Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Einführung in die Thematik
2. Das Leben des Niccolò Machiavelli
3. Florenz als Zentrum der Renaissance sowie die historischen Umstände zu
Machiavellis Zeiten
4. Niccolò Machiavellis Menschenbild
5. Der Aufbau und die Glied
6.
6.1 Die Schlüsselbegriffe virtù und occasione
6.2 Machiavellis Ansichten und Lehre
6.3 Der Schlüsselbegriff Fortuna
6.4 Machiavellis Verständnis von Macht und Staat
6.5 Über den Begriff der Staatsräson
7. Fazit
1. Einleitung und Einführung in die Thematik
Niccolò Machiavelli war einer der bekanntesten politikwissenschaftlichen Theoretiker.
mit dem sich die vorliegende Arbeit ausschließlich befasst, große Weltgeltung. untrennbar mit seinem Namen verbunden. Dieser aus den Lehren seines Werkes später hervorgegangene und geprägte Begriff bezeichnet den rücksichtslosen Gebrauch der Macht oder auch Staatsgewalt und relativiert damit die vom Herrscher oder den Herrschenden ausgeübten Grausamkeiten als ein legitimes Mittel zur Gewinnung oder Erhaltung der Herrschaft. und geradezu zum Schimpfwort geworden. (vgl. ZORN 1978, XIV) Ein aus dem achtzehnten Kapitel des Fürsten (welches auch als das verrufenste Kapitel gilt) entnommenes Zitat steht zusammenfassend für den Begriff des nämlich
einsehen, dass ein Fürst, zumal ein neu zur Macht gekommener, nicht all das befolgen kann, dessentwegen die Menschen für gut gehalten werden, da er oft gezwungen ist um seine Herrschaft zu behaupten gegen die Treue, die Barmherzigkeit, die Menschlichkeit und die Rel , S.139)
So ist es auch kein Wunder, dass Machiavelli aufgrund seiner Lehren viel Kritik entgegen schlug. Die römisch-katholische Kirche setzte beispielsweise seine Werke auf den Index und er selbst erlebte den Druck seiner Schriften nicht mehr (vgl. ZORN
1978
-Machiave die er
durch Machiavelli gefährdet sah, zu verteidigen. (vgl. KERSTING 1988, S.163) Dadurch kommt auch eine Frage auf, mit deren Klärung ich mich ebenso in dieser Arbeit beschäftigen möchte: Kann man unter diesen Voraussetzungen Machiavelli als einen Atheisten bezeichnen? Oder bezeichnet sich Machiavelli gar selbst als einen?
Im Folgenden wird Machiavellis Anleitung für einen Fürsten betrachtet, die ihm sagt, auf welche Art und Weise er der die Macht in einem Staat erringen und auch erhalten könne. Hierbei distanziert sich Machiavelli klar von der Tradition des politischen Denkens und von der bisherigen Literatur über diesen Sachverhalt. Obwohl
global all diejenigen gemeint haben, die seit der Antike vom besten Staat und vom besten Fü, S.5)
Er hingegen will kein Wunschbild eines Herrschers kreieren, sondern diesen auf der Basis der politischen Realität sei sie aktuell oder anhand von Beispielen aus der Antike beschreiben. (vgl. BUCK 1985, S.5) Somit steht er auch im Zeichen der beginnenden empirisch-analytischen Politikwissenschaft. Ebenso will ich in diesem Zusammenhang die in seinem Werk vorkommenden Begriffe virtù, occasione, fortuna und necessità im Hinblick auf deren Zusammenspiel näher erläutern.
Des weiteren soll in dieser Arbeit auf den Begriff der Macht und des Staates bei Machiavelli eingegangen werden, dies besonders in Betracht in Bezug auf den
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Begriff der Staatsräson, welcher Machiavelli durch die Lehre seiner Werke zugeschrieben wird. Um aber all diese Dinge und besonders Machiavellis Verständnis von Macht deutlich zu machen, will ich zuerst auf sein Leben sowie die politischen, historischen und gesellschaftlichen Umstände, welche auf ihn wirkten, eingehen.
