Inhalt
Vorwort 5
Teil 1 Im Erstaunen findet sich der Weg zur Philosophie 1-7
1 Der Weg der Frage „Was ist das die Philosophie“ 1-8
2 Vom Nichts zum Sein 1-10
3 Philosophie ein Philosophieren? 1-13
Teil 2 Der Mensch und die Technik Die Frage nach der Technik 2-17
1 Die Frage nach dem Wesen der Technik 2-18
2 Das Wesen der Technik als Ge-stell 2-20
3 Das Wesen der Technik als Gefahr 2-23
4 Das Gewähren des Ge-stells als Überwindung der Technik 2-24
Teil 3 Sein und Zeit Das Sein zum Tode als Möglichkeit des
eigentlichen Seinsentwurfs 3-27
1 Einleitung 3-28
2 Die Bedeutung des Todes für das Dasein 3-28
2.1 Das Sein zum Tode als Möglichkeit des Ganzseins 3-28
2.2 Sein zum Tode unter dem Blickwinkel von Existenz, Faktizität und
Verfallenheit 3-30
3 Der Tod in seiner uneigentlichen und authentischen Betrachtung 3-32
3.1 Die uneigentliche Betrachtung des Todes durch die „Verfallenheit
an das Man“ 3-32
3.2 Das Heraustreten aus der uneigentlichen Betrachtung des Todes 3-34
3.3 Die Angst vor dem Tode 3-37
4 Resümee 3-38
Bibliographie 41
3
Vorwort
Martin Heidegger stellt für mich einen der bedeutendsten Philosophen des vergangenen Jahr-hunderts dar. Sein Hauptwerk Sein und Zeit beeinflusste die Existenzphilosophie Sartres maßgeblich. Rudolf Carnap hat sich daran versucht, den 1929 von Heidegger gehaltenen Vortrag Was ist Metaphysik? zu entkräen, meiner Meinung nach vergeblich.
Die hier zusammengestellten Arbeiten sind vor einigen Jahren entstanden, während einer Zeit, in der ich mich, zu Beginn meiner Studien über Phänomenologie und Existenzphilosophie, intensiv mit der Philosophie Martin Heideggers beschäigte. So handelt dieses Buch nicht nur von Heidegger, es ist auch durch ihn geprägt. Vielerorts wird man auf den ihm typischen Jargon, seine Neologismen stoßen. Bei der Zusammenstellung und Überarbeitung der hier ausgewählten Texte habe ich diese Anlehnung an den Stil Heideggers jedoch bewusst aufrecht erhalten. Zwar mag dies für den eher ungeübten Leser, der sich wenig oder gar nicht mit Heidegger befasst hat, zu einigen sprachlichen Schwierigkeiten führen, ich bin jedoch der Meinung, dass gerade Heidegger ein Philosoph ist, dem man sich mit der nötigen Begeisterung füt seine Eigenheiten und seine Einzigartigkeit öffnen sollte. Hier handelt es sich entsprechend nicht um „Philosophie für Nichtphilosophen“ oder „Fünfminuten-Philosophie“. Martin Heidegger muss meines Erachtens als Autor verstanden werden, der sich an ein Publikum richtet, das dem Begriff „Philosophie“ gerecht wird, das sich dem ema mit Leidenscha und Begeisterung, aber eben auch mit einem gewissen Maß an Ernsthaigkeit widmet.
Dennoch bin ich überzeugt davon, dass meine Arbeit auch für Leser geeignet und verständlich ist, die nicht über Vorkenntnisse verfügen. Für sie können diese Arbeiten vielleicht einen Einstieg ermöglichen.
5
Im Erstaunen findet sich
der Weg zur Philosophie
7
I E W P
1 Der Weg der Frage „Was ist das — die Philosophie“ 1
Die Frage danach, was das denn eigentlich sei, die Philosophie, ist, so Heidegger, eine unbestimmte Frage. Dies ist auf die Weitläufigkeit des emas zurückzuführen. Es gibt mehr als nur eine Möglichkeit, mehr als nur einen Weg, sich auf die Suche danach zu begeben, was die Philosophie denn nun eigentlich sei. Der Weg, den Heidegger beschreitet, ist derjenige, sich bereits beim Stellen der Frage in die Philosophie zu begeben; die Frage an sich ist für ihn demnach selbst eine philosophische, die es philosophierend zu beantworten gilt.
