Stress am Arbeitsplatz
Schriftliche Hausarbeit zum Kurs 04751
„Einführung in die Arbeits- und Organisationspsychologie“
angefertigt im Hauptfach
Soziale Verhaltenswissenschaften/Grundstudium
von
Müller, Christina
I
Gliederung
Seite NA
Einleitung NA
1. 1 1
1.1 Der Begriff Stress 2
1.2 Das Phänomen Stress
Was ist Stress
2. 3 3
2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Modell 3
2.2 Stressmodelle 5
2.2.1 Das biologische reaktionsorientierte Stressmodell nach Selye 5
2.2.2 Das reizorientierte Stressmodell 5
2.2.3 Das kognitive Stressmodell nach Lazarus 6
2.3 Definition Arbeitsbedingter Stress 6
3. Stressfaktoren und Stressoren
7 NA
3.1 Konzeptionelles zur Stressforschung am Arbeitsplatz 7
3.2 Stressverursachende Faktoren am Arbeitsplatz 8
3.2.1 Stressoren in der Arbeitsaufgabe 9
3.2.2 Physikalische Stressoren 9
3.2.3 Stressoren in der zeitlichen Dimension 9
3.2.4 Stressoren in der sozialen und organisationalen Situation 10
3.3 Empirische Untersuchungsmethoden am Beispiel der 10
Belastungsanalyse (BEA)
Auswirkungen von Stress
4. 11 11
4.1 Kurzfristige Stressfolgen 11
4.2 Langfristige Stressfolgen 11
5. Bewältigung von Stress im Arbeitsumfeld
12 NA
5.1 Individuelle Stressprävention 13
5.1.1 Internal regulative Stressbewältigung 13
5.1.2 External regulative Stressbewältigung 14
5.2 Organisationelle Stressprävention 15
Seite
16 Stress als Chance
Literaturverzeichnis
18
Anhang: Graphiken und Tabellen Schlußwort Erklärung
3
1. Einleitung In Anbetracht der Tatsache, dass der Mensch einen beträchtlichen Teil seines Le- bens bei der Arbeit verbringt und sogar noch über die eigentliche Arbeitszeit hin- aus ein Teil des Lebens durch diese bestimmt wird, wurde der Themenschwer- punkt auf besonders belastende Situationen gelegt, denen der Mensch in seinem Arbeitsumfeld ausgesetzt sein kann, bzw. er sich diesen ausgesetzt sieht. Die vor- liegende Arbeit „Stress am Arbeitsplatz“ befaßt sich zunächst mit der Klärung des Begriffes als solchem sowie als Phänomen und den damit verbundenen unter- schiedlichen Konzepten, wie das Belastungs-Beanspruchung-Modell und den grundlegenden Stressmodellen. Anschließend werden die Stressfaktoren im Ar- beitsumfeld diskutiert und es wird kurz auf empirische Untersuchungsmöglichkei- ten eingegangen. Da diese sehr vielfältig und zahlreich sind, und eine bloße Auf- listung dieser Kurzbezeichnungen in diesem Rahmen der Arbeit nicht sinnvoll erscheint, wurde hier nur auf ein bestimmtes Untersuchungsbeispiel eingegangen, um einen groben Eindruck zu diesem Punkt zu vermitteln. Die Darstellung aus- führlicherer Untersuchungsmethoden und -ergebnisse des vorliegenden Themas würde über den Rahmen der Arbeit hinausgehen. Die resultierenden Auswirkun- gen von Stress am Arbeitsplatz, die häufig eine gesundheitliche Beeinträchtigung zur Folge haben, fordern neue Formen der Bewältigung, auf die im vorletzten Kapitel intensiver eingegangen wird. Die Schlußbetrachtung wirft die Frage auf, ob das Phänomen Stress auch als Chance sowohl auf individueller als auch auf organisationeller Ebene wahrgenommen werden kann, und inwieweit ein gesun- des individuelles als auch organisationelles Stressmanagement zu positiven Aus- wirkungen auf die individuelle Gesundheit und Zufriedenheit als auch zu dem häufig damit verbundenen Erfolg eines Unternehmens führen kann.
