Diese Arbeit ist ein Beitrag zur Dokumentation der Sozialgeschichte des neuen Bundeslandes Sachsen-Anhalt von seiner Gründung 1991 bis 2006, in deren Mittelpunkt ehemalige DDR-BürgerInnen mit geistigen Behinderungen und das sie pflegende und betreuende Personal in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern nach der Wende stehen.
Es handelt sich um eine Epoche der Einführung des westdeutschen Sozialhilfesystems in Ablösung des DDR-Gesellschaftssystems, in der eigentlich die seit den 1960er Jahren propagierten Paradigmen der Behindertenhilfe umgesetzt werden sollten. Hierzu zählten vor allem individuelle und strukturelle Entpsychiatrisierungs-, De-Institutionalisierungs- und Enthospitalisierungsmaßnahmen, die zur Verwirklichung der Normalisierungsprinzipien und zur Integration behinderter Menschen beitragen sollten.
Es werden Faktoren beschrieben, die diesen Landesprozess - und den im LKH Uchtspringe im besonderen - beeinflusst und verhindert und welche Auswirkungen diese auf die betroffenen behinderten Menschen haben.
Neben einer Gegenstandsrelevanten Gegenüberstellung der historischen Momente zur Situation von Menschen mit geistigen Behinderungen in der DDR und der BRD, der Beleuchtung des Subsidiaritätsprinzips im Zusammenhang mit Reformen in der Behindertenhilfe und weiteren grundlegenden sozialwissenschaftlichen Grundlagen handelt sich um eine sehr differenzierte Dokumentation des Aufbaus der Sozialverwaltung mit dem Schwerpunkt der Behindertenhilfe in dem neuen Bundesland, der Auseinandersetzung mit der Psychiatriereform im Landtag und anderen politischen Gremien sowie des Verhaltens der Träger der Freien Wohlfahrtspflege. Letzteres wird explizit in der Beschreibung der Rolle der Diakonie in den dann letztlich gescheiterten Verhandlungen zur Übernahme des Heimbereiches am LKH Uchtspringe deutlich.
Neben einer Analyse des Prozesses erfolgt ein Ausblick auf die Konsequenzen der bisherigen Behindertenpolitik für die kommenden Jahre, in denen nun - zur Erfüllung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen - erneut Reformen eingeleitet werden müssen, die man bereits vor 20 Jahren hätte berücksichtigen müssen. Das Buch beinhaltet wichtige Hinweise, die für diese anstehenden Aufgaben dienlich sein können.
Es handelt sich um ein einzigartiges Werk zu dem Thema "Enthospitalisierung" und "De-Institutionalisierung", da von einer Autorin geschrieben, die sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich und praktisch mit diesem Anliegen befasst.
Inhaltsverzeichnis
I. Gegenstand und theoretischer Rahmen
I.1 Forschungsmethoden und Betrachtungsansätze
I.1.1 Personale Ebene
I.1.2 Forschungsebene
I.2 Klärung von Begrifflichkeiten und relevanten Paradigmen
I.2.1 Enthospitalisierung, Entflechtung, Entpsychiatrisierung, De-Institutionalisierung
I.2.2 Empowerment und Normalisierungsprinzipien versus Totale Institution
I.3 Subsidiaritätsprinzip und Föderalismus – Auswirkungen auf die Behindertenhilfe
I.4 Strukturelle Gewalt – Faktoren in der Behindertenhilfe
I.5 Menschen mit geistigen Behinderungen
I.5.1 Ausgangsdefinition
I.5.2 Menschen mit geistigen Behinderungen in Abhängigkeit von Begrifflichkeiten, Diagnosen und kategorialen Einstufungen
I.5.3 Einstufungsverfahren geistig behinderter Menschen in Sachsen-Anhalt:
I.6 Historischer Hintergrund
I.6.1 Institutionalisierung und Psychiatrisierung von Menschen mit Behinderungen im historischen Wandel, in der DDR und der BRD
I.6.2 Exkurs über die gesellschaftspolitischen Epochen der DDR
I.6.3 Der geistig behinderte Mensch in der DDR und in der BRD
I.6.3.1 Die Versorgung von geistig behinderten Menschen in der DDR
