2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
1.1 Problemfeld Islamophobie. 7
1.2 Problemfeld Antisemitismus und Islamophobie 8
1.3 Problemfeld Islamophobie im Netz 9
1.4 Fragestellung und Hypothesen 11
1.5 Vorgehen 11
2 Islamophobie 13
2.1 Was heißt „Islamophobie“? 13
2.2 Ausprägungen von Islamophobie 19
2.3 Stereotype 22
2.3.1 Islamophobe Stereotype 24
3 Medien und Islamophobie 27
3.1 Die Rolle der Medien 27
3.1.1 Die „Protokolle der Weisen von Zion“ 29
3.2 Die Rolle des Internets 30
4 Islamophobie im Netz 35
4.1 Islamophobie auf Homepages 38
4.2 Islamophobie in Social Networks 41
4.3 Islamophobie in Foren 42
4.4 Kommentarkultur und Islamophobie 43
4.5 Fazit 46
5 Politically Incorrect 48
5.1 Inhaltliche Gestaltung 48
5.2 Formaler Aufbau 50
3
6 Qualitative Inhaltsanalyse der islamkritischen Stereotype in den
Kommentaren des Weblogs „Politically Incorrect“ 53
6.1 Vorüberlegungen 53
6.2 Vorgehensweise 53
6.2.1 Festlegung des Materials 53
6.2.2 Analyse der Entstehungssituation. 55
6.2.3 Formale Charakterisierung des Materials 55
6.2.4 Richtung der Analyse 55
6.2.5 Theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung 56
6.2.6 Bestimmung der Analysetechnik 56
6.2.7 Definition der Analyseeinheit 59
6.2.8 Ablauf der Inhaltsanalyse 59
6.3 Auswertung des Kategoriensystems 61
6.3.1 Das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Muslimen 61
6.3.2 Gesellschaften unter dem Einfluss von Muslimen 62
6.3.3 Muslimische Gesellschaften 63
6.3.4 Der Prophet 63
6.3.5 Die heiligen Schriften 63
6.3.6 Verhältnis zwischen Islam und anderen Kulturen und Religionen 64
6.3.7 Islamische Regeln, Gesetze und Strafen 64
6.3.8 Islamische Kultur, Rituale, Lebensweise 65
6.3.9 Der Islam 65
6.3.10 Der Muslim 66
6.4 Zusammenfassung 67
7 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse 68
7.1 Islamophobie und Antisemitismus 72
7.1.1 Muslime als Europas „Andere“ 72
7.1.2 Muslime als Schädlinge 74
7.1.3 Muslimische Eigenschaften 76
7.1.4 Ideologieverdacht 78
7.1.5 Muslimische Rituale 78
7.1.6 Verschwörung 79
7.2 Unterschiede zwischen Antisemitismus und Islamophobie 81
7.3 Fazit 83
4
8 Ausblick und Schlussüberlegungen 85
9 Anhang 88
10 Literaturverzeichnis 94
11 Abbildungsverzeichnis 102
5
1 Einleitung
„Islamfeindschaft“, „Feindseligkeit gegenüber Muslimen“, „Ablehnung des Islams“ oder „Antiislamismus“ sind Begriffe, die in den letzten Jahren häufiger in der öffentlichen Diskussion genannt werden. In Deutschland ist es in erster Line der Pädagogik-Professor Wilhelm Heitmeyer, der im Rahmen seiner Langzeitforschung zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ den Begriff der Islamophobie etabliert hat. 1 Unter bewusster Ausklammerung einer rationalen Kritik am Islam wurden diese Formulierungen unter dem Schlagwort der „Islamophobie“ zusammengefasst und bildeten einen nicht unumstrittenen Begriff, der im Diskurs um eine generell ablehnende Haltung gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams benutzt wird.
Ablehnende und feindselige Haltungen gegenüber einer fremden Kultur, einer anderen Religion, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus sind in der Vorurteils- und Rassismusforschung keine neuen Phänomene. Seit einigen Jahren sind allerdings Parallelen bei Feindseligkeiten gegenüber Muslimen und Juden zu beobachten. Dieser neue und in der Forschung teilweise umstrittene Zusammenhang ist dabei kein rein wissenschaftliches, theoretisches Konstrukt, sondern orientiert sich durchaus an konkreten Ereignissen. So wurde beispielsweise am 13. Dezember 2008 die Außenmauer der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich mit dem Satz: „Was unseren Vätern der
Jud ist für uns die Moslembrut seid auf der Hut! 3. Weltkrieg - 8. Kreuzzug“ beschmiert. 2 Einige Wochen zuvor ist es der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, welcher im Vorwort des 17. Jahrbuchs für Antisemitismusforschung schreibt: „Die pauschale Stigmatisierung des Islam und der Muslime wird in den Medien von Wissenschaftlern, Politikern und auf alltäglichen Foren geübt“, dabei gehe die Antisemitismusforschung von einer Vergleichbarkeit der Stimmung gegen Muslime mit Antisemitismus und Judenfeindschaft aus. In beiden Fällen würden „Verschwörungsfantasien ebenso wie vermeintliche Grundsätze und Gebote der Religion, die mit mehr Eifer als Sachkenntnis behauptet wurden“ zum Tragen kommen. Gerade die Argumentation unter der
1 Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 1, Frankfurt 2002
2 http://www.vol.at/news/welt/artikel/gedenkstaette-des-ehemaligen-kz-mauthausen-beschmiert/cn/news- 20090213-07075033
6
Zuhilfenahme von Stereotypen sei als ein Phänomen aus der Antisemitismusforschung bekannt und aus diesem Grund im Zusammenhang mit Islamfeindschaft interessant. 3