1.1 Der Begriff „Stress“ Das Wort „Stress“ findet im altfranzösischen Wort destresse seinen eigentlichen Ursprung, womit soviel wie in die Enge getrieben oder unter Druck gesetzt wer- den gemeint war. Später gelangte der Begriff dann über das Mittelenglische in die englische Sprache, woraus sich dann der Begriff „stress“ bildete (Fontana, 1991). Obgleich die entsprechende Bedeutung für den englischen Begriff „stress“ ur- sprünglich eine Bezeichnung für die Belastung eines Objektes durch äußere Ein- flüsse, insbesondere in der Physik meinte, gebrauchten die Menschen des engli- schen Sprachraums den Begriff schon im Mittelalter für die Kennzeichnung ihres
1
durch vielerlei Schwierigkeiten, Bedrängnisse und Leiden geprägten Lebens (Schönpflug, 1987).
Nach Greif, Bamberg und Semmer (1991) wurde in der psychophysiologischen Fachliteratur der Begriff erstmals 1914 von Cannon neuaufgegriffen und 1950 durch die Arbeiten von Hans Selye in den Humanwissenschaften popularisiert. In der heutigen Zeit ist der Begriff neben der technischen Bedeutung im engli- schen Sprachgebrauch (stress: Anspannung, Verzerrung, Verbiegung, vor allem auf dem Gebiet der Materialprüfung) ein Schlagwort für die Bezeichnung eines Belastungszustandes, dem sich Menschen alltäglich - insbesondere am Arbeits- platz - ausgesetzt sehen und den sie häufig beklagen (Battmann & Schönpflug, 1992). Janke (1976, zitiert nach Greif, Bamberg & Semmer 1991, S.3f.) erwähnt die Schwierigkeit, dieses alltagssprachliche „Modewort“ mit seiner „schillern- dernden“ Bedeutung wissenschaftlich eindeutig zu definieren. Stress ist insgesamt betrachtet ein ambivalenter Begriff: „Man leidet unter Stress und sonnt sich zugleich in seinem Prestige“ (Wiendieck, 1993, S.114).
Dass der Begriff „Stress“ gleichzeitig auch ein Phänomen darstellt, soll im fol- genden Abschnitt erläutert werden.
1.1 Das Phänomen „Stress“ Das Stressgeschehen stellt im Hinblick auf die verschiedenen Seiten der Wirkung zwischen Mensch und Umwelt eines der bedeutendsten und interessantesten Phä- nomene dar. Stress kann helfen, retten und beflügeln, aber auch gleichzeitig krank und unglücklich machen und sogar zum Tode führen. Somit kann Stress eine re- gelnde, positive als auch störende Wirkung haben. Der Sinn dieses Phänomens ist im evolutionsbiologischen Ursprung zu finden. Die Stressreaktion hat zum Ziel, durch einen auslösenden intensiven Reiz durch sekundenschnelle Mobilisierung von Energiereserven das Individuum auf Flucht oder Angriff vorzubereiten, was das Überleben des Individuums im Laufe der Evolution bei Erfolg hinsichtlich der Verteidigungssituation gesichert hat. Diese ursprünglich lebenswichtige Reaktion, bzw. der ursprüngliche Sinn dieses Geschehens ist in unserer heutigen Gesell- schaft in diesem Umfang unbrauchbar und sogar kontraproduktiv. Da zudem der Stressabbau heutzutage nur selten auf natürlichem Weg durch körperliches Aus- agieren erfolgt, wird auch von „entartetem“ Stressgeschehen gesprochen (Vester, 1978). Laut Luczak und Volper (1987) bewirkt Stress, der sich sowohl im Leis- tungsbereich, im Arbeitsausfall, als auch im sozialen Bereich widerspiegeln kann,
2
in der Folge u.a. „hohe Befindensbeeinträchtigungen“ und psychosomatische Fol- geerkrankungen, welche mittlerweile den vierten Platz unter den Volkskrankhei- ten einnehmen. In letzter Konsequenz können die aus langfristigen Stresswirkun- gen resultierenden psychosomatischen Beschwerden zu einer allgemein erhöhten Mortalität führen.
