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Gliederung
1. Einleitung 2
2.Sozialstruktureller Wandel 3
2.1. Milieutheorien 3
2.2. Wie kam es zur Veränderung der Sozialstruktur? 6
3. Die Auswirkungen des Wandels - Volksparteien ohne traditionelle Basis? 7
3.1. Abnehmende Parteienidentifikation 7
3.2. Bundestagswahl 2005 - Stimmenverteilung und Wählerverhalten 8
4. Aufstieg und Positionierung der etablierten kleinen Parteien 10
4.1. Verbannung in die Opposition - FDP und Bündnis 90/ Die Grünen 11
4.2. Die Linke - Auferstanden aus Ruinen 12
5. Fazit 14
6. Literaturverzeichnis 15
7. Anhang 17
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1. Einleitung
In den Jahren zwischen 1962 und 1983 gab es im Bundestag nur drei Parteien. Er wurde dominiert durch die beiden großen Volksparteien und zwar der Union aus CDU und CSU, sowie der SPD. Während der siebziger Jahre gelang es ihnen zeitweise sogar über 90 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen. Die FDP war zu diesem Zeitpunkt die einzige kleinere Partei welche die Rolle des “Königsmachers“ innehatte, da sie auf dem Weg zur Regierungsbildung der einzig mögliche Koalitionspartner war.
Erst zu Beginn der 80er Jahre mit der Etablierung der Grünen konnte sich in der bis dato starren Parteienlandschaft eine neue politische Kraft etablieren. Ein weiterer Einschnitt in das deutsche Parteiensystem trat dann nach der Wiedervereinigung auf. Der Niedergang der DDR brachte eine große zusätzliche Anzahl von Wählerstimmen auf den einst so stabilen “Markt“. Anfangs noch als Regionalpartei abgestempelt und später des Öfteren tot geglaubt, konnte sich die PDS, aus der SED hervorgegangen, immer stärker im deutschen Parteiensystem etablieren.
Die deutsche Parteienlandschaft hat sich demnach also stark verändert, „sie ist bunter und unübersichtlicher geworden“ (Hartenstein, Wolfgang 2002). Die Bundestagswahl 2005 brachte dann eine große Koalition hervor, da es den beiden Volksparteien nicht gelungen war mit ihrem jeweiligen Wunschpartner eine regierungsfähige Mehrheit zu erreichen. Zusammen hatten Union und SPD nur noch knapp über 70 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen können und somit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 (Jun, Uwe/ Kneikenbom, Henry 2006: 13).
Woher kommt dieser Wandel des Wählers, der Bruch mit den traditionellen Konfliktlinien die Lange Zeit die Entscheidung des Wählers grundlegend beeinflussten und welche Auswirkung hat dies vor allem für die einst so stabilen Mehrheiten der Volksparteien? Die vorliegende Arbeit versucht diese Veränderungen zu analysieren, in dem sie zuerst auf die Erosion der traditionellen Milieus eingeht, die sich im Laufe der Modernisierung und Flexibilisierung stark verändert haben. Zudem soll gezielt am Beispiel der Bundestagswahlen auf die Wählerstruktur und das sich ändernde Wahlverhalten eingegangen werden. Hierbei soll besonderes Augenmerk auf die beiden großen Parteien gelegt werden, die sich als Verlierer dieser Bundestagswahl entpuppten. Zu letzt wird der Aufstieg der kleineren Parteien genauer untersucht, welche einen erheblichen Teil der Wähler für sich gewinnen konnten und so zu einem festen Bestandteil im deutschen Parteiensystem geworden sind. Mit ihrer Stärkung, geht die Schwächung der beiden Volksparteien einher, dessen Ursachen hier genauer untersucht werden sollen.
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2. Sozialstruktureller Wandel
Was war der Grund für den Wandel der Gesellschaft und die damit verbundenen, sich veränderten Wahlentscheidungen. Denn „Im Zeichen von Individualisierung und Flexibilisierung scheint sich der Wähler zu einem unbekannten zu entwickeln, der für die Parteien kaum noch berechenbar ist“ (Neugebauer, Gero 2007: 8). Aber nicht nur der Wähler an sich hat im Laufe der Zeit seine politischen Präferenzen neu geordnet, sondern vor allem die abnehmende Parteienidentifikation und die sich ausbreitende Unzufriedenheit über Politik und Politiker in der Bevölkerung, tragen zu einer immer geringeren Partizipationsbereitschaft bei. Diese sich immer weiter ausbreitende Politikverdrossenheit endet somit oftmals in der Protestwahl oder gar mit der Boykottierung der Wahl.