Die Aussagen von Wolfgang Benz sowie die Konferenz im Dezember 2008, die vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin unter dem Titel „Feindbild Jude - Feindbild Muslim“ veranstaltet wurde, lösten starke Reaktionen aus. Noch vor der Veröffentlichung des Jahrbuchs reagierte unter anderem der Hamburger Politologie Matthias Küntzel mit Ablehnung auf den von Benz hergestellten Zusammenhang und meldete Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Befunde des Zentrums für Antisemitismusforschung an: „Es gibt keine „Protokolle der Weisen von Mekka“. Muslimen wird nicht unterstellt, die Drahtzieher aller Revolutionen und Kriege zu sein.“ Die Auswirkungen des „Feindbilds Muslim“ und des
„Feindbilds Jude“ sind nach Küntzel qualitativ unterschiedlich. 4
Einige Monate vorher, im Juni 2008, bezeichnet der Leiter des Zentrums für Türkeistudien,
Dr. Faruk ùen, in einem Artikel in der türkischen Zeitung „Referans“ die türkischstämmige Bevölkerung in Europa als „Europas neue Juden“, die vergleichbarer Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt seien. 5 Diese Aussage wurde kontrovers diskutiert, während der Integrationsminister Nordrhein-Westfalens den Vergleich als „in besonderer Weise inakzeptabel“ bezeichnete, 6 forderte von anderer Seite der Publizist Arne Hoffman „Redefreiheit für Faruk ùen“ 7 und der Zentralrat der Juden bezeichnete die auf die Aussagen folgende Entlassung des Direktors des Zentrums für Türkeistudien als „unseriös“. 8
3 Benz, Wolfgang, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17, Berlin 2008, S. 9-10.
4 http://www.matthiaskuentzel.de/contents/das-zentrum-fuer-antisemitismusforschung-auf-abwegen
5 http://www.referansgazetesi.com/haber.aspx?HBR_KOD=97254&YZR_KOD=143
6 http://www.sueddeutsche.de/politik/475/447210/text/ 7 http://ef-magazin.de/2008/07/12/410-tabubruch-redefreiheit-fuer-faruk-sen
8 http://www.sueddeutsche.de/politik/399/447134/text/
7
1.1 Problemfeld Islamophobie
Am 01.Juli 2009 wird in Dresden die aus Ägypten stammende Pharmazeutin Marwa El-
Sherbini in einem Gerichtssaal erstochen. 9 Der Täter soll sein Opfer als „Terroristin“ und als „Islamistin“ bezeichnet haben, die Ermordung der Kopftuch tragenden Frau lieferte den Anlass zu der bisher am stärksten in der Öffentlichkeit stattfindenden Diskussion über Islamophobie in Deutschland. Während in Teilen der überregionalen Presse die
Einschätzungen von einer „ausländerfeindlichen Tat eines fanatischen Einzeltäters“ 10 bis zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit reichen 11 , wird an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass womöglich „mehr als Ausländerhass“ hinter den Motiven stecken könnte. 12 Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, spricht davon, dass man ein Zeichen gegen Islamophobie setzen müsse und dagegen, „dass sie, wie auch in diesem Fall, durchgehend unterschätzt und verharmlost wird. [...] Die Tat in Dresden war islamfeindlich
motiviert.” 13 Die Reaktionen auf den Vorwurf der Islamophobie beschreibt die Publizistin Hilal Sezgin in der taz wie folgt:
„Es reagierten hasserfüllte Internet-Berserker, von rechten Foren auf die Hatz geschickt. Es wehrten sich gute Bürger, wie aus dem wohlverdienten Schlaf geschreckt. Was das sein solle, Islamophobie, eine psychische Störung? Sie jedenfalls, versicherten mir mehrere empört, hätten diese Krankheit nicht. - Sie taten, als handle es sich um eine Exaltiertheit, von Islamophobie zu sprechen. Dabei ist Islamfeindlichkeit einfach eine Gestalt unter vielen, die Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass und soziale Ausgrenzung annehmen können.“ 14
An diesem Beispiel wird schnell deutlich, dass es bei dem Thema Islamophobie nicht nur darum geht, verschiedene Ereignisse und Geschehnisse zu dokumentieren und zu kommentieren, sondern zunächst auch - ähnlich wie es immer noch beim Antisemitismus der Fall ist - zu definieren, was der Begriff „Islamophobie“ bezeichnen will und in welchen Formen sich „Islamophobie“ manifestieren kann. Insbesondere muss dabei geklärt werden, inwiefern sich Islamophobie von Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit abgrenzt und unterscheidet und ob es gegebenenfalls Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit anderen
9 http://www.polizei.sachsen.de/pd_dresden/5069.htm
10 http://www.welt.de/vermischtes/article4051592/Polizei-ermittelt-wegen-heimtueckischen-Mordes.html
11 http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2206007
12 http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1821248&
13 http://www.hagalil.com/archiv/2009/07/05/islamophobie/
14 http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/das-reine-deutsche-gewissen/
8
Einstellungen wie beispielsweise in dem Konzept der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ gibt. 15
1.2 Problemfeld Antisemitismus und Islamophobie
Die hier kurz angerissenen Beispiele können stellvertretend für eine Diskussion gesehen werden, die sich in jüngster Zeit immer wieder aufdrängt. Auf der einen Seite werden jüdische Diskriminierungserfahrungen als Maßstab herangezogen, um von Muslimen als ähnlich empfundene Ereignisse vergleichbar zu machen. Auf der anderen Seite wird bei eben diesem Vergleich mit dem Antisemitismus häufig der Vorwurf laut, man stelle die Singularität des Holocaust in Frage. Der Publizist Sergey Lagodinsky äußert in der taz die
