Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
Problemstellung 2
Einleitung 2
Was ist Falsifikation? 2
Radikale Falsifikation 4
Das Aufkommen eines Problems 4
Ist die Idee der Falsifikation zu verfahren? 4
Schlussgedanken 6
L ösungsversuch von Neurath 6
Pers önliches Resümee 7
Literaturverzeichnis 8
Literaturverzeichnis 8
Literaturverzeichnis 8
Vorwort
Der nachfolgende Essay ist in einem lockeren Stil geschrieben und beinhaltet für Essays typische Ich‐ Formulierungen so wie etwas weniger Zitate (als bei Hausarbeiten üblich). Ich habe mich nur bis zu einem gewissen Maße an gewisse Texte gehalten und behandle das Thema eher frei, von einer subjektiven, reflexiven Art und Weise. Es handelt sich also bei diesem Essay definitiv nicht um eine Textanalyse, die Kritik eines Werkes oder der speziellen Untersuchung einer gewissen Textpassage. Vielmehr ist dieser Essay der Versuch einer eigenen Ausarbeitung eines Problems und die Festhaltung von Fragen und Lösungsversuchen. Dies erfolgt mithilfe von Zitaten und Sekundärliteratur, bleibt aber ständig ein sehr freier Text mit einigen subjektiven Meinungsäußerungen.
Problemstellung
Einleitung
Karl Popper, der 1902 in Wien geboren ist (und 1994 in London gestorben), gilt als der Begründer und Vertreter des kritischen Rationalismus. Seine Logik der Forschung (1934) ist sein erkenntnistheoretisches Hauptwerk. Er charakterisiert darin empirische Wissenschaft über das Abgrenzungskriterium der Falsifizierbarkeit und vertritt den Standpunkt, dass sie die Falsifikation als Methode anwenden sollte.
Obwohl Karl Popper mittlerweile als einer der bedeutendsten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts gilt, hat er, wie ein jeder Philosoph, stets auch Kritiker gehabt. Besonders die grundlegende Forderung an die Wissenschaft und deren Theorien, sie sollten „falsifizierbar“ sein, werfen Fragen und Probleme auf, mit denen ich mich im Folgenden beschäftigen werde. Ich werde hierzu insbesondere die Logik der Forschung 1 als Ausgangspunkt für die Diskussion nehmen, aber auch der Wiener Kreis Kritiker Otto Neurath wird in der Erörterung mit einfließen. Was ist Falsifikation?
Natürlich kann ich nun nicht die komplette und vollständige Erklärung geben, was Popper mit „Falsifikation“ meint - schließlich widmet er ja praktisch ein ganzes Werk diesem Thema. Deswegen hier der Versuch, einen Grundriss zu erstellen:
Für Popper ist es nicht wichtig, dass man wissenschaftliche Theorien verifizieren, sondern falsifizieren kann. Die Verifikation spielt deswegen keine Rolle, da sie nie konkret beweisbar, deduktiv ableitbar oder wirklich vertretbar ist.
Wissenschaftliche Theorien müssen, nach Popper, falsifizierbar sein. Dies bedeutet, sie müssen im Nachhinein widerlegt werden können. Es ist nicht von Nöten, dass sie je falsifiziert werden, sondern es ist einfach nur wichtig, dass sie so formuliert sind, dass sie prinzipiell, zuerst rein theoretisch, falsifiziert werden können. Werden sie nicht falsifiziert, so können sie sich immer noch „bewähren“,
1 Siehe dazu den Eintrag im Literaturverzeichnis. Ferner werde ich, wenn ich aus der Logik der Forschung von Popper zitiere, nur noch die Abkürzung LdF benutzen. 2
Radikale Falsifikation
Das Aufkommen eines Problems
Wieso kann man Poppers Falsifikation als zu extrem sehen? Nun, diese Frage zu beantworten fällt nicht schwer. Sieht man sich nämlich die Grundstrukturen der Idee der Falsifikation an, so merkt man schnell, wieso die Falsifikation nicht immer so einfach ist, wie sie scheint. Nehmen wir die Grundstruktur eines jeden wissenschaftlichen Problems. In der Regel ist es so, dass es zwei Theorien gibt, die versuchen ein und das gleiche Phänomen zu beschreiben und zu begründen. Beide sind, laut Popper, so lange gleichwertig, bis eine von beiden falsifiziert wird. Doch hier liegt bereits ein Problem vor: Wenn eine der beiden Theorien nun falsifiziert wurde, ist es dann notwendig, dass die andere richtig ist, bzw. als zu akzeptieren gilt? Logisch gesehen nicht, da eine unendliche Vielzahl an anderen Theorien möglich ist, die das gleiche Phänomen behandeln, und ebenfalls als wahr oder falsch gesehen werden können.