2. Das Leben des Niccolò Machiavelli
Niccolò Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 als drittes Kind und erster Sohn eines Notars in Florenz geboren. Seine Eltern, Bernardo Machiavelli und Bartolom Nelli, welche auch florentinischen Ursprung gewesen sind, waren seit jeher republikanisch eingestellt. Demnach sollte auch Niccolò nach einer üblichen Schulausbildung in den Staatsdienst von Florenz treten. Machiavelli wurde durch seine Eltern schon früh mit der antiken Literatur vertraut gemacht. Insbesondere lassen, Niccolò selbst besuchte jedoch nie eine Universität. Als Grund hierfür kommen wahrscheinlich die beschränkten finanziellen Mittel seiner Familie in Betracht. Ansonsten ist über Niccolò Machiavellis Kindheit und Jugend sehr wenig bekannt. (vgl. LIEBER 1993, S.146 & KERSTING 1988, S.13f) Am 19. Juni 1498 begann Machiavellis politische Laufbahn. Er wurde von der
außenpolitischen Beziehungen befassen. Kurze Zeit später wurde er zusätzlich im er die zweite Kanzlei leitete, Sekretär. In den nächsten Jahren war Machiavelli viel unterwegs. (vgl. KERSTING 1988, S.15ff) Insbesondere die zahlreichen Gesandtschaften zu Cesare Borgia, dem Sohn des Papstes Alexander VI, waren für Machiavelli von prägender Bedeutung, wie sich auch bei der Lektüre , S.19 & S.27f) Im Herbst 1501
heiratete er Marietta di Luigi Corsini; von ihr ist wenig bekannt. (vgl. KERSTING 1988, S.18)
Mit dem Tod Alexanders VI 1503 verschwand auch sein Sohn Cesare Borgia aus der Politik Italiens. Die aggressivere Politik des neuen Papstes Julius II war für die Im Jahr 1509 siegte Machiavelli noch als militärischer Heerführer über Pisa, am 07.11.1512 wurde der 43jährige aber letztendlich aller Ämter enthoben. Die
sich Papst Julius II, Spanien, Venedig und England zusammengeschlossen hatten,
beendet und die Medici, welche von 1434 bis zu ihrer Vertreibung im Jahre 1494 in Florenz geherrscht haben, wieder eingesetzt. (vgl. KERSTING 1988, S.20 & ZORN 1978, XXIV)
Im Frühjahr 1513 wurde Machiavelli für kurze Zeit inhaftiert, da er der Teilhabe an einer Verschwörung gegen die Medici verdächtigt wurde. Im Gefängnis musste er auch Streckfolter über sich ergehen lassen. Im Frühsommer des gleichen Jahres zog er mit seiner Familie (Frau, vier Söhne und eine Tochter) auf ein kleines, ererbtes Landgut in der Nähe von Florenz. (vgl. KERSTING 1988, S.20) In dieser Zeit begann er auch seine Werke zu verfassen, er schrieb in der Einsamkeit des Landguts quasi seine politische Sehnsucht nieder. (vgl. ZORN 1978, XI)
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1516 widmete er wurde Machiavelli von
den Medici beauftragt, Vorschläge für eine florentinische Verfassung auszuarbeiten. Hierbei sprach er sich für eine Art konstitutionelle Monarchie aus. Offiziell wurde Machiavelli erst im Jahre 1521 politisch rehabilitiert, aber es war ihm nicht vergönnt, zur politischen Tätigkeit in verantwortungsvoller Position zurückzukehren. (vgl. KERSTING 1988, S.20) Eine ihm angebotene Sekretärsstelle lehnte er ab. (vgl. ZORN 1978, XXVIII)
Als 1527 in Florenz die Medici als Folge der Niederlage gegen die Truppen Kaiser Karls V gestürzt werden, wurde die republikanische Verfassung wiedereingesetzt und Machiavelli als Anhänger der Medici von allen Ämtern ausgeschlossen. (vgl. KERSTING 1988, S.27 & ZORN 1978, XXIX).
