Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Die Bindungstheorie nach John Bowlby 3
2.1 Bindungsverhalten 4
2.2 Steuerung des Bindungsverhalten 5
2.3 Arbeitsmodelle 6
2.4 Bindungsmuster 7
2.5 Kommunikation 9
2.6 Stabilität der Bindungsmuster 9
3. Bindungsrepräsentationen im Erwachsenenalter 10
4. Ethnozentrismus 13
4.1 Definition 14
5. Die Beziehung zu den Eltern und ethnozentrische Orientierung 14
5.1 Zusammenhänge zwischen Bindungsrepräsentationen und
ethnozentrischen Orientierungen 15
5.2 Ergebnisse 16
6. Nachwort 21
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit wird sich schwerpunktmäßig mit der Bindungstheorie JOHN BOWLBYS beschäftigen. Zu diesem Zweck sollen zu Beginn der Arbeit die Grundzüge der Theorie erläutert werden. Die Arbeit wird sich mit Bindungsverhalten beschäftigen, um anschließend auf verschiedene Bindungsrepräsentationen einzugehen. Dabei soll deutlich gemacht werden, wie Bindungen entstehen, wie sie ablaufen und welche Faktoren Einfluss auf diese Bindungen haben. Zudem soll aufgezeigt werden, welche Zuordnungsschemen es in verschiedene Bindungsmuster gibt, und wie sich diese definieren.
Des weiteren werden weitere Bindungsrepräsentationen vorgestellt, die sich auf erwachsene Personen beziehen, um anschließend eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Mustern der Kindheit und denen Erwachsener herzustellen.
Damit soll die familien- uns sozialbezogene Relevanz der Beziehungen und Bindungen deutlich gemacht werden.
Darüber hinaus soll in der Arbeit festgestellt werden, inwieweit eine politische Relevanz von Bedeutung ist. Dementsprechend sollen Zusammenhänge zwischen Bindungsrepräsentationen und politischer Orientierung erläutert werden, wobei ein Schwerpunkt auf der Thematik Ethnozentrismus liegen wird.
Der Begriff Ethnozentrismus soll vorangehend d efiniert werden, um anschließend eine Verbindungen zwischen Bindung und politischer Orientierung hervorzuheben. Die Ergebnisse, die in dieser Arbeit präsentiert werden, zeigen sich auf der Grundlage empirischer Studien. In diesem Fall liegt die Hildesheimer Studie den Ergebnissen zugrunde. Vorgänge, Auswertungen oder explizite Beispiele der Hildesheimer Studie sollen in dieser Arbeit jedoch nicht herangezogen werden, da der Rahmen dieser Arbeit eine solche Vorgehensweise nicht zulassen würde. Vorgestellt werden sollen in diesem Zusammenhang nur die Fakten, die als Ergebnisse der Auswertung der Studien präsentiert wurden.
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2. Die Bindungstheorie nach John Bowlby
„Bindung ist die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder Personen, die es beständig betreuen. Sie ist im Gefühl verankert und verbindet das Individuum mit der anderen, besonderen Person über Raum und Zeit hinweg.“ (Ainsworth, 1973)
Der englische Psychoanalytiker JOHN BOWLBY formulierte die Bindungstheorie, die in dem ethologischen (Ethologie = Tierverhaltensforschung) Denken der 50er Jahre entstanden ist, in seinen grundlegenden Werken über „Bindung“, „Trennung“ und „Verlust". In ihnen wird traditionell entwicklungspsychologisches und klinisch-psychologisches Wissen mit
evolutionsbiologischem Wissen verbunden.
„Den Schwerpunkt der Bindungstheorie stellt die Erforschung der Bedingungen dar, die zu unterschiedlichen Organisationsformen von Empfindungen und Gefühlen führen, sowie deren Auswirkung im Lebenslauf eines Menschen.“ (AINSWORTH 1985)
Zentrales Thema ist dabei insbesondere die Bindung zwischen Eltern und Kindern. Betrachtet wird vor allem die Bedeutung früher Bindungen zwischen dem Kind und den Bezugspersonen, die primär für die Pflege und Versorgung zuständig sind. Ausgegangen wird dabei im allgemeinen von dem Verhältnis zwischen Mutter und Kind. Aber auch Bindungen zwischen anderen versorgenden Bezugspersonen spielen dabei eine Rolle. Ob eine Person psychisch gesund aufwächst oder nicht, leitet sich demnach aus der Frage ab, wie sich solche Bindungen zwischen Eltern und Kindern entwickeln und zu welcher Organisation von Bindungen es im Verlauf der kindlichen Entwicklung kommt. Großen Stellenwert in der Bindungstheorie haben vor allem Vernachlässigung, Trennung und Verlusterlebnisse sowie die daraus resultierenden Konsequenzen, die mit solchen Störungen der Eltern- Kind- Beziehung einhergehen.
Es bietet sich eine Betrachtung der Bindungstheorie auf vier verschiedenen Ebenen an: 1. Evolutionsbiologisch wird auch beim Menschen eine angeborene Bereitschaft und Notwendigkeit zur Bindung auf der Grundlage stammesgeschichtlicher
Selektionsbedingungen postuliert (Evolutionsbiologie).
2. Psychologisch variieren die Gegebenheiten bei der individuellen Verwirklichung von Bindung des Kindes an seine Eltern zu Beginn des Lebens. Diese Variationen haben Konsequenzen für das Individuum während des Lebenslaufs (Ontogenese). Untersucht wird die individuelle Verinnerlichung unterschiedlicher Bindungserfahrungen und ihre
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Auswirkungen auf den Umgang mit Gefühlen als Quelle des Erlebens und Schnittpunkt von Erfahrungen.
