle Mütter und demnach fortschreitend immer weniger Kinder hervor.
Wie Tabelle 1 zeigt, ist bis 2025 mit einem leichten Bevölkerungsanstieg zu rechnen, während das Jahr 2050 ein Nebeneinander von Wachstum, Stagnation und Schrumpfung inner-
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halb der einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aufzeigt.
Betrachtet man nun die zusammengefassten Geburtenziffern der EU und anderen ausgewählten Staaten (s. Tabelle 2), fällt auf, dass im Zeitrahmen von 1993 bis 2004 in manchen Staaten, wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande oder auch Irland zwar ein Anstieg der Geburtenhäufigkeit zu verzeichnen ist; insgesamt differieren die zusammengefassten Geburtenzahlen im Jahr 2004 zwischen 1,2 und 2,2 und zeigen damit eine beständige Unterschreitung des Bestandserhaltungsniveaus.
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Aufgrund von sozialen und politischen Veränderung weisen neben Griechenland, Spanien und Italien vor allem die mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten Slowenien, Lettland oder beispielsweise Ungarn die niedrigsten Kindervorkommen auf. Zukünftig wird in allen EU-Staaten eine ähnliche Entwicklung erfolgen und die Geburtenhäufigkeit dabei zwischen 1,2 und 1,6 Kindern je Frau pendeln (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 30).
8
Hinsichtlich der Alterung zeigt sich bis 2020 bei der Bevölkerung von 20 bis unter 35 Jahren eine rückläufige Entwicklung bei gleichzeitigem Bevölkerungsanstieg der mindestens 75-Jährigen in ausgewählten EU-Staaten (s. Tabelle 3). Dieser Alterungsprozess variiert hauptsächlich in Abhängigkeit der Geburtenentwicklung und der Lebenserwartung, aber auch auf-grund des zeitlichen Einsetzens dieser Abläufe, was letztlich eine Verschiebung der Werte bewirkt (vgl. GANS 2005, S. 42).
Grundlegend wird sich der Alterungsprozess zukünftig sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern fortsetzen, wobei Erstgenannte durch eine höhere Lebenserwartung langsamer Altern. Europa und Japan zählen zu den Industrieländern, deren Bevölkerung bis 2050 am stärksten altern wird. So wird allein in Europa der Anteil an 60-Jährigen und älteren Menschen etwa 35 Prozent der gesamten Bevölkerung ausmachen, wobei Deutschland hier wiederum eine Spitzenposition einnimmt, wie im folgenden Kapitel zu zeigen sein wird (vgl. WALLA et al. 2006, S. 27).
Diese Veränderungen, die als ´demographischer Wandel` bezeichnet werden, betreffen, wie bereits dargestellt, nicht nur Deutschland, sondern sind ein globales Phänomen. Auch wenn diese im Zeitverlauf betrachtet nur sehr langsam ablaufen, wird der demographische Wandel die Bevölkerungsstruktur bis 2050 maßgeblich verändern. Zu den wichtigsten Einflussgrößen beziehungsweise zusammenhängenden Prozessen gehören folglich die Geburten- und Sterberate beziehungsweise die Veränderung der Lebenserwartung sowie die internationalen Wanderungsprozesse. Durch Wanderungsgewinne beziehungsweise -verluste, auf die hier im globalen Kontext nicht näher eingegangen werden soll, kann der demographische Wandel mit
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seinen ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nur abgeschwächt oder verstärkt werden, aber keine grundlegende Änderung hinsichtlich der künftigen Geburtenhäufigkeit und der Alterung bewirken.
2.1 Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von 1950 bis 2050
Der demographische Wandel zeichnet sich maßgeblich durch Wachstums- und Schrumpfungsprozesse aus. Demnach hat Deutschland seit den beginnenden 50er Jahren mehrere Phasen mit einer ganz unterschiedlichen Bevölkerungsdynamik durchlaufen. Zwar wird schnell deutlich, dass die Bevölkerungszahl zwischen 1950 und 2005 rasant anstieg, wenn man die Werte der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausrechnung heranzieht und hier ein Wachstum von 68,8 Millionen auf 82,4 Millionen Menschen gezeigt wird (vgl. STA-TISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 15). In Bezug auf die Bevölkerungsdynamik Deutsch-lands ist es notwendig, ein detaillierteres Bild nahe zu legen, das sowohl Zusammenhänge als auch Veränderungen anhand jährlicher Abstände verdeutlicht.
