Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Entzauberung 2
2.1 im Zeitalter der Aufklärung 2
2.2 bei Max Weber 4
2.3. bei Friedrich Nietzsche 4
3 Der Nationalsozialismus 5
3.1 Die Ideologie der „Völkischen“ 5
3.1.1 Nationalismus 5
3.1.2 Antisemitismus 6
3.1.3 Rassismus / Sozialdarwinismus 7
3.2 Völkische Gruppen 9
3.2.1 Antisemitenliga 10
3.2.2 Allgemeiner Deutscher Verband 10
3.2.3 Deutschbund 11
3.2.4 Germanenorden 11
3.2.5 Reichshammerbund 12
3.2.6 Thule-Gesellschaft 12
3.2.7 Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund 13
3.3 Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 14
4 Nationalsozialismus als Religion 18
5 Die Wiederverzauberung 21
5.1 Führerkult 21
5.2 Symbole und Sinnbilder 26
5.2.1 Hakenkreuz 26
5.2.2 Runen 28
5.3 Propaganda 31
6 Schluss 36
Abbildungsverzeichnis 38
Literaturverzeichnis 39
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Deutschbundmarke
Abb. 2: Emblem der Thule-Gesellschaft
Abb. 3: Ankündigungsplakat für Rede von J. DINGFELDER: „Was uns not tut “
Abb. 4: Das 25-Punkte-Programm der NSDAP
Abb. 5: Auszug aus der Zeitung „Wiener Bilder“
Abb. 6: Der Ehrenring der SS
Abb. 7: Ausweis eines aktiven Teilnehmers am Reichsparteitag
Abb 8: Urkunde über die Verleihung des „Ehrenkreuzes der Deutschen Mutter“
- 1 - 1 Einleitung
Die nachfolgende Hausarbeit über die Wiederverzauberung der Welt während der Zeit des Nationalsozialismus beruht auf wissenschaftlicher Basis. Ziel dieser Abhandlung ist es, die Methoden der Wiederverzauberung durch die Machthaber und deren Propaganda darzustellen. Dabei soll zunächst die „Entzauberung der Welt“, die mit dem Zeitalter der Aufklärung begann und sich bis zur Weimarer Republik hinzog, behandelt werden.
Im weiteren Verlauf wird die nationalsozialistische Ideologie als Fundament des Handelns während des Dritten Reiches dargelegt. Hierzu ist folgendes anzumerken:
Die dargestellte Ideologie spiegelt nicht die Meinung des Verfassers wider, sondern ist eine Zusammenstellung geschichtlicher Unterlagen und beinhaltet keine Werbung für den Nationalsozialismus.
Das im Literaturverzeichnis angegebene und verwendete Material wurde aus öffentlich zugänglichen Quellen beschafft, ein wie auch immer gearteter radikaler Hintergrund war dabei nicht ersichtlich. - Der Verfasser - „Nazizu sein ist keine Weltanschauung, sondern ein Verbrechen.“ - Atze Schröder -
- 2 - 2 Der Prozeß der Entzauberung
2.1 im Zeitalter der Aufklärung
Das Zeitalter der Aufklärung, zeitlich etwa von 1720 bis 1785 einzuordnen, gilt als Epoche der geistigen Entwicklung und Emanzipation. Sie geht von England
(Hauptvertreter: John LOCKE 1 „Nihil est in intellectu, quot non antea fuerit in sensu“ = Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war) und
Frankreich (Hauptvertreter: René DESCARTES 2 „Cogito ergo sum“ = Ich denke, also bin ich) aus und erfasst alle europäischen Länder in verschiedenster Weise. Typisch für die deutsche Aufklärung ist die theologische Prägung. Entwicklung und Emanzipation finden sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene statt. Der Mensch entdeckt sein Selbstbewusstsein und verspricht sich von der Klarheit des Denkens eine grundlegende Verbesserung seiner desolaten Lebensverhältnisse. Die Befreiung des Denkens mit den Mitteln der Vernunft soll die Basis schaffen für die Akzeptanz für neu erlangtes Wissen. Ziel dabei ist die Loslösung von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien, wie sie sich in Aberglaube, Fanatismus und Schwärmerei äußert. Dabei steht im Vordergrund die Abkehr von der absolutistischen hin zur demokratischen Staatsauffassung. Denkweisen, die einzig auf dem Glauben an Autoritäten beruhen, wurden kritisch hinterfragt.
KANT 3 (1784) beantwortet die Frage „Was ist Aufklärung“ mit den Worten: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ und definiert im Anschluss die Begriffe „Unmündigkeit“ und „selbstverschuldet“.