Apropos wahr und falsch: Hier ist Popper sich bei seiner Falsifikation auch nicht ganz einig, ob er die Begriffe benutzen soll oder nicht. „Und auch von den Basissätzen brauchen wir nicht zu sagen, sie seien ›wahr‹ oder ›falsch‹ sondern wir können ihre Anerkennung als konventionellen Entschluß interpretieren und die anerkannten Sätze als Festsetzungen.“ (LdF, S. 262) Haben wir hier eine Falsifikation ohne Falschheit? Wie soll man sich das vorstellen? Popper gibt da keine expliziten Erklärungen. Der Paragraph 84 versucht zwar, diese Begriffe zu erklären, doch endet es meiner Meinung nach in ein diffuses Begriffe‐Raten, welchem es an Definitionen und klarer Stellungnahme Poppers fehlt.
Ist die Idee der Falsifikation zu verfahren?
Sicherlich merkt man, dass Popper sich an der Idee der Falsifikation festzuklammern versucht. Natürlich bedeutet dies auch nicht, dass diese Idee an sich komplett zu verwerfen ist. Doch manchmal scheint es so, als ob das Ganze plötzlich so verfahren wäre, dass sie der Wissenschaft nicht hilft, sondern sie eher auf wackeligen Beinen dastehen lässt.
Dies kann man auch daran erkennen, wie Popper Theorie und Experiment unterscheidet, bzw., worin er die Aufgabe des Experimentes sieht:
„[…], so ist es doch immer wieder das Experiment, das uns davor bewahrt, unfruchtbare Wege zu verfolgen, das uns hilft, ausgefahrene Geleise zu verlassen und uns vor die Aufgabe stellt, neue zu finden.“ (LdF, S. 256)
Man muss sich der Gewichtigkeit dieser Aussage erst einmal bewusst werden! Popper sagt im Prinzip Folgendes: Eine wissenschaftliche Hypothese beruht immer zunächst auf einer Theorie, das Experiment folgt der Theorie und dient zur eventuellen Falsifikation der Theorie.
Doch was ist hier die Konsequenz für die Wissenschaft? Entspricht diese Ansicht von Wissenschaft überhaupt dem normalen Konsens der Menschen? Eigentlich nicht, müsste man behaupten. Denn üblicherweise nimmt man doch nicht an, dass wissenschaftliche Hypothesen mit der Theorie, das heißt mit dem bloßen, abstrakten Theoriegebilde, beginnen. Im Regelfall muss man nämlich sehen, dass die Wissenschaften von Beobachtungen, also Experimenten, ausgehen und aufgrund der Basis jener ihre Theorie aufstellen! Oder muss man annehmen, dass Isaac Newton erst die Theorie der
4
Siehe Abbildung 2 (Dreher & Dreher, 2002‐2009) 5 .
Nach Popper steigt der wissenschaftliche Fortschritt konstant, erreicht aber nie die Perfektion. (In unserer graphischen Repräsentation übernimmt den Wert 4 und 4 repräsentiert somit die ul‐ timative Erkenntnis, die Wahrheit in der Wissenschaft. Dieser Wert wird aber in dieser Funktion nie erreicht.)
Popper schlägt also eine Wissenschaft vor, die nie korrekt ist. Die Wissenschaft ist laut Popper immer inakkurat (da sie, wie in unserem Beispiel den Wert 4, die Perfektion, nie erreicht). Dass das nicht gerade ein ideales Bild von Wissenschaft ist, kann man somit leicht einsehen.
Schlussgedanken
Lösungsversuch von Neurath
Natürlich hatte Popper, wie bereits erwähnt, Kritiker. Aufgrund der Radikalität seiner These der Falsifikation hatte er besonders im Wiener Kreis 6 einige Gegner, die zwar schon mal aus Prinzip gegen alles waren, was Popper sagte, aber auch einige sehr richtige Punkte aufzeigten. Als größter Kritiker zeigt sich hier Otto Neurath, welcher eben die Auffassung vertritt, die Falsifikation sei zu extrem. Er plädiert eher für den Terminus der „Erschütterung“, welcher nicht so radikal wie die Falsifikation sei:
„Durch die Wahl der Termini »Bewährung« und »Erschütterung« vermeiden wir von vorneherein den logischen Absolutismus, der sich hinter Redewendungen wie »Verifikation« oder »Falsifikation« (Feststellung eines Fehlers) verbirgt. Man siehe hiezu Karl Popper. Denn abgesehen vom »Absolutismus der Gewißheit« implizieren diese Formulierungen auch einen »Absolutismus der Genauigkeit«.“ (Neurath, 1936)
Neurath versucht anstelle der Falsifikation die Erschütterung in die Wissenschaftstheorie einzuführen. „Wir stellen die Erschütterung neben die Bewährung, und bemühen uns, jede in ihrer Art möglichst explizit von Fall zu Fall darzustellen.“ (Neurath, 1935)
Die Erschütterung ist nicht so extrem und radikal wie die Falsifikation. Wenn eine Theorie sich bewährt hat, kann sie erschüttert werden (z.B. durch neue Erkenntnisse oder widerlegende Experimente), ist damit aber nicht als komplett falsch gewertet. Vielmehr muss versucht werden, die Theorie soweit hingehend anzupassen, als dass sie standhält. Sie wurde erschüttert, aber nicht zertrümmert.