Wie in Abbildung 1 dargestellt, lässt sich die Bevölkerung zu einem spezifischen Zeitpunkt am Besten durch eine Bevölkerungspyramide darstellen. Darin werden die Einwohner getrennt nach Geschlecht und den verschiedenen Altersstufen beziehungsweise Bevölkerungsjahrgängen in Form eines Diagramms dargestellt.
Die Gegenüberstellung der Bevölkerungszusammensetzungen aus den Jahren 1910, 1950, 2005 sowie der prognostizierten Bevölkerungsstruktur für das Jahr 2050 lassen erkennen, dass rzauste
ISCHES BUNDESAMT 2006, S. 17) im Jahr 2005, hin zu einer für das Jahr 2050 prognostizierten Urnenform verändert hat. Demh- ISCHES
BUNDESAMT 2006, S. 17) verringern. Innerhalb der nächsten 40 Jahre verändert sich der Altersaufbau der Bevölkerung Deutschlands bereits gravierend. Besonders deutlich treten primär die beiden Einschnitte der mittleren Jahrgänge hervor, die auf Geburtenrückgänge während der Weltkriege sowie der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre zurückzuführen sind. Noch deutlicher zeigt dies das Jahr 2005, das einen höheren Anteil der älteren Frauen gegenüber den Männern aufweist, die insbesondere aufgrund des Zweiten Weltkrieges eine größere Sterberate verzeichnen.
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Obwohl Deutschland bereits seit den 70er Jahren mit der Einführung der Antibabypille und dem darauffolgenden sogenannten Pillenknick ein Geburtendefizit aufweist, schrumpft die Gesamtbevölkerung erst seit 2003, denn bislang konnte das Geburtendefizit durch einen Wanderungsgewinn ausgeglichen werden, auf den später noch näher eingegangen wird. Dies verdeutlicht auch die Grafik des Jahres 2005, die einen sich umkehrenden Trend mit einem Überschuss der älteren gegenüber den jüngeren Jahrgängen aufzeigt.
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Die nach dem Bevölkerungsstand vom 31.12.2005 veröffentlichte 11. koordinierte Bevölke-rungsvorausrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt für das Jahr 2050 nicht nur eine natürliche Bevölkerungsbewegung, die eine Negativentwicklung aufweist, sondern eine gänzliche Veränderung zum Bevölkerungsaufbau von 1910. Die Prognosen werden demnach quantifiziert und aus heutiger Sicht in der Zukunft fortgeschrieben, wobei hier grundlegend die Geburtenrate, die Lebenserwartung und der Wanderungssaldo aufgegriffen wird (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 5).