Vermutung, dass die Ablehnung von Faruk ùen einen Hinweis auf die Befindlichkeiten der deutschen Mehrheitsgesellschaft gebe und nicht die jüdischen Diskriminierungserfahrungen
relativiere. 16
Fest steht, dass einem Vergleich, wenn er zumindest teilweise auf Emotionen und Befindlichkeiten beruht, die wissenschaftliche Basis fehlt und somit auch kein „wahr“ oder „falsch“ möglich ist. Wenn Küntzel davon schreibt, dass es keine „Protokolle der Weisen von Mekka“ gebe und auf dieser Grundlage Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie verneint, so ist das sicherlich zu kurz gegriffen. Küntzel verweist mit dieser Bemerkung auf „Die Protokolle der Weisen von Zion“, einer vermutlich aus Russland stammenden angeblichen Niederschrift einer jüdischen Weltverschwörung. In der Historie wurden „Die Protokolle der Weisen von Zion“ unter anderem in Hitlers „Mein Kampf“ oder Henry Fords „The International Jew“ verwertet und werden beispielsweise auch in der Charta der Hamas von 1988 wie die Dokumentation einer Tatsache behandelt. „Die Protokolle der Weisen von Zion“ nehmen mit ihrer Ansammlung von Mythen und Stereotypen eine nicht unwesentliche Rolle in der Verbreitung von antisemitischer Ikonographie ein und spielen über 100 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen in Teilen der Welt immer noch eine erhebliche Rolle, sei es in Buchform, als Download im Internet oder aktuell als thematisches Gerüst für TV-Serien im Nahen Osten.
15 Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 1, Frankfurt 2002
16 http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-grenzen-des-akzeptablen/
9
Antisemitismus und Islamophobie als gleichwertige Erscheinungen nebeneinander zu stellen, entbehrt vielerlei Grundlagen. Die Wurzeln und Hintergründe des Antisemitismus sind vielschichtig und haben sich historischen Gegebenheiten angepasst, laut Michael Kiefer sogar einen „flexiblen Code“ gebildet, der sich völlig unabhängig von der jeweils aktuellen
Thematik auf verschiedenste Konflikte überstülpen lässt. 17 Dahingegen ist der Begriff der „Islamophobie“ noch relativ neu, nicht unumstritten und auch seine Ausprägungen sind nicht hinlänglich definiert. In dem sich in den letzten Jahren verschärfenden Diskurs um „den Islam“ fällt allerdings auf, dass einige Bilder im Zusammenhang mit Antisemitismus geläufig sind. So findet sich das Bild einer religiös fundierten Weltverschwörung sowohl in den „Protokollen“, als auch in einem Blog gegen die Islamisierung Europas. Die Darstellung einer Religionsgemeinschaft als „Krankheit“, die es „auszumerzen“ gelte, Befremdung gegenüber unverständlichen Speiseregeln, das Schächten von Tieren, Falschauslegung der heiligen Schriften, das Täuschen von Mitbürgern oder die Manipulation von Politikern sind Stereotype, die auf „islamkritischen“ Websites und Blogs in ähnlicher Weise verbreitet werden, wie sie im Antisemitismus zu finden sind.
1.3 Problemfeld Islamophobie im Netz
Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass heutzutage eine Publikation wie „Die Protokolle der Weisen von Zion“ in dieser Form eine ähnliche Wirkung haben könnte, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dagegen gilt das Internet als Kommunikationsmedium, welches es jedem Nutzer theoretisch ermöglicht, im Schutze der Anonymität an einer Diskussion teilzuhaben. Ansichten werden offener und zugespitzter vorgetragen, als es im etablierten öffentlichen Diskurs der Fall ist. Christian Katzenbach schreibt in seinem Buch „Weblogs und ihre Öffentlichkeit: „Während die Medienwirklichkeit der traditionellen Massenmedien Fernsehen, Radio und Zeitungen allein durch die spezifischen Zugriffs- und Darstellungsweisen des professionell-redaktionellen Journalismus geprägt ist, treffen wir im Internet auch auf die unzähligen Wirklichkeitsentwürfe der Nutzer, die außerhalb
17 Kiefer, Michael: Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästina Konflikt und der Transfer eines Feindbildes, S. 26, Düsseldorf 2002
10
professionell-journalistischer Routinen und Strukturen ihre eigenen Weltdeutungen kundtun.“ 18
Im deutschsprachigen Raum ist so eine Szene im Internet entstanden, die sich selbst als islamkritisch bezeichnet mit einer starken Vernetzung untereinander auffällt und so einen schnellen Austausch von Informationen sicherstellt. Websites wie „Die grüne Pest“, „Stop Islam“, „Akte Islam. Für Europa - gegen Eurabien“, „Dhimmideutsch“, „Fakten & Fiktionen“, „Jihad Watch“, „Gudrun Eussner“ und insbesondere „Politically Incorrect“ erschaffen im Internet eine Gemeinschaft, die sich einer eigenen Sprache mit speziellen Codes bedient. Der Angriff, den es abzuwehren gilt, erfolgt nach Ansicht dieser Blogger auf allen Ebenen: Er betrifft den kleinen Alltag ebenso wie Grundfragen der Verfassung und der gesellschaftlichen Ordnung.