Niccolò Machiavelli starb an Krankheit am 21.Juni 1527 im 58. Lebensjahr und wurde in der Familiengruft in der Kirche Santa Croce beigesetzt. (vgl. KERSTING 1988, S.29)
3. Florenz als Zentrum der Renaissance sowie die historischen Umstände zu Machiavellis Zeiten
Schon im Mittelalter war Florenz eine reiche Stadt, es gehörte zu den fünf größten Städten Europas. Der Reichtum von Florenz beruhte auf der Vorherrschaft der Stadt gegenüber den ländlichen Gebieten, insbesondere die Textilproduktion war der wirtschaftliche Motor der Stadt. Die politische Spaltung zwischen Kommune und Land wurde jedoch aufgehoben und durch eine ökonomische Arbeitsteilung ersetzt: Das Land stellte Lebensmittel und Rohstoffe zur Verfügung, in der Stadt wurde Handel und Industrie betrieben. Viele der landbesitzenden Feudalherren nahmen ihren Wohnsitz in der Stadt und bauten diesen auch festungsgleich aus. (vgl. DEPPE 1987, S.129f) Obwohl die Anzahl der Einwohner durch Hungersnöte und Epidemien immer wieder dezimiert wurde, stabilisierte sich die Zahl wieder und entsprach dem italienischen Trend der Bevölkerungsentwicklung dieser Jahre. (vgl. DEPPE 1987, S.126ff)
In Italien gab es zu Machiavellis Zeit fünf Hauptmächte: Mailand, Venedig, Florenz, Neapel und der Kirchenstaat. Diese Staaten standen im Gleichgewicht zueinander und sicherten somit den Frieden im Innern und Äußeren. (vgl. MÜNKLER 1984, S.185)
und fortgeführt bis , wurde eine Art Monarchie gegründet, indem alle politischen Ämter an Familienangehörige und Anhänger der Medici vergeben wurden, obwohl der Stadtstaat Florenz damals eigentlich eine Republik gewesen ist. Florenz galt mindestens als das kulturelle Zentrum Italiens, wenn nicht von ganz Europa. Viele bedeutende Renaissancekünstler wie Michelangelo Buonarotti, Leonardo da Vinci, Sandro Botticelli, Filippino Lippi, um nur einige zu nennen, durch seine Förderung der Literatur, Malerei und Architektur - heute würde man es Prächtige). Ebenso konnte man Florenz auch als das Zentrum des Renaissance-Humanismus ansehen. 1439 fand dort das Konzil von Basel Ferrara Florenz (1431-1449), das eine Aussöhnung mit der orthodoxen Kirche suchte, statt. Dadurch
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kamen auch viele griechische Philosophen in die Stadt und durch die daraus resulti
humanistischen Mittelpunkt. Verantwortlich für die Schaffung dieses geistigen Zentrums waren ebenso die Medici. (vgl. ENCARTA 2004)
Der Reichtum und die Blütezeit der Renaissance hatten also in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht, aber der Zerfall hatte ebenso schon begonnen, wurde jedoch durch die Hochzeit der Renaissance noch verschleiert. Doch 1492 veränderte sich mit der Machtübernahme von Piero de Medici die politische Situation: Florenz verbündete sich nun mit Neapel, daraufhin wandte sich Mailand, das die Isolation fürchtete, an Frankreich. Der französische König Karl VII marschierte in Italien ein, was wiederum zu Spannungen mit Spanien und Österreich führte. Dies hatte zur Folge, dass die Einheit des italienischen Staatenbundes zerfiel und sich nun die einzelnen Staaten untereinander bekämpften. Eben aus diesem Grund kam die Praxis auf, Söldnerheere anzuwerben. Eine Praxis, welche Machiavelli sehr kritisierte (hierauf werde ich später weiter eingehen). Die Stimmung in Florenz wurde immer schlechter und die einstigen Verhältnisse hatten sich umgekehrt: Hatten die Medici zuvor ihren Reichtum genutzt, um sich in die Herrschaft einzukaufen (s.o.), die Konkurrenz auszuschalten und das Volk mit Festen Ruin des Bankhauses zu verhindern. (vgl. DEPPE 1987, S.112) Mit dem Einmarsch der französischen Truppen in Italien wurden 1494 die Medici aus der Stadt vertrieben. Der Abstieg des Bankhauses Medici war nun endgültig besiegelt. Ein starker italienischer Territorialstaat wäre von Nöten gewesen, um die Schwäche der ökonomischen wie politischen Verhältnisse abzufangen. Diese Schwäche trat dann mit der Invasion der Franzosen im Jahre 1494 sichtbar auf. (vgl. DEPPE 1987, S.85 & S.167f)
Ab 1496 versuchte der Dominikanermönch Girolamo Savonarola durch strenge Religiosität und durch den Verzicht auf Luxus die Krise zu überwinden. Savonarola, der gegen d
Medici predigte und somit an dem Sturz der Medici Herrschaft einen maßgeblichen Anteil hatte, stieg nach der Flucht Pieros zur beherrschenden politischen Gestalt von Florenz auf. Seine politische Autorität beruhte dabei im wesentlichen auf seinen religiösen Prophezeiungen. Machiavelli griff eine von Savonarolas Reden über die
Sünden bei Machiavelli nicht theologisch, sondern gesellschaftlich-politisch aufzufassen. (vgl. MÜNKLER 1984, S.234).