2. Was ist Stress?
Als übergeordnete Begriffsdefinition für das Stressphänomen sei zunächst folgen- de Zusammenfassung einführend erwähnt: „Stress ist ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse, die sein Gleich- gewicht stören und seine Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder über- schreiten. Diese Reizereignisse umfassen eine ganze Bandbreite externer und in- terner Bedingungen, die allesamt als Stressoren bezeichnet werden.“ (Zimbardo & Gerring, 1999, S.370). Eine etwas präzisere Fassung des Begriffs liefern Hacker und Richter: „Stress bezeichnet einen Zustand angstbedingt erregter Gespanntheit, der durch erlebte Bedrohung durch Arbeitsbeanspruchung entsteht“ (1980, zitiert nach Ulich 1992, S.288).
Schmale beschreibt es wie folgt: „Stress ist gefährdete Anpassung“, und er stellt ihn als die Anstrengung des Organismus dar, um das innere Gleichgewicht zu erhalten, bzw. ein verlorenes wiederzuerlangen (1983, S.180). Für Lazarus ist Stress die „Antizipation einer empfundenen Unfähigkeit zu adäquater Verarbei- tung subjektiv erlebter Anforderungen, begleitet von einer Antizipation möglicher als negativ empfundener Folgen bei inadäquater Verarbeitung" (1966, zitiert nach Schmale, 1983, S.186).
Das Phänomen Stress läßt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten analysieren. Stress ist ein Teilbereich der Belastungs- und Beanspruchungsthematik und er- zeugt in der Diskussion eine erhebliche Vielfalt von sowohl nicht miteinander übereinstimmenden Konzepten als auch Inkonsistenzen innerhalb einzelner Kon- zepte (Ulich, 1992). Die wichtigsten Modelle werden im folgenden zusammenge- faßt.
2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Modell Nach Rohmert und Rutenfranz werden unter Belastungen „objektive, von außen her auf den Menschen einwirkende Größen und Faktoren ...“ und unter Beanspru-
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chung „deren Auswirkungen im Menschen und auf den Menschen“ gesehen. (1975, S.8). Auf der Grundlage dieser Definition hat sich laut Greif, Bamberg und Semmer (1991) eine einheitliche Regelung entwickelt, die bis zur DIN-Norm (als deutsche DIN Norm Nr. 33405, Normenausschuß Ergonomie im Deutschen Insti- tut der Normung, 1987) geführt hat und wie folgt lautet:
„Psychische Belastung wird verstanden als die Gesamtheit der erfassbaren Ein- flüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwir- ken.“ (Normenausschuß Ergonomie, 1987) „Psychische Beanspruchung wird verstanden als die individuelle, zeitlich unmit- telbare und nicht langfristige Auswirkung der psychischen Belastung im Men- schen in Abhängigkeit von seinen individuellen Voraussetzungen und seinem Zu- stand.“ (Normenausschuß Ergonomie, 1987) Wiendieck (1993) vergleicht das Arbeitsverhalten mit dem in Abbildung 1 darge- stellten mechanischen Modell. Unterschiedliche Menschen reagieren auf gleiche Belastung verschieden, ebenso können unterschiedliche Belastungen zu gleichen Beanspruchungen führen, wie auch in der Mechanik an der verschieden unter- schiedlichen Verformung (Belastung) eines Bleches zu erkennen ist, die je nach Dicke oder Beschaffenheit bei gleicher äußerer Belastung sichtbar wird. Als Be- lastungsfaktoren werden physische Belastungen, physikalische und chemische Faktoren sowie psycho-soziologische Fakten der Arbeitswelt angesehen (vgl. Het- tinger, 1989). Durch die unterschiedlichen Kombinationen der Belastungen ergibt sich laut Schönpflug (1987) eine Erschwernis in der Analyse (vgl. Nachreiner, 1981; Dunckel, 1985).
