Innhaltsverzeichnis
1. Einleitung4
2. Die Rolle der Medien in der Vermittlung von Politik 4
2.1 Instrumenteller Politikvollzug 4
2.2. Expressive „Selbst-Darstellung“ der Politik 5
2.3. Mediale „Fremd-Darstellung“ der Politik: Die Journalisten und ihre
Auswahlkriterien 6
3. Das Verhältnis zwischen Medien und Politik: Antagonie oder Symbiose? 8
4. Die Politiker: was zieht sie in die Medien? 11
5. Das Publikum 13
6. Parteienvertreter in der Berner Zeitung BZ - eine deskripitive Untersuchung 14
6.1. Die Berner Zeitung BZ 14
6.2. Die Daten der Erhebung 15
6.3. Allgemeine Präsenz von Parteienvertretern in der Berner Zeitung: Die am
h äufigsten in der BZ auftretenden Parteienvertreter 16
6.4. Parteienvertreter und ihre räumliche Präsenz: 18
Wer schafft es, einem Artikel seinen Stempel aufzudrücken?
6.5. Parteien und Anzahl Parteienvertreter 19
6.6. Aussagen zur Demographie, zur Verteilung der Geschlechter und zur
Positionierung der Nationalräte in den Medien auf der Links-Rechts Achse 20
6.7. Medienauftritte und Themen 21
6.7. a.) Parteienpolitik 21
6.7. b.) Sachpolitik 24
6.8. Parteienvertreter und unterschiedliche Textformen 25
6.9. Parteienvertreter und optische Präsenz 26
7. Zusammenfassung und Schluss 28
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Abbildung 1: Totalanzahl Medienauftritte pro Partei 19
Abbildung 2: Anzahl Aussagen zu den einzelnen Issues 22
Tabelle 1: Parteienvertreter mit einer hohen Präsenzhäufigkeit 16
2
Abkürzungsverzeichnis
BZ
CVP EDI EDU EVP FDP FPS GB GFL Grüne Freie Liste des Kantons Bern GfS
PR SPS Sozialdemokratische Partei der Schweiz SVP
WEF
Abstract
Die vorliegende Seminararbeit zum Thema "Parteienvertreter in den Printmedien" versucht aufzuzeigen, welche Faktoren für die Printmedienauftritte von Politikern entscheidend sind und welche Politiker besonders häufig und in dominanter Weise in die Medien kommen. Nach der Darlegung des gegenwärtigen Forschungsstandes in der Literatur widmet sich die Arbeit einer quantitativen Inhaltsanalyse der Berner Zeitung, mit deren Hilfe aufgezeigt werden soll, zu was für Resultaten die Selektionskriterien dieser Zeitung führen. 3
1. Einleitung
Welche Parteienvertreter gelangen in die Printmedien? Warum gelingt einzelnen Parteienvertretern der Schritt in die Öffentlichkeit immer wieder, anderen nie? Welche Issues dominieren die Berichterstattung über Parteienmitglieder? Diese und andere Fragen waren bei der vorliegenden Arbeit leitend. In einem ersten Schritt werden die bezüglich des angesprochenen Fragenkomplexes relevanten Ergebnisse aus der Literatur diskutiert. Ich versuche auf die Rolle der Medien bei der Politikvermittlung eine Antwort zu geben und herauszukristallisieren, nach welchen Selektionskriterien Journalisten Parteienvertreter 1 auswählen und warum sich die Politiker auf das Spiel mit den Medien überhaupt einlassen. Im zweiten Teil der Seminararbeit steht die Präsentation der Resultate einer quantitativen Inhaltsanalyse der Berner Zeitung vom 09. Dezember 2002 bis zum 20. Januar 2003 im Vordergrund. Die Arbeit befolgt nicht das Ziel des Aufstellens eines empirischen Modells, sondern beschränkt sich auf die Beschreibung der Datenlage in der BZ während dem Erhebungszeitraum. Meine Fragestellung lautet wie folgt: "Welche Parteienvertreter 2 weisen in der Berner Zeitung BZ bezüglich Häufigkeit und Umfang die höchst Präsenz aus?" Das Thema der vorliegenden Seminararbeit befindet sich in einer Schnittmenge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Neben der Politikwissenschaft werden von der Thematik her gleichsam Publizistik-, Kommunikations- oder Medienwissenschaften tangiert. Die Zuordnung einzelner Aussagen zu diesen Disziplinen fällt mitunter schwierig aus. Trotzdem hoffe ich, primär Erkenntnisse zu präsentieren, die eine hohe politikwissenschaftliche Relevanz aufweisen.
