INHALTSVERZEICHNIS I
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS I
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
1 EINLEITUNG 1
1.1 Thema und Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Seehafenhinterlandverkehr als die Herausforderung der Zukunft 2
1.3 Aufbau der Arbeit 3
2 DEFINITIONEN ZUM TRANSPORTNETZWERK 5
2.1 Abgrenzung und Definition Seehafenhinterlandverkehr 5
2.2 Komponenten des Transportnetzwerk 7
2.3 Unterschiedliche Definitionen eines Inland Container Terminals 9
3 AKTUELLER STAND DER FORSCHUNG 12
3.1 Hinterland und Hinterlandentwicklung 12
3.2 Ausgestaltung intermodaler Transportketten zur Versorgung des Hinterlandes 18
3.3 Optimale Positionierung von Intermodal Terminals 19
3.4 Terminalstrukturen 22
4 DAS DRY PORT KONZEPT 26
4.1 Distant Dry Port 28
4.2 Mid Range Dry Port 30
4.3 Close Dry Port 31
4.4 Voll Implementiertes Dry Port Konzept 32
4.5 Fallstudie einer Dry Port Simulation am Beispiel von Göteborg 34
4.5 34
4.5 34
INHALTSVERZEICHNIS II
5 FALLSTUDIEN UND REALE BEISPIELE VON DRY PORTS 36
5.1 Fallstudie Port Botany, Sydney 36
5.2 Fallstudie Rotterdam - Norditalien 37
5.3 Fallstudie zu Dry Ports in Indien 38
5.4 Fallstudie zu Dry Ports in der Ostsee Region 39
6 ENTWURF EINES DRY PORT KONZEPTS IN DEUTSCHLAND 41
6.1 Status Quo im Hinterlandverkehr der Nordrange Häfen 41
6.2 Lösungsmodell und optimale Standortwahl 48
7 FESTSTELLUNGEN UND AUSBLICK 54
LITERATURVERZEICHNIS VII
LITERATURVERZEICHNIS VII
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AutoID‐System Automatisches Idendifikations System
BE Belgien
bzw. beziehungsweise
ca. circa
CFS Container Freight Station
CO 2 Kohlenstoffdioxid
d.h. das heißt
DE Deutschland
e.g. exempli gratia 8
e.V. eingetragener Verein
et al. et alii
etc: et cetera
EU Europäische Union
EUROGATE EUROGATE GmbH & Co. KGaA
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GPS Global Positioning System
HHLA Hamburger Hafen und Logistik AG
ICD Inland Container Depot
ILU Intermodale Ladeeinheit
IML Institut für Materialfluss und Logistik
ITLSS Intermodal Terminals Location Simulation System
ITU Intermodal Transport Unit
kg/h Kilogramm pro Stunde
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
kg/km Kilogramm pro Kilometer
km Kilometer
LCL Less than Container Load
LKW Lastkraftwagen Siehe
m Meter
Mio. Millionen
MIST Macarthur Intermodal Shipping Terminal
NL Niederlande
RFID Radio‐frequency identification
S. Seite
TEU Twenty Foot Equivalent Unit
TEU/h Twenty Foot Equivalent Unit pro Stunde
TFG Transfracht Internationale Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr mbH & Co KG
UN ECE United Nations Economic Commission for Europe
US United States
USA United States of America
Vgl. vergleiche
z. B. zum Beispiel
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Klassifizierung der Umschlagsmengen in Seehäfen 6
Abbildung 2: Transportnetzwerkmodell mit Transportverbindung 7
Abbildung 3: Verbindung von Netzwerken durch verschiedene Arten von Gateways 8
Abbildung 4: Die räumliche Entwicklung eines Hafensystems 14
Abbildung 5: Frachtterminalhierarchie 15
Abbildung 6: Die Entwicklung von Logistic Poles 17
Abbildung 7: Terminalarten 19
Abbildung 8: Multimodales Netzwerk der Iberischen Halbinsel 20
Abbildung 9: Grundriss und Querschnitt eines Straße Schiene Terminals mit drei
Krananlagen 23
Abbildung 10: Kosten Volumen Kurven für verschiedene Terminalausstattungen 25
Abbildung 11: Seehafen mit Verbindungen ins Hinterland 27
Abbildung 12: Seehafen mit einem Distant Dry Port 29