I.6.3.2 Übertragungsprozess des westdeutschen Sozialversicherungssystems
I.6.3.3 Sozialrechtliche Absicherung von Menschen mit geistigen Behinderungen in der DDR und der BRD und Konsequenzen der Vereinigung der beiden deutschen Staaten für die Behindertenhilfe
I.6.3.4 Das Gesundheitswesen der DDR in seiner Relevanz für Menschen mit geistigen Behinderungen
I.6.3.5 Die Rolle der Diakonie in der Behindertenhilfe der DDR
I.6.3.6 Betrachtung von „Geistiger Behinderung“ in Gesellschaft und Wissenschaft in der BRD und der DDR unter dem Aspekt der Bildung
I.6.3.6.1 Wissenschaft, Bildung, Förderung
I.6.3.6.2 Arbeit für Menschen mit geistigen Behinderungen
I.6.3.7 Unterbringung von Menschen mit geistigen Behinderungen
I.6.3.7.1 Unterbringung von Menschen mit geistigen Behinderungen in der BRD
I. 6.3.7.2 Einleitung von Enthospitalisierungsprozessen in Westdeutschland
I.6.3.7.3 Die Lebensumstände in stationären Einrichtungen der DDR
I.7 Empfehlungen der Psychiatrie-Enquête und weitere staatliche Leitgedanken zur „Enthospitalisierung“
I.7.1 Psychiatrie-Enquête 1975
I.7.1.1 Kommissionsverfahren und Entstehung der Psychiatrie-Enquête
I.7.1.2 Zum Inhalt und Empfehlungen der „Psychiatrie-Enquête“
I.7.1.3 Zur Umsetzung der Psychiatrie-Enquête
I.7.2 Empfehlungen der Expertenkommission und Stellungnahme der Bundesregierung 1990
I.7.3 Bericht (und Empfehlungen) der Bundesregierung über die Lage der Behinderten und die Entwicklung der Rehabilitation von 1994
I.7.4 Psychiatrieplan, 1992 und Leitlinien der Behindertenhilfe in Sachsen-Anhalt von 1995
1.8 Zusammenfassung Kapitel I im ausblickenden Zusammenhang mit den Kapiteln II und III
II. Enthospitalisierungsprozess in Sachsen-Anhalt
II.0 Die ersten ministeriellen subjektiven Eindrücke und Ansatzsäußerungen
II.1 Die für die Entflechtungs- und Enthospitalisierungsprozesse verantwortlichen Instanzen und Entscheidungskompetenzen
II.1.1 Das Ministerium für Gesundheit und Soziales und seine nachgeordneten Behörden
II.1.1.1 Akteure unter besonderen Aufbaubedingungen
II.1.1.2 Enthospitalisierungsauftrag, administrative Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen
II.1.1.3 Landesamt und Ämter für Versorgung und Soziales, Sozialämter
II.1.2 Die für die Entflechtung und Enthospitalisierung wesentlichen politischen Organe und Gremien
II.1.2.1 Landtag
II.1.2.2 Petitionsausschuss
II.1.2.3 Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales / Sozialausschuss des Landtags
II.1.3 Ausschuss für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung
II.1.4 Träger der Freien Wohlfahrtspflege
II.2 Programmatische Aussagen der Landesregierung zur psychiatrischen Versorgung im Land Sachsen-Anhalt unter besonderer Berücksichtigung des „Enthospitalisierungsauftrages“
II.2.1 1992: Programm und Bericht der Landesregierung zur psychiatrischen Versorgung im Land Sachsen-Anhalt
II.2.1.1 Planungsäußerungen der Abteilung „Soziales“ Anfang der 1990er Jahre
II.2.2 Leitlinien zur Entflechtung / Enthospitalisierung der Landeskrankenhäuser Haldensleben, Uchtspringe und Jerichow von 1995
II.2.3 Prozessgestaltungsplanungen
II.2.4 Besetzung von Leitungsstellen in den vorläufigen Heimbereichen
II.3 Wissenschaftliche Begleitung
II.3.1 Der Auftrag der wissenschaftlichen Begleitung
II.3.2 Die von ISIS verwandte Definitionsgrundlage und herangezogenen Ansätze zur „Enthospitalisierung“
II.3.3 Das Leistungsspektrum der wissenschaftlichen Begleitung durch ISIS
II.3.3.1 Liste der „Analyse deutscher Enthospitalisierungsprozesse“
II.3.3.2 BewohnerInnen-Erhebung
II.3.3.3 MitarbeiterInnenbefragung:
II.3.4 Empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitung durch ISIS
II.3.4.1 Enthospitalisierungsplan nach ISIS