2. Die Rolle der Medien in der Vermittlung von Politik
Unter Zuhilfenahme der Einteilung des politischen Vermittlungsprozesses in drei Ebenen nach Schicha / Brosda (2001: 42ff.) werden im Folgenden die Rolle der Medien bei der Politikvermittlung erläutert. Hierbei wird der Schwerpunkt auf die dritte Ebene, die mediale "Fremd-Darstellung" der Politik, gelegt.
2.1. Instrumenteller Politikvollzug
Bei dieser ersten Ebene der Politikvermittlung handelt es sich um den nicht öffentlichen Kernbereich politischer Entscheidungslogik. Auf Bundesebene sind neben den Bundesratssitzungen vor allem die Kommissionen der beiden Kammern zu nennen. Mit der
1 In der Arbeit werden die Begriffe Parteienvertreter, Politiker und politischer Akteur als Synonym behandelt. Jeder Parteivertreter ist auch Politiker, da er "an der politischen Willensbildung und dem politischen Entscheidungsprozess beteiligt
ist." (Schmidt 1995: 731).
2 Wenn in dieser Arbeit aus Gründen des sprachlichen Verständnisses primär die männliche Form verwendet wird, schliesst dies selbstredend auch alle weiblichen Parteienvertreterinnen ein.
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Schaffung ständiger Kommissionen in der Parlamentsreform 1992 erhielten diese Organe mehr Gewicht, vertreten seltener nur kurzfristige Interessen und wurden weniger anfällig auf Lobbyismus der Sonderinteressen als die früheren ad hoc Kommissionen (Linder 1999: 200f.). Sowohl Bundesrats- wie auch Kommissionsbeschlüsse gelangen nicht auf direktem Weg über die Medien an die Öffentlichkeit, sondern nur indirekt über Pressekonferenzen oder Beschlusspapiere. Aus diesem Grund ist eine erhöhte Aufmerksamkeit der Medien gegenüber Parteienvertretern die Kommissionsresultate präsentieren und gegenüber dem Bundesrat zu erwarten.
2.2. Expressive "Selbst-Darstellung" der Politik
Politisches Handeln auf dieser Ebene ist grundlegend auf die mediale Vermittlung ausgerichtet. Dazu existieren vielfältige Adaptionen an die Bedürfnisse der Medien, welche sich in der Art der öffentlichen Inszenierung und in der Wahl der angesprochenen Themen zeigen. Die Entscheidungen auf der Ebene I sollen auf der Ebene II öffentlich legitimiert werden, wozu unter anderem Pressekonferenzen, parlamentarische Debatten oder eigens inszenierte Symbolereignisse dienen.
Da politischer Stil und Arbeitsweise der Eidgenössischen Räte einem Arbeitsparlament entsprechen und im Gegensatz zum Redeparlament nicht der Schlagabtausch zwischen Regierungs- und Oppositionsfraktion, sondern die Diskussion hin zu neuen Problemlösungen im Zentrum steht, ist die öffentliche Parlamentsdebatte für die mediale Vermittlung weniger geeignet. Es ist daher nicht erstaunlich, dass Voten von Parlamentariern während der Debatten eher selten Widerhall in den Medien finden. Die Kommunikation zwischen Parlamentariern und Journalisten findet in der Wandelhalle statt. Wer im National- oder Ständerat ein "Vielredner" ist, kann nicht automatisch mit einer adäquaten Berücksichtigung in den Medien rechnen 3 . Zu prüfen wäre dabei für die Schweiz eine partielle Anpassung an die Bedürfnisse der Massenmedien, wie sie im Rahmen einer Reform der Plenardebatte 1995 in Deutschland stattfand. Mittels der Einführung einer Kernzeitdebatte am Donnerstagmorgen, wo Themen von allgemeinem öffentlichen Interesse behandelt werden, wurde hier das Ziel verfolgt, eine möglichst hohe Präsenz der Parlamentarier im Plenum herzustellen und die Medien durch die bewusste Themenwahl zu einer ausführlicheren Berichterstattung über die Verhandlungen zu bewegen (Marschall 2002: 150f.).