Doch die Herrschaft Savonarolas währte nur kurz: Durch seinen fanatischen, aber dennoch waffenlosen Kampf gegen Kirche und Borgia Papst Alexander VI (s.o.), ließ dieser ihn im Jahre 1498 hinrichten. (vgl. MÜNKLER 1984, S.238) 1512 später wurden die Franzosen von den Medici mit Hilfe eines spanischen Heeres wieder aus Italien vertrieben, in Florenz wurde die republikanische Regierung gestürzt und die Medici konnten wieder die Macht ergreifen. Doch 1527 wurden sie erneut vertrieben, kamen aber 1531, drei Jahre nach dem Tode Machiavellis, wieder an die Macht. (vgl. ENCARTA 2004)
n Niedergang Italiens im frühen 16.Jahrhundert umschlägt, vor allem auf die Fehler, die Borniertheit, die Selbstsucht der Fürsten zurückgeführt. Schließlich fiel die Macht fast überall in die Hände von Alleinherrschern, von welche vom späten Mittelalter bis Mitte des 15.Jahrhunderts in Diensten der
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personelle Regiment (wie die Medici in Florenz) mehr oder weniger informell ausübten und die republikanische Verfassun, S.169)
4. Niccolò Machiavellis Menschenbild
m tragen kommt, betrachten zu können, ist es von Nöten, Machiavellis Menschenbild zu beleuchten.
Es steht in der Tradition der humanistischen Menschenkunde, die mit dem durch die Renaissance wiedererwachte Interesse an der Psyche des Menschen einhergeht. Obwohl das Menschenbild des italienischen Humanis
von einem optimistischen Lebensgefühl durchzogen ist, so weist es dennoch ebenso negative Züge aus. Deren Ursache sieht man in der Natur der Dinge selbst: Der Mensch, seinen natürlichen Trieben schutzlos ausgeliefert, sinkt auf die Stufe des übertrifft die Tiere sogar in der Maßlosigkeit seiner Begierden. (vgl. BUCK 1985, S.37)
Durch den Zusammenbruch des italienischen Systems aufgrund des Einfalls französischer und spanischer Truppen und der damit einhergehenden ökonomischen Humanismus eingetreten. (vgl. MÜNKLER 1984, S.272f)
Bedürfnisse nunmehr destabilisierend auf die politische Ordnung. Sie konnten nur noch zu einem Teil aufgefangen werden durch das Versprechen einer (MÜNKLER 1984, S.273) Diesen anthropologische Pessimismus, verknüpft mit Machiavellis Ansicht und Forderung, die Menschen so zu sehen, wie sie sind und nicht, wie sie sein sollten, kann man im Zusammenhang mit der erwähnten Krise (s.o.) als eine Mahnung Machiavellis an seine Zeitgenossen sehen, sich den neuen Umständen anzupassen und sich nicht länger einem überholten Menschenbild hinzugeben. (vgl. MÜNKLER 1984, S.264)
Für Machiavelli ist es die in der Natur des Menschen wirkende Kraft, die dem Menschen ohne dessen Schuld zum Schicksal geworden ist. Diese Ansicht geht ziemlich analog einher mit dem kirchlichen Bild des Bösen im Menschen. Jedoch kann aus kirchlicher Sicht die Erlösung allein durch göttliche Gnade kommen. Man , aber nicht unbedingt als Atheisten bezeichnen, obwohl ihm das von einigen Kritikern, beispielsweise Jean Bodin (1529-1596), vorgeworfen wird (vgl. DEPPE 1987, S.376) so ist für ihn jedoch der christliche Begriff der Sünde fremd. (vgl. BUCK 1985, S.38f)
kann von den Menschen im Allgemeinen sagen, dass sie undankbar, wankelmütig, unaufrichtig, heuchlerisch, furchtsam und habgierig sind RIPPEL 1986, S.129)
Von dieser Grundlage ausgehend, basiert daher Machiavellis Menschenbild auf einem anthropologischen Pessimismus (vgl. DEPPE 1987, S.297): Er ist davon überzeugt, dass der Mensch in seinem Innersten schlecht ist und sich nicht ändern kann. Sein Hauptziel sei die Machtmaximierung und er werde dies immer ohne
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Arbeit zitieren:
Martin Teichmann, 2006, Über Machiavellis "Il Principe", München, GRIN Verlag GmbH
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