„Politically Incorrect“ gehört dabei zu den bekanntesten Blogs Deutschlands und ist das größte explizit islamfeindliche Blog („News gegen den Mainstream, Proamerikanisch,
Proisraelisch, Gegen die Islamisierung Europas, Für Grundgesetz und Menschenrechte“) 19 . Nach eigenen Angaben gehen täglich über 20.000 Besucher auf die 2004 von dem Sportlehrer Stefan Herre gegründete Seite „www.pi-news.net“. Laut der Leitlinien von „Politically Incorrect“ stellen sich die Autoren des Blogs „gegen diese Islamisierung Deutschlands und den damit einhergehenden Verlust unserer durch das Grundgesetz gesicherten Grundrechte. Als Blogger sehen wir uns in der Pflicht, die schleichende Islamisierung dadurch zu verhindern, dass wir von den Mainstream-Medien unterdrückten Informationen über den realexistierenden Islam in Deutschland und auf der ganzen Welt verbreiten.“ 20
Diese von den „Mainstream-Medien unterdrückten Informationen“ werden so neu aufbereitet und kommentiert veröffentlicht. Die Kommentarfunktion ist 24 Stunden geöffnet und bietet den Konsumenten des Blogs die Möglichkeit, untereinander zu diskutieren, sich zu bestätigen, zu weiterführenden Informationen zu verlinken oder im besten Fall an einem Diskurs teilzunehmen. Insbesondere in diesen Kommentaren, die in der Regel recht zahlreich und unmittelbar auf die Veröffentlichung eines Artikels folgen, sind häufig die immer gleichen Stereotype und Klischees zu bemerken. Es kann vermutet werden, dass ein Großteil dieser
18 Katzenbach, Christian: Weblogs und ihre Öffentlichkeit: Motive und Strukturen der Kommunikation im Web 2.0, München 2008
19 http://www.pi-news.net/
20 http://www.pi-news.net/leitlinien/
11
Klischees nicht neu ist bzw. nicht nur im Zusammenhang mit dem Islam besteht, sondern eine Adaption und Anpassung bereits bestehender, hauptsächlich antisemitischer Bilder ist.
1.4 Fragestellung und Hypothesen
Es stellt sich also die Frage, welche Stereotype und Klischees im Zusammenhang mit „Islamkritik“ in Deutschland auftauchen, insbesondere in ihren Ausprägungen im Internet als Medium im Allgemeinen und Weblogs im Speziellen. Darüber hinaus ist von Interesse, ob einige dieser Bilder schon aus der Antisemitismusforschung bekannt sind, somit keine neuen, „rein islamophoben“ Bilder darstellen und ob Antisemitismus und Islamophobie unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien überhaupt vergleichbar sind.
Es ist zu vermuten, dass zumindest einige der bisher aus der Antisemitismusforschung gängigen Bilder auch in der Islamophobie wiederzufinden sind. Manche dürften nahezu identisch sein, andere sind unter Umständen den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst, wieder andere Stereotype sind vielleicht nur im Antisemitismus oder nur in der Islamfeindlichkeit zu finden. Das Internet nimmt bei der Ausgestaltung und Verbreitung dieser islamophoben Bilder eine besondere Rolle ein. Eine Untersuchung dieser Bilder ist demnach angebracht, um die Grundlage für einen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie schaffen zu können.
1.5 Vorgehen
In dem auf das einleitende erste Kapitel folgende zweite Kapitel wird auf den Begriff der Islamophobie eingegangen. Es ist notwendig, auf den Ursprung des Ausdrucks und die damit einhergehende Diskussion einzugehen, um dadurch auch definieren zu können, was genau Islamophobie in dieser Arbeit bezeichnen möchte und was für Ausprägungen von Islamophobie zu beobachten sind. Darüber hinaus wird definiert, was mit „Stereotypen“ gemeint ist und was für islamophobe Stereotype existieren.
12
Im dritten Kapitel wird die Rolle der Medien im Zusammenhang mit der Verbreitung und der Kultivierung von Islamophobie beleuchtet, nach einem Exkurs über die „Protokolle der Weisen von Zion“ wird untersucht, inwiefern das Internet eine ähnliche Position einnimmt, um Vorurteilen und negativen Stereotypen über Muslime zu einer ähnlichen „Karriere“ zu verhelfen.
Das vierte Kapitel behandelt Islamophobie im Netz und seine unterschiedlichen Manifestationen auf Homepages, in Weblogs, in Foren oder in sozialen Netzwerken.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich konkret mit einem Beispiel für Islamfeindlichkeit im Internet, mit dem Blog „Politically Incorrect“.
Das sechste Kapitel und somit der empirische Teil der Arbeit orientiert sich an der zusammenfassenden Inhaltsanalyse von Philipp Mayring. Mit diesem Instrument soll ermöglicht werden, ausgehend von der theoretischen Einordnung in den vorigen Kapiteln, auf die Frage einzugehen, welche islamophoben Stereotypen bestehen und inwiefern Stereotype, Klischees, Bilder und Themen, die aus dem antisemitischen Diskurs bekannt sind, auch in einem islamophoben Zusammenhang auftauchen. Zu diesem Zweck wird eine Anzahl von Artikeln aus dem Blog „Politically Incorrect“ ausgewertet wobei das Hauptaugenmerk auf dem Kommentarbereich liegt. In der „Policy“ des Blogs wird darauf hingewiesen, dass Kommentare, die einem eigenen Kriterienniveau nicht entsprechen, moderiert oder gelöscht werden. Der Kommentarbereich eines jeden Artikels wird 24 Stunden nach seiner Veröffentlichung geschlossen. Artikel und Kommentarbereich unterliegen somit nach 24 Stunden in der Regel keiner weiteren Veränderung und können auf Grund der Moderation des Kommentarbereichs als repräsentative Beispiele für das Weltbild der Autoren und Konsumenten der Artikel gesehen werden.
