Einleitung 1.
Die Debatte um die Entwicklung unserer Gesellschaft zu einzelnen, unabhängigen individualisierten Gesellschaftsmitgliedern, sowie der Verlust territorialer Kontrolle durch die Ausbildung von Parallelgesellschaften, die sich in sogenannten „Business Improvement Districts“ selbst organisieren, ist sehr umfangreich. Was hierbei mit dem öffentlichen Raum passiert, soll in der vorliegenden Arbeit zum Beispiel anhand von Ansichten des Soziologen Richard Sennett deutlich werden. Anschließend wird auf das Thema der „Privatisierung öffentlicher Räume“ eingegangen, das sich an den Beispielen der Einkaufszentren, sowie den geschlossenen Wohnkomplexen veranschaulichen lässt. Am Ende wird die Raumkontrolle thematisiert, die sich technisch und baulich in Städten erkennen lässt und den Nachweis der Aktivitäten der Individuen bedingt. Hierbei wird als Schwerpunkt die Kontrolle durch Videoüberwachung heran gezogen. (LUEDTKE (20.02.10) Die Ausweitung staatlicher und privater Raumkontrolle: Infragestellung der modernen (National-)gesellschaft? www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/.../Luedtke_Abstracts_Jena_2008.doc)
Definitionen 2.
Die Begriffe „privater Raum“ und „öffentlicher Raum“ sind kontrovers. Sie unterscheiden sich vor allem in der Zugänglichkeit, die beim privaten Raum durch private Personen gesteuert und beeinflusst werden kann. Im öffentlichen Raum hingegen ist diese Zugänglichkeit nicht beschränkt und er wird oft beschrieben als „ein Ort, der für jedermann zu jeder Zeit uneingeschränkt zugänglich ist“. Die genaue Bedeutung dieses Begriffs ist jedoch vielfältigen Ansichten und Meinungen ausgesetzt. Was ist zum Beispiel mit Schulen oder Verwaltungen? Dies sind zwar öffentliche Einrichtungen, die sich im öffentlichen Eigentum befinden, doch zeichnen sich durch Öffnungszeiten aus oder auch dadurch, dass sie nur für bestimmte Nutzergruppen zugänglich sind. Weiterhin stellt sich hier die Frage, wie Räume zu kategorisieren sind, für die ein Nutzer Nutzungsentgelt zu entrichten hat? All diese Fragen, die sich ein jeder stellen kann, führen zu keiner richtigen oder falschen Antwort. Das
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Wort „Öffentlichkeit“ zeichnet sich aus durch eine hohe Bedeutungsvariabilität und es bleibt viel Platz für Diskussionen.
Der öffentliche Raum nach G. Glasze und H. Ahrendt 3.
Nach G. Glasze können dem öffentlichen Raum mindestens drei Bedeutungsebenen zugeschrieben werden. Bei der ersten Ebene bezieht sich Glasze auf die Eigentumsrechte eines öffentlichen Raums. Es wird davon ausgegangen, dass öffentliche Räume jene Räume beschreiben, die in staatlichem Eigentum stehen und auch von dieser Macht verwaltet werden. Bei der zweiten Bedeutung handelt es sich um die Definition von öffentlichem Raum als „Ort, der für alle offen zugänglich ist“ (GLASZE, 2001, 161.) und diese Anschauung des Raums basiert auf einer Ableitung von dem Wort „offen“. Die letzte und zugleich weitreichendste Bedeutung, die Glasze dem öffentlichen Raum zukommen lässt, weist darauf hin, dass dieser Raum ein „Ort von Öffentlichkeit“ sei. Diese zunächst abstrakt wirkende Definition basiert laut ihm auf zwei eng miteinander verbundenen Dimensionen. Zunächst die Dimension der „Öffentlichkeit als Begegnung, Auseinandersetzung und Kommunikation von Fremden“ (GLASZE, 2001, 161.). Hier soll der Blick auf die Interaktion gelenkt werden, die an öffentlichen Orten zwischen den einzelnen Individuen stattfindet. Diese Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass sie beliebig und flüchtig