Das etwas düstere Bild von gegen Windmühlen redenden Parlamentariern erfährt mit der Berücksichtigung eines anderen Aspektes Schweizerischer Politik eine gewisse Aufhellung: Die
3 Eine Ausnahme bildet hierbei die NZZ mit ihrer ausführlichen Berichterstattung zu den einzelnen Voten in den Plenardebatten während der Sessionszeit.
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im internationalen Vergleich eher geringe Fraktionsdisziplin. Anders als in reinen parlamentarischen Systemen, wo diese ein systemnotwendiges Kriterium darstellt und wenig Raum für Parlamentarier mit grundsätzlich von der Fraktion abweichender Meinung zulässt, fühlen sich Schweizer Parlamentarier nicht nur ihrer Fraktion verpflichtet, sonder vertreten auch von der Fraktionsmeinung abweichende Interessen. Damit sind die institutionellen Voraussetzungen für eine hohe individuelle Präsenz der Parlamentarier eigentlich günstiger als bspw. in Deutschland, wo den Fraktionen ein sehr starkes Gewicht zufällt und damit der Kreis der für die Presse relevanten Personen auf die Opinion-Leaders des Regierungslagers eingeschränkt wird (Linder 1999: 193ff). Ob im internationalen Vergleich bezüglich der Medienpräsenz von Parlamentariern in den Plenardebatten der Nachteil des eher deliberativen Charakters der Eidgenössischen Räte gegenüber den hitzigen Debatten in andern Ländern oder der Vorteil des geringeren Fraktionszwanges mit der Möglichkeit zur freieren Meinungsäusserung überwiegt, ist meines Wissen eine zu untersuchende Frage. Im Gegensatz zum Parlament stehen dem Bundesrat viele Kommunikationskanäle offen. Neben den stark beachteten Pressekonferenzen verfasst dieser vor Abstimmungen das Abstimmungsbüchlein oder erhält zur besten Sendezeit die Möglichkeit, seine Meinung im Fernsehen zu vertreten. Hierbei kommt dem Bundesrat zu gute, dass Journalisten im Zweifelsfall die Tendenz haben, den Standpunkt der Behörden einzunehmen. "Diese Obrigkeitsfreundlichkeit hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sie (die Journalisten, Anm. A.Z.) täglich mit den Behörden zu tun haben und sie damit 'verstehen' lernen. Zudem sind sie auch vom Zugang zu den offiziellen und weniger offiziellen Informationen der Behörden abhängig" (Kriesi 1994: 237). Rund die Hälfte der Bundeshausjournalisten ist bereit, ihre PR-Leistung der Gesamtsache, nämlich Regierung und Parlament, zukommen zu lassen (Saxer 1992: 107). Der Bundesrat darf daher mit einer Berichterstattung rechnen, die in seinem Sinn liegt.