Im siebten Kapitel werden die Ergebnisse ausgewertet und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Antisemitismus und Islamophobie dargestellt, das achte Kapitel zieht aus den Ergebnissen ein Fazit und versucht einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen zu geben.
13
2 Islamophobie
Der Begriff „Islamophobia“ fand im Februar 1997 durch einen Bericht des Runnymede
Trusts 21 Eingang in die wissenschaftliche Diskussion. Unter dem Titel: „Islamophobia - A challenge for us all“ veröffentlichte eine achtzehnköpfige Kommission aus diesem Forschungsinstitut ihre Einschätzung zu der Lage von Muslimen in Großbritannien.
2.1 Was heißt „Islamophobie“?
slamophoben Sicht Nach eigenen Angaben lag das Interesse der Kommission darin, der i entgegenzutreten, dass der Islam ein monolithisches System ohne Entwicklung, Vielfalt und Dialog sei, sowie auf die Gefahren hinzuweisen, die Islamophobie für muslimische
ellschaft im Ganzen bedeuteten. 22 Insbesond Gemeinschaften und die Gese dere der Begriff der ‚racial violence‘ sei nicht mehr ausreichend, um die Vermischung aus religiösen und rassistischen Übergriffen angemessen zu beschreiben. Die Überschneidungen, die sich aus Ausschluss, Gewalt, Vorurteil und Diskriminierung ergeben, wurden in folgendem Schaubild festgehalten:
21 http://www.runnymedetrust.org/
22
http://www.runnymedetrust.org/up
23 The Runnymede Trust: Islamopho
14
Die Forscher des Runnymede Trust nennen 8 Punkte, in denen sich Islamophobie ihrer Ansicht nach manifestiert:
1) Monolithisch: Der Islam wird als monolithischer Block gesehen, statisch und für neue Realitäten unempfänglich 2) Abgesondert: Der Islam wird als abgesondert und anders gesehen, ohne gemeinsame Ziele oder Werte mit anderen Kulturen, ohne von anderen Kulturen betroffen zu sein und ohne andere Kulturen zu beeinflussen 3) Unterlegen: Der Islam wird als dem Westen unterlegen betrachtet, barbarisch, irrational, primitiv, sexistisch 4) Feindlich: Der Islam wird als gewalttätig, aggressiv, bedrohlich, Terrorismus unterstützend und im ‚Kampf der Kulturen‘ verhaftet gesehen 5) Manipulativ: Der Islam wird als politische Ideologie betrachtet, welche für politische oder militärische Vorteile genutzt wird 6) Kritik wird abgelehnt: Islamische Kritik an „dem Westen” wird abgeschmettert 7) Diskriminierung wird verteidigt: Feindseligkeiten gegenüber dem Islam werden genutzt, um diskriminierende Handlungen gegenüber Muslimen und die Ausgrenzung von Muslimen aus der Gesellschaft zu rechtfertigen 8) Islamophobie ist normal: Anti-Muslimische Feindschaft wird als normal und natürlich
angesehen.
In Anlehnung an „Xenophobie“ für Fremdenfeindlichkeit wurde der Begriff der Islamophobie eingeführt, um anti-islamische Einstellungen und Verhaltensweisen, pauschale Ängste, Vorurteile und Hass gegenüber Muslimen zu benennen. Ausdrücklich ist mit Islamophobie demnach keine Kritik an islamistischen Aktivitäten gemeint, sondern eine „umfassende ablehnende Einstellungen gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams. Diese Einstellungen können sich in diskriminierenden Verhaltensweisen oder auch Gewalttaten ausdrücken.“ 25
Eine Forschergruppe um den Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer übertrug das Thema nach Deutschland und ordnete den zunächst noch „Islamphobie“ genannten Begriff zusammen mit Antisemitismus, Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit dem „Syndrom der
24 The Runnymede Trust: Islamophobia. A challenge for us all. London 1997, S. 5
25 Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen: Islamphobie. Sensible Aufmerksamkeit für spannungsreiche Anzeichen, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main 2003, S. 101
15
Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ zu. 26 Nach Heitmeyer beruht Islamophobie auf „negativen Einstellungen gegenüber einer Gruppe, zu der man selbst nicht gehört. Eine solche Gruppe wird in den Sozialwissenschaften als Fremdgruppe oder „out-group“ bezeichnet, die in der Abgrenzung zur eigenen Gruppe oder „in-group“ gesehen wird.“ 27 In dem Langzeitprojekt soll das Ausmaß der islamophoben Einstellung in der Bevölkerung nachvollzogen werden, Heitmeyer unterscheidet dabei drei Aspekte der Islamphobie:
1) Generelle Ablehnung, d.h. eine angstbesetzt ablehnende und abwehrende Haltung gegenüber Muslimen in Deutschland 2) Kulturelle Abwertung, d.h. die pauschale negative Beurteilung islamischer Kultur und Wertvorstellungen sowie
Distanzierende Verhaltensabsichten gegenüber Muslimen 28 3)
Die für die Studie befragten Personen konnten sich zustimmend oder ablehnend äußern, wenn sie zu diesem Zweck beispielsweise folgende Aussagen vorgelesen bekamen:
Es sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben.