„Wenn wir agen: Was ist das — die Philosophie?, dann sprechen wir über die Philosophie. Indem wir auf diese Weise agen, bleiben wir offenbar auf einem Standort oberhalb und d.h. außerhalb der Philosophie. Aber das Ziel unserer Frage ist, in die Philosophie hineinzukommen.“ 2
Heidegger sucht also nach dem Wesen der Philosophie. Aussagen wie „Philosophie ist […] etwas Rationales, […] die eigentliche Verwalterin der Ratio“ 3 oder „Philosophie ist ihrem Wesen nach griechisch“ 4 , beziehen sich zwar auf die Philosophie, sagen etwas über sie aus, doch sind sie das, was Heidegger mit „außerhalb“ der Philosophie meint, sie betreffen nicht ihren Kern, ihr Wesen. Die Feststellung, dass z.B. das Wesen der Philosophie griechisch ist, gibt nur Auskun darüber, dass die Ursprünge der abendländischen Philosophie in Griechenland liegen. Demnach ist die Philosophie und ebenso die Frage „Was ist Philosophie?“ griechisch geprägt. Also ist auch das „Was“ griechisch zu denken. Es muss also nach der Was-heit, nach dem Sein gefragt werden. So wird zuerst einmal die Frage nach dem Sein gestellt werden müssen, also „ti to on — was ist das Sein eines Seienden — […] tis he ousia — was ist das Wesen eines Seienden“ 5 . Diese Frage stellt Aristoteles, auf den Heidegger sich vielfach bezieht, in seinem 7. Buch der Metaphysik. Er ist der Auffassung, dass sie zeitlos ist, schon immer gefragt wurde und auch immer gefragt werden wird. Bezüglich der abendländischen Philosophie hat Aristoteles mit seiner Aussage recht, sie hat sich immer mit dieser Frage beschäigt, „sie hat nach dem Was-sein bzw. der Was-heit des Seienden geagt“ 6 . Die
Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 7
Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 8
Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 9
Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 13
8
D W F „Was ist das — die Philosophie“
Ursprünge dieser Frage liegen also im antiken Griechenland. Mit ihr beginnt, so Heidegger, das Denken überhaupt erst zur Philosophie zu werden 7 . Von diesem Zeitpunkt an hat die Philosophie sozusagen ein „Programm“: „Die Philosophie sucht das, was das Seiende ist, insofern es ist. Die Philosophie ist unterwegs zum Sein des Seienden, d.h. zum Seienden hinsichtlich des Seins.“ 8
Das Sein des Seienden, das sind für Aristoteles die ersten Gründe und Ursachen. Sein eines Seienden ist also dasjenige, was es zu dem macht, was es ist, es sind diejenigen Gründe und Ursachen, die dafür verantwortlich sind, dass es ist, was es ist und nicht etwa etwas anderes. Wann immer man also die Frage nach dem Sein eines Seienden fragt, fragt man, so Aristoteles, nach dem Wesen, der ousia oder substantia. 9 Und auf diese Gründe und Ursachen ist die Philosophie ausgerichtet, nach ihnen sucht sie.
Heidegger widerspricht dieser Position von Aristoteles nicht, vertritt jedoch die Auffassung, dass diese Beschreibung der Philosophie „keineswegs die einzige Antwort auf unsere Frage sein kann. Im günstigsten Fall ist sie eine Antwort unter vielen anderen“ 10 . Fragt Heidegger nach dem Sein, so ist dies für ihn gerade nicht die Frage nach der Substanz des Seienden, nach der ousia.
„[So] hält Martin Heidegger sich nicht mehr an jene strenge Forderung des Aristoteles gebunden, bei der Frage nach dem Sein in erster Linie nach den Gründen und Prinzipien des Wesens eines Seienden zu agen. Zwar ist sein Denken […] noch on der Frage nach dem Sein und Wesen beunruhigt, aber nicht on der Seinsage, die nach dem ti, dem „Was“ eines Seienden agt, wobei dieses „Was“ die Bedeutung on Wesen, und Wesen die Bedeutung on ousia oder on Substanz hat.“ 11
Um eine Antwort darauf zu bekommen, was Philosophie ist, muss sich das Denken der Philosophie anpassen. Stellt man diese Frage, muss dabei das Denken der Philosophie entsprechen, denn die „Antwort auf die Frage: Was ist das — die Philosophie? Besteht darin, daß wir dem entsprechen, wohin die Philosophie unterwegs ist. Und das ist: das Sein des Seienden.“ 12 Wie gelangt man also in einen Zustand, dass das Denken dem Sein des Seienden entspricht? Um diese Frage zu beantworten muss man sich zuerst über Heideggers Verständnis von Sein klar werden.
7 Vgl. Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 24
8 Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 8
9 Marx, Werner: Heidegger und die Tradition, S. 12f.
10 Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 27
11 Marx, Werner: Heidegger und die Tradition, S. 13
12 Heidegger, Martin: Was ist das — die Philosophie?, S. 33
9
Arbeit zitieren:
Jacqueline Baptista Dias, 2008, Gedanken des Philosophen Martin Heidegger, München, GRIN Verlag GmbH
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