Inhalt
1. Einleitung Seite 1
2. Geschichtsfernsehen im Wandel Seite 1
3. Entwicklungsprozess des Geschichtsfernsehens Seite 4
4. Wandel des Mediums Fernsehen Seite 5
4.1 Format und Machart Seite 5
4.2 Amphibienfilme Seite 6
4.3 Fiktion Seite 6
4.4 Dramaturgie und Beobachtung der Zuschauer Seite 6
4.5 Geschichtsindustrie Seite 7
5. Suggestion von Authentizität Seite 7
6. Geschichtsfernsehen im Internet Seite 8
ZDF -Dokumentarreihe „Die Deutschen“
6.1 Seite 9
7. Kritik am Geschichtsfernsehen und dessen Ethik Seite 10
1. Einleitung
Geschichte im Fernsehen und eben dieses Geschichtsfernsehen im Internet - der Titel der
vorliegenden Arbeit sagt schon aus, dass diese einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Geschichtsfernsehens geben soll. Von den frühen Anfängen rein televisional, über dessen immer kommerzieller werdende Produktion und Vermarktung bis hin zu der Verbreitung über das Internet in der heutigen Zeit. Um den Bogen zur Hauptthematik des EPG II Seminars, „Ethik der digitalen Medien“ zu spannen, soll am Ende dieser Arbeit rückblickend über die
bis dahin aufgezeigte Ausbreitung ein Resümee der Entwicklung des Geschichtsfernsehens gezogen werden.
2. Geschichtsfernsehen im Wandel
In der Bundesrepublik Deutschland gewinnen seit dem Ende der 50er Jahren des 20.Jahrhunderts ein immer breiter werdender Strom von historischen Sendungen aller Art Einfluss. Dabei wurde die klassische Dokumentation modifiziert, ergänzt und durch ein neues Genre, der Doku-Fiktion, erweitert. Nebenher entwickelten sich weiterhin historische Dokumentarspiele, Fernsehspiele sowie Spielfilme, die auf einer historischen Basis aufbauen oder diese zumindest als solche bezeichnen.
Mit wachsender Beliebtheit dokumentiert, dramatisiert und inszeniert das Fernsehen in Deutschland Geschichtliches und auch Zeitgeschichtliches. Es befriedigt damit, in einer leicht verständlichen Form, die geschichtliche Neugierde eines immer größer werdenden Teils der Bevölkerung.
Die Gesamtzahl historischer Sendungen wuchs allein in den Anfangsjahren von 1958 bis 1967 von 33 auf 175 pro Jahr an, bzw. von 1595 Minuten Sendezeit auf 4985 Minuten 1 bedingt auch durch das Auftreten des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) seit April 1963. 2 Mittlerweile haben sich Sendungen wie „ZDF-History“ längst etabliert und können ein festes
Stammpublikum aufweisen. Dem schon 1979 beträchtlich hohen Anteil an Geschichtssendungen im ZDF lag ein großes Maß an Zuschauerinteresse zu Grunde, das seinerseits für hohe Einschaltquoten sorgte, auf die das ZDF aus ökonomischen Gründen dringend angewiesen war. Desweiteren zwang der Wettbewerb mit der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen rechtlichen Rundfunkanstalten der BRD (ARD), gerade bei zuschauerträchtigen Themen wie „Weimar“ oder „Nationalsozialismus“, zu einem regelrechten Konkurrenzkampf. 3 Ebenso belegen neuere Studien, dass sich auch die Dritten Programme innerhalb der ARD, die sich ihrem Selbstverständnis nach als Regional-, Kultur-und Minderheitenprogramme definieren, immer stärker als Kernbestandteile des Geschichtsfernsehens etabliert haben. Bei einer 1987 erfolgten zweiwöchigen Programmanalyse zehn deutscher Sendeanstalten (öffentlich-rechtliche und auch private) konnte ein Anteil von ca. 5% Geschichtsfernsehen festgestellt werden. Jedoch musste auch als Fazit festgehalten werden, dass Sendungen, die auf einer gut recherchierten Basis beruhten und einem hohen historischen Anspruch folgten, nicht „Prime-
1 Feil,Zeitgeschichte, S. 156.
2 http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=66&artid=106&backpid=10&cHash=b5f4e11931
3 Kröll, Geschichte im Fernsehen, S. 106f.
1
Time-fähig“ waren, d.h., dass sie entweder zu einer schlechteren Sendezeit oder auf einem dritten Programmplatz ausgestrahlt wurden. 4 „Prime-Time-fähiges Geschichts -TV“ ist klar auf Personalisierung, Dramatisierung und Emotionalisierung ausgerichtet. 5 Mittlerweile ist die Anzahl der international produzierten Geschichtssendungen beinahe unüberschaubar und schwer zu quantifizieren, konkrete Zahlen dazu konnte ich zumindest keine finden.
Bei einer ZDF-Zuschauerbefragung aus dem Jahre 1985 gaben 13% der Befragten an, sich „auf jeden Fall“ ein zeitgeschichtliches Dokumentarspiel anzusehen. 6
Aber auch wenn der Interessensanteil der Zuschauer stetig gewachsen ist, so ist, einer aktuellen Umfrage des Allensbach-Instituts aus dem Jahr 2009 nach, dennoch der Anteil an geschichtlich desinteressierten Zuschauern mit 39% recht hoch. Dagegen geben knapp 37% der Befragten an, gern oder sehr gern Geschichtssendungen anzusehen. 7
Auch rangieren Geschichtssendungen, im Vergleich zum restlichen Fernsehprogramm, bei der Beliebtheit mit einem Anteil von 13% im oberen Mittelfeld. Im Vergleich zu Nachrichten und Sportsendungen ist das sicherlich ein geringer Wert, aber immerhin verweist das Geschichtsfernsehen andere Themen wie Science Fiction, Fantasy, Musik-TV und Kochshows auf die hinteren Plätze. 8 Es lässt sich also sagen, dass ab dem Jahr 1967 die Zuwächse an Sendezeit und die Anzahl der Sendetitel eindeutig zugunsten zeitgeschichtlicher Themen gehen - als besonders dominant stellte sich hierbei natürlich die Thematik des Nationalsozialismus heraus. 9 Das TV-Historien-Drama „Die Flucht“ ist mit 12 Millionen Zuschauern in das Ranking der zehn einschaltstärksten Programme eingedrungen. 10 Sieht man sich die Präsenz historischer Themen im Deutschen Fernsehen an, so erweisen sich alle pessimistischen Ankündigungen vom „Verlust der Geschichte“ oder vom „Schwinden des Geschichtsbewusstseins“ als haltlos. Besonders tragen „runde Jahrestage“ immer wieder zu
einem Aufschwung an dokumentierenden und auch unterhaltenden Sendungen mit geschichtlichen Themen bei. Am Beispiel des „Geschichtsjahres 2009“ (2000 Jahre
4 Klein, Geschichte oder Geschichten, S. 66.
5 Wirtz, Alles authentisch, S. 10 und S. 15. 6 Kröll, Geschichtsfernsehen, S. 754.
7 http://de.statista.com/statistik/diagramm/studie/105361/umfrage/interesse-an-geschichtssendungen/
8 http://de.statista.com/statistik/diagramm/studie/105356/umfrage/beliebte-fernsehsendungen-und-filme/
9 Feil, Zeitgeschichte, S. 26-28 und S. 156.
10 Wolf, Ereignis-TV, S. 76.
2
Arbeit zitieren:
Martin Teichmann, 2010, Geschichte im Fernsehen und Geschichtsfernsehen im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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