5 Die hier zitierte Quelle ist auch im Literaturverzeichnis enthalten, wobei es sich hier weniger um Literatur als um Computersoftware handelt. Das zitierte Programm kann als Shareware umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden.
6 Der Wiener Kreis war eine Gruppe von Philosophen und Wissenschaftstheoretikern, die sich von 1922 bis 1936 unter der Leitung von Moritz Schlick wöchentlich in Wien trafen. Bekannte Mitglieder waren Rudolf Carnap, Otto Neurath, Herbert Feigl, Philipp Frank, Victor Kraft, Friedrich Waismann und Hans Hahn. (Stadler, 1997) 6
Persönliches Resümee
Wir haben also (ungefähr) gesehen, was Karl Popper unter Falsifikation versteht und wie er damit versucht, wissenschaftliche Theorien zu revolutionieren. Es geht nicht mehr darum, dass in der Wissenschaft nach Wahrheit gesucht wird, oder dass Experimente eine Theorie unterstützen, sondern es geht um das genaue Gegenteil. Theorien müssen falsifiziert werden und Experimente helfen hierbei.
Doch habe ich versucht zu zeigen, dass diese Falsifikation vielleicht etwas zu extrem ist und die Radikalität lässt sich sehr gut anhand ein paar Beispielen aufzeigen. Zum einen macht Popper eine strikte Einteilung in die Kategorien von „verifiziert“ und „falsifiziert“, bzw. wahr und falsch, was er dann aber wieder später (in gewissem Maße) zurücknimmt (er bleibt nicht konsequent). Dass man Wissenschaftstheorien aber nicht immer einfach nur den Stempel der Falschheit aufdrücken kann, erscheint klar: Wissenschaftliche Theorien sind komplex, sie können zu einem gewissen Grad nicht adäquat sein, aber nie als komplett zu verwerfend gelten.
Zum anderen hätte man aufgrund der Falsifikation keinen wissenschaftlichen Fortschritt zu verzeichnen, da man nie eine Theorie hat, welche der Wahrheit entspricht. Man kann sich der Wahrheit annähern, wird sie aber nie erreichen. Und da, dank dem popperschen System, ja jede Theorie falsifiziert werden muss, werden wir uns auch nicht einer perfekten Theorie annähern, da sie ja jedes Mal durch eine komplett andere ersetzt wird.
Kritiker wie der Wiener Kreis, insbesondere Otto Neurath, bemängeln eben diese Radikalität bei Popper und schlagen als Gegenbeispiel das wage formulierte Bewährung und Erschütterungssystem vor. Die Erschütterung soll eine Theorie nur etwas aus dem Gleichgewicht bringen, sie aber nicht komplett über den Haufen werfen. So kann an der Theorie weiter gearbeitet werden, bis sie der Erschütterung standhält.
Ich persönlich denke, dass das System von Popper durchaus seine interessanten Punkte hat. Es ist äußerst wertvoll, und seine Bedeutung in der Philosophiegeschichte ist unbestritten. Allerdings ist Popper nicht konsequent genug und hat vielleicht auch einige unausgesprochene Gedanken nicht zu Papier gebracht. Es ist aufgrund dessen, dass man seine postulierte Falsifikation zwiespältig betrachten muss und man sich nicht hundertprozentig auf sein System stützen kann, wenn es um Wissenschaftstheorien geht.
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Literaturverzeichnis
Dreher, G., & Dreher, H.‐J. (2002‐2009). AniGra: Animierte Funktionsgraphen. Zell am Harmersbach, Deutschland.
Miller, D. (2007). The Objectives of Science.
http://www2.warwick.ac.uk/fac/soc/philosophy/staff/miller/poincare.pdf: Philosophia Scientiæ 11 (1).
Neurath, O. (1936). Die Enzyklopädie als »Modell«. In M. Stöltzner, & T. E. Uebel (Hrsg.), Wiener Kreis: Texte zur wissenschaftlichen Weltauffassung von Rudolf Carnap, Otto Neurath, Moritz Schlick, Philipp Frank, Hans Hahn, Karl Menger, Edgar Zilsel und Gustav Bergmann (S. 375‐395). Leipzig: Meiner.
Neurath, O. (1935). Pseudorationalismus der Falsifikation. In M. Stöltzner, & T. E. Uebel (Hrsg.), Wiener Kreis: Texte zur wissenschaftlichen Weltauffassung von Rudolf Carnap, Otto Neurath, Moritz Schlick, Philipp Frank, Hans Hahn, Karl Menger, Edgar Zilsel und Gustav Bergmann (S. 454‐468). Leipzig: Meiner.
Popper, K. R. (1934). Logik der Forschung. Tübingen: Mohr Siebeck. Stadler, F. (1997). Studien zum Wiener Kreis. Frankfurt (Main): Suhrkamp. Wissenschaft. (2002). Abgerufen am 1. März 2010 von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft
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Arbeit zitieren:
Philippe Schannes, 2010, Ist die Poppersche Falsifikation zu extrem?, München, GRIN Verlag GmbH
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