Abbildung 13: Seehafen mit einem Mid Rang Dry Port 30
Abbildung 14: Seehafen mit einem Close Dry Port 31
Abbildung 15: Vergleich zwischen konventionellem Hinterlandtransport und dem
implementiertem Dry Port Konzept 33
Abbildung 16: Entwicklung des Containerumschlags in den Häfen der Nordrange 42
Abbildung 17: Marktanteil und Modal Split des Hafen Hamburg im Containerverkehr nach
europ äischen Hinterland bzw. Transshipmentregionen 44
Abbildung 18: Belastung des Schienennetzes der Eisenbahn durch Güterzüge 2005 47
Abbildung 19: Dry Port Modell für Deutschland 49
Abbildung 20: Luftbild des Vertikal Umschlagssystem eines Mega Hub 51
Abbildung 21: Querschnitt Ansicht des Vertikal Umschlagsystems 52
Abbildung 52
TABELLENVERZEICHNIS VI
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Modal Split der Nordrangehäfen im Container‐Hinterlandverkehr 2005 ......... 43
EINLEITUNG 1
1 EINLEITUNG
1.1 Thema und Zielsetzung der Arbeit
Wenn Frachtgut den Seeweg aus Fernost, Afrika oder Amerika zurückgelegt hat, scheint die größte Herausforderung gemeistert zu sein. Vom Hafenkai, an dem die Ware in Eurocontainern steht, muss sie nur per LKW oder Bahn an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Doch so einfach ist die Sache nicht ‐ verstopfte Straßen sind die Regel und auch die Schienen sind voll. Das starke Wachstum des Welthandels und der Boom in den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben den deutschen Seehäfen einen rasanten Aufschwung beschert. Nach zweistelligem Plus in den Vorjahren der Krise gehen alle Prognosen mittelfristig weiter von einer starken Erhöhung aus. Jeder dritte Container, der heute in Hamburg, dem größten deutschen Seehafen, ankommt, wird mit dem Zug abtransportiert. Angesichts des starken Wachstums sind die Schienenstrecken allerdings nahe an ihrer Kapazitätsgrenze.
Strukturelle Veränderungen der Logistik haben neue Formen der Güterverteilung generiert und erforderten neue Konzepte für den Hafenbetrieb. Die Inlandsverteilung ist zu einem Kernbereich der globalen Container‐Lieferketten geworden. Durch zuverlässige Dienstleistungen zwischen den weltweiten Container‐Häfen und ein hohes Maß an Wettbewerb zwischen den Seefrachtgesellschaften, ist das maritime Segment der Transportkosten sehr gut bekannt. Die Kosten für den Vor‐ und Nachlauf sind nicht so einfach erfassbar und bestehen aus einer Vielzahl von Bestandteilen. Aus diesem Grund werden aktuelle Effizienzsteigerungen in der Logistikkette zu einem großen Teil aus dem Inlandstransport abgeleitet. Die Entwicklung der globalen Lieferketten erhöht den Druck auf den Seetransport, den Hafenbetrieb, und last but not least auf die Inlandsgüterverteilung. Die Hinterlandanbindung als solche ist somit zum Eckpfeiler der Hafenwettbewerbsfähigkeit geworden. Aus diesem Grund ist ein konzeptioneller Ansatz zur Hafen‐Hinterland‐Anbindung in einem sich wandelnden Marktumfeld dringend erforderlich.
Ziel der Arbeit ist die detaillierte Beschreibung der Funktionsweise und der Voraussetzungen eines funktionierenden Dry Port als Lösungsmöglichkeit für eine optimale Hinterlandanbindung und die verstopften Seehäfen. Hierfür wird das Dry Port Modell nach Woxenius et al. (2004) untersucht und daraus ein Konzept für die Hinterlandanbindung der deutschen Nordseehäfen abgeleitet. Dieser Ansatz soll dazu Beitragen die Situation in den Häfen nachhaltig zu verbessern. Die Analyse soll zum Verstehen der wichtigsten Einflussgrößen sowie der Bedeutung des Dry Port Konzeptes beitragen.
