Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
Was ist Sozialisation?
Einf ührung ins Thema nach M. Dahrendorf
B. Hauptteil
1. Thesen des Aufsatzes „Lesesozialisation und KJL“
2. Sprachbildung im Vorschulalter
3. Bedingungen der Lesesozialisation
C. Schluss
Mein persönliches Statement
D. Literaturverzeichnis
A. Einleitung
Bei der Erarbeitung meiner Hausarbeit stellt sich für mich als Erstes die Frage:
Was ist Sozialisation?
Sozialisation (lat. sociare verbinden, vereinigen; engl. socialization). Prozess, in dessen lebenslangen Verlauf ein Individuum über die kulturspezifischen Regulationen seiner Bedürfnisbefriedigung, den alltäglichen Umgang mit Familienangehörigen und anderen Bezugspersonen, über Lernprozesse im System der gesellschaftlichen Instanzen sowie als Teil bzw. Nutzer von gesellschaftlichen Institutionen die mehrheitlich anerkannten Kriterien für erfolgreiches bzw. erwünschtes und weniger erfolgreiches bzw. unerwünschtes Verhalten, die wesentlichen Verständigungsmittel und ein daran orientiertes Repertoire von Einstellungen und Verhaltensmustern erwirbt. Aufgrund dieser vielfältigen Erfahrungen und Lernprozesse wird das Individuum zum Mitträger einer Kultur, so dass das alltägliche Verhalten für die meisten Lebenssituationen im Einzelnen überwiegend sozial programmiert ist. Dies stabilisiert Individuum und Gesellschaft und sichert außerdem Kommunikation und Kontinuität. Das Individuum wird zur soziokulturellen Persönlichkeit. Die Sozialpsychologen sprechen von der Internalisierung einer Kultur. Mit zunehmendem Alter wächst durch subjektive Spontaneität und äußere Anregungen die Ausbildung der individuellen Urteilskraft, also das Vermögen des Individuums, den Prozess der kulturellen Regelung und Stabilisierung seines Verhaltens zu reflektieren, Alternativen, Widersprüche und Wandlungen zu erkennen, Konflikte zwischen sozialen Erwartungen und subjektiven Standards zu fällen. Im Sozialisationsprozess ist das Individuum folglich nicht Objekt der soziokulturellen Beeinflussungen, vielmehr ist es von Anbeginn an der Gestaltung seiner soziokulturellen Persönlichkeit beteiligt. Diese wachsende aktive Teilnahme der Individuen an der Sozialisation ist unabdingbare Voraussetzung für jeden kulturellen Wandel. Die Sozialwissenschaften betrachten den Prozess der Sozialisation differenziert (Soziabilisierung, Enkulturation, Personalisation, Akkulturation). Erziehung wird als absichtlicher, formalisierter und kontrollierter Teilprozess der Sozialisation verstanden. 1
Einführung ins Thema nach M. Dahrendorf
Seit 15 bis 20 Jahren befasst man sich nun mit dem Thema der Leseförderung. Der gefürchtete Rückgang der „Lesekultur“ aufgrund einer ungünstigen Konsumhaltung und der neuen elektronischen Medien ist hierfür der Grund.
Die Frage, die gestellt wird lautet: „Warum lohnt es sich, sich für das Lesen einzusetzen und wie sind die Chancen am besten um zum „Leser“ zu werden. Bei der Beantwortung dieser Frage muss man stets im Auge behalten, dass es geschlechtsspezifische Ursachen gibt, die nicht veränderbar sind.
Natürlich hegt man die Hoffnung, dass Mädchen und Jungen ihre Lesefähigkeit nutzen, um fiktionale und poetische Literatur zu rezipieren.
Im folgenden geht M. Dahrendorf näher darauf ein, was Lesesozialisation heißt, welche Bedeutung dabei der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) zukommt und ob man die historischen Hintergründe nutzen kann, um die heutige Situation zu verstehen.
