Ludwig-Maximilians-Universität München
Philosophische Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft Institut für Englische Philologie Wintersemester 2001/2002
College Short Stories
Analyse und Vergleich dreier Kurzgeschichten Malcom Bradburys „A Very Hospitable Person“, „Nobody here in England“ und „Composition“
Proseminar Literaturwissenschaft: „English Short Stories“
Verfasserin:
Bernadette Wonner
Studiengang: Lehramt Gymnasium Englisch/Sport Fachsemester: 3
Inhaltsverzeichnis:
1. Malcom Bradburys Leben im Universitätsmilieu 3
2. College Short Stories 4
2.1 Very Hospitable Person 4
2.1.1 Formale Textanalyse 4
2.1.2 Charaktere 5
2.1.3 Amerikanische Offenheit gegenüber englischer Zurückhaltung 6
2.1.4 Interpretation der Entwicklung der Konversation 7
..............................................................................................................
2.2 Nobody here in England 8
2.2.1 Formale Textanalyse 8
2.2.2 Charaktere 9
2.2.3 Die Beziehung zwischen Mrs Prokosch und Shaw 12
2.3 Composition 13
2.3.1 Formale Textanalyse 13
2.3.2 Charaktere 14
2.3.3 Composition als exemplarische composition 16
3. Vergleich der College Short Stories 18
4. Schlussbemerkung 20
Bibliographie 21
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1. Malcom Bradburys Leben im Universitätsmilieu
„[...] universities are not better than life. They are just life.“ (Goch 1992: 200)
Die Aussage dieses Zitates aus Malcom Bradburys zweitem Roman Stepping Westward, dass Universitäten einfach das Leben sind - oder um es freier auszudrücken – bestimmen, läßt sich insbesondere auf Bradbury selbst übertragen. Evans schreibt in Vanatta (1985: 144) „Malcom Bradbury´s private world is a kind of overacademized Anglo-America [...]“. Bradbury verbringt die meiste Zeit seines Leben im Universitätsmilieu und wird dadurch im besonderen Maße geprägt. Dies spiegelt sich in der Tatsache wider, dass sich der Großteil der Handlungen seiner Romane und Kurzgeschichten an Universitätsschauplätzen abspielt und seine Charaktere oftmals ihn und seine eigenen Erfahrungen repräsentieren (vgl. Friedman 1986: 219).
Geboren 1932 in Sheffield, wächst er zunächst in Nottingham und später in London auf. Für sein Studium besucht er die Leicester und die London University. Als junger Dozent verbringt er einige Zeit an der Indiana University und in Yale in Amerika.
Seine Karriere als Universitätsprofessor beginnt im Jahr 1959 an der Hall University. Im selben Jahr erscheint auch sein erster Roman Eating people is wrong und er heiratet die Bibliothekarin Elisabeth Salt. 1961 ist er im English Department an der University of Birmingham tätig, an der er den Schriftsteller David Lodge trifft. Aus der Begegnung entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft.
Bradburys Interesse gilt insbesondere der Amerikanistik, die sich in seinen kritischen Arbeiten widerspiegeln. Als er 1965 Lektor an der University of East Anglia in Norwich wird, hilft er das Department für Amerikanistik einzurichten, in dem er 1970 zum Professor ernannt wird. 1970 gründet er außerdem zusammen mit Angus Wilson einen „creative writing MA course“. Zu seinen Studenten gehören spätere populäre Schriftsteller wie Ian McEwan, Kazuo Ishiguro und Clive Sinclair. Bis zu seiner Pensionierung 1995 bleibt er als Professor in Norwich.
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Im Jahr seines Todes, 2000, wird er aufgrund seines herausragenden Lebenswerkes als Autor, Professor, Fernsehdrehbuchautor und Literaturkritiker zu Sir Malcom Bradbury ernannt.
Bradbury kreierte in seiner short fiction unter anderem auch den Typus der college short story. Als Schauplatz der Kurzgeschichten dient das amerikanische Universitätsmilieu (vgl. Breitkreuz 1993: 67).