EINLEITUNG 2
1.2 Seehafenhinterlandverkehr als die Herausforderung der Zukunft
Im Jahre 1956 startete die McLean Trucking Company in den USA Experimente mit genormten Kisten in einem Versuch das Vertriebssystem vom Verlader bis zum Empfänger zu rationalisieren. Bald darauf revolutionierte der Container und das Intermodal‐Konzept die moderne Schifffahrt und zu einem späteren Zeitpunkt auch den Hinterlandverkehr. In kurzer Zeit verbreitete sich die Containerisierung in den USA und fand seinen Weg in der Mitte der 1960er Jahre mit der ersten transatlantischen Container‐Service nach Europa. Niemand hatte vorausgesehen, dass die Containerisierung und intermodale Technologien solche weitreichenden Auswirkungen auf Hafensysteme haben würden. Die neuen Anforderungen durch die Containerisierung haben zum Rückgang einiger etablierter Häfen beigetragen und das Wachstum neuer gefördert. Das Konzept der Containerisierung erweitert das Hafenhinterland und definiert den Wettbewerb zwischen Häfen neu. 1
Großcontainerschiffe operieren heutzutage am wirtschaftlichsten in einem Liniensystem mit wenigen Häfen bei gleichzeitig verkürzten Strecken. Dies hat zur Folge, dass die beteiligten Häfen, pro Schiffsabfahrt und zunehmender Schiffsgröße absolut und relativ zur Schiffsgröße immer mehr Container umschlagen müssen. Daraus leiten sich sowohl Optimierungsmöglichkeiten als auch neue Problem für die Vor‐ und Nachläufe ab. Durch Untersuchungen ist erkennbar, dass die Umschlagsleistungen zwischen Containerschiff und Terminal steigerbar ist. Großcontainerschiffe mit wenigen Häfen in ihren Rundreisen begünstigen durch effizientere Lösch‐Lade‐Aktivitäten eine höhere Umschlagsleistung. Nach bisherigen Berechnungsgrundlagen können pro 80 m Kailänge 30 Container pro Stunde umgeschlagen werden. Bei einem TEU‐Faktor von 1,5 entspricht dies einer Leistung von 45 TEU/h pro 80 m Kailänge. Durch den zukünftigen Einsatz von effizienten Mehrfachspreadern kann diese Umschlagsleistung weiter gesteigert werden. Die landseitige Umschlagsleistung eines Terminals muss nach den jeweiligen Verkehrsträgern differenziert werden. Bei der Betrachtung des LKW kann davon ausgegangen werden, dass jeder LKW pro An‐ und Abfahrt zwei TEU befördern kann. Für das Container‐Terminal in Hamburg Altenwerder wird eine Abfertigungsleisung von 200 Fahrzeugen pro Stunde angenommen. Bei einer Untersuchung in Hamburg ergab sich eine Vergleichsweise deutlich höhere seeseitige Umschlagsleistung. Erst bei ca. 400 LKW‐Abfertigungen pro Stunde wäre ein Gleichstand der Umschlagsleistungen erreicht. Ungleiche Leistungen müssen somit zwangsläufig über Lager (Puffer) angepasst werden. Eine weitere seeseitige Umschlagssteigerung würde zu einer noch größeren LKW‐ Abfertigungsleistung führen. Zufahrten zu Containerterminals sind in der Regel aber nur mit Stadtstraßen gleichzusetzen und im Falle des Hamburger Hafens sind sogar vier Terminals zu
1 Vgl. Notteboom, T. (1997), S. 99
EINLEITUNG 3
bedienen. Selbst wenn die Containerterminals die Abfertigungsleistung für LKW deutlich erhöhen würden, kann das Straßennetz die Fahrzeuge nicht in ausrechender Menge pro Zeiteinheit an die Terminals heran‐ oder abführen. Diese Diskrepanz zwischen see‐ und landseitiger Umschlagsleistung weist deutlich darauf hin, dass der Verkehrsträger LKW nicht in der Lage sein wird, die erforderlich Anschlussleistung an die Seehäfen herzustellen. Entweder müssen die Container länger zwischen gelagert oder andere Verkehrsträger massiv mit in die Vor‐ und Nachlauftransporte der Seehäfen eingebunden werden. 2
1.3 Aufbau der Arbeit
Im Folgenden wird die Vorgehensweise beschrieben, mit der das Hauptziel der Arbeit ‐ Funktionsweise und Voraussetzungen eines funktionierenden Dry Port als Lösungsmöglichkeit für eine optimale Hafenhinterlandanbindung ‐ erreicht werden soll.
Die Studienarbeit ist in sieben Kapitel untergliedert. Nachdem mit diesem ersten Kapitel eine Einleitung in die Arbeit erfolgt ist, werden in Kapitel 2 die relevanten Grundlagen zur Bearbeitung des Themas geschaffen. Hierfür werden zuerst eine Abgrenzung und Definition des Seehafenhinterlandverkehrs vorgenommen. Anschließend werden alle für das Thema der Arbeit notwendigen Definitionen dargelegt und auf die Rolle der Terminals im Transportnetzwerk eingegangen. Weiterhin erfolgt eine Darlegung unterschiedlicher Definitionen eines Inland Container Terminal nach Regionen.
