Inhaltsübersicht
1. Einführung
1.1 Der Begriff „Carving“
1.2 Grundsätzlicher Technikvergleich
1.3 Entwicklungsstationen
1.4 Beta-Technologie
2. Die neue Form
2.1 Unterschiede Ski - Carver
2.2 Bedeutung der Carver-Taillierung
2.3 Theoretische Versuche und Ergebnisse zum Carver
2.4 Radienverhältnisse Ski - Carver
2.5 Modellvielfalt innerhalb des Carverangebots
3. Technikvergleich
3.1 Bedeutung des Parallelen Grundschwingens
3.2 herkömmliche Skitechnik
3.3 Carvingtechnik
3.4 Tabellarischer Vergleich und Erläuterungen
4. Neuer Spass am Skifahren
„Weder der Begriff des Carvens, noch die stark taillierte Form der Ski noch die Technik des Schneidens sind neu“ 1 .
1.1 Der Begriff „Carving“
Der Begriff „Carving“ leitet sich vom engl. „to carve“ ab, das soviel wie „schnitzen oder meißeln“ bedeutet, im Skisport aber als „schneiden“ übersetzt wird. Bisher prägten die Snowboarder das Schneiden und bezeichneten mit Carving einen Schwung, der von Anfang bis Ende auf der Kante gefahren wird, d.h. geschnitten wird.
1.2 Grundsätzlicher Technikvergleich
So verringert ein guter Snowboarder vor einer Kurve seine Geschwindigkeit nur geringfügig und erfährt gerade in der Drehung durch die gleitende Fahrt auf der Boardkante einer weitere Beschleunigung. In der herkömmlichen Skifahrweise wird hingegen in der Kurve gerutscht, was eine bremsende statt beschleunigende Wirkung hat. Um den Ski drehfähig zu machen, muss er entlastet und so ins Rutschen gebracht werden. Eine Ausnahme stellen die Skirennläufer dar, die das totale Gleiten in der Kurve bereits verwirklicht haben.
Ziel des Carvens ist nun, auf jeder Könnensstufe den Rutschanteil zugunsten des Fahrbzw. Gleitanteils zu reduzieren. Der Ski muss zu einer Verbesserung gesteuerter bzw. geschnittener Schwünge beitragen. Erreicht wird dies beim Carving-Ski nun in erster Linie durch seine starke Taillierung bedingt durch eine breite Schaufel sowie ein breites Ende und eine verhältnismäßig schmale Mitte, d.h. der Ski trägt schon eine Kurve in sich, die ihm mehr Eigendynamik verleiht. Je ausgeprägter die Taillierung des Skis umso mehr unterstützt sie auch das Kurvenverhalten und durch die gewonnene Eigendynamik die Aktivität des Skifahrers.
1.3 Entwicklungsstationen
Bereits vor etwa 100 Jahren wurden erste Überlegungen zu taillierten Ski und ihre „bogenablenkende Wirkung im gekanteten Zustand“ 2 gemacht. Als der „Ur-Carver“ wird der Telemarkski bezeichnet, der um 1896 in der norwegischen Region Telemarken ent-standen ist und neben einer breiten Schaufel und einem breitem Ende eine verhältnismäßig schmale Mitte aufweist. „Um nach einem Aufsprung schneller zu stoppen, fährt man im Aufsprung mit einem Ausfallschritt auf dem vorgesetzten Ski zur Seite. Im Aufsprung mit beiden Ski dreht man (bei vorgenommenem anderen Ski) beide Ski
1 Ski-Lehrplan Carven, 1999 2 , S.59
gleichzeitig zur Seite.“ 3 So wird der Telemarkschwung beschrieben, dessen Technik, wie auch beim Carven, eine gleichzeitige Belastung der Ski im Schwung vorsieht und nicht ein ständiges Be- und Entlasten wie bei der herkömmlichen Skitechnik. In den folgenden Jahrzehnten wird erforscht, inwiefern die Skitechnologie Einfluß auf die Skitechnik hat. Immer mehr fällt die Aufmerksamkeit auf taillierte Ski, deren Wirkung in der Kurvenlage, ihre Selbststeuerkräfte und die Möglichkeit des Schneidens. Als in den 80ger Jahren erste Fahrer im Parallel- und Riesenslalom auf taillierten Ski siegen, erkennen viele Skispezialisten, dass aufgrund der der neuen Form tatsächlich eine vorteilhaftere Schwungtechnik geboren worden ist. Auf dem Interskikongreß 1991 wird festgestellt, was die zukünftige Technik beeinflusst: „Alles, was bisher im Schwung geschah, muß vor dem Schwung passieren!“ 4 .
Ab diesem Jahr geht die Entwicklung rasant voran, 1994 bekommen Riesenslalomski (RS-Ski) eine stärkere Taillierung als SL-Ski, die ab 1996 sogar in den Carving-Bereich reicht, Carving wird in den Medien vorgestellt und ausnahmslos alle Hersteller bieten nun auch Carving-Ski an, die inzwischen zu den Standartski avanciert sind.
1.4 Beta-Technologie
Doch neben der Innovation des taillierten Skis bringen zwei Erfinder aus dem Odenwald, Uwe Emig, Sporthausbetreiber und Markus Gramlich, Student der Kunststofftechnik völlig neue, revolutionierende Impulse in den Skibau. Statt, wie bislang Ski als Kastenkonstruktionen aufzubauen, entwickeln sie eine völlig neue Röhrenkozeption auf der Grundlage von Carbonfasern. Die beiden, durch den gesamten Ski laufenden Röhren kann man sehen und fühlen. Durch ihre Anordnung entsteht das Profil eines liegenden Beta (ß), was dem Ski und der Beta-ß-Technologie ihren Namen gab. „Die Röhren bilden über die gesamte Skilänge zwei Kammern, die für eine proportionale Druck- und Kraftverteilung auf Lauffläche und Kanten sorgen. Neben einem wirkungsvollen Kantengriff resultiert hieraus auch extreme Laufruhe und ein ausgewogenes Steuerverhalten. Ausgleichselemente in den Kammern nehmen Schläge und Stöße auf und absorbieren sie“ 5 .
Ein weiterer Vorteil der neuartigen Konstruktion ist die Stabilität, die Torsionssteifigkeit und das geringe Gewicht, das es ermöglicht, sehr leicht und schnell umzukanten.“
2 ebd.
3 Kuchler W., „Carving - neuer Spass am Skifahren“, rororo 1997, S. 135
4 ebd, S. 140
5 www.emig-schuhe-mode-sport.de, 21.01.2000
Arbeit zitieren:
Bernadette Wonner, 2000, Carving - Vergleich mit der herkömmlichen Skitechnik, München, GRIN Verlag GmbH
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