Westfälische Wilhelms-Universität Münster Institut für Politikwissenschaften
Seminar: Vision Europa - Die Europäische Einigung als Leitidee in der politischen Bildung SS 2002
Das Thema „Osterweiterung der
EU“
Schülerkonferenz „go East“
Dirk Lepping
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S 1
2. Fachwissenschaftlicher Teil
2.1 historische Grundlagen zum Integrationsprozess der EU S 2
2.2 Aspekte der Osterweiterung der EU
2.2.1 Einleitung S 3
2.2.2 Motive für den Beitritt S 5
2.2.3 Probleme der EU-Osterweiterung S 9
3. Didaktischer Kommentar S 12
3.1 Lernziele S 14
4. Entwurf einer Unterrichtsreihe zum Thema „Osterweiterung
der EU“ am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz „go East“
4.1 Einstiegsphase S 16
4.2 Die Tour d’Europe (historischer Rückblick) S 16
4.3 Basiswissen zum Thema Osterweiterung S 17
4.4 Planung der virtuellen Konferenz S 17
4.5 Durchführung der virtuellen Konferenz S 18
4.6 Ergebnisse der virtuellen Konferenz S 19
4.7 mögliche Varianten des Go East - Konzeptes S 20
5. Schlusswort S 21
6. Literaturverzeichnis S 22
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1. Einleitung
„Gewiß ist, daß Europa sich einigen muß 1 “. Bereits 1973 kam Ralf Dahrendorf in seinem „Plädoyer für die Europäische Union“ zu diesem Entschluss. Was damals galt, scheint auch heute noch aktuell zu sein. Die Europäische Union hat angesichts der immer stärker voranschreitenden europäischen Integration, des an Stärke gewinnenden Euros und der Entwicklung in den Staaten Mittel- und Osteuropas einen bisher einzigartigen Stand der Integration erreicht. Folglich wird auch in den Schulen das Thema Europa immer stärker gewichtet. Dies veranlasste die Kultusministerkonferenz dazu die 1978 verabschiedete Empfehlung über „Europa im Unterricht“ zu aktualisieren. In dem am 7. Dezember 1990 verabschiedeten Erlass wird beschrieben an welcher Stelle das Thema Europa im Fachunterricht der Sekundarstufe I und II eingesetzt und umgesetzt werden soll.
Das Thema Europa im Unterricht hat zahlreiche Facetten. Betrachtet man das Thema als Topos des sozialwissenschaftlichen Unterrichts der Sekundarstufe II, so steht man zunächst vor der Frage von welcher der drei sozialwissenschaftlichen Disziplinen man das Thema aus beleuchten möchte. Aus soziologischer Sicht würde der Fokus zum Beispiel auf die Vermischung der europäischen Kulturen oder auf das Entstehen einer neuen europäischen Identität gesetzt. Politikwissenschaftlich betrachtet ständen eher Aufbau und Organisation der europäischen Institutionen oder der Weg zur europäischen Einigung im Mittelpunkt. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht wäre die Europäische Währungsunion oder die Einführung des Euros ein mögliches Thema. Ich möchte versuchen ein Konzept vorzustellen, in dem die oben genannten Aspekte ganzheitlich integriert werden können. Anhand des Themas „Osterweiterung der EU“, das aktuelle Brisanz hat, möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit eine virtuelle Konferenz konzipieren, die von den Schülern durchgeführt und in einem zweiten Schritt analysiert und ausgewertet werden soll.