Je nach Wanderungsgewinnen zwischen 100.000 und 200.000 Menschen pro Jahr, wird das Geburtendefizit drei- beziehungsweise viermal so hoch sein, wie noch im Jahr 2005. Folglich wird die Bevölkerung im Zeitrahmen von 2005 bis 2050 von 82 Millionen auf 69 bis 74 Millionen Einwohner zurückgehen. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung Deutschlands steigt bis 2050 von 42 auf 50 Jahre, wobei es zu einer Verdopplung der älteren gegenüber der jüngeren Bevölkerung kommen wird. Durch die fehlenden Geburten nimmt nicht nur die Anzahl der Erwerbstätigen um circa 22 bis 29 Prozent ab, sondern Deutschland erlebt gleichzeitig einen gesamten Anstieg der 80-Jährigen und älteren Menschen von 3,7 auf 10 Millionen Einwohner im Jahr 2050, so dass hier parallel mit einer Zunahme an Sterbefällen zu rechnen ist (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 5ff.). -zeitlichen Differenzierungsgrad, sodass (durch Wachstum und Schrumpfung als zentrale Bestandteile des demographischen Wandels) ein buntes Nebeneinander von Kommunen und Regionen mit unterschiedlichsten h- ren,aufgrund sinkender Geburtenraten und Wanderungsverlusten zugunsten des Westens, vor allem die neuen Bundesländer Deutschlands als Schrumpfungsregionen, so wird in der nachstehenden Karte (s. Abb. 2) ersichtlich, dass sich die negativen demographischen Auswirkungen nun auch in den alten Bundesländern allmählich bemerkbar machen. Um diese landesweiten Veränderungen jedoch verstehen zu können, ist es unumgänglich einen Blick auf die bisherigen Prozesse innerhalb Deutschlands zu wer Jahre war die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands durch ein außergewöhnlich starkes Wachstum gekennzeichnet. Von 1989 bis 1999 nahm die Bevölkerungszahl von 79,1 Mio. auf e- dochvor allem der Osten nach der Wiedervereinigung Deutschlands große Bevölkerungsverluste hinnehmen musste. Der Westen zeichnet dabei relative Dekonzentrationsprozesse innerhalb der Agglomerationsräume ab bei einem analogen Wachstum ihrer suburbanen Gebiete
12
sowie der ländlich-peripheren Räume. Übergreifend betrachtet nehmen in den 90er Jahren fast alle westlich gelegenen Gemeinden an Wachstumsprozessen teil.
Ein gänzlich anderes Bild lassen die neuen Bundesländer erkennen: Hier zeigt sich bei einem relativen Konzentrationsprozess der Bevölkerung, dass sich suburbane Wachstumszonen nur in geringem Umfang als Ringe um die Kernstädte befinden. Besonders starke Schrumpfungsprozesse müssen dabei die peripheren Regionen als auch die Mittelstädte verbuchen (vgl. SIEDENTOP et al. 2003, S. 26).
Bis zum Jahr 2025 zeichnet die Raumordnungsprognose noch immer den Osten Deutschlands als Verliererregion ab und ein generelles Ost-West-Gefälle tritt klar hervor. Diese bisherige Entwicklung wird sich zukünftig immer mehr verschärfen, so dass, wie in Abbildung 2 präg- e-
13
al. 2003, S. 27) vorherrschen. Dennoch ist nicht allein der Osten von einer weiteren Schrumpfung betroffen, sondern beispielsweise auch Teile des hessischen Raumes, des Ruhrgebiets oder des Saarlandes, die gleichermaßen diese negativen Entwicklungsprozesse betreffen. Hinsichtlich der Indikatoren der Alterung wird in Abbildung 2 deutlich, dass in den wachsenden Gebieten der alten Bundesländer auch die Zunahme an Hochbetagten, also Menschen, die älter als 80 Jahre sind, besonders stark ausgeprägt ist. Obwohl die Alterung der Bevölkerung flächendeckend stattfindet, ist diese Entwicklung in einigen Regionen markanter ausgebildet als in anderen. Demnach zeigen auch die zukünftig schrumpfenden Gebiete vorrangig eine starke Abnahme der Schulpflichtigen (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG 2009, S. 9f.).
2.1.1 Die Gründe für den langfristigen Rückgang der Bevölkerung
Der demographische Wandel ist ein kompliziertes Geflecht von Ursachen- und Wirkungszusammenhängen, wobei seine primäre Entwicklung auf einem tiefgreifenden Gesellschafts-wandel gründet. Obwohl seine maßgeblichen Einflussfaktoren und ihre Intensität räumlich, zeitlich und auch schichtenspezifisch variieren, wie beispielhaft in ländlichen und städtischen Räumen, so ist doch hauptsächlich die Geburtenrate, die Alterung beziehungsweise die Lebenserwartung und der Wanderungssaldo für die vergangene und zukünftige Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands verantwortlich, was im Folgenden ausführlicher betrachtet werden soll (vgl. MERTINS 1997, S.13).
