1.Einleitung 3
2.Eine Auswahl bildungstheoretischer Vorstellungen 4
3. Der Stellenwert des Berufs 9
4. Kerngedanken der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 11
5. Anknüpfpunkte der bildungstheoretischen Vorstellungen 13
6. Fazit 15
7. Literaturverzeichnis 17
2
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1.Einleitung
Die Idee der Nachhaltigkeit ist kein neuartiger Gedankengang; bereits in den Anfängen des 18. Jahrhunderts ist der Ursprung dieses Begriffs in der Forstwirtschaft zu finden. 1 im Laufe der Zeit hat sich die regulative Idee der nachhaltigen Entwicklung in immer unterschiedlicheren und abstrakter werdenden Dimensionen durchgesetzt.
Die Allgemeingültigkeit dieser „[…] einstweilen noch abstrakt erscheinenden Idee einer nachhaltigen Entwicklung […]“ 2 macht sie gleichermaßen zu einer großen Herausforderung als auch zu einer großen Chance für die Menschheit. Wir tragen die Verantwortung, mit den Ressourcen der Erde nachhaltig umzugehen, die ökologische Tragfähigkeit des Planeten zu beachten und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in den ärmeren Ländern anzustreben.
Um eine Entwicklung im Interesse künftiger Generationen und globaler Gerechtigkeit in einer „[…] sich dynamisch verändernden Welt ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogen zu gestalten […]“ 3 muss global gedacht werden, und möglichst viele Menschen müssen qualifiziert werden, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. 4 Aus diesem Grund ist Bildung ein wesentlicher Teil des Nachhaltigkeitsprozesses, der in der Agenda 21 als eine unerlässliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung beschrieben wird. 5
Das Bildungskonzept „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (BNE) wurde daher entwickelt, um Inhalte in die Lehrpläne einzubeziehen, die die Schüler zu einer aktiven Gestaltung der Zukunft befähigen. 6 Die hieraus entstandenen Programme und Konzepte lassen jedoch häufig keine Potenziale für eine Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung ableiten (z.B. BLK-Programm 21 / Transfer 21). „Der programmatische Diskurs über eine Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung intensiviert […]“ sich sehr langsam, wobei in der Praxis noch „relativ wenige Ansätze einer nachhaltigen Bildungsarbeit zu finden“ sind. 7
Auf Grund dieser mangelhaften Einbeziehung der beruflichen Bildung in den Prozess der nachhaltigen Entwicklung sowie der grundlegenden Frage, ob es berufliche Bildung vermag zu bilden oder ob sie
1 Vgl. Michelsen, Gerd (2008): Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung. Lüneburg: Institut für Umweltkommunikation. S.25.
2 Degenhardt, Bodo (2009): Nachhaltigkeit lernen - Bildung für nachhaltige Entwicklung [http://www.vhs‐ bw.de/abteilung/politik‐gesellschaft‐umwelt/nachhaltigkeit‐lernen.pdf; 27.07.2010].
3 Degenhardt, Bodo (2009).
4 Vgl. Degenhardt, Bodo (2009).
5 Vgl. Michelsen, Gerd, S. 119.
6 Vgl. De Haan, G./ Harenberg, D. (1999): Gutachten zum Programm Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung der Bund‐Länder‐Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, Heft 72. Bonn: Bund‐Länder‐Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung.
7 Fischer, A./ Ehrke, M./ Hahn, G./ Mertineit, K.‐D. (2009): Vom Elfenbeinturm zum Ladentisch - Nachhaltige Potenziale im Handel. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S.13. 3
nur Inhalte vermittelt, sollen in der folgenden Arbeit diese beiden Aspekte zusammengenommen werden. Es soll die Frage bearbeitet werden, ob berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung bildet.
Zuerst sollen die verschiedenen bildungstheoretischen Vorstellungen dargestellt werden, um eine Idee der unterschiedlichen Auffassungen bezüglich des Begriffs „Bildung“ und dessen Bedeutung zu erhalten. Im Anschluss werden der Stellenwert des Berufs erörtert sowie die Kerngedanken der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung dargestellt. Abschließend wird erläutert, an welche Bildungsvorstellungen angeknüpft werden kann, wenn die Idee der nachhaltigen Entwicklung in der beruflichen Bildung berücksichtigt werden soll.
2.Eine Auswahl bildungstheoretischer Vorstellungen
Um im Folgenden einige wichtige bildungstheoretische Vorstellungen darstellen zu können, muss zuerst erläutert werden, was der Begriff Bildung überhaupt beinhaltet.
Es handelt sich hierbei um einen sehr komplexen und schwer greifbar zu machenden Leitgedanken. Als regulative Idee betrachtet stellt Bildung ein „bildungs- und kulturpolitisches Leitbild, das institutionalisierte Lernprozesse orientiert“ 8 , dar.