II.3.4.2 Abschließende Faziterklärung durch ISIS (1998):
II.3.5 Einschätzung der Auswirkungen der wissenschaftlichen Begleitung
II.4 Ausgangssituation und Bestandsaufnahme in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern Sachsen-Anhalts 1990 - 1992
II.4.1 Grundlagendaten zur Entflechtung und Enthospitalisierung im Land Sachsen-Anhalt
II.4.2 Zur Anfangssituation in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern Bernburg, Haldensleben, Jerichow und Uchtspringe
II.4.2.1 Selektion als erster Schritt zur Entflechtung und „Enthospitalisierung“
II.5 Entflechtungsprocedere in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern in den Jahren 1991-1995
II.5.1 Die Landeskrankenhäuser – ein Kurzüberblick
II.5.1.1 LKH Uchtspringe
II.5.1.2 LKH Bernburg
II.5.1.3 LKH Haldensleben
II.5.1.4 LKH Jerichow
II.5.2 Die Landeskrankenhäuser zu Beginn der Entflechtungsprozesse
II.5.2.1 Liegenschaften und Gebäudebestand
II.5.2.2 Bettenanzahl und -verteilung
II.5.3 Entflechtungsbedingungen und Konsequenzen für die Zugehörigen der vorläufigen Heimbereiche
II.5.3.1 Personalsituation
II.5.3.2 Planlose Umverlegungen von Langzeitpatientinnen und Personalkonsequenzen
II.5.4 Übertragungsprozess der psychiatrischen Landeskrankenhäuser an Träger der Freien Wohlfahrtspflege
II.5.4.1 Verhandlungen Ministerium – Liga der Freien Wohlfahrtsverbände
II.5.4.1.1 Verhandlungsspezifika der einzelnen Landeskrankenhäuser
II.5.4.2 Verhandlungskomplex: Personal und Trägerwechsel
II.6 Entwicklungen der Behindertenhilfe außerhalb der Landeskrankenhäuser in Sachsen-Anhalt
II.6.1 Schloß Hoym
II.6.1.1 Entstehungsgeschichte und Trägerschaften
II.6.1.2 Schloß Hoym im Nationalsozialismus und in der DDR
II.6.1.3 Entflechtungs- und Enthospitalisierungsprozesse im Schloß Hoym
II.6.1.3.1 Konzeptionelle Leitsätze
II.6.1.3.2 Praktische Umsetzungsprozesse
II.6.1.3.3 Personalentwicklung
II.6.1.3.4 Platzabbau
II.6.1.3.5 Entwicklungen auf dem Stammgelände
II.6.1.3.6 Institutionelle Entwicklungen
II.6.1.3.7 Resümee zu den Entwicklungen „Schloss Hoym“
II.6.2 Neinstedter Anstalten
II.6.2.1 Geschichtlicher Hintergrund
II.6.2.2 Die Neinstedter Anstalten nach der Wende
II.6.2.3 Resümee zu den Entwicklungen der Neinstedter Anstalten
II.6. 3 Entwicklungen weiterer Einrichtungen der Behindertenhilfe in Sachsen-Anhalt
II.6.3.1 Stationäre Unterbringung versus Betreutes Wohnen
II.7 Kosten-Nutzen
II.7.1 Finanzielle Förderung von Enthospitalisierungsmaßnahmen
II.7.2 Regelfinanzierung – Novellierung des § 93 Abs.6 BSHG
II.7.3 Der Rahmenvertrag gem. § 93d Abs.2 BSHG – Sachsen-Anhalt
II.8 Entflechtungs- und Enthospitalisierungsprozesse in den ehemaligen psychiatrischen Landeskrankenhäusern Sachsen-Anhalts 1997 - 2006
II.8.1 Datenerhebung der BewohnerInnen in den vorläufigen Heimbereichen an den psychiatrischen Krankenhäusern 1997
II.8.2 Das Personal in den Heimbereichen der psychiatrischen Landeskrankenhäuser und in „Schloß Hoym“
II.8.2.1 Personalentwicklungsmaßnahmen
II.8.2.1.1 Hospitationsprogramm
II.8.2.1.2 Weitere Fort-, Weiter- und Ausbildungsangebote
II.9 Entwicklungen der Heimbereiche an den ehemaligen psychiatrischenLandeskrankenhäusern Jerichow und Haldensleben nach der Überleitung aus der Landesträgerschaft an Freie Träger
II.9.1 Das psychiatrische Krankenhaus in Jerichow nach Übernahme durch die AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft gGmbH Magdeburg
II.9.2 Das psychiatrische Krankenhaus in Haldensleben nach der Übernahme durch das Dortmunder Christliche Sozialwerk GmbH und seine Nachfolger
II.10 Kurzresümee
III Entflechtungs- und Enthospitalisierungsprozesse am ehemaligen psychiatrischen Landeskrankenhaus Uchtspringe.