2.1.1.1 Die Geburtenrate
Das reproduktive Verhalten der Menschen resultiert aus der durchschnittlichen Anzahl der geborenen Kinder pro Frau und ihrem jeweiligen Gebäralter beziehungsweise dem Alter der Mutter, in welchem diese ihr erstes Kind zur Welt bringt.
Da das Reproduktionsmuster im ländlichen Raum nur sehr geringfügig von der allgemeinen Entwicklung im gesamten deutschen Bundesgebiet abweicht, werden im Folgenden die generellen Entwicklungstendenzen ab den 50er Jahren dargestellt.
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West- und Ostdeutschland erlebten in den 50er Jahren einen gesellschaftlichen und privaten Wiederaufbau in Folge der Nachkriegszeit. Die gleichzeitig prägenden Kräfte des Wirtschaftsaufschwungs, die eine Konsumwelle folgen ließen, lösten einen wahren Babyboom aus. So wurden bisher aufgeschobene Geburten vor allem in dieser Phase realisiert, so dass
(BIRG 2005, S. 48) anstieg.
Aufgrund politischer Veränderungen und der Bildungsexpansion ab den 60er Jahren trat jedoch ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel ein. Eine normative Verbindlichkeit zur Familiengründung, wie sie als Wirtschaftsgemeinschaft zur Existenzsicherung im 18. und 19. Jahrhundert noch grundlegend war, existiert in der immer moderner werdenden Welt des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Durch die sich neu ergebenden Bildungschancen der Frauen, werden klar definierte Geschlechterrollen in der Familie allmählich durch Individualität und Autonomie aufgelöst. Diese neuen Impulse eröffnen den Frauen von nun an erweiterte Wahlmöglichkeiten bezüglich der eigenen Lebensgestaltung. Durch eine bessere Bildung erhöhen sich in dieser Phase die Erwerbs- und Beschäftigungsmöglichkeiten der Frauen, bei paralleler Neuentwicklung der Lebensformen- und Gemeinschaften.
Sachverhalt, da die Menschen ihre Kinderzahl mit dem steigenden Realeinkommen verrin-aber vor allem die Einführung der Antibabypille bewirkte eine geregelte Nachwuchsplanung. Biologische Zwänge werden nun durch Geburtenkontrolle abgelöst; es kommt zu bewussten zusammengefasste Geburten-(STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 27).
Verlief die Geburtenentwicklung in beiden Teilen Deutschlands bis zu diesem Zeitpunkt relativ identisch, so bildet sich jedoch ab den 70er Jahren ein sehr unterschiedliches Bild ab. Im früheren Bundesgebiet nehmen die Geburtenzahlen weiter bis in die 80er Jahre ab und erreichen damit einen Wert von weniger als 1,3 Kindern pro Frau. Bis 1990 stieg die durchschnittliche Kinderzahl auf 1,45 an und schwankt mit geringfügigen Ausnahmen bis heute um 1,4 Kinder pro Frau (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 27). Die ehemalige DDR hingegen verzeichnete bis 1980 aufgrund umfassender Familienförderungen eine Geburtenrate von 1,94 Kindern je Frau. Bis zum Mauerfall sank die Geburtenhäufigkeit kontinuierlich ab, wobei die Wiedervereinigung mit ihren sozialen Umbrüchen ein weiteres rapides Absinken der Geburtenhäufigkeit nach sich zog und der Wert zwischen 1990
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und 1994 von 1,52 auf 0,77 zurückging. Seit den 90er Jahren stieg die Geburtenrate erneut an und gleicht sich 2004 mit 1,31 dem Wert des früheren Bundesgebietes von 1,37 Kinder pro Frau an (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 28). Grund für die Steigerung der Geburten in den ostdeutschen Ländern sind bekannte Strukturen in der Kinderbetreuung aus DDR-Zeiten, wie beispielsweise Krippen. Trotz wesentlich geringer Einkommen, sind Geburten und die Anzahl von Kinderbetreuungseinrichtungen höher als in den westlichen Bundesländern.