„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ und „Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie-
1 LOCKE John,29.08.1632 - 28.10.1704, engll. Philosoph
2 DESCARTES, René, 31.03.1596 - 11.02.1650, franz. Naturwissenschaftler und Philosoph
3 KANT Immanuel, * 22.04.1724 - 12.02.1804, dt. Philosoph
- 3 -ßung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedie-nen.“
Am Ende des ersten Absatzes nennt er noch den Wahlspruch der Aufklärung: „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Im weiteren Verlauf seiner Abhandlung stellt KANT klar, dass er „den Hauptpunkt der Aufklärung … vorzüglich in Religionssachen gesetzt“ hat. LESSING 4 (1866) äußert sich hierzu: „An die Stelle der Religion muß die Überzeugung treten.“
An die Stelle der Religion treten nun als Richtschnur des Handelns Vernunft und Erziehung; es herrscht die Überzeugung von der Erziehbarkeit des Menschen (die Pädagogik wird in dieser Zeit zur wissenschaftlichen Disziplin) und der Machbarkeit der Dinge aufgrund von vernünftiger Einsicht. Mit dem Glauben an die Vernunft geht auch der Glaube an den Fortschritt einher, so dass die Aufklärung die Grundlage für Weiterentwicklungen in allen Lebensbereichen schuf. Die Naturwissenschaften verändern sich in ihrer Beweisführung: weg von der aristoteleschen Scholastik hin zur modernen Wissenschaft - Beobachtung, Berechnung, Experiment und der logisch geführte Beweis treten an die Stelle des Bezuges auf Autoritäten.
In dem die Aufklärung die institutionalisierte Religion in Frage stellt, leitet sie den Prozess der Säkularisation ein. Die Säkularisation kann man im Zusammenhang mit der Aufklärung unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, unter anderem als Entsakralisierung und „Entzauberung“. Auch HORKHEIMER 5 /ADORNO 6 (1969) benutzen diesen Terminus: „Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt.“ (S. 8) Was allen Vertretern der Aufklärung gemein ist, ist die grundlegende Überzeugung von der Autonomie menschlicher Vernunft, wobei das wichtigste Instru- 4 LESSING GottholdEphraim, 22.01.1729 15.02.1781, dt. Schriftsteller
5 HORKHEIMER Max, 14.02.1895 - 07.07.1973 dt. Soziologe und Philosoph
6 ADORNO Theodor (eigentlich: Theodor Ludwig Wiesengrund-Adorno), 11.03.1903 -
05. 08.1969, dt. Soziologe, Komponist, Musiktheoretiker und Philosoph
- 4 -ment der Vernunft die Kritik sei. „Kritik“ wurde zum Schlagwort der Aufklä-rung. KANT verwendet diesen Begriff in seinen drei Hauptwerken: Kritik der reinen Vernunft (1781), Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Kritik der Urteilskraft (1790).
Letztendlich war die Aufklärung mitunter Ursache für die Französische Revolution (1789 - 1815). Ihre Hauptakteure waren radikale Anhänger der Aufklärung und schafften den Einfluss der Kirche ab. Somit markiert die Französische Revolution das Ende der Aufklärung als Zeitalter.
Orientiert man sich jedoch an der Definition KANTs über die „selbstverschuldete Unmündigkeit“, bestand bzw. besteht der Vorgang der Aufklärung noch immer - eine Entwicklung, die als nicht abschließbar dargestellt werden kann. bei Max WEBER 7 2.2
WEBER versteht unter Entzauberung der Welt „die Ausschaltung der Magie als Heilsmittel“ (1999 a , S. 115), wobei er als Magie das Sakrament der Buße in der katholischen Religiosität als Ausgleichsmittel eigener Unzulänglichkeit und den Priester als Magier, in dessen Hand die Schlüsselgewalt, nämlich die Vergebung der Sünden, gelegt war, setzt.