III.1 Geschichte des Landeskrankenhauses Uchtspringe 1874-1990
III.1.1 Von der Gründung bis zur Zeit des Nationalsozialismus 1894 – 1933
III.1.2 Das Landeskrankenhaus Uchtspringe von 1933 bis 1949 und die interne Bewertung in der Zeit danach
III.1.2.1 „Euthanasie“ im Landeskrankenhaus Uchtspringe
III.1.3 Das Landeskrankenhaus Uchtspringe in der Zeit der DDR 1949 – 1990
III.2 Das Landeskrankenhaus Uchtspringe nach der Wende
III.2.1 Organisation und Zuständigkeiten 1991 – 1997
III.2.2 Gebäudeverteilung auf dem Krankenhausgelände Uchtspringe
III.2.2.2 Baulicher Zustand der Heimstationshäuser
III.3 Das Diakonische Werk als potentieller Träger des vorläufigen Heimbereiches am psychiatrischen Landeskrankenhaus Uchtspringe
III.4 Der Umstrukturierungs- und Überleitungsprozess Phase I: 1993 bis 1996
III.4.1 Verhandlungen und Auseinandersetzungen mit der Diakonie
III.4.1.1 Pädagogische Leitung - Enthospitalisierungsbeauftragte
III.4.2 Erster Öffentlicher Protest der Uchtspringer Mitarbeiterschaft
III.4.3 Aus der Not erwachsene Tugend: Erste Enthospitalisierungsmaßnahme durch Entstehung der ersten Wohngruppen im Heimbereich am Landeskrankenhaus Uchtspringe
III.4.4 Weitergehende Protestaktionen und ihre Konsequenzen
III.5 Übergangsphase 1996 – 1997
III.5.1 Projektgruppe Uchtspringe
III.5.2 „Kommissarische Übergangsphase“ im Heimbereich Uchtspringe
III.5.2.1 Zeitplanung aufgrund grober statistischer Bewohnerdaten im Juli 1996
III.5.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern
III. 5.3.1 Kinder und Jugendliche ziehen in eine WG der Caritas in Letzlingen
III.5.3.2 Erwachsene ziehen in ein Wohnheim der Caritas nach Gardelegen
III.5.3.3 Erste Erwachsene ziehen ins Schloss Vinzelberg der Stiftung Uhlebüll
III.5.3.4 Kritikäußerungen zur Trägerauswahl
III.5.4 Die erste Außenwohngruppe in Jävenitz
III.6 Der Umstrukturierungsprozess Teil II: 1997 – 2006
III.6.1 Rechtsformänderung – Gründung der SALUS
III.6.1 Reaktionen auf die Rechtsformänderung
III.7 Bewohner- und Unterbringungsstruktur des Heimbereiches am LKH Uchtspring zu Beginn der Überleitung an die SALUS gGmbH
III.8 Entwicklungen des SALUS-Heimverbundes in der Nachfolge des „vorläufigen Heimbereiches am Landeskrankenhaus Uchtspringe“
III.8.1 Bildung weiterer Wohngruppen, Außenwohngruppen und eines dezentralen Wohnheimes sowie Erweiterung des Leistungsspektrums
III.8.2 Selbstbestimmung – Mitbestimmung der HeimbewohnerInnen
III.8.3 Personalentwicklung im SALUS-Heimverbund
III.9 Reflektiver Erfahrungsaustausch 10 Jahre nach dem Auszug aus Uchtspringe
III.9.1 Frauen der ersten Uchtspringer WG im Intensiv betreuten Wohnen in Gardelegen
III.9.2 Ehemalige Uchtspringer BewohnerInnen im Wohnheim Vinzelberg, Caritaswohnheim „Friedrich Lorenz“, Beetzendorf und Chausseehaus Hassel
III.9.2.1 Wohnheim Vinzelberg