Entscheidend für die bisherige und auch zukünftige Geburtenentwicklung ist jedoch das zu- Auf die30- bis 49-jährigen Frauen entfielen
im Jahr 1960 lediglich 16% der ersten Geburten; im Jahr 2004 waren es bereits fast 50% [...]. (Die Erst- und Folge)geburten finden schwerpunktmäßig zwischen dem 30. und dem 37. Le- STATISTISCHES BUNDESAMT2006, S. 27) Das Hinauszögern der Erst-
geburt bewirkt bei einem bereits vorhandenen Geburtendefizit zukünftig eine weiter sinkende Kinderzahl, da die meisten Frauen, die sich in diesem Alter befinden, kein zweites oder drittes Kind mehr gebären. Für die Geburtenentwicklung bis 2050 greift das Statistische Bundesamt den bisherigen relativ stabilen Trend der letzten 30 Jahre auf und beschreibt aufgrund dessen drei zukünftige Annahmen. Den Prognosen werden dabei folgende Aspekte zugrunde gelegt: Die Geburtenrate der unter 30-jährigen Frauen nimmt weiterhin ab, während diese Entwicklung durch einen Anstieg der Kinderzahlen von Frauen aufgefangen wird, die bereits ihr 30. Lebensjahr überschritten haben. Die alten sowie die neuen Bundesländer gleichen sich künftig immer näher an (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 28ff.).
Setzt sich die Geburtenrate der letzten 15 bis 20 Jahre mit 1,4 Kindern je Frau weitere 20 Jahre fort, bleiben die Geburtenverhältnisse bis 2050, bei einem Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters um circa 1,6 Jahre, konstant. Erfolgt jedoch ein leichter Anstieg der Geburtenhäufigkeit um 1,6 Kinder je Frau bis 2025, erhöht sich zwar das durchschnittliche Gebäralter um ein Jahr, dennoch bleibt auch hier die Geburtenhäufigkeit bis 2050 konstant. Geht die Geburtenrate bis 2050 jedoch auf 1,2 Kinder je Frau zurück, wird dabei nicht nur das Gebäralter um zwei Jahre ansteigen. Gleichfalls wird es demnach auch zukünftig immer mehr kinderlose Familien in Deutschland geben, was einen weiteren Abwärtstrend nach sich zieht (vgl. STA-TISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 33ff.).
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2.1.1.2 Die Alterung der Bevölkerung
Die ´demographische Alterung` bezeichnet ganz allgemein die Entwicklung von einer relativ jungen zu einer relativ alten Gesamtalterstruktur der Bevölkerung bei gleichzeitiger zahlenmäßiger Zunahme der älteren Menschen. Bedingt werden diese Veränderungen vor allem durch die sich überschneidenden Prozesse der steigenden Lebenserwartung sowie des bereits dargestellten Geburtenrückgangs unter das Bestandserhaltungsniveau (vgl. BECKER 2006, S. 6).
Verbesserungen im medizinischen und hygienischen Bereich, optimierte Wohn- und Arbeitsbedingungen, eine gesündere Ernährung und materieller Wohlstand trugen dazu bei, dass in den letzten 130 Jahren eine Verringerung der Säuglingssterblichkeit, mit einem aktuellen Wert von 0,5 Prozent, erreicht werden konnte (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 65).
Betrug die mittlere Lebenserwartung nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2002/2004 noch 75,9 Jahre für Männer und 81,5 Jahre für Frauen, so wird die künftige Lebenserwartung steigen und höhere Werte erreichen. Für das Jahr 2050 geht man von zwei unterschiedlichen Annahmen aus, die sich zum einen auf den kurzfristigen Trend der Sterblichkeitsentwicklung ab 1970 und zum anderen auf die langfristige Entwicklung seit 1871 stützen. Demzufolge beschreibt die erste Prognose einen Anstieg der Lebenserwartung bei Männern um 7,6 Jahre beziehungsweise 6,5 Jahre bei Frauen zum Vergleichszeitraum 2002/2004. Diese Annahme entspricht einer Lebenserwartung bei Geburt von 83,5 Jahren für Männer und 88 Jahren für Frauen. Die zweite Vorausberechnung geht von erheblich höheren Werten aus, die bei Männern die Lebenserwartung um 9,5 Jahre und bei Frauen um 8,3 Jahre steigen lässt. Infolgedessen werden Männer im Jahr 2050 durchschnittlich 85,4 Jahre und Frauen 89,8 Jahre alt, wobei ganz deutlich wird, dass sich die Trends beider Geschlechter immer weiter annähern (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 7).