In meiner Arbeit möchte ich nun die Kurzgeschichten „A very hospitable person“, „Nobody here in England“ und „Composition“ aus Bradburys Sammelband „Who do you think you are?“ (1976), die zu dem Untertyp der college short story zählen, analysieren und miteinander vergleichen.
2. College Short Stories
Dem Vergleich der College Short Stories geht zunächst eine Textanalyse und Interpretation der einzelnen Kurzgeschichten voraus.
2.1 A Very Hospitable Person (Bradbury 1976: 23-39)
2.1.1 Formale Textanalyse
Die story der Kurzgeschichte spielt sich an einem Abend in New England ab. Das amerikanische Ehepaar Catherine und Glenn Nathan lädt zwei weitere Ehepaare zum Essen ein. Jedoch sagen die Tuckermans die Einladung aus persönlichen Gründen ab. So empfangen die Nathans das englische Ehepaar Lila und Richard Lawrence, die sie zuvor nur ein einmal getroffen haben.
Die gesamte Geschichte wird chronologisch (plot) aus der Sichtweise eines auktorialen Erzählers erzählt. Jedoch enthält sie auch personale Elemente, in denen die Gedanken der Gastgeberin Catherine beschrieben werden (Bsp.: „It was good to have a husband who appreciated what you had done for him, how you´d changed him, thought Catherine, [...]“ S.31, „ [...] Cathy congradulated herself on how she´d been managing the conversation;“ S.35). Die Kurzgeschichte besteht zum größten Teil aus den Konversationen der Figuren im Rahmen der Überleitungen und Beschreibungen des Erzählers.
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Die erzählte Zeit von der Dauer eines Abends von etwa drei Stunden entspricht fast der erzählenden Zeit von etwa zwei Stunden, da die Gespräche der Figuren in ganzer Länge aufgeführt werden und lediglich während des Essens - wenn auch nicht explizit erwähnt – die erzählende Zeit durch keine genaue Detailbeschreibung ein wenig kürzer ist, als die erzählte Zeit. Bradbury erleichtert es dem Leser durch die Annäherung der erzählenden zur erzählten Zeit, sich in die Situation der Kurzgeschichte besser einfühlen zu können.
2.1.2 Charaktere
Meiner Ansicht nach handelte es sich bei den vier wichtigsten handlungstragenden Figuren um flat characters, die den nationalen Clichévorstellungen von Engländern und Amerikanern entsprechen. Catherine Nathan, die Gastgeberin, die ursprünglich aus Illinois stammt, entspricht in der Geschichte im besonders ausgeprägtem Maße einer extrovertierten Amerikanerin, die sich ohne Scheu in Gespräche einmischt und diese dominiert. So schneidet sie small talk untypische Themen an („How do they feel about wife-swapping in England?“ S.35) oder äußert unpassende und oftmals verletztende Kommentare („Hey, are they still as backward about childbirth in England? [...] A friend of mine came back from there with her vagina all ripped up. That kid´s three years old now and intercourse is still painful for her [...].“ S.29), die sich keinesfalls für eine Konversation mit Gästen eignen, die sie gerade erst richtig kennenlernt. Jedoch bemerkt sie nicht, dass sich die Lawrences in den Gesprächen nicht besonders wohl fühlen. Ihr Charakter wird in erster Linie showing präsentiert, da er sich aus ihren Äußerungen ergibt. Ihre selbstgefälligen Gedanken und der Kommentar ihres Mannes über sie („[...] she´s so outgoing“ S.31) werden hingegen in a telling way konkret erzählt.
Die Präsentation des Charakters des Gastgebers Glenn Nathan ist in erster Linie showing. Er bemerkt ebenfalls nicht, dass sich die Gäste, insbesondere Lila Lawrence, durch Cathys Äußerungen angegriffen und verletzt fühlen. Das Verhalten seiner Frau akzeptiert er voll und ganz, weil
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Quote paper:
Bernadette Wonner, 2002, College Short Stories, Munich, GRIN Publishing GmbH
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