ist und an Orten der Öffentlichkeit auf diese Weise entsteht. Die zweite Dimension umfasst die Definition der „Öffentlichkeit als Arena“ (GLASZE, 2001, 161.), die sich vor allem durch Transparenz auszeichnet und in der sich die Individuen an der Politik beteiligen können. Diese Ansicht geht zurück auf die antiken griechischen Städte, in denen der Marktplatz, die Agora, zentral war und ein Ort der politischen Bürgerversammlung darstellte. Da Raum vor allem auch als sozial hergestellter Raum bezeichnet werden muss liegt die gesellschaftliche Bedeutung, die dem Raum zukommt, hauptsächlich in dieser letzt genannten Dimension, in der alle sozialen Gruppen in der Öffentlichkeit anwesend sind und die Möglichkeit haben, an der politischen Willensbildung mitzuwirken. (GLASZE, 2001) Ein sozialer Raum wird erst zu einen Raum, weil er eine Bedeutung für die soziale Welt darstellt. (KLAMT, 2007) H. Ahrendt teilt diese Auffassung des Raumbegriffs. Sie ist der Ansicht, dass die soziale und politische Öffentlichkeit, die in einem Raum stattfinden, diesen Raum erst zu etwas
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Öffentlichem machen. Auch sie weist der „Interaktion“ einen hohen Stellenwert zu und betont, dass die Kommunikation der Individuen in diesem „nicht-physischen Raum“ zu jederzeit, von jeder sich in dem Raum aufhaltenden Person, wahrgenommen werden kann. Die diskursive Dimension des öffentlichen Raums, bei der jeder Mensch von einer Position aus sieht und hört, zeigt sich in der Konfrontation und Auseinandersetzung der Menschen mit heterogener Urbanität und hat ihrer Meinung nach eine sehr große Bedeutung für die Qualität eines solchen eben heterogenen, öffentlichen Lebens. (KLAMT, 2007)
Was passiert mit dem öffentlichen Raum? 4.
Laut Klamt ist der Soziologe R. Sennett der Meinung, dass ein grundlegender Wandel in dem, was der Raum ist, stattfindet. In einer Stadt, so sagt er, wird die öffentliche Sphäre immer mehr zurückgedrängt durch die private Sphäre und schon bald würde das Öffentliche in einer Stadt gleichzusetzen sein mit dem Privaten. Hierzu gab es ein New Yorker Projekt, in dem zufällig auf der Straße Mitgehörtes von willkürlichen Menschen ins Internet gestellt wurde. Hierbei kann man sehen, dass das private Gespräch, das in die Öffentlichkeit getragen wird nicht länger privat bleibt: es kann durch jedermann mitgehört werden und wird somit öffentlich. Die Internetseite verfügt heute über sehr viele Einträge und diese Idee weitete sich global aus. (KLAMT, 2007) Außerdem gibt es viele andere Phänomene, die darauf hinweisen, dass ein grundlegender Wandel der Öffentlichkeit stattfindet. Die Menschen zieht es immer weniger in die Stadt, vielmehr sind es die Massenmedien, der Fernseher und das Internet, die in den eigenen vier Wänden zu Rate gezogen werden und somit den Schaufensterbummel und den Erfahrungsaustausch zwischen den Individuen an der Straßenecke ersetzen. Auch das politische Geschehen, das vor einiger Zeit noch auf den großen Plätzen der Stadt, sowie im Austausch mit anderen, verkündet wurde, wird nun zugenüge über die Medien kommuniziert. All diese Punkte bedingen einen Verlust der politischen und lokalen Funktion der Öffentlichkeit, die sie einst einmal innehatte. Ein anderer Aspekt, der einen Wandel der öffentlichen Funktion deutlich macht, sind die vielen Plakate und Werbeträger, die heutzutage
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Arbeit zitieren:
Nadine Hänsel, 2009, Räume der Kontrolle, München, GRIN Verlag GmbH
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