Der gestaltpsychologische Ansatz Karl Dunckers zum produktiven Denken
Stefanie Gmerek
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Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 3
Einleitung 4
1 Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie 5
2 Die Lebensgeschichte Karl Dunckers 6
3 Die Etablierung der Denkpsychologie 9
4 Karl Dunckers Untersuchungen zum produktiven Denken 10
4.1 Die Bestrahlungsaufgabe 10
4.2 Die Schachtelaufgabe 12
5 Das Aus der Gestaltpsychologie ? 13
Literaturverzeichnis 15
Anhang 16
Im Zentrum dieser Arbeit stehen Leben und Wirken des Gestaltpsychologen Karl Duncker, der die moderne Kognitionspsychologie mit seinen Untersuchungen zum produktiven Denken maßgeblich beeinflusste. Ausgehend von der historischen Entwicklung der Gestaltpsychologie werden die Ansichten der Berliner Schule, deren zweiter Generation auch Duncker angehört, umrissen. Neben der Thematisierung der Biographie des Gestaltpsychologen werden auch die Ursprünge der Denkpsychologie sowie zwei der von Duncker durchgeführten Experimente zum einsichtigen Problemlösen dargestellt. Abschließend wird die Gestaltpsychologie aus heutiger Sicht betrachtet.
Der gestaltpsychologische Ansatz Karl Dunckers
zum produktiven Denken
„Gestaltpsychologisch denken heißt, ganzheitlich denken“ (Stock & Stock, 2003, S.18). Mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Ganzen und seinen Teilen greift die Gestaltpsychologie eines der ältesten philosophischen Probleme der Menschheit auf. Zentrale Maxime der zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Gestaltpsychologie ist der bereits seit der griechischen Antike bekannte Satz von Aristoteles (384-322 v. d. Z.) „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ (zitiert nach Stock & Stock, 2003, S. 18). Aus gestaltpsychologischer Sicht sollte von der Ganzheit der Erscheinung ausgehend zu den einzelnen Teilen hin analysiert werden und nicht umgekehrt. Damit stellt die Gestaltpsychologie einen Gegenpol zu dem damals in der Experimentalpsychologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts vorherrschenden Elementarismus dar. Dem
elementaristischen Ansatz zufolge sind psychische Erscheinungen aus Einzelelementen zusammengesetzt und daher im Forschungsprozess elementar zerlegbar (Stock & Stock, 2003).
Christian von Ehrenfels (1859-1932), der den Begriff der Gestalt Ende des 19. Jahrhunderts in die Psychologie einführte, versteht darunter eine „seelische Ganzheit, die sich durch Übersummativität und Transponierbarkeit auszeichnet (Tholey, 1999, S. 249). Mit dem Übersummativitätskriterium greift von Ehrenfels Aristoteles` Idee wieder auf und ergänzt sie, indem er behauptet, dass das Ganze nicht nur mehr sondern auch anders als die Summe seiner Teile ist. Eigenschaften, die nur am Gesamtkomplex einer Gestalt, jedoch nicht an dessen Einzelteilen erkennbar sind, bezeichnet von Ehrenfels als Gestaltqualitäten (Fitzek & Salber, 1996). Nach dem Kriterium der Transponierbarkeit bleibt das Prinzip der Gestalt trotz Veränderung seiner Einzelteile erhalten. Als Beispiel dient laut von Ehrenfels die Melodie: Sie lässt sich nicht aus der Summe ihrer einzelnen Töne erklären und ist daher übersummativ. Auch kann sie trotz Änderung aller Einzeltöne (wie beim Wechsel der Tonhöhe) erhalten bleiben und ist demzufolge transponierbar. Von Ehrenfels` Ideen, die bereits mehr als 20 Jahre vor der eigentlichen 1912 gegründeten Gestalttheorie entstanden, gelten als gemeinsamer Ausgangspunkt der Gestalt-und Ganzheitspsychologie (Fitzek & Salber, 1996). Auf Christian von Ehrenfels berufen sich die verschiedenen gestaltpsychologischen Schulen - die Gestaltpsychologie in Graz, der auch er angehört, die Frankfurter oder Berliner Schule der „Gestalttheorie“, sowie die Leipziger Schule der „Genetischen Ganzheits- und Strukturpsychologie“. Während die Ganzheitspsychologie überwiegend von emotionstheoretischen Fragen ausging, beschäftigte sich die Gestalttheorie stärker mit der Wahrnehmungspsychologie. Der Begriff „Gestaltpsychologie“ wird meist gleichgesetzt mit der auf Wertheimer zurückgehenden
Berliner Schule der Gestalttheorie. Auf diese soll auch im Folgenden eingegangen werden, da sie sich „durch die Radikalität ihrer Grundannahmen sowie den erzielten Wirkungsgrad. . . auszeichnet“ (Tholey, 1999, S. 249). Dabei wird vor allem das Leben und Wirken des, in Abbildung 1 dargestellten Gestaltpsychologen Karl Duncker beleuchtet, der mit seinen Untersuchungen zum produktiven Denken einen Meilenstein in der kognitiven Psychologie legte.
