Inhaltsverzeichnis
1. Abstract 3
2. Einleitung 4
3. Situation der Kinder in Deutschland und Auswirkungen sozialer
Benachteiligung. 5
4. Kindertagesstätte 8
4.1 Elternarbeit und ihre Schwierigkeiten 9
4.2 „Starke Eltern- Starke Kinder“ 9
5. Das Salutogenetische Modell von Antonovsky 11
5.1 Generalisierte Widerstandsressourcen 12
6. Definition: Resilienz 13
6.1 Zu den Zielen und Strategien der Resilienzförderung 14
6.2 Das Stress- Coping- Modell 15
7. Die „Kauai- Längsschnittstudie“ 17
8. Risiko- und Schutzfaktoren 19
8.1 Personale Ressourcen des Kindes. 21
8.2 Soziale Ressourcen des Kindes 21
9. Resilienzmodelle 22
10. Ansätze der Resilienzförderung in Kindertagesstätten 27
10.1 Beispiel für die praktische Umsetzung der Resilienzförderung in
Kindertagesst ätten 28
10.2 Programm zur Förderung von Resilienz: „I can problem solve“ 30
11. Diskussion 31
12. Fazit und Ausblick 35
13. Literaturverzeichnis 38
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1. Abstract
Soziale Benachteiligung stellt für Kinder eine psychosoziale Belastung dar, die sich nachhaltig auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit auswirkt (Lampert, Schenk& Stolzenberg, 2002).
Das Konzept der Resilienz, dem der salutogenetische, ressourcenorientierte Ansatz zugrunde liegt, beschäftigt sich mit den Bedingungen, die dazu führen, dass sich Menschen trotz widriger Lebensumstände gesund und positiv entwickeln. Durch die Resilienzforschung wurden bereits viele protektive Faktoren identifiziert, die es zu fördern gilt, um Kindern in schwierigen Lebenslagen die Chance auf eine gesunde Entwicklung zu geben (Wustmann, 2004). Da gerade innerhalb der Familien, die einen niedrigen sozioökonomischen Status haben, die Förderung dieser protektiven Faktoren schwierig umzusetzen ist, erscheint die Förderung in Kindertagesstätten sinnvoll, daher gilt es die in dieser Arbeit aufgestellte These: „Resilienzförderung in Kindertagesstätten- eine Chance für sozial benachteiligte Kinder“ zu überprüfen.
In der vorliegenden Arbeit erwartet den Leser 1 eine ausführlich Beschreibung des Resilienzkonzepts, in der vor allem auf die Risiko- und Schutzfaktoren, die verschiedenen Modelle der Resilienz und den Forschungsstand im Allgemeinen eingegangen wird, sowie eine Erläuterung der Möglichkeiten der Resilienzförderung in Kindertagesstätten. Dabei wird speziell auf die Schwierigkeiten in der Umsetzbarkeit des Konzepts eingegangen, die sich hauptsächlich auf ein fehlendes Gesamtkonzept zur Resilienzförderung und auf die verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen, die in Kindertagesstätten vorherrschen, beziehen. Die Realisierbarkeit der Resilienzförderung in Kindertagesstätten wird also kritisch geprüft. Hierbei wird das Ergebnis erlangt, das Resilienzförderung in Kindertagesstätten, vor allem für sozial benachteiligte Kinder, sehr sinnvoll wäre. Sie stellt eine große Chance dar, so dass dringend daran gearbeitet werden muss, ein ganzheitliches Gesamtkonzept zur Förderung der Resilienz bei Kindern zu entwickeln und die Rahmenbedingungen für die Umsetzbarkeit zu schaffen.
1 Zum besseren Textverständnis, wird in der vorliegenden Arbeit ausschließlich in maskuliner Form geschrieben. Selbstverständlich schließt dies immer auch die feminine Form mit ein.