Marstedt und Mergner (1986) kritisieren das Belastungs-Beanspruchungskonzept, wenn auf dieser Grundlage der Anspruch erhoben wird, relevante Aspekte der Arbeitssituation zu erfassen. Als Beispiel sei die Analyse von Hettinger erwähnt (Belastungs-Beanspruchungsprofil eines Schmelzers, 1989), die nur einzelne As- pekte berücksichtigt. Auch Frieling und Sonntag (1987) üben Kritik an dem Be- lastungs-Beanspruchungs-Modell im Sinne eines einfachen Reiz-Reaktions- Schemas. Ulich (1992) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß aus ar- beitspsychologischer Sicht die Beziehungen zwischen Belastung und Beanspru- chung durch Vermittlungs- und Rückkopplungsprozesse stark beeinflusst werden. Laut Wiendieck (1993) wurde das Modell aufgrund mehrerer Kritikpunkte durch das Handlungskonzept (individuelle Eigenarten) sowie die daraus resultierenden Rückkopplungseffekte erweitert (vlg. Rohmert & Rutenfranz, 1975). Ganz aufge-
4
hoben wurden die Kritikpunkte jedoch nicht, da der arbeitende Mensch immer noch weitgehend als Objekt und nicht als Subjekt und Träger des Arbeitsprozes- ses verstanden wird (Wiendieck, 1993).
2.2 Stressmodelle In den folgenden Unterpunkten wird u.a. die Entwicklung des Stresskonzeptes beschrieben, das starke Gemeinsamkeiten mit dem vorab definierten Belastungs- Beanspruchungs-Konzept aufweist.
2.2.1 Das biologische / reaktionsorientierte Stressmodell nach Selye
Der Ursprung der Stressforschung wurde 1936 durch Beobachtungen und Ideen von dem Mediziner (Endokrinologe) Hans Selye hervorgerufen. Er beobachtete an Patienten und bei Tierexperimenten viele allgemeine und hinsichtlich der Auslö- sebedingungen unspezifische körperliche Reaktionen, die durch Stressoren - un- abhängig von deren Art - hervorgerufen wurden. So wurden beispielsweise eine erhebliche Vergrößerung der Nebennierenrinde oder aber Geschwüre im Magen und oberen Teil des Darms festgestellt. Selye bezeichnete diese unspezifischen Reaktionen als das „Allgemeine Anpassungssyndrom (AAS)“, worauf der Körper in 3 Stufen (1. Alarmphase, 2. Resistenzphase, 3. Stadium der Erschöpfung) reak- tionsorientiert reagiert (Schmale, 1983, vgl. Vester, 1978). Aufgrund des Schwer- punktes auf die Reaktionsmuster wurde das Modell auch als reaktionsorientierte Stressforschung bezeichnet, wobei später neben den körperlichen auch die psy- chosomatischen sowie psychischen Effekte analysiert wurden (Antoni & Bungard, 1989). Greif (1991) zeigt Kontroversen über das Stressmodell auf, indem er an- führt, dass Selye die nachgewiesenen Veränderungen nach intensiven „Stressrei- zen“ (Fesselung bis zur Unbeweglichkeit) vorschnell zu einem universalen Stressmodell mit weitreichenden gesundheitspolitischen Folgerungen verallge- meinert hat. Dieses ursprüngliche Modell wird in der Stressforschung kaum noch so übernommen, da der phasenmäßige Ablauf der einzelnen körperlichen Prozesse mittlerweile nach den vorliegenden empirischen Erkenntnissen differenzierter und vorsichtiger gesehen wird.
2.2.2 Das reizorientierte Stressmodell
Das reizorientierte Modell geht im Unterschied zu dem reaktionsorientierten Mo- dell von den unterschiedlichen Stressoren aus, denen der Mensch im Laufe seines
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Christina Müller, 2001, Stress am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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