Gegenstand von Kapitel 3 ist der aktuelle Stand der Forschung im Bereich des Transportnetzwerks. Dabei werden Arbeiten zu den vier Punkten Hinterland und Hinterlandentwicklung, Ausgestaltung intermodaler Transportketten zur Versorgung des Hinterlands, Optimale Positionierung von Intermodal Terminals und Terminalstrukturen auf ihren Beitrag zum Dry Port Konzept untersucht.
In Kapitel 4 wird das Dry Port Konzept als Lösungsmodell einer effektiven und effizenten Hinterlandanbindung vorgestellt und erläutert. Die Untergliederung des Kapitels orientiert sich dabei an den drei Einteilungsklassen‐ Distant, Mid‐Range und Close Dry Port. Weiterhin wird die Fallstudie einer Dry Port Simulation dargelegt. Diese zeigt die Vorteile des Konzepts gegenüber der herkömmlichen Hinterlandanbindung auf.
Das heutzutage schon reale Dry Ports existieren zeigt Kapitel 5. Darin werden vier Fallstudien erläutert, welche in unterschiedlichen Regionen der Welt die Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für schon vorhandene oder geplante Dry Ports untersuchen.
2 Schönknecht, A. (2009), S. 113ff
EINLEITUNG 4
Kapital 6 beschäftigt sich mit dem Entwurf eines Dry Port Konzepts in Deutschland. Dabei wird auf die heutige Situation des Seehafenhinterlandverkehrs der europäischen Nordrange‐Häfen eingegangen. Es werden die Umschlagsentwicklungen vor der Krise und die weiteren Potenziale nach der aufgezeigt, der Modal Split untersucht, die spezifischen Hinterlandregionen der einzelnen Häfen dargelegt und auf Engpässe im bestehenden Hinterlandsystem eingegangen. Anschließend wird ein Lösungsmodell für Deutschland erarbeitet. Dabei wird speziell auf die optimale Standortwahl und die Produktionssysteme eingegangen.
Den Abschluss der Studienarbeit bildet Kapitel 7 mit einer Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse, politischen Handlungsempfehlungen und einem Ausblick auf notwendige weiterführende Forschungsaktivitäten.
DEFINITIONEN ZUM TRANSPORTNETZWERK 5
2 DEFINITIONEN ZUM TRANSPORTNETZWERK
Ein bedeutender Wettbewerbsfaktor für Industrie und Handel ist die Notwendigkeit flächendeckende Dienstleistungen anzubieten. Zentrale Distributionsstrategien erfordern niedrige Transportkosten und kurze Laufzeiten. Daher kommt der Netzstruktur, als wesentlichem Einflussfaktor, eine besondere Bedeutung zu. Bevor die eigentliche Betrachtung des Dry Port Konzeptes durchgeführt werden kann, ist es notwendig die wichtigsten Begriffe zu definiert und auf die unterschiedlichen Bezeichnung in den verschiedenen Regionen einzugehen.
2.1 Abgrenzung und Definition Seehafenhinterlandverkehr
Basis aller folgenden Betrachtungen ist der Seehafenhinterlandverkehr. Seehäfen fungieren als Schnittstelle zwischen Landverkehrsträgern und der Seeschifffahrt. Sie schlagen alle Arten von Gütern und Ladungstypen um und müssen zudem noch die ladungsbegleitenden Informationen verarbeiten und weiterleiten. Dabei sind sie einerseits starkem Wettbewerb ausgesetzt und können andererseits durch ihre örtliche Bindung bei vielen Determinanten des Wettbewerbs kaum oder nur wenig selber agieren.
Entsprechend sind die Seehäfen von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Sie müssen nicht nur auf Veränderungen bei Ladungsstrukturen, sondern auch auf neue Trends auf Seiten der Schifffahrt reagieren und sich auf neue Strukturen und Organisationsformen im Hinterland einstellen. Aufgrund der dort vorherrschenden Marktdynamik ist vor allem der Containerverkehr von Veränderungen und neuen Herausforderungen betroffen. Mehr als jede andere Ladungskategorie ist der Containerverkehr prädestiniert für einerseits gebrochene Transportketten und andererseits die feine Verteilung im Hinterland. Entsprechend ist, anders als bei den Massengütern, der LKW immer noch ein sehr wichtiges Transportmittel auf den kurzen aber auch auf den mittellangen Strecken.
Grundsätzlich lässt sich die Umschlagmenge in den Häfen anhand des weiteren Weges bzw. der Bestimmungsgebiete folgendermaßen aufteilen (Abbildung 1).
