Inhalt
Einleitung 3
Transtextualit ät. 5
Intertextualität 5
Transtextualit ät. 6
Hypertextualit ät 7
Hypertextualit ät bei MIM 8
Transposition. 10
formale Transposition 10
thematische Transposition 11
diegetische Transposition 11
pragmatische Transposition. 13
semantische Transformation 14
Umwertung. 16
sonstige Transpositionshinweise 18
Schlussbetrachtung. 19
Literaturverzeichnis 21
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Einleitung
A.F.Th. van der Heijdens Roman MIM, OF DE DOORSTOKEN GLOBE (2007), der in der Reihe HOMO DUPLEX erschien, wurde und wird immer wieder mit Sophokles’ antiker Tragödie ÖDIPUS DER TYRANN (ca. 429-425 v. Chr.; verwendet in der Übersetzung von Friedrich Hölderlin, 1957) in Verbindung gebracht oder sogar direkt als modernisierte Fassung bezeichnet (z.B. in Stoffelsen 2007; Fortuin 2007). Wenn man das Buch daraufhin mit entsprechender Vorkenntnis liest, kommt man tatsächlich nicht umhin, einige Parallelen zum mehr als 2400 Jahre älteren Werk zu erkennen. So scheinen zum Beispiel die beiden verfeindeten Fußball-Fanclubs „De Pit“ und „De Kern“ gleichsam metonymisch für die griechischen Städte Theben und Korinth zu stehen, deren Herrscher von den Vorsitzenden dieser Clubs und ihren Angehörigen verkörpert werden. Movo indes widerfährt ein in den wichtigsten Punkten vergleichbares Schicksal wie seinem vermeintlichen Vorbild Ödipus, denn beide werden nach ihrer Geburt von den Eltern verstoßen, gelangen auf die Gegenseite, töten ihren leiblichen Vater und nehmen die eigene Mutter zur Frau. Gleichzeitig stößt man jedoch auf gewaltige Unterschiede zwischen beiden Texten, die die Ähnlichkeit stark abschwächen. So gibt es, abgesehen von den grundlegendsten Gegebenheiten, kaum Übereinstimmungen, aber viele Gegensätze. Inhaltlich fällt zuerst auf, dass das Geschehen in die Jetztzeit verlegt wurde und in einem völlig anderen Kontext spielt: Orten, Namen und Tätigkeiten unterscheiden sich, Details des Handlungsverlaufs wurden variiert. Äußerlich wurde aus einem klassischen Theaterstück mit stringenter Struktur ein postmoderner Roman mit nichtlinearer und subjektiv geprägter Erzählweise.
Es scheint ganz so, als habe sich van der Heijden zwar von Sophokles inspirieren lassen, aber ansonsten versucht, diesen Zusammenhang zu verbergen. Angesichts der vielen Abweichungen und des Alters der Vorlage kann man jedoch kaum von einem Plagiat sprechen. Hierzu bedarf es anderer Begriffe, die das zwischentextliche Ver-
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hältnis genauer beschreiben. Ziel dieser Arbeit soll es deshalb sein, diese Begriffe zu finden.
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Transtextualität
Dass Texte implizit und explizit auf andere Texte Bezug nehmen, ist eine vertraute und geradezu selbstverständliche Erscheinung, die sich bereits an frühesten schriftlichen Zeugnissen nachweisen lässt und deshalb zum festen Wesenskern der Textualität gezählt werden muss. Je nachdem, wie weit man die Begriffe Text und Bezug fasst, kann man jedoch zu völlig verschiedenen Auffassungen über die Interdependenz von Texten gelangen.
Intertextualität
Die bulgarische Literaturtheoretikerin Julia Kristeva steht mit ihrem sehr weit gefassten Begriff der Intertextualität für die Annahme, dass jeder Text grundsätzlich nur im Kontext anderer Texte entstehen und gesehen werden kann:
„Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. An die Stelle des Begriffs der Intersubjektivität tritt der Begriff der Intertextualität, und die poetische Sprache lässt sich zumindest als eine doppelte lesen.“ (Kristeva 1972, 348) Dieses Zitat, das im Original aus ihrem Aufsatz LE MOT, LE DIALOGUE ET LE RO-MAN (1969) stammt, verdeutlicht die Unbedingtheit ihrer These: Intertextualität ist demnach eine inhärente Eigenschaft aller Texte, ohne dass hierfür bestimmte Merkmale erforderlich wären. Gleichzeitig vertritt Kristeva einen relativ universalen Textbegriff, wenn sie sagt, dass Intertextualität an die Stelle von Intersubjektivität tritt. Denn damit werden auch das gesprochene Wort und individuelle Gedanken in die Gesamtheit der Texte einbezogen. Da diese poststrukturalistische Intertextualitäts-theorie in erster Linie eine allgemeine Ontologie des Textes darstellt, wird sie auch als texttheoretisch bezeichnet (Lachmann 1984, 134). Ein Nachteil dieses übergreifenden Ansatzes scheint darin zu liegen, dass er sich mangels unterscheidender Kriterien kaum zur Analyse spezifischer intertextueller Bezüge eignet.
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Neben der texttheoretischen Betrachtungsweise erkannte Lachmann zwei weitere Ebenen der Betrachtung von Intertextualität: Die textdeskriptive und die literaturbzw. kulturkritische Perspektive (ebd). Von diesen scheint die deskriptive Perspektive für die Untersuchung von Bezügen zwischen konkreten Texten am besten geeignet zu sein, weil sie um die Aufstellung relevanter Kategorien bemüht ist, innerhalb derer sich die Verhältnisse von Hypotexten (Vorgängertexten) und Hypertexten (Texte zweiten Grades) qualifizieren lassen.
Transtextualität
Als bekannter Vertreter der textdeskriptiven Position gilt der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette. In seiner Studie PALIMPSESTES: LA LITTÉRATURE AU SECOND DEGRÉ (1982) stellte er nicht nur eine Reihe von Kategorien möglicher Bezüge auf, sondern definierte auch den Begriff der Intertextualität neu. Nach der von ihm entwickelten Terminologie bezeichnet Intertextualität nunmehr lediglich die „effektive Präsenz eines Textes in einem anderen“ (1993, 2), bzw. Bezüge zwischen Texten, für die sich tatsächliche Belege finden lassen. Dazu zählen Zitate, Plagiate und Anspielungen. Als neuen Oberbegriff, der in etwa Kristevas Definition von Intertextualität entspricht, schlägt er Transtextualität vor. Darunter subsumiert er, neben der Intertextualität im engen Sinn, noch Paratextualität, Metatextualität, Architextualität und Hypertextualität.
Mit Paratextualität sind begleitende Elemente gemeint, die zu einem literarischen Werk dazu gehören. Dazu zählen Titel, Untertitel, Klappentext, Vorworte, Illustrationen und alle anderen „Begleiterscheinungen“. Metatextualität liegt vor, wenn ein Text einen anderen Text kommentiert. Dies trifft zum Beispiel regelmäßig auf Rezensionen zu. Architextualität nennt Genette den Fall, wenn ein Text einer bestimmten Gattung zugehörig ist oder ihm dies zugeschrieben wird. Die letzte und komplexeste Form von Transtextualität, die Hypertextualität, liegt vor, wenn ein Text einen anderen Text zur Vorlage hat und durch Transformation oder Nachah-
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Arbeit zitieren:
Felix Fischer, 2010, Transtextualität in "Mim" (A.F.Th. van der Heijden, 2007), München, GRIN Verlag GmbH
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