2.3. Die Mediale „Fremd-Darstellung“ der Politik: Die Journalisten und ihre Auswahlkriterien
"Die mediale Darstellungsebene ist der wesentliche Bezugspunkt des politischen Darstellungshandelns. Ihre 'Fremd-Darstellungen' des politischen Vollzugs sind in komplexen, ausdifferenzierten Gesellschaften die primäre Informationsquelle der Bürgerinnen und Bürger über die politischen Abläufe ihres Gemeinwesens" (Schicha /Brosda 2002: 44). Medien sammeln Informationen, unterziehen diese einer ausführlichen Selektion und verbreiten sie anschliessend ins massenmediale Publikum. Während diesem Prozess wird nach den medienspezifischen Kriterien ebenfalls entschieden, welche politischen Akteure die Öffentlichkeit erreichen und damit Einfluss ausüben können (Machnig 2002: 147). Die Selektion
6
der Berichterstattungsgegenstände erfolgt im Wesentlichen über zwei Filter: Unter der Anwendung so genannter Nachrichtenfaktoren werden für die Berichterstattung geeignete Themen aussortiert und im zweiten Schritt müssen die Themen auf die "Präsentationslogik", d.h. auf die unterschiedlichen Inszenierungsstrategien, nach denen Medien ihre Inhalte aufarbeiten, angepasst werden (Schicha / Brosda 2002: 44). Alle berichteten Ereignisse werden zugunsten der Nachrichtenfaktoren verzerrt, da nach der Selektion einer Meldung der Nachrichtenwert durch die Journalisten akzentuiert betont wird (Schulz 1997: 69). Im Bezug auf die Selektion von Parteienvertreter dürften aus einer Liste von Nachrichtenfaktoren (vgl. Schulz 1997: 70ff.) besonders Elite-Person (Prominenz und Status), Kontroverse, Emotionalisierung und Überraschung von entscheidender Bedeutung sein. Das Nachrichtenwertkonzept wird von der ganzen Berufsgruppe der Journalisten mehr oder weniger stark verfolgt (Hocke 2002: 215): Qualitätszeitungen greifen in geringerem Masse auf Nachrichtenfaktoren zurück, als Boulevardzeitungen (Gerhards 1994: 92).
Die Journalisten übernehmen zwar bei der Präsentation der Nachrichten von den Politikern die "Darstellungshoheit", sind dabei aber den ökonomischen Begrenzungen wie "knappe zeitliche Ressourcen, wachsender Konkurrenzdruck und die notwendige Ausrichtung an Rezeptionsbedürfnissen" unterworfen (ebd.: 45). Die starke Beschränkung der journalistischen Handlungsfreiheit ist in nicht zu unterschätzender Weise eine Folge der Abhängigkeit von der Werbung, welche den Medien Restriktionen in Bezug auf den Inhalt ihrer Botschaft auferlegt. "Die Presse betreibt dementsprechend eine gewisse Selbstzensur" (Kriesi 1994: 237). Neben dem Nachrichtenwertkonzept wird oftmals vom "Gate-Keeper-Ansatz" gesprochen. Ihm zu Folge wachen die Journalisten wie Pförtner darüber, "wer oder was die Filter der medialen Selektion passieren darf und so zur Nachricht wird" (Hocke 2002: 215). Die Bewertungen der Politik und ihrer Akteure ist keinesfalls eine fixe Grösse, sondern im Zeitverlauf Zyklen und politischen Opportunitäten unterworfen (Machnig 2002: 148). Nach Hocke (2002) werden unter solchen Zyklen der Aufmerksamkeit Zeitabschnitte verstanden, "in denen einzelnen Themen (z.B. dem Waldsterben) von der Öffentlichkeit und / oder den Massenmedien besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird" (2002: 214). Gefährlich ist die allgemeine Tendenz der Medien in modernen Gesellschaften, Politik zunehmend als Kampf um Karrieren darzustellen. Nach Jürg Steiner führt dies in der Bevölkerung nämlich zu zunehmendem Zynismus über die Politik, was sich letztlich auf die politische Kultur eines Landes auswirkt (vgl. Steiner 1994: 113-130).
Einen bedeutenden Einfluss auf die Politik können die Medien durch die intensive Darstellung bestimmter Sachverhalte ausüben. Die Bevölkerung bevorzugt automatisch Politiker, die sie für kompetent hält, die vorliegenden, primär den Massenmedien entnommenen, Probleme zu lösen
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Arbeit zitieren:
Adrian Zingg, 2003, Parteienvertreter in den Printmedien. Das Fallbeispiel Berner Zeitung., München, GRIN Verlag GmbH
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