Muslimen sollte jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden.
Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.
Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.
Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden.
Die Mehrheit der Muslime hält große Distanz zur restlichen Bevölkerung.
Viele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben.
Die islamistischen Terroristen finden starken Rückhalt bei den Muslimen.
Ich hätte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben.
Ich werde nur solche Parteien wählen, die gegen den weiteren Zuzug von Moslems sind
26 Heitmeyer, Wilhelm: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die theoretische Konzeption und erste empirische Ergebnisse, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 1. Frankfurt am Main 2002, S. 23
27 Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen: Differenzierung tut not, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 4. Frankfurt am Main 2006, S. 138
28 Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen: Islamphobie. Sensible Aufmerksamkeit für spannungsreiche Anzeichen, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main 2003, S. 101
16
Die Ablehnung unter anderem der folgenden Aussagen wurde als Indikator für islamophobe Einstellung gewertet:
Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht.
Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt. Ich würde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet.
Was bereits an dieser Stelle deutlich wird, ist die Schwierigkeit, Islamophobie von Islamkritik oder Rassismus zu unterscheiden. Leibold und Kühnel deuten noch 2003 Fremdenfeindlichkeit gegen Migranten türkischer Herkunft „als religiöse Komponente der Fremdenfeindlichkeit“ 29 und begründen das wie folgt:
„In Übereinstimmung mit der Tatsache, dass der überwiegende Teil der Muslime in Deutschland durch die Migrationsbewegungen der letzten vier Jahrzehnte vor allem aus der Türkei hierhergekommen ist, haben wir einen sehr starken Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit und Islamphobie festgestellt. Es liegt daher nahe, die Islamphobie auch mittels solcher Ansätze erklären zu wollen, die sich in früheren Untersuchungen durch einen starken Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit
ausgezeichnet haben.“ 30
Drei Jahre später weisen dieselben beiden Forscher darauf hin, dass doch eine trennschärfere Unterscheidung zwischen Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie angebracht ist. Auch wenn davon ausgegangen werden könne, dass offen geäußerte Feindlichkeit gegenüber Muslimen eine starke Nähe zu genereller Ablehnung aufweise, so ergebe sich dennoch ein Unterschied in der Form der Ablehnung: „Während die generelle Ablehnung auf dem Boden von politisch legitimen Forderungen und emotionalem Unbehagen bleibt, gehen die Forderungen zur
offenen Islamfeindlichkeit darüber deutlich hinaus.“ 31 Auch Jörg Stolz sieht in der Islamophobie lediglich eine Untergattung allgemeiner Xenophobie, die in allen westlichen Gesellschaften zu finden sei und sich lediglich dadurch voneinander unterscheide, dass im Laufe der Geschichte jede dieser westlichen Gesellschaften andere „out-groups“ habe, denen
sie ablehnend gegenüber stehe. 32 Auf eine ähnliche Weise argumentiert Abduljalil Sajid,
29 Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen: Islamphobie. Sensible Aufmerksamkeit für spannungsreiche Anzeichen, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main 2003, S. 105
30 Ebd. S. 107
31 Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen: Differenzierung tut not, in: Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 4. Frankfurt am Main 2006, S. 137
32 Stolz, Jörg: Explaining Islamophobia. A Test of four Theories Based on the Case of a Swiss City, in: Swiss Journal of Sociology, 31 (3), 2005, S. 553-554
17
wenn er Islamophobie als eine neue Form von Rassismus bezeichnet, in der Muslime, obwohl keine Rasse, dennoch als Rasse konstruiert würden:
„The term “Islamophobia” is, admittedly, not ideal. It was coined by way of analogy to “xenophobia” and can be characterized by the belief, that not all Muslims are religious fanatics, have violent tendencies towards non-Muslims, and reject such concepts as equality, tolerance, and democracy. It is a new form of racism, whereby Muslims, an ethno-religious group, not a race, are, nevertheless, constructed as a race. A set of negative assumptions is made of the entire group to detriment of members of that group. During the 1990s many sociologists and cultural analysts observed a shift in racist ideas from ones based on skin color to ones based on notions of cultural superiority and otherness.” 33
Noch einen Schritt weiter geht Esther Benbassa, indem Sie das Phänomen „Islamophobie” auf Rassismus reduziert, gerade um die Diskussion nicht auf einer rein religiösen Basis führen zu müssen:
„Using this word reduces the larger struggle to one of religion. Arabs are commonly referred to as “Muslims,” even when their religion is not actively practiced and only functions as a mode of cultural belonging, as it does for the majority of Jews today. We must not over-emphasize the religious dimensions of what is, at its core, racism.” 34