Obwohl es von verschiedensten Autoren und Experten seit zwei Jahrhunderten versucht wurde, eine Begriffsdefinition aufzustellen, gibt es bis zum heutigen Tage keine allgemeingültige und anerkannte Form. 9 Unterstützt wird die begriffliche Verwirrung zudem von der Tatsache, dass in dem Bereich der Bildung keine Stabilität bezüglich des kulturellen Bezugsgegenstands gegeben ist, so dass ein steter Wandel der eigentlichen Bedeutung beachtet werden muss. 10
Blankertz schreibt zu diesem Thema, dass bildungstheoretische Modelle der Didaktik immer einen „nicht-positivistischen Ansatz“ benötigen, „[…] weil sie mit dem Bildungsbegriff ihre Wissenschaft an ein Interesse binden, welches über bloße Analyse und wertfreie Tatsachenfeststellung prinzipiell hinausweist.“ 11 Um die Verwirrung um den Begriff der Bildung und die differierenden Ansätze der Bildungstheorien etwas zu klären, greift Blankertz auf die von Wolfgang Klafki erstellte Theorie der materiellen und der formellen Bildungstheorien zurück. Diese schaffen es, alle unterschiedlichen Bildungstheorien, zumindest in ihrer Bedeutung für die Didaktik, auf einen Konsens hin auszulegen. Die Aufgabe der materiellen Bildungstheorie ist die Vermittlung von Inhalten und die damit verbundene Wissensansammlung als eine Voraussetzung für ein späteres Handeln; sie zieht somit das
8 Spreen, Dierk (2004): Bildung als „Regulative Idee“. Zum Verhältnis von Bildung und Nutzen. In: diezeitschrift.de, 2004, Nr. 3, S. 32. [http://www.diezeitschrift.de/32004/spreen04_01.pdf;25.07.2010].
9 Vgl. Blankertz, Herwig (1975): Theorien und Modelle der Didaktik. 9. Auflage. München: Juventa Verlag. S. 36.
10 Vgl. de Haan, Gerhard (2002): Die Kernthemen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. In: ZEP. Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik. Heft 1. S. 13.
11 Blankertz, Herwig (1975). S. 35. 4
Objekt als Bezugspunkt in den Fokus. Die formale Bildungstheorie betrachtet im Gegensatz zu der Materiellen das Subjekt und somit die Entwicklung und Förderung seiner Möglichkeiten, sowie die „Entfaltung seiner individuellen Kräfte“. 12
Im Folgenden werden einige bildungstheoretische Vorstellungen anhand der Theorien von Peter Bieri, Hartmut von Hentig, Wolfgang Klafki und Herwig Blankertz vorgestellt.
Peter Bieri betrachtet Bildung als einen „zweckfreien Wert“. Den Antrieb, sich zu bilden, muss seiner Meinung nach der Mensch selbst entwickeln. „Bildung ist etwas, das der Mensch mit sich und für sich selbst macht“. Diese Maxime, gepaart mit Neugierde, sieht Bieri als grundlegende Voraussetzung an. Daher ist eine Ausbildung mit dem Bildungsbegriff Bieris nicht vereinbar. Ausgebildet wird der Mensch und strebt diese nicht aus einem inneren Drang an, eine Ausbildung wird vermittelt und unterliegt einem eng gefassten Nutzen. Hierbei handelt es sich um einen konkreten zweckgebundenen Wert.
Bildung ist die Grundlage, um zu begreifen, wie etwas funktioniert und warum es funktioniert; in diesem Sinne fungiert Bildung als Weltorientierung. Der gebildete Mensch ist zudem in der Lage sein eigenes Wissen zu reflektieren. Im Sinne der Aufklärung muss er sein Wissen und seine Gedankengänge regelmäßig hinterfragen, um zu der benötigten gedanklichen Selbstständigkeit zu gelangen. 13
Das Bewusstsein über die historische Zufälligkeit der eigenen Kultur und die Fähigkeiten zu einer distanzierten Betrachtung der eigenen als auch fremder Lebensweisen ohne eine subjektive Bewertung der jeweiligen, ist laut Bieri ebenfalls ein wichtiger Bildungsaspekt. Die eigene moralische Identität, welche im Laufe der Jahre entwickelt wurde, ist in diesem Zusammenhang unter dem Aspekt ihrer historischen Zufälligkeit zu hinterfragen. Durch die für Bildung essentielle Neugierde fragt sich der gebildete Mensch, wie ein Leben unter anderen Voraussetzung verlaufen wäre und entwickelt somit zugleich eine breite Toleranz sowie ein grundlegendes Verständnis für die Situation Anderer. 14
Nicht die reine Wissensansammlung bildet den Menschen. Er ist erst dann gebildet, wenn das aufgenommene Wissen ihn verändert und er selbst sich über diesen Prozess im Klaren ist. Die innere Veränderung darf jedoch nicht nur wahrgenommen werden; wichtig ist ebenfalls, dass eben diese handlungswirksam wird.
Der Leser von Literatur bildet sich durch ein wachsendes begriffliches Repertoire, welches ihm eine differenziertere Betrachtung und Erklärung ermöglicht. Er kann sich selbst und Erlebtes nuancierter ausdrücken und schafft sich somit die Möglichkeit, differenzierter zu empfinden. In diesem
12 Vgl. Blankertz, Herwig (1975). S. 36ff.
13 Vgl. Bieri, Peter (2007): Wie wäre es gebildet zu sein? In: Zeit Magazin Leben, Nr. 32. Vom 02.08.2007.
14 Vgl. Bieri, Peter (2007). 5
Arbeit zitieren:
Sarah Bastemeyer, 2010, Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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