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2. Einleitung
Die Diskussion um den gesundheitlichen Zustand der Kinder in Deutschland ist zunehmend ins öffentliche Interesse gerückt und ist somit auch in den Medien momentan äußerst präsent. Die vor ca. einem Jahr erschienene größte deutsche Studie zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit „KiGGS“ brachte alarmierende Ergebnisse hervor. Sie belegte unter anderem, dass Kinder aus ärmeren Verhältnissen auffallend häufig von Übergewicht, motorischen Defiziten, Krankheiten, Unfällen und psychischen Problemen betroffen sind. Aktuell befasst sich die Bundesregierung mit neuen Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder, bei denen das Ziel „Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig von sozialer Herkunft oder Kulturkreis“ ist. Neben zahlreichen Maßnahmen, sollen nun beispielsweise Kinderärzte angehalten werden, stärker auf die Psyche der Kinder zu achten und auch in Kindergärten soll ein stärkerer Fokus auf die Gesundheitsförderung gelegt werden (Wegener, 2008). Die Förderung von seelischer Gesundheit und der gesunden, altergemäßen Entwicklung von Kindern ist auch das Thema der vorliegenden Arbeit. Zu Beginn, in Gliederungspunkt 3, erwartet den Leser eine ausführliche Darstellung der Situation der Kinder in Deutschland sowie der Auswirkungen von sozialer Benachteiligung, um die Notwendigkeit der Intervention zu verdeutlichen. Im Anschluss wird in Punkt 4 auf die Rolle der Kindertagesstätten eingegangen. In 4.1 wird die Aufgabe der Erzieher, die Eltern zu integrieren, beschrieben. Außerdem wird auf die Probleme, die damit verbunden sein können, eingegangen. Trotz der dargestellten Probleme in der Elternarbeit, schließt dieser Teil in 4.2 mit einem positiven Beispiel zu den Möglichkeiten, die es in der Arbeit mit Eltern gibt.
Danach folgt, im 5ten Gliederungspunkt, ein Überblick über das Salutogenese Modell von Aaron Antonovsky und die Widerstandsressourcen (Punkt 5.1), die daraus hervorgehen, um einen Einstieg in die ressourcenorientierte Sichtweise zu geben, die der Gesundheitsförderung zugrunde liegt. Dies ist außerdem die Überleitung zum Thema „ Resilienz“, welches den Kern der Arbeit darstellt. „Resilienz“, also die psychische Widerstandfähigkeit von Kindern, gewinnt zunehmend an Popularität und beschäftigt immer häufiger auch Kinderärzte und Psychologen. In Punkt 6 wird zunächst eine Definition zu Resilienz gege-
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ben, danach werden in 6.1 die Ziele und Strategien der Resilienzförderung beschrieben. Das Thema „Coping“/Bewältigung ist ein zentraler Gegenstand des Resilienzkonzeptes und wird somit im Anschluss an die Ziele und Strategien der Resilienzförderung, in 6.2 behandelt.
Im 7ten Gliederungspunkt wird der Stand der Resilienzforschung erläutert. Die Kauai- Studie von Emmy E. Werner und Ruth Smith und die daraus hervorgegangenen Ergebnisse werden exemplarisch für eine Vielzahl von Studien, die zu dem Thema „Resilienz“ durchgeführt wurden, erläutert. In den darauf folgendenden Gliederungspunkten wird auf die allgemeine Bedeutung der Risiko-und Schutzfaktoren eingegangen (Gliederungspunkt 8.); danach folgt eine differenzierte Darstellung der personalen und sozialen Ressourcen des Kindes (Gliederungspunkt 8.1 und 8.2), welche einen großen Stellenwert in dem Konzept der Resilienz einnehmen. Die Wirkungsmechanismen der Risiko- und Schutzfaktoren werden danach in einigen bedeutenden Resilienzmodellen in Punkt 9 erläutert. Zum Abschluss dieses Abschnitts wird das Rahmenmodell der Resilienz vorgestellt, welches die Komplexität der Resilienz auf verständliche Weise darstellt. Die These, die diese Arbeit vertritt lautet: „Resilienzförderung in Kindertagesstätten- eine Chance für sozial benachteiligte Kinder“. Mit Hilfe der forschungstheoretischen Grundlagen werden im 10ten Abschnitt die allgemeinen Ansätze der Resilienzförderung in Kindertagesstätten beschrieben; mit praktischen Beispielen zur pädagogischen Umsetzung der Resilienzförderung im Setting Kindertagesstätte in 10.1 und 10.2 schließt dieses Thema. In der anschließenden Diskussion, im 11ten Gliederungspunkt, wird das Konzept der Resilienzförderung und die Umsetzbarkeit im pädagogischen Kontext kritisch betrachtet. In Punkt 12 wird das Fazit/ ein Ausblick gezeigt.