2.1. Milieutheorien
Die folgende Analyse soll einen Einblick in die politisierte Sozialstruktur geben, welche auf einer klassischen Milieutheorie beruht sowie auf einer modernen Analyse die versuchen soll, die neuen Werteorientierungen in der Gesellschaft zu verdeutlichen. Nach der Cleavage- oder Konfliktlinientheorie (S.Lipset und S.Rokkan 1967) organisieren die Parteien voneinander abgrenzbare Gefolgschaften, welche aus gesellschaftlichen Konflikten hervor gehen die historisch gewachsen sind. Demzufolge sind die Parteien „Teil eines weitläufigen sozialkulturellen Milieus, das mit seinen Organisationen, Institutionen und sonstigen Einrichtungen die Lebenswirklichkeit seiner Angehörigen prägt (Biehl, Heiko 2006: 80). Bezogen auf das deutsche Parteiensystem entstand somit die SPD aus dem Arbeitermilieu, welches sich aus den Interessensvertretungen der Arbeiter zusammensetzte. Die Union dagegen unterhielt enge Verbindungen zu kirchlichen Institutionen und setzte sich als bürgerliche Partei größtenteils aus dem katholischen Milieu zusammen. Da nach der Konfliktlinientheorie das Milieu einer Partei ausschlaggebend für ihre Anhänger ist wird sie sich also in ihrem Programm gezielt für deren Interessen einsetzen. Daraus kann auch für die weniger traditionellen Milieus die Konfliktlinientheorie abgeleitet werden. Die FDP besteht also aus dem bürgerlichen Milieu das sich überwiegend aus Selbstständigen „aus altem Mittelstand und neuer Mittelschicht“ (Ebd.: 81) zusammensetzt. Die Grünen gehen aus der postmaterialistischen Interessensvertretung hervor die überwiegend in Universitätsstädten mit studentischem Milieu ihren Anfang fand. Die Linke, hervorgegangen aus der PDS, kann in ihren Anfänge demzufolge als “ostdeutsche Milieupartei“ verstanden werden, welche viele ehemalige DDR Funktionäre und deren Anhängerschaft integrierte (Ebd.).
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Dieses Modell der klassischen Milieus verliert aber immer mehr an Bedeutung, zwar ist die enge Verwurzelung der großen Parteien und ihren Milieus immer noch stark ausgeprägt, aber die Bindung lässt immer weiter nach. Seit den achtziger Jahren ist die Wählerschaft immer unberechenbarer geworden und ihre Loyalität zur einmal gewählten Partei hat abgenommen, so treffen sie ihre Wahl „immer bewusster, taktischer, beweglicher, kurzfristiger und auch enthaltungsbereiter“ (Müller, Wolfgang 1999: 101).
Eine neuere Analyse wurde von TNS Infratest Sozialforschung im Juli 2006 erstellt und Teilt die Gesellschaft in drei Drittel ein mit neun Untergruppen.
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Im folgenden Abschnitt soll nun teilweise auf diese Analyse eingegangen werden, um ein kurzes und prägnantes Spiegelbild der neuen Milieus und ihrer Werteorientierung wiederzugeben.
Hier wird nun nicht mehr nach den klassischen Konfliktlinien beurteilt, sondern die Gesellschaft wird anhand der Wertekonflikte „Libertarismus- Autoritarismus, Soziale Gerechtigkeit- Marktfreiheit sowie Religiosität- Säkularität“ (Neugebauer, Gero 2007: 68) in neun Gruppierungen eingeteilt. Anhand von Umfangreichen Befragungen sollten die Auswirkungen „durch den wirtschaftlichen und technologischen Wandel“ (Ebd.) und die damit einhergehenden gefühlten Risiken näher untersucht werden. Die Auswertung der Befragung kommt zu dem Ergebnis, dass sich 14% der deutschen auf der Verliererseite sehen. Der Hang zur sozialen Gerechtigkeit findet immer breiteren Zuspruch auch beim oberen Drittel der Gesellschaft und liegt im Durchschnitt bei über 90%. Auf die Frage, ob der Staat für die umfassende soziale Absicherung der Bürger aufkommen soll oder dies der Eigenverantwortung überlassen bleiben soll, waren 62% aller für die staatliche Absicherung. Hierbei war vor allem das untere Drittel des Gesellschaftsmodels ausschlaggebend, das zwischen 80% und 94% für das Sozialstaatsmodell plädierte. Staatlicher Interventionismus in der Wirtschaft findet beim unteren Drittel mit Werten von 58% bis 80% großen Zuspruch, aber auch die kritische Bildungselite (65%) sowie die bedrohte Arbeitnehmermitte (68%) sprechen sich überwiegend dafür aus. Hinsichtlich der ökonomisch- sozialen Konfliktlinie „ besteht mithin über die sehr unterschiedlichen politischen Milieus hinweg ein breiter Konsens“ (Ebd.: 89) dahingehend, dass der Staat einen Großteil der sozialen Verantwortung tragen soll. Bei der Frage nach starker politischer Führung oder demokratischer Beteiligung der Bürger herrscht große Uneinigkeit, so sprechen sich in allen Dritteln verstärkt einzelne Gruppierungen mit Werten von 27% bei den etablierten Leistungsträger bis hin zu 70% bei den Autoritätsorientierten Geringverdienern für einen starke politische Führung aus. Besonders die kritischen Bildungseliten (80%) sowie das engagierte Bürgertum (79%), welches sich schon bei der Frage nach sozialer Gerechtigkeit durch seine überdurchschnittliche soziale Haltung hervorgehoben hat, tendiert zu stark neoliberalen Tendenzen. Die Gesellschaft nimmt demnach immer komplexere Züge an, die immer weniger in ihre traditionellen Milieus einzuordnen sind. Der Ausbau neuerer Milieus mit sich verändernden Konfliktlinien schreitet immer weiter voran, deren Angst vor sozialem Abstieg mehr staatliche Verantwortung fordert. Somit müssen es sich die Parteien zur Aufgabe machen diese neuen Gruppierungen zu integrieren, wenn sie ihre Stellung im Parteiensystem behalten wollen.
Arbeit zitieren:
Maximilian Eibel, 2008, Erosion der deutschen Parteienlandschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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