1 Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie
Max Wertheimer (1880-1943), der zunächst in Frankfurt, später in Berlin wirkte, gilt mit seinen Untersuchungen über das Bewegungssehen und seinen Analysen des sogenannten „Phi-Phänomens“ als Begründer der Gestaltpsychologie (Städtler, 2003). Entscheidend waren auch Arbeiten von Wolfgang Köhler (1887-1967), Kurt Koffka (1886-1941) und später auch die Werke Kurt Lewins (1886-1947). Zusammen werden diese Forscher als die Hauptvertreter der Berliner Schule der Gestaltpsychologie angesehen. Sie versuchte folgende wissenschaftliche Prinzipien miteinander zu verbinden: ganzheitliches Denken (entsprechend dem oben benanntem Übersummativitätskriterium), phänomenologische Ausgangssituation (von den Erscheinungen zum Wesen vordringen), Experimentalmethodik (empirische Analyse der psychischen Phänomene) und psychophysische Isomorphie, die ein Suchen nach organismischen Grundlagen des Psychischen impliziert (Lück H. & Miller, R., 2005). Von methodologischer Bedeutung war auch die von den Gestaltpsychologen praktizierte Verbindung von qualitativen und quantitativen Methoden. Man spürte sofort, hier war der Versuch im Gange, eine von Grund auf neue Psychologie aufzubauen . . . . Es war eine Psychologie, die auf dem Wege war in die Wunder des Seelenlebens einzudringen, ohne sie dabei zu zerstören oder wenigstens ohne das Wesentliche daran zu leugnen und wegzuerklären. (Metzger, 1999, S. 99 f.) Wertheimer, durch den sich die Lehre von den „Gestaltqualitäten“ erst zur „Gestalttheorie“ entwickelte, behauptete dass im Bewusstsein Ordnungsgefüge hervorträten, die nur als Ganze aufzufassen sind. Diese ganzheitlichen Ordnungsgefüge bezeichnete er als „Gestalten“ (Schönpflug, 2000). Er ging über seinen Lehrer von Ehrenfels hinaus, da seiner Ansicht nach jeder Teil durch die Einbettung in das Ganze modifiziert ist und somit neue, wesentliche Eigenschaften besitzt, die er außerhalb des Ganzen gar nicht hat (Metzger, 1999). „Das Ganze - so Wertheimer - sei daher mehr als eine Und-Summe seiner Elemente“ (Schönpflug, 2000, S. 366). Die Gestaltpsychologen stellen daher die Bedeutung der gestalthaften Organisation von Einzelelementen in den Vordergrund. Sich fragend wie Wahrnehmung wohl organisiert sei, gingen sie Koffkas später berühmt gewordener Frage nach: „Warum sehen die Dinge so aus, wie sie aussehen?“ (zitiert nach Müsseler & Prinz,
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Stefanie Gmerek, 2007, Der gestaltpsychologische Ansatz Karl Dunckers zum produktiven Denken, München, GRIN Verlag GmbH
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