1 Dahrendorf, Ralf: Plädoyer für die Europäische Union, München und Zürich 1973, S.19.
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2. Fachwissenschaftlicher Teil
2.1 historische Grundlagen zum Integrationsprozess der EU Spricht man über Europa, so sollte zunächst die Frage nach den Wurzeln des Europäischen Einigungsprozesses gestellt werden. Bereits 1946 forderte Winston Churchill in Zürich: „Es muss so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa geben“
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. Auf der Grundlage dieser Forderung hatte Robert Schuman die Vision eines gemeinsamen Marktes für Kohle und Stahl
(EGKS), der für den gesamten Europäischen Raum eine friedensstiftende Wirkung haben sollte. Mit der Schaffung der sogenannten Montanunion im Jahre 1951 schufen „die großen Sechs“ die erste europäische supranationale Organisation. In den Pariser Verträgen wurde eindeutig festgelegt, dass die Beziehung zwischen
Deutschland verbessert, die europäische Integration gefördert und mögliche Kriege durch die Kontrolle der Rüstungsindustrie verhindert werden sollten. Diese Verträge schafften folglich das Fundament der heutigen Europäischen Union.
Neben den Pariser Verträgen waren bis dato die 1957 abgeschlossenen „Römischen Verträge“ (EWG + EAG) die wichtigsten und umfassendsten Verträge der europäischen Einigung, da sie die Grundlage für die heutige Stabilität bildeten. Durch die Gründung einer Wirtschaftsunion, der in Form der Europäischen Akte 3 (1986) und dem Maastrichter EU-Vertrag von 1992 4 zwei Reformen folgten, sowie des
2 vgl. Weidenfeld, Werner und Wessels, Wolfgang (Hrsg.): Europa von A - Z - Taschenbuch der europäischen Integration, Bonn 1994, S.14.
3 vgl. ebd., S.107-110.
4 vgl. Woyke, Wichard: Europäische Union - Erfolgreiche Krisengesellschaft. Einführung in Geschichte, Strukturen, Prozesse und Politiken, München, Wien, Oldenbourg 1998, S.52 + 73.
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friedenstiftenden Sicherheitsbündnisses EURATOM 5 , wurden deutliche Zeichen in Richtung eines gemeinsamen starken Europas gesetzt. Betrachtet man die drei Kernverträge (EGKS, EWG & EURATOM) als eine Einheit, so kann man zweifelsohne von einem „revolutionären Akt“ 6 sprechen, der enorme Auswirkungen auf den Integrationsprozess hatte. Die direkten Auswirkungen dieser Bündnisse konnte man in den sechziger Jahren, trotz allgemeiner Krisenlage, in Form der Beitrittsanträge von Groß-Britannien, Irland, Dänemark Norwegen, Schweden und Griechenland sehen, die einen wahren „run auf die EU“ 7 abzeichneten. Ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit der drei oben genannten Kernverträge ist die 1965 vollzogene Fusion von EGKS, EWG und EURATOM zur Europäischen Gemeinschaft. Dies wird als die Geburtsstunde der heutigen EU angesehen.
Gegründet in dem Bestreben die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten zu einem gemeinsamen Markt ohne Grenzen zusammenzuschließen, hat die heutige EU seit langem den Rahmen eines rein wirtschaftlich ausgerichteten Integrationsprozesses gesprengt. Längst ist es zu dem „spill-over-Effekt“ einer politischen, friedens- und sicherheitsstiftenden Union gekommen. Auf der Basis dieser Entwicklung steht die EU am Anfang des neuen Jahrtausends nun vor einer ihrer größten Herausforderungen. Seit dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten und der daraus resultierenden juristischen Angliederung der DDR an Westdeutschland sowie dem Zerfall der Sowjetunion, ist die Osterweiterung ins Rollen gekommen. Da laut Artikel Null des Vertrags über die Europäische Union „jeder Staat, der die Grundsätze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit achtet, beantragen kann, Mitglied der Union zu werden“ steht die EU der 15 vor einer ihrer schwierigsten Herausforderungen.
5 vgl. Weidenfeld: Europa von A-Z, S.150-151.
6 Wichard Woyke: Vorlesung „Der europäische Integrationsprozess“ (WS 1999/2000)
7 ebd.
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Dirk Lepping, 2002, Das Thema Osterweiterung der EU in der Sekundarstufe II am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz Go East, Munich, GRIN Publishing GmbH
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