III.9.2.2 Caritaswohnheim „Friedrich Lorenz“, Beetzendorf
III.9.2.3 Chausseehaus Hassel
III.9.2.4 MitarbeiterInnen-Berichte über die BewohnerInnenentwicklungen nach dem gemeinsamen Wechsel in Heime anderer Träger
III.9.3 Wie MitarbeiterInnen ihren eigenen Arbeitsplatzwechsel im Rahmen der Entflechtungsprozesse des Heimbereiches Uchtspringe erlebt haben und bewerten
III.9.4 Wie langjährige Uchtspringer MitarbeiterInnen die Entwicklungen des SALUS-Heimverbundes bewerten
III.9.5 Außenwohngruppe Jävenitz - Ergebnisse einer Begleituntersuchung durch ISIS
III.10 Zusammenfassende Bewertung des 15 jährigen Entflechtungsprozesse „Heimbereich am psychiatrischen Krankenhaus Uchtspringe“
IV. Bewertende Analyse und Resümee
IV.1 Betrachtungsschwerpunkte
IV.2 Handlungsdruck und Übertragung des westdeutschen Systems auf die neuen Bundesländer
IV.3 Zum Vorwurf der westdeutschen Kolonialisierung
IV.4 Auswirkungen der „Wende“ auf das Personal in den Landeskrankenhäusern
IV.5 Verwaltungsstrukturen und Kompetenzen
IV.6 Föderalismus, Subsidiaritätsprinzip und die Rolle der Träger der Freien Wohlfahrtsverbände
IV.7 Resumee und Ausblick
V. Literatur- und Quellenangaben
Verwendete Literatur
Quellen-Dokumente / Protokolle
Anhang
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert kritisch den Prozess der Enthospitalisierung und Entflechtung psychiatrischer Landeskrankenhäuser in Sachsen-Anhalt im Zeitraum von 1991 bis 2006, mit besonderem Fokus auf den Heimbereich des Landeskrankenhauses Uchtspringe. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den theoretisch formulierten Zielen der Psychiatriereform („ambulant vor stationär“) und der praktischen Umsetzung unter Berücksichtigung systemischer, administrativer und persönlicher Faktoren darzulegen.
- Historische Analyse der Versorgungsstrukturen in der DDR und BRD
- Rolle der Träger der Freien Wohlfahrtspflege und des Subsidiaritätsprinzips
- Strukturelle Gewalt und institutionelle Isolierung in stationären Einrichtungen
- Einfluss politischer Machtstrukturen und Verwaltungsentscheidungen auf den Enthospitalisierungsprozess
- Fallstudien und Erfahrungen von BewohnerInnen und Personal in Umbruchsphasen
Auszug aus dem Buch
Die Lebensumstände in stationären Einrichtungen der DDR
entsprachen grundsätzlich denen der westdeutschen Einrichtungen bis in die 1980er Jahre. Die oben geschilderten Erfahrungen in den Alsterdorfer Anstalten aus den 1960er und 1980er Jahren sind ähnlich wie die, die mir ehemalige MitarbeiterInnen und Insassen aus DDR-Psychiatrien und Anstalten berichteten, bzw. die Ernst Klee in seinen Filmen über Ueckermünde und Schloß Hoym dokumentierte und die ich noch 1995 in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern, im Pflegeheim Schloß Hoym und in diakonischen Anstalten beobachten konnte.