Dieser Struktureffekt als solches trägt jedoch den kleineren Anteil an der allgemeinen Alterung der Bevölkerung. Sehr viel ausschlaggebender ist dabei die geringe Kinderrate, denn je weniger Geburten hervor gebracht werden, umso schneller altert die Gesamtbevölkerung, da bildet das Verhältnis der Personen im Rentenalter (zurzeit im Alter von 65 Jahren und älter) zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (zurzeit N- DESAMT2006, S. 65). Kamen 2005 noch 32 ältere Menschen ab einem Alter von 65 Jahren auf 100 Erwerbspersonen, so wird sich dieser Altenquotient bis 2030 auf 50 beziehungsweise
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bis zum Jahr 2050 auf 60 bis 64 erhöhen. Genauer betrachtet bedeutet dies: Durch die fehlenden Geburten ist die Bevölkerung in den letzten Jahren rapide gealtert. Anzumerken ist allerdings, dass vor allem aus den 30er Jahren der Nachkriegszeit geburtenstarke Jahrgänge her-vorgingen und nun ein dementsprechend hohes Alter erreicht haben. Bis 2030 wird dabei der Anteil der 65-Jährigen einen Anstieg von derzeit 16 Millionen auf circa 24 Millionen ausmachen und danach langsam wieder abfallen. Die Zahl der 80-Jährigen und älteren Menschen wird jedoch fortdauernd ansteigen und zwar von derzeit 4 Millionen auf 10 Millionen. Die ältere Altersgruppe überwiegt demnach bis 2050 die Gesamtzahl an Menschen der mittleren sowie der jüngeren Jahrgänge und stellt die Mehrheit der Bevölkerung dar (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 6ff.).
Bezüglich des Alterungsprozesses zeigen sich jedoch räumliche Differenzen wie die nachstehende Karte für die regionale Alterung Deutschlands bis 2025 illustriert.
Abb. 3: Die regionale Alterung in Deutschland bis 2025
(Quelle: BUNDESMINISTERIUM FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG 2009, S. 26)
Hierbei wird mit Hilfe des Billeter-Maßes die zukünftige Veränderung der Bevölkerung abgebildet. Innerhalb dieser Momentaufnahme sind mit blauer Farbe all die Kreise markiert, die
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bis 2025 eine überdurchschnittliche Alterung erfahren. Besonders das Ost-West-Gefälle tritt hier hervor, wobei sich die relativ alte Bevölkerung hauptsächlich aus den enormen Wanderungsverlusten junger Menschen ergibt. Verkleinert man den Betrachtungsmaßstab fallen suburbane Räume des Osten mit einer jüngeren Bevölkerung und wirtschaftsschwache, westliche Gebiete mit einer überdurchschnittlich alten Bevölkerung auf, wie beispielsweise die altindustriellen Regionen an Ruhr, Rhein und Saar oder die Verdichtungsräume, Kernstädte und ländlichen Regionen, die ebenfalls Verluste junger Menschen durch Wanderungstendenzen hinnehmen müssen (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR BAUWESEN UND RAUM-ORDNUNG 2009, S. 27u-
- NIESWANDT2000, S. 32) Aber auch Küsten- oder Gebirgsregionen, wie beispielsweise die Alpen, zeichnen sich durch überdurchschnittliche Alterung aus, da sie besonders als Ruhesitz älterer Menschen in Anspruch genommen werden. Von der Alterung weniger stark betroffen sind hingegen suburbane Räume und solche mit höherer Fruchtbarkeit (vgl. BUNDESMI-NISTERIUM FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG 2009, S. 27).