3. Situation der Kinder in Deutschland und Auswirkungen sozialer Benachteiligung
Die Tatsache, dass immer mehr Kinder in unserer Gesellschaft von Armut betroffen sind, wird sowohl im ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, als auch in den letzten Kinder- und Jugendberichten deutlich gemacht (Lampert, Saß, Häfelinger&Ziese, 2005). Wie die folgende Grafik zeigt, sind in Deutschland mittlerweile 10, 2% der Kinder von Armut betroffen.
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Relative Armut ( weniger als 50 % des Medianeinkommens) von Familien
(Bertram, 2006)
Die Armutsproblematik ist für die vorliegende Arbeit von zentraler Bedeutung, da sie erhebliche Entwicklungsrisiken und eine starke Beeinträchtigung des kindlichen Wohlbefindens darstellt (Zander, 2008). Soziale Benachteiligung bedeutet in diesem Kontext ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren, durch die die Lebenswelt des Kindes beeinträchtigt wird. Ein niedriger sozioökonomischer Status ist ein Indikator für soziale Benachteiligung. Dieser geht oft mit Armut, schlechten Wohnverhältnissen, sowie geringen Bildungschancen und Ausgrenzung einher. Diese äußeren Bedingungen ziehen häufig psychische Erkrankungen der Bezugsperson(en) sowie Unerwünschtheit und Vernachlässigung des Kindes nach sich, da die Erfüllung der psychischen Grundbedürfnisse des Kindes von der Interaktion mit seiner Bezugsperson abhängig ist und diese Interaktion durch die Lebensumstände mitbestimmt wird (Schlack, 1998). Es besteht also ein Zusammenhang zwischen niedrigem sozioökonomischem Status bzw. Armut der Familie und einer schlechten seelischen und körperlichen Gesundheit des Kindes. Es wird unter anderem durch die Rochester- Langzeitstudie belegt, dass die intellektuelle Entwicklung des Kindes entscheidend vom sozioökonomischen Status der Fa-
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milie abhängt, außerdem wird auch die Möglichkeit der Kompensation von biologischen Entwicklungsrisiken bedeutend von einem niedrigen sozioökonomischen Status beeinträchtigt, wie um Beispiel die Züricher Längsschnittstudie zeigt. Schlack (1998) betont also mehrfach, dass Kinder aus niedrigen sozialen Schichten in vielfacher Weise in ihrer Entwicklung gefährdet sind. In ihrem „Konzept zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ haben Ettischer, Lehmann und Meyer (2001) einige problematische Gegebenheiten zum Thema dargestellt. Hieraus geht hervor, dass viele Kinder unter zehn
Jahren bereits unter zahlreichen Gesundheitsstörungen und Defiziten leiden. Vor allem im Kleinkindalter bzw. bei Kindern im Vorschulalter nehmen Entwicklungs- und Gesundheitsrisiken zu. Es fällt auf, dass die Kinder starke Defizite im Bezug auf Ausdauer, Körperkraft und Koordination aufweisen. Als häufigste Ursache für Mortalität und Morbidität werden Unfälle genannt, was allerdings auch mit den Wohnverhältnissen und dem Wohnumfeld zusammenhängt, welches gerade bei den niedrigen sozialen Schichten häufig nicht kindgerecht ist. In der unteren sozialen Schicht ist die Mortalitätsrate durch Unfälle zwei bis drei Mal höher als bei Bessergestellten (Schlack, 1998). Außerdem werden häufig Über- oder Untergewicht und Haltungsschäden diagnostiziert (Ettischer et al., 2001). Früherkennungsuntersuchungen werden bis zur U5 relativ gut wahrgenommen, danach sinkt die Inanspruchnahme jedoch stark. Die Teilnahmerate der Kinder in den alten Bundesländern lag 1993 für die U3 bei 96,1% und für die U9 nur noch bei 75,2% (Altenhofen, 2001). Die Früherkennungsuntersuchungen und auch andere präventive Angebote werden nicht ausreichend genutzt.