Ein Unterschied lag – neben der Trägerstruktur der Institutionen - in den baulichen Zuständen. Wie bereits vermerkt waren die meisten und vor allem die staatlichen Gebäude der DDR, in denen behinderte Menschen untergebracht waren, aufgrund von Materialknappheit und mangelnder Zuwendung maroder als in Westdeutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Gegenstand und theoretischer Rahmen: Einführung in die Problematik der Behindertenhilfe in Sachsen-Anhalt nach der Wende und Darstellung der soziologischen und behindertenpädagogischen theoretischen Grundlagen.
II. Enthospitalisierungsprozess in Sachsen-Anhalt: Detaillierte Beschreibung der administrativen, politischen und strukturellen Prozesse bei der Entflechtung der Landeskrankenhäuser sowie der Rolle der verschiedenen Akteure.
III. Entflechtungs- und Enthospitalisierungsprozesse am ehemaligen psychiatrischen Landeskrankenhaus Uchtspringe: Intensive Fallstudie der spezifischen Umstrukturierungsprozesse am Standort Uchtspringe, inklusive der Auseinandersetzungen um die Trägerschaft und die Rolle des Personals.
IV. Bewertende Analyse und Resümee: Kritische Reflexion der gesamten 15-jährigen Prozessentwicklung, der Einflussfaktoren wie Föderalismus und Subsidiarität sowie ein Ausblick auf zukünftige Anforderungen.
Schlüsselwörter
Enthospitalisierung, Entflechtung, De-Institutionalisierung, Behindertenhilfe, Sachsen-Anhalt, Psychiatrie-Enquête, Subsidiaritätsprinzip, Totale Institution, Normalisierung, Inklusion, Psychiatrische Landeskrankenhäuser, Uchtspringe, Sozialpsychiatrie, Heimpflege, Behindertenpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Analyse der sozialgeschichtlichen und politischen Prozesse beim Aufbau der Behindertenhilfe im neuen Bundesland Sachsen-Anhalt nach 1990, speziell um die Enthospitalisierung von Menschen aus psychiatrischen Großkliniken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen theoretisch geforderten Standards wie „ambulant vor stationär“ und der realen Umsetzungspraxis, beeinflusst durch strukturelle Gewalt, Lobbyarbeit der Wohlfahrtsverbände und behördliche bürokratische Hürden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Dokumentation und Reflexion von 15 Jahren Behindertenhilfe, um zu verstehen, warum die Transformation hin zu einer inklusiven Lebenswelt in Sachsen-Anhalt nur schleppend verlief und oft in „Umhospitalisierung“ mündete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt qualitative Ansätze, insbesondere die Ethnomethodologie und die Grounded Theory, ergänzt durch die „Oral History“-Methode, um die Perspektiven von Betroffenen und Akteuren einzubeziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt detailliert die Entflechtungsprozesse der Landeskrankenhäuser, insbesondere in Uchtspringe, die Verhandlungen mit Wohlfahrtsverbänden sowie die Versuche, durch wissenschaftliche Begleitung und innovative Wohnprojekte menschenwürdigere Strukturen zu schaffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Enthospitalisierung, De-Institutionalisierung, Behindertenhilfe, Sachsen-Anhalt, Subsidiarität, Inklusion und Totalen Institutionen.
Welche Rolle spielt das Landeskrankenhaus Uchtspringe in dieser Arbeit?
Uchtspringe dient als exemplarischer Schwerpunkt der Prozessbeschreibung, da es die gesamte Komplexität der Umbrüche nach 1990 – vom Personalabbau über Trägerkämpfe bis hin zur Etablierung neuer Wohnformen – aufzeigt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Wohlfahrtsverbände?
Die Autorin bewertet deren Rolle kritisch, da diese zwar soziale Dienste erbringen, aber durch das Subsidiaritätsprinzip oft eigene institutionelle Interessen und den Machterhalt über die individuelle Selbstbestimmung der Behinderten stellten.
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- Brigitte McManama (Author), 2010, Chancen zur Enthospitalisierung und De-Institutionalisierung für Menschen mit geistigen Behinderungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160092