Danach werde ich weiter auf den Schlussaspekt von M. Dahrendorf eingehen. Nämlich auf die Frage welche Rolle Eltern/Familie und Schule in der Lesesozialisation spielen.
B. Hauptteil
1. Thesen des Aufsatzes „Lesesozialisation und Kinder- und Jugendliteratur“
Lesekultur im Zivilisationsprozess
Lesekultur ist ein Teil der Schriftkultur. Sie setzte sich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert durch. Man muss also die Veränderungen in dieser Zeit betrachten, wenn man die Entwicklung verstehen möchte. • Das Maschinenwesen und die Industrie entsteht. • Die Familienstruktur und das Kindheitsbild ändern sich grundlegend. • Es entwickeln sich sprunghafte Fortschritte im Zivilisationsprozess, wodurch sich auch verschiedene Einstellungen und Wertvorstellungen verschieben. Dieser Prozess ist ein Zweischneidiger, da der Fortschritt auch Verluste bringt: • Verlust von Unmittelbarkeit, Nähe, Spontaneität und Sinnlichkeit. • Die Oralkultur - Fähigkeit des Erzählens - geht deutlich zurück.
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Was also hat die Schriftsprache gebracht? • Die Sprache wurde zum bewussten Gestaltungsmittel.
• Dieser reflexive Gebrauch erklärt die kognitivierende Wirkung der Schrift, ohne die das Zweckmäßigkeitsdenken der Aufklärung undenkbar gewesen wäre. • Schriftsprache fördert die individuellen Entwicklungschancen und die Emanzipation.
Lesen heißt Abstand nehmen zu realen Prozessen und Eintauchen in die Distanz zur Realität, um Kritik zu ermöglichen. Allerdings erfordert es auch Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle.
Durch die Lesefähigkeit erhoffte man sich eine zivilisierende Funktion und tatsächlich wurde Lesen zu einem wesentlichen Element des Zivilisationsprozesses.
Lesen in der Mediengesellschaft
Schriftlichkeit heißt sich etwas vorstellen, mit Gedanken und Vorstellungen Bildern entgehen. Wenn man also auf unmittelbare „Befriedigung“ angewiesen ist, so wird man wohl durch die elektronischen Medien einfacher und schneller „befriedigt“, als durch das Lesen eines Textes oder Buches.
Neil Postman (1985) fragt in diesem Zusammenhang, ob wir uns nicht „zu Tode“ amüsieren und Elisabeth Noelle-Neumann (1978) stellt aufgrund des von ihr beobachteten Wertewandels der westdeutschen Gesellschaft fest: Wir werden alle Proletarier - es gibt keine Bereitschaft zu warten, wodurch auch die Bereitschaft zu Lesen nachlässt. Forscher der Studie zur Lesesozialisation stellen fest, dass sich das Verhalten dahingehend verändert, dass wir uns wieder der vor-aufklärerischen oralkulturellen Unmittelbarkeit nähern.
Bonfadelli/Fritz und Köcher haben allerdings das Lesen als Basiskompetenz bezeichnet, da ohne das Lesen auch das Nutzen der neuen Medien nicht möglich ist. Die neuen Medien bieten zwar größere „Ausweichmöglichkeiten“ an, doch das Lesen wird in unterschiedlichem Maße doch zu einer wichtigen Basis.
Neil Postman beklagt ein „Verschwinden der Kindheit“, was er auf die immense Reichweite der neuen Medien zurückführt. Zwar haben diese auch Kinder aus ihrem Ghetto geholt, doch bewirken sie auch eine Angleichung der Generationen auf Kosten der kognitiv-moralischen Reife.
Um vor dieser Entwicklung zu einer geistig zurückgebliebenen Gesellschaft zu schützen, muss das Lesen also schnellstens gefördert werden.
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Arbeit zitieren:
Madeleine Wagner, 2003, Zu: Malte Dahrendorf - Lesesozialisation und Kinder- und Jugendliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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