2.1.1.3 Die Wanderungsprozesse
Wie bereits erwähnt, sind für die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands nicht nur die Geburtenrate und die Alterung beziehungsweise die Veränderung der Lebenserwartung ausschlaggebend, sondern gleichfalls der Einfluss der Wanderungen. Die gesamte Bevölkerungsbewegung drückt sich demnach durch den Wanderungssaldo, als Differenz zwischen Zu- und Fortzügen beziehungsweise der Gesamtzahl an Einwanderern minus der Summe an Auswanderern aus.
Seit mehreren Jahren ist das Wanderungssaldo der Bundesrepublik mit nur vereinzelten Ausnahmen positiv, denn es wanderten mehr Menschen nach Deutschland ein als zugleich aus-wanderten. Außenwanderungen lassen sich hauptsächlich mit ökonomischen und ökologischen, politischen oder auch sozialen Ursachen im Herkunftsland aber auch in Deutschland als Zielgebiet begründen. Folglich wanderten in den letzten Jahren vor allem Menschen aus Polen und Russland, Rumänien, Montenegro, Serbien, Italien und der Türkei in die Bundesrepublik ein. Da die Zuwanderer aus dem Ausland durchschnittlich jünger sind als die aus Deutschland fortziehenden Menschen, ergibt sich ein Verjüngungseffekt, der den Altenquo-
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tienten herabsetzt und den Alterungsprozess verlangsamt (vgl. STATISTISCHES BUNDES-AMT 2006, S. 44ff.).
Wie bereits hingewiesen, sinkt die Gesamtbevölkerung Deutschlands seit 2003, denn die enorme Anzahl an Sterbefällen bei parallelem Geburtendefizit kann durch die in den letzten Jahren sinkenden Wanderungsgewinne nicht mehr kompensiert werden. Schreibt man diese Entwicklungen zukünftig fort, droht auf lange Sicht ein weiterer Bevölkerungsrückgang (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 14f.). Ausschlaggebend dafür ist einerseits ein ähnlicher Geburtenrückgang in den Herkunftsländern mit einer weiteren Abnahme junger Menschen im Vergleich zu Deutschland; andererseits ist die Geburtenrate in den meisten osteuropäischen Herkunftsländern noch niedriger als der deutsche Wert. Überdies passen sich die Zuwanderinnen allmählich immer mehr dem deutschen Niveau an, so dass auch ein ursprünglich hohes Geburtenniveau immer weiter sinkt und das Alter der Erstgeburt stetig steigt und demnach auch hier immer weniger potentielle Mütter hervorgehen (vgl. STATISTI-SCHES BUNDESAMT 2006, S. 30).
Definitive Zahlen können für das zukünftige Wanderungsverhalten jedoch nicht abgeschätzt werden. Allein die Tatsache, dass sich sehr wahrscheinlich bis 2011 eine vollständige Arbeitsmarktfreizügigkeit durch die EU-Erweiterung etabliert hat, lässt mit verstärkten, aber nicht endgültigen Zuwanderungsströmen rechnen. Zudem wird es in Entwicklungsländern, wie beispielsweise dem nördlichen Afrika, durch hohe Geburtenraten zu massiven Bevölkerungszunahmen mit entsprechendem Arbeitsplatzmangel kommen. Bis 2050 wird die Bevölkerung in Nordafrika um 63 Prozent, beziehungsweise von 191 Millionen auf 310 Millionen Menschen zunehmen; 50 Prozent der Gesamtbevölkerung wird dabei ein Alter von 36 Jahren unterschreiten. Prognosen gehen infolge des Migrationdrucks nordafrikanischer Länder davon aus, dass für die Wanderungen insbesondere Europa ein Hauptziel darstellt (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 51f.).
Dennoch legt das Statistische Bundesamt zwei Annahmen bezüglich des Wanderungssaldos für den Zeitrahmen von 2006 bis 2050 vor: Die Erste zeigt dabei einen Wanderungsüberschuss von 100.000 Menschen pro Jahr beziehungsweise eine Gesamtsumme von 4,4 Millionen Zuzügen. Die zweite Prognose beläuft sich hingegen auf ein Wanderungssaldo von 200.000 Menschen pro Jahr und dementsprechend eine Gesamtsumme von 8,6 Millionen Zu-wanderern (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 53).