Schlack (1998) begründet diese Gegebenheit in den unteren sozialen Schichten mit dem schlechten Bildungsstand der Eltern.
Für die Thematik der Bachelor-Arbeit ist es vor allem interessant, dass psychosoziale Befindlichkeitsstörungen, also Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen und das Stressempfinden bei den Kindern zunehmen (Ettischer et al., 2001). Repräsentative Studien zeigen, dass im Durchschnitt 10- 12% der Kinder im Grundschulalter an psychischen Störungen im Leistungs-, Wahrnehmungs-, Gefühls-, und Kontaktbereich leiden (Schlack, 1998). Den zentralen Einfluss der psycho-sozialen Faktoren auf die geistige und seelische Ent-
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wicklung von Kindern und deren Bedeutung für die Gesundheit hat Schlack (1998) eindringlich dargestellt.
4. Kindertagesstätte Begriffsdefinition:
„[Der Begriff] Kindertagesstätten [oder] Kindertageseinrichtungen, [ist eine] Sammelbezeichnung für familienergänzende und -unterstützende Einrichtungen zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern, in denen Kinder verschiedener Altersstufen regelmäßig, zum Teil ganztägig betreut werden. Die Kindertagesstätten umfassen u. a. Kindergärten, Kinderkrippen (für Kinder unter drei Jahren, in der Regel ganztägig geöffnet) und Kinderhorte (für schulpflichtige Kinder; v. a. im Grundschulalter). Die Gruppen bestehen zumeist aus drei Altersjahrgängen“ (Meyers Lexikonverlag, 2007). Den Kindertageseinrichtungen kommt eine wichtige Rolle in der familienergänzenden Förderung der gesunden Entwicklung des Kindes zu. Ein wesentlicher Teil der kindlichen Sozialisation findet in den Kindertagesstätten statt, so dass durch eine frühzeitige, altersgerechte, der Lebenswelt des Kindes angepasste Förderung gute Chancen für die Prägung von sozialen Kompetenzen und auch einer gesundheitsförderlichen Lebensweise des Kindes bestehen (Meyer-Nürnberger, 2001; Tietze, 2008). Zudem, erklärt Meyer- Nürnberger (2001), wird über eben diese Einrichtungen ein Großteil der Kinder im Vorschulalter erreicht, was zu einer besonderen Verantwortung für die Förderung der gesunden Entwicklung der Kinder beiträgt. Für das Jahr 2013 ist es vorgesehen, dass alle Kinder im Krippenalter einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Einrichtung haben, was die Erreichbarkeit der Kinder noch steigern wird (Scheerer, 2008; Tietze, 2008). Das Ziel der Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen ist es, die Kinder zu eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Personen zu erziehen, so wie es in § 22 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes festgelegt ist (Thomas, 2004) . Dieses Ziel ist gleichzeitig die Voraussetzung für die Entwicklung gesundheitsförderlichen Verhaltens der Kinder. Da den Kindertageseinrichungen, wie eben erwähnt, eine familienergänzende Rolle zukommt, ist es besonders wichtig die Eltern mit in das Geschehen einzubeziehen.
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Arbeit zitieren:
Cornelia Hundertmark, 2008, Gesundheitsförderung für Kinder - Resilienzförderung in Kindertagesstätten, München, GRIN Verlag GmbH
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