DEFINITIONEN ZUM TRANSPORTNETZWERK 6
Auf der Seeseite ist zu unterscheiden zwischen den direkten Verkehren, d.h. den Übersee‐ und Short Sea‐Verkehren, und den indirekten Verkehren. Letztere, auch Transshipment‐ oder Feederverkehre, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie aus einem anderen Hafen, per kleinem Schiff angeliefert werden und anschließend die lange Strecke in Richtung Übersee auf einem großen Schiff antreten. Diese Verkehre haben dadurch keine Berührung mit dem Landtransport und sind somit für diese Arbeit von keiner Bedeutung. Im Folgenden werden die Ladungsströme in das nationale und internationale Hinterland näher untersucht. 4
Beim Seehafenhinterlandverkehr handelt es sich um einen Kombinierten Verkehr. Dieser lässt sich in zwei bedeutenden Märkten einteilen. Der kontinentale Kombinierte Verkehr transportiert innerhalb Europas und europaübergreifend sowohl in Nord‐Süd, wie auch in Ost‐ West‐Richtung Wirtschaftsgüter. Die Transporte werden im Hauptlauf überwiegend durch die Eisenbahn abgewickelt, ein kleinerer Teil entfällt auf die Binnenschifffahrt. Der Vor‐ und Nachlauf erfolgt durch den Straßengüterverkehr. Das Umschlagsterminal des Kombinierten Verkehrs bildet hierbei die Schnittstelle zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern. Fahren Züge zu Seehäfen, wo die Container entsprechend auf Hochseeschiffe umgeschlagen und nach Übersee transportiert werden, spricht man von maritimen Kombinierter Verkehr - dem Seehafenhinterlandverkehr. Entscheidend hierbei ist, dass entweder die Quelle oder die Senke der Güterströme ein Seehafen ist. Dieser auf die wichtigsten Seehäfen ausgerichtete Verkehr konzentriert sich überwiegend auf die Nord‐Süd‐Achse Europas und bedient das Hinterland der Seehäfen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland Österreich und der Schweiz. Durch
3 ISL (2003), S. 12
4 Vgl. ISL (2003), S. 11ff
DEFINITIONEN ZUM TRANSPORTNETZWERK 7
ein enges Zusammenspiel von Seehäfen, Terminals und Transporteuren können die Risiken der Intermodalen Transportkette minimiert und die Chancen voll genutzt werden.
2.2 Komponenten des Transportnetzwerk
Das Transportnetzwerk besteht aus der Gesamtheit aller Anlagen, auf denen sich die räumliche Fortbewegung von Personen oder Gütern vollzieht. Netzstrukturen entstehen durch die Anordnung von Knoten und deren Verknüpfung über Kanten. Knoten werden definiert als eine Quelle, eine Senke oder einen Übergabepunkt (Transshipmentcenter), abhängig von der jeweiligen Aufgabe. In ihnen werden Tätigkeiten, wie Konsolidieren, Sortieren, Lagern und Umschlagen, ausgeführt. Kanten repräsentieren den Transport und die Transferaktivitäten. Aus verkehrsgeographischer Sichtweise besteht das Verkehrsnetz desweiteren aus der Umgebung der Knoten, dem Hinterland. Dieses wird von den jeweiligen Knoten aus versorgt. Die Aufteilung in Kanten und Knoten ermöglicht es, komplexe Verkehrsnetze zu vereinfachen und mit der Grafentheorie zu untersuchen (Abbildung 2). 5
Die abstrakten Ausdrücke Knoten und Kanten dienen zur Modellbeschreibung. Im realen System werden die Verbindungen von Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen bedient, welche die Infrastruktur nutzen. Die physischen Einheiten der Knoten entsprechen dabei einem Terminal oder entsprechenden wesentlich umgangssprachlicheren transportartspezifischen Begriffen, wie Bahnhof, Flughafen und Seehafen. Im Transportsektor werden Übergabepunkte mit zentraler Bedeutung im Netzwerk wechselnd und inkonsequent als Hub, Hafen, Gateway und Drehscheibe bezeichnet.
Ein Gateway (oder auch Übergabestelle) ist definiert als die Verbindung zwischen verschiedenen Netzwerken (Abbildung 3). In einem Intramodal Gateway nutzen die verbundenen Netzwerke die gleichen Verkehrsträger, während bei einem Intermodal Gateway
5 Nuhn, H., Hesse, M. (2006), S. 20
6 Eigene Darstellung nach Woxenius, J., Roso, V., Lumsden, K. (2008), S. 340
Arbeit zitieren:
Matti Biskup, 2010, Dry Port: Innovatives Konzept für Container‐Terminal im Seehafen‐Hinterlandverkehr, München, GRIN Verlag GmbH
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