Hinsichtlich der räumlichen Verteilung sind es wiederholt die suburbanen Gürtel der Verdichtungsräume, wobei die Dynamik auch hier einen Ost-West-Gegensatz mit sich führt.
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Während sich die Zuzüge aus dem Ausland hauptsächlich auf die Agglomerationsräume und Kernstädte konzentrieren, partizipiert der ländliche Raum an diesen Wanderungen nur geringfügig. Überwiegend zeichnet sich dieser durch die hohen Wanderungsverluste an Bildungs-und Arbeitsplatzwanderern aus, die bezüglich ihrer Wanderungstendenzen überwiegend auf Verdichtungsräume hin ausgerichtet sind. Peripherräume punkten lediglich hinsichtlich der ´Altersruhesitzwanderer`, die landschaftlich attraktive Räume mit ihrer Erholungs- und Freizeitfunktion bevorzugen. Gesamt betrachtet, bedeutet der weiterhin andauernde Fortzug junger Menschen aus dem ländlichen Raum eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung bei analoger rapider Alterung (vgl. BÄHR 2004, S. 312).
2.2 Die Auswirkungen des demographischen Wandels
Der demographische Wandel mit seinen bereits aufgezeigten Entwicklungstendenzen bis zum Jahr 2050 birgt vielfältige Auswirkungen in sich, die sich gegenseitig beeinflussen und steuern. Problematisch erweist sich dabei nicht nur die inhaltliche beziehungsweise demographische Komponente dieses Wandels, sondern insbesondere die Ausgangssituation der jeweiligen Regionen. Werden im Folgenden hauptsächlich ländliche Gebiete analysiert, so wird auch hier aufgrund differenzierter raumbezogener Auswirkungen zu untersuchen sein, welche Entwicklungen, zu welchen Problemlagen mit welchem Ausmaß führen. Diesbezüglich werden auf den folgenden Seiten die wichtigsten Problemfelder, die der demographische Wandel in sich birgt, angesprochen. Die Auswirkungen sind in ihrer Gesamtheit jedoch so vielschichtig, dass infolge dieser Komplexität auf eine vollständige Darstellung verzichtet wird. Desgleichen soll die Einzelhandelsentwicklung mit ihren Ursachen und umfassenden Folgen vorerst ausgeblendet werden. Diese Betrachtung wird im nachstehenden Kapitel 3 präziser erfolgen.
2.2.1 Die Folgen für die Erwerbstätigkeit
Bis zum Jahr 2050 sind für die Erwerbsstruktur deutliche Veränderungen zu erwarten. Durch signifikante Verschiebungen der Altersgruppen untereinander, wird der Anteil der im Erwerbsalter befindlichen Bevölkerung bei einem aktuellen Stand von 39,9 Millionen im Jahr 2009 drastisch sinken (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2009, o. A.). Je nach Wande-
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rungsgewinnen zwischen 100.000 und 200.000 Menschen pro Jahr, wird das Erwerbspersonenpotential bis 2050 entweder um 29 Prozent oder gemäß eines positiven Zuwanderungssaldos von 200.000 Menschen um 22 Prozent zurückgehen. Dementsprechend werden im Laufe der nächsten Jahrzehnte der Gruppe der erwerbstätigen Bevölkerung immer mehr Senioren gegenüberstehen (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, S. 6ff.).
Besonders der ländliche Raum ist davon stark betroffen, denn überwiegend junge Menschen verlassen die peripheren Gebiete, da sich Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise Universitäten, qualifizierte Ausbildungsstätten oder berufliche Weiterbildungen oft fernab in den Agglomerationsräumen oder Verdichtungsgebieten befinden.
Wie Karte 4 zeigt, wird sich bis 2025 die Zahl der Erwerbspersonen, die jünger als 45 Jahre
zierenden Tätigkeitsbereich und Baugewerbe einhergeht, ergibt sich einerseits ein Fach-
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Doreen Flegel, 2009, Versorgungsnot im ländlichen Raum?, München, GRIN Verlag GmbH
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