3. Für eine klinische Bertachtungsweise ist vor allem der Zusammenhang von Bindungserfahrungen mit „zielkorrigierten“ Beziehungen zu anderen Menschen wichtig, wobei deren Motive, Gefühle und Interessen berücksichtigt werden sowie die möglichen Folgen für spielerisches, erkundendes, zielorientiertes und flexibel mit der Wirklichkeit umgehendes Verhalten.
4. Historisch und kulturvergleichend ist von Interesse, wie in verschiedenen Epochen, Kulturen und Gemeinschaften dem angeborenen Bindungs- und Explorationsbedürfnis des Menschen Ausdruck verliehen und Rechnung getragen wird. (GROSSMANN 1989, S. 51 f.)
2.1 Bindungsverhalten
Eine grundlegende Komponente der menschlichen Natur ist die Neigung, starke, emotionale Bindungen zu spezifischen Individuen aufzubauen. Diese Neigung ist schon bei Neugeborenen vorhanden und kommen meist bis ins hohe Alter vor. Diese Bindungen zu Eltern oder Elternersatzfiguren, bei denen die Personen als Kinder Trost, Schutz und Hilfe erfuhren, bestehen meist ununterbrochen bis in das Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter kommt es jedoch in den meisten Fällen zu einer ergänzenden, meist auf heterosexueller Natur beruhenden, Bindung.
Die unterschiedlichen Bindungen zu anderen Menschen bestehen aus sich selbst heraus, bestehen also unanhängig von anderen elementaren Verhaltensdispositionen (Sexualität oder Nahrungsaufnahme), haben jedoch immer eine eigene Überlebensfunktion. Die Funktion des Bindungsverhaltens ist die Gewährleistung des Schutzes vor Gefahren, die das Kind nicht kennt. Das Verhalten entsteht also aus einem Schutz- und Fürsorgeverhalten heraus. Dem Kind wird durch die Bezugsperson ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen gegeben, wenn es unter emotionaler Belastung und erschöpften eigenen Ressourcen auf die
Unterstützung seiner Bindungsperson angewiesen ist.
Neben der Schutzfunktion existieren in Bindungen auch die Verhaltensdispositionen der Nahrungssicherung und der Sexualität.
Innerhalb der Bindungstheorie sind Bindungen der Nahrungsaufnahme und der Sexualität aber weder untergeordnet, noch sind sie aus der Schutzfunktion abgeleitet. Auch wird das Bedürfnis nach Unterstützung und Trost in belasteten Situationen nicht als kindlich betrachtet. Statt dessen wird die Fähigkeit, Bindungen zu anderen Personen aufzubauen, als ein
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grundlegendes Merkmal einer effektiv funktionierenden Persönlichkeit und psychischer Gesundheit betrachtet. 1
Eine wichtige Rolle spielt neben dem Nähe- und Sicherheitssuchen die Exploration eines Kindes, das Erkunden der Umwelt von der Basis der sicherheitsvermittelnden Bindungsperson aus, zu der das Kind bei Gefühlen von Angst oder Gefahr zurückkehrt. Der Drang, die Umwelt erkunden zu wollen oder an bestimmten Aktivitäten teilzunehmen, ist eine typisch menschliche Komponente. Dieses Verhalten wird als antithetisch zur Bindungstheorie angesehen werden, da sich eine Person, die sich sicher fühlt, von der Bindungsfigur erkundend fortbewegt. Fühlt sich die Person durch äußere oder innere Einflüsse verunsichert, spürt sie ein starkes Bedürfnis nach der Nähe zu der Bindungsperson. Kinder über zwei Jahr sind in der Lage diese Distanzregulation aktiv zu beeinflussen. Sind die Kinder jünger, übernimmt die Mutter oder die Bezugsperson die Steuerung der Distanzregulation. In beiden Fällen ist es allerdings von großer Bedeutung, dass die Mutter feinfühlig auf die Signale des Kindes reagiert.
Die elterliche Fürsorge, als eine weitere wesentliche Komponente menschlichen Verhaltens, ist komplementär zum Bindungsverhalten des Kindes. Dieses Verhalten lässt sich schon aus evolutionstheoretischer Sicht erklären, denn die Sicherung der Nachkommen, sichert wiederum die Verbreitung der eigenen Gene. 2
2.2 Steuerung des Bindungsverhalten
Das Bindungsverhalten eines Kindes zeigt sich in einer Klasse von variablen und austauschbaren Verhaltensweisen oder Signalen.
Bowlby geht davon aus, dass es eine große Variationsbreite von kindlichen Signalen, wie weinen, schreien oder festklammern, und angemessener und prompter Zuwendung von der Bindungsperson gibt. Kinder zeigen demnach bestimmte Verhaltensweisen und Signale, wenn die Bindung zu ihrer Bezugsperson getrennt oder gestört wird. Meist kommt es in diesen Fällen zu Anzeichen von Kummer. Kommt es sogar zu langfristigen Trennungen oder zu Verlust, zeigen alle Kinder eine typische Sequenz aus Protest, Verzweiflung und Ablösung von der Bindungsperson. Ein früh erlebter Verlust oder die psychische Unzulänglichkeit der Bezugsperson kann zu deutlichen, individuellen Beeinträchtigungen in der sozial-emotionalen Entwicklung des Kindes führen. 3
1 BOWLBY, 1995: S. 21
2 BOWLBY, 1995 S. 20 ff.
3 GROSSMANN, 1989: S. 59
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Arbeit zitieren:
Silke Brämer, 2002, Die Bindungstheorie angewendet am Beispiel rechtsextremer Jugendlicher, München, GRIN Verlag GmbH
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