In seinem Vortrag „Wissenschaft als Beruf“ (gehalten im Winter 1919 vor Studenten der Münchener Universität zur Orientierung über Berufsfragen) stellt er die Entzauberung als Intellektualisierung und Rationalisierung vor, „dass es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbare Mächte gebe, die da hineinspielen, daß man vielmehr alle Dinge - im Prinzip - durch Berechnen beherrschen könne.“ (1999 b , S.596). bei Friedrich NIETZSCHE 8 2.3
„Gott ist tot!“ urteilt NIETZSCHE (1887) in seinem Werk „Fröhliche Wissenschaft“ (S. 67, 3. Buch, Nr. 108). Warum ist Gott gestorben? Nietzsche geißelt das Christentum, weswegen Gott gestorben ist. Das Christentum zerstörte alles, aus dem der Mensch vor dem lebte. Das Christentum setzte dagegen lauter
7 WEBER Max, 21.04.1864 - 14.06.1920, dt. Sozialwissenschaftler
8 NIETZSCHE Friedrich, 15.10.1844 - 25.08.1900, dt. Philosoph
- 5 -Annahmen: Gott, moralische Weltordnung, Unsterblichkeit, Sünde, Gnade, Erlösung. Aller Halt und Wert lag für das Christentum in Konstruktionen. Im weiteren bezeichnet Nietzsche u.a. das Christentum als Narcotica: „Was nehmen jetzt wilde Völkerschaften zuerst von den Europaern an? Branntwein und Christenthum, die europäischen Narcotica. — Und woran gehen sie am schnellsten zu Grunde? — An den europäischen Narcoticis.“ (ebd., 3. Buch, Nr. 147).
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass aufgrund dieser Entzauberung die Religion am Ende ist. Geist, Vernunft, Erziehung sind die Träger des menschlichen Daseins - desillusioniert und gedankenklar setzt sich das Leben fort. 3 Nationalsozialismus
Die Wurzeln des Nationalsozialismus liegen in der Völkischen Bewegung. Diese entstand im Deutschen Kaiserreich und der Donaumonarchie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Die Völkische Bewegung umfasste Vereine, Parteien und weitere Gruppen, die in der Öffentlichkeit der deutschsprachigen Gebiete beider Monarchien großen Einfluss erreichten.
3.1 Die Ideologie der „Völkischen“
bestand aus Nationalismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Ideologie die Gesamtheit aller Ideen, Vorstellungen, Werturteilen und Begriffen einer Gruppe, wodurch das Handeln dieser Gruppe bestimmt wird. Synonym dazu kann auch der Begriff „Weltanschauung“ verwendet werden.
3.1.1 Nationalismus
Von der Völkischen Bewegung wurden alle Bestrebungen abgelehnt, die der Einheit des Deutschen Volkes entgegenstand: sie verurteilten Demokratie und Aufklärung, da hierdurch der Wert des einzelnen übersteigert wird und die Be- dürfnisse der Gemeinschaft (des Volkes) außer Acht gelassen werden. Deswei-
- 6 -teren wollten sie Deutsche im Ausland unterstützen und engagierten sich im Kampf gegen nationale Minderheiten in Deutschland.
In der Weimarer Republik verschärften sich die nationalistischen Bestrebungen aufgrund der Niederlage im Ersten Weltkrieg und den daraus resultierenden Friedensverträgen von Versailles und Saint Germain. Weiterer Vorschub wurde durch die Dolchstoßlegende geleistet, wonach das Deutsche Heer „im Felde unbesiegt“ geblieben war. Kräfte in der Heimat seien den kämpfenden Solda-ten in den Rücken gefallen. Paul von HINDENBURG 9 stützte diese Auslegung des Zusammenbruchs, indem er am 18. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung sich auf die Aussage eines britischen Generals berief, der gesagt haben soll, die deutsche Armee sei von hinten erdolcht worden.
Durch diese bewusst falsche Darstellung wurde dem Nationalismus ein wichtiges Argument geliefert und begünstigte seinen weiteren Aufstieg. 3.1.2 Antisemitismus:
„Antisemitismus“ als Begriff wird erstmals von dem Journalisten Wilhelm
MARR 10 verwendet. Gemeint ist damit Judenfeindlichkeit, Judenhass und Judenverfolgung.
In seinen Schriften vollzieht MARR einen Paradigmenwechsel: nicht mehr die Religion ist der Auslöser (Antijudaismus) für die Judenfeindschaft, sondern die Rasse. Er behauptet, die Juden seien eine fremde minderwertige Rasse von Parasiten, die die Ausbeutung Deutschlands erfolgreich betreibe. Nach seiner Meinung liegt die Judenfeindlichkeit an folgenden Gründen: „Erstens in der Scheu der Juden vor wirklicher Arbeit. Zweitens in ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Feindschaft gegen alle Nichtjuden.“ (1879, S. 6). Im weiteren Verlaufe seiner Schrift findet er noch ein anderes Argument: „In den Juden ist dem Abendlande durch die Römer ein Volksstamm aufgedrungen worden, der seinen eigenen Geschichte zufolge, bei allen Völkern des Orients verhasst war.“ (1879, S. 8).
9 HINDENBURG, Paul von Beneckendorf und von, 02.10.1847 - 02.08.1934, dt. Heerführer und
Staatsmann
10 MARR, Wilhelm, 16.11.1819 - 17.07.1904, dt. Journalist
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