Dagegen wirft Dan Diner die Frage auf, ob Islamophobie tatsächlich nur als eine xenophobe Reaktion angesehen werden kann und in erster Linie Muslime als fremde „Andere“ trifft, „or that more is involved - such as evoking deep strands of tradition against Islam as such, in part anchored in Christian roots, however secularized.” 35 Während also einerseits die religiöse Komponente der Islamophobie betont wird, wird sie an anderer Stelle eher ausgeklammert, wie schon zuvor angemerkt schwanken dabei die Definitionen zwischen den Polen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie Islamfeindschaft. Die „Commission on British Muslims and Islamophobia“ bezeichnet den Begriff „Islamophobia“ auch als nicht ideal, impliziere er doch, dass jemand von einer geistigen Krankheit oder Verirrung spreche. 36 Die Stereotype und die Ausdrücke, die gegen Muslime verwendet würden, hätten zwar starke Anleihen beim
33 Imam Dr. Sajid, Abduljalil: Islamophobia. A New Word for an Old Fear, in: Schenker, Hillel; Abu-Zayyad, Ziad: Islamophobia and Anti-Semitism, Princeton 2004-2006, S. 1-2
34 Benbassa, Esther: Xenophobia, Anti-Semitism, and Racism: Europe’s Recurring Evils?, in Bunzl, Matti: Anti-Semitism and Islamophobia: Hatreds Old and New in Europe, S. 86
35 Diner, Dan: Reflections on Anti-Semitism and Islamophobia, in Bunzl, Matti: Anti-Semitism and Islamophobia: Hatreds Old and New in Europe, S. 48
36 Muir, Hugh; Smith, Laura: Islamophobia. Issues, Challenges and Action. A report by the Commission on British Muslims and Islamophobia, Stoke on Trent 2004, S. 9
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Rassismus, dennoch grenzen die Forscher der Kommission Islamophobie von Rassismus bzw. „anti-Muslim racism“ ab, nicht zuletzt, weil Muslime nicht als Rasse zu begreifen seien: 37
„In any case, race relations legislation in Britain refers not only to so-called race but also to nationality and national origins, and to the four nations that comprise the United Kingdom. Further, the legal definition of another key category in the legislation, that of ethnic group, makes no reference to physical appearance and is wide enough to be a definition of religion - if, that is, religion is seen as to do with affiliation and community background rather than, essentially with beliefs.” 38
Trotz der Überschneidungen mit anderen Formen von Intoleranz und Rassismus habe Islamophobie allerdings seine ganz eigenen und spezifischen Bestandteile und dürfe nicht im
Schatten dieser großen Begriffe untergehen. 39
Eine umfassende und meiner Meinung nach zutreffende Definition des Begriffs Islamophobie liefert Jörg Stolz. An dieser Definition orientiert sich auch die vorliegende Arbeit:
“Islamophobia is a rejection of Islam, Muslim groups and Muslim individuals on the Basis of prejudice and stereotypes. It may have emotional, cognitive, evaluative as well as action-oriented elements (e.g. discrimination, violence)” 40
37 Muir, Hugh; Smith, Laura: Islamophobia, S. 10
38 Ebd. S. 11
39 Ebd. S. 12
40 Stolz, Jörg: Explaining Islamophobia. A Test of four Theories Based on the Case of a Swiss City, in: Swiss Journal of Sociology, 31 (3), 2005, S. 548
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2.2 Ausprägungen von Islamophobie
Wenn man sich an der Definition von Jörg Stolz orientiert, ist Islamophobie demnach die Ablehnung des Islams und der Muslime. In diesem Zusammenhang stellt sich somit die Frage, wie sich diese Ablehnung äußert, nicht zuletzt, um Islamophobie auch wissenschaftlich messbar zu machen. 2004 nennt die „Commission on British Muslims and Islamophobia“ in ihrer Studie über Islamophobie in Groß-Britannien Beispiele, um die Manifestationen von Islamfeindschaft aufzuzeigen. Darunter fallen demnach
Verbale und körperliche Übergriffe auf Muslime
Angriffe auf Moscheen und Schändungen muslimischer Friedhöfe
Diskriminierung bei der Arbeitssuche und im Berufsumfeld
Bürokratische Trägheit bei Anfragen und Wünschen im Bezug auf kulturelle Sensibilität gegenüber Muslimen
Missachtung der Tatsache, dass Muslime in Groß-Britannien überproportional von Armut und Ausschluss aus der Gesellschaft betroffen sind
Der Schutz vor (Rassen-)Hass, den Muslime im Gegensatz zu anderen Religionsgemeinschaften nur in geringerem Ausmaß genießen
Gesetze, die Muslime überproportional in ihren Bürgerrechten beschneiden Negative Stereotype und Bemerkungen in Ansprachen von Politikern Die Verbreitung von negativen Stereotypen in den Medien, die im Zusammenhang mit Juden oder Schwarzen nicht akzeptiert werden würden 41
Insbesondere die Betonung der Stereotypisierung im Zusammenhang mit Muslimen und muslimischem Leben durch die Mehrheitsgesellschaft sowie die Ungleichbehandlung im Vergleich mit anderen Minderheiten fällt hier auf. „Malicious generalizations about Islam have become the last acceptable form of denigration of foreign culture in the West; what is said about the Muslim mind, or character, or religion, or culture as a whole cannot now be
said in mainstream discussion about Africans, Jews, other Orientals, or Asians.” 42
41 Muir, Hugh; Smith, Laura: Islamophobia, S. 8
42 Said, Edward: Covering Islam: How the Media and the Experts Determine how We See the Rest of the World, New York 1997, S.XII
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Die nahezu gleichen Punkte werden auch an anderer Stelle erneut aufgegriffen. Islamophobie manifestiert sich demnach in Gewalt, in Diskriminierung und in Vorurteilen:
„Islamophobia consists of violence against Muslims in the form of physical assaults, verbal abuse, and the vandalizing of property, especially of Islamic institutions including mosques, Islamic schools, and Muslim cemeteries. Islamophobia also includes discrimination in employment, where Muslims are faced with unequal opportunities; discrimination in the provision of health services; exclusion from managerial positions and jobs of high responsibility; and exclusion from political and governmental posts. Ultimately, Islamophobia also comprises prejudice in the media, literature, and everyday conversation.” 43
Die bisher genannten Ausprägungen von Islamophobie können aus einer eher aktiven, handelnden Perspektive gesehen werden. Muslime werden durch die handelnden Akteure ausgeschlossen, stigmatisiert und in physischer oder verbaler Art und Weise angegangen. Vor der Handlung erfolgt jedoch zunächst die Kategorisierung, die Einordnung ob eine Aktion islamisch oder eine Person muslimisch ist. Danach sei eine Abwehrhaltung gegen alles Islamische festzustellen welche sich vor allem im Alltag der Menschen muslimischen Glaubens negativ bemerkbar mache, „sei es die Erfahrung von Alltagsrassismus im öffentlichen Raum, wenn islamisch gekleidete Frauen zur Zielscheibe von verbalen und mitunter auch tätlichen Angriffen werden, sei es Diskriminierung im Berufsleben oder die allgemein spürbare Tendenz der Ausgrenzung.“ 44 Die Tatsache, dass Muslime inzwischen als erstes auf Grund ihres Glaubens negativ markiert werden, führt Paul A. Silverstein auf die jüngste Vergangenheit zurück:
„More than anything, the “war on terror,” pursued by European states since the 1980s and bolstered after the September 11 th attacks, has resulted in the systematic racial profiling, which targets Muslims as visible and suspect subjects, singling them out by how they look, what they wear, and where they live.” 45
Im Falle Deutschlands, reicht das Bild über Islam und Muslime allerdings weiter zurück. Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft wurde schon 1845 in Leipzig gegründet und ist die älteste wissenschaftliche Vereinigung deutscher Orientalisten. Inzwischen sei allerdings der Begriff des Orients durch die Ausweitung auf den gesamten asiatischen Raum bis hin nach
43 Abu Sway, Mustafa: Islamophobia. Meaning, Manifestations, Causes, in: Schenker, Hillel; Abu-Zayyad, Ziad: Islamophobia and Anti-Semitism, Princeton 2004-2006, S. 13
44 http://www.derislam.at/islam.php?name=Themen&pa=showpage&pid=60
45 Silverstein, Paul A.: Comment on Bunzl, in Bunzl, Matti: Anti-Semitism and Islamophobia: Hatreds Old and New in Europe, S. 63
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Japan und den Philippinen sowie neuerdings auf Afrika kaum mehr zu gebrauchen, sei jedoch „in sich ein Indiz für die Neigung der heutigen Europäer, ihn [den Orient] als Synonym für das Andere oder das Fremde schlechthin zu verwenden, was wiederum auf jene älteren Ursprünge zurückgeht und sie zugleich verwischt.“ 46 Nicht nur die geographische Ausweitung der Diskussionen sondern auch die quantitative Zunahme der Auseinandersetzung mit dem Islam hat in Deutschland den Fokus weiter verschoben und
„im Kontext von Terrorismus das Bild des Islam in der deutschen Öffentlichkeit deutlich ins Negative verkehrt, während zuvor ein eher ausgewogenes Bild vorherrschte, das allerdings immer auch mit der historischen Hypothek eines deutlichen Fremdheitsempfindens gegenüber Muslimen belastet blieb. Insofern hat sich in der deutschen Öffentlichkeit durchaus ein (pauschaler) islamfeindlicher Diskurs etabliert, der auch Einstellungsveränderungen in der deutschen Bevölkerung nach sich gezogen hat, die sich insbesondere in mangelnder Differenzierungsfähigkeit gegenüber dem Islam und der unhinterfragten Verknüpfung von Islam und Terrorismusneigung manifestieren.“ 47
Auf die mangelnde Differenzierungsfähigkeit spielen auch Stimmen von Muslimen an, die von einer „vielfach nicht wahrgenommenen Islamfeindlichkeit“ sprechen. Diese Islamfeindschaft sei eine Tatsache, die sich quer durch alle Bildungsschichten und unabhängig vom sozialen Status durch die Gesellschaft ziehe. „Die Mischung aus über Generationen verinnerlichten Feindbildern mit vorgefassten Meinungen, die darum so schwer auf die Ebene von Reflexion und Differenziertheit zu heben sind, weil sie sich auf die Realität
gestützt glauben, macht dabei eine Einstellungsänderung so schwierig.“ 48
Zusammenfassend könnten alle genannten Punkte, die für das Erscheinungsbild von Islamophobie genannt wurden in unterschiedliche Kategorien eingeordnet werden. Wenn man diese hierarchisch anordnen wollte, stände an erster Stelle das Erkennen und Markieren von Muslimen, an zweiter Stelle eine Einordnung an Hand von vorhandenen Stereotypen, Vorurteilen und Feindbildern und an dritter Stelle die Handlung, beispielsweise in Form von Diskriminierung, Ausgrenzung oder Gewalt. Zu der negativen Markierung von Muslimen schreibt Stolz abschließend:
46 Ezzeldin, Ahmed: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus, in: Schwanitz, Wolfgang (Hrsg.): Jenseits der Legenden. Araber, Juden, Deutsche, Berlin 1994, S. 186
47 Halm, Dirk; Liakova, Marina; Yetik, Zeliha: Pauschale Islamfeindlichkeit? Zur Wahrnehmung des Islams und zur sozio-kulturellen Teilhabe der Muslime in Deutschland, in: Jäger, Siegfried; Halm, Dirk: Mediale Barrieren. Münster 2007, S.11
48 http://www.derislam.at/islam.php?name=Themen&pa=showpage&pid=60
Arbeit zitieren:
Baris Ünal, 2009, Islamophobie im Netz, München, GRIN Verlag GmbH
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