Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Damals und Heute 5
3. Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Wissenschaftler 6
4. Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Journalisten 8
5. Forderungen der Journalisten an die Wissenschaft 10
6. Zahlen und Fakten 11
7. Resümee 12
8.Literaturverzeichnis............................................. 14
2
1. Einleitung
Ein Focus-Redakteur behauptete einmal, die Zeitschrift Focus brauche keine Marktforschung. Das Team verlasse sich immer auf das zuverlässige Bauchgefühl von Chefredakteur Helmut Markwort. 1
Viele Medienwissenschaftler klagen über die Ignoranz der Medienmacher gegenüber den Ergebnissen der Medienforschung. 2 Allgemein herrscht die weit verbreitete Meinung, Journalisten distanzieren sich zu sehr von der Medien- und Kommunikationsforschung, und wenn sie benutzt wird, dann im Großen und Ganzen nur von großen Medieninstitutionen für deren Marketing. 3 Aber ist es wirklich so? Verlassen sich Journalisten beziehungsweise Redakteure wirklich nur auf das Bauchgefühl ihrer Chefs und auf ihre eigene Erfahrung? Oder haben sich die Medienmacher mittlerweile mit der Forschung doch mehr angefreundet und nutzen deren Erkenntnisse für die Umsetzung ihrer Arbeit?
Bis zur Jahrtausendwende gab es über diese Fragestellung keine Antwort. Professor Dr. Ralf Hohlfeld hat im Jahr 2000 seine Studie über den Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus begonnen und sie im Jahr 2003 mit dem Buch „Journalismus und Medienforschung. Theorie, Empirie, Transfer“ veröffentlicht. Bevor diese Studie fertig gestellt wurde, gab es keine vergleichbare Forschungsarbeit.
Diese Seminararbeit stützt sich weitgehend auf das Resultat von Professor Dr. Ralf Hohlfeld und untersucht die Frage, wie einzelne Journalisten und die Medien auf die Publikumsforschung mit all ihren Methoden, Institutionen und Ergebnissen reagieren. Genauer formuliert: Wie geht ein Journalist mit den Ergebnissen der Publikumsforschung um? Und wie vertraut ist er überhaupt mit der Institution Medien- und Kommunikationswissenschaft? Wie nutzt er die Daten, die Institutionen wie IVW (Informationsgemeinschaft zur Verbreitung von Werbeträgern), MA (Media-Analyse), AWA (Allensbacher Werbeträgeranalyse) oder GfK (Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung) mit Hilfe von Methoden wie Umfragen, Telefoninterviews oder bestimmter Copytests erfassen? All diese Fragen sollen in den nächsten Kapiteln mit Hilfe von Ralf Hohlfelds Habilitierungsarbeit, aber auch mit älteren Schriften wie von Karin Böhme-Dürr, Wolfgang Neumann-Bechstein und Gabriele Siegert beant-wortet werden.
1 Vgl., Ralf Hohlfeld: Journalismus und Medienforschung. Theorie, Empirie, Transfer. Konstanz 2003, S. 14.
2 Vgl. Wolfgang Neumann-Bechstein: Vermittlungsprobleme zwischen Kommunikationswissenschaft und Pra-
xis. In: Rundfunk und Fernsehen 46 (1998), H. 2-3, S. 361.
3 Vgl. ebd., S. 361.
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Die Seminararbeit baut sich auf einen kurzen Vergleich zwischen der Situation von vor 30 Jahren und heute auf. Anschließend folgt das Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Wissenschaftler und der Journalisten. Darauf folgen die Wünsche der Journalisten an die Forschung und die allgemeinen Ergebnisse aus Ralf Hohlfelds Studie, sowie ein abschließendes Resümee.
Wichtig für diese Arbeit ist noch die Definition der Begriffe Medien-, Kommunikations- und Publikumsforschung beziehungsweise -wissenschaft. Es wird zwischen anwendungsorientierter Medienwissenschaft und akademischer Kommunikationswissenschaft unterschieden. Der exakte Unterschied ist: „Während für die Kommunikationswissenschaft die Massenmedien nur einen Teil gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse neben anderen Formen darstellen, bezieht sich die Medienforschung auf die Massenmedien im Besonderen, betrachtet sie als Teil sozialer und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse und findet in der formalen, inhaltlichen und administrativen Ausgestaltung der Massenmedien ihr praktisches Gegenüber.“ 4 In dieser Seminararbeit ist folglich also immer von der Medienwissenschaft beziehungsweise der Medienforschung die Rede, da sich Journalisten, die Gegenstand und Mittelpunkt dieser Arbeit sind, meist mit Massenmedien im Besonderen auseinandersetzen. Es wird aber noch unterschieden zwischen anwendungsbezogener oder angewandte Medien-forschung („Werbeträgerforschung und redaktionelle Publikumsforschung“ 5 ) und der akademischen Medienforschung, die an den Universitäten stattfindet. Ralf Hohlfeld benutzt aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung in seiner Studie den Begriff Medienforschung, obwohl es korrekt Markt- und Medienforschung (als Publikumsforschung) heißen müsste. 6 Wichtig für diese Definition und für diese Seminararbeit ist, dass der Begriff Medienforschung nicht bedeutet, dass sie die Medien nur erforscht, sondern dass die Medienforschung auch Publikum und Nutzung der Medien untersucht, damit die Medienpraxis mit Hilfe der Ergebnisse, Medienprodukte entwerfen kann, die besseren Erfolg bei dem Publikum haben. 7 Der Aufgabenbereich der Medienforschung schwingt also zwischen Marketingfunktion und journalistischer Entscheidungshilfe. 8
4 Ebd., S. 362.
5 Karin Böhme-Dürr: Angewandte Medienforschung - Eine „heimliche“ Hauptsache? In: Karin Böhme-
Dürr/Gerhard Graf (Hg.): Auf der Suche nach dem Publikum. Medienforschung für die Praxis. Konstanz 1995,
S.11.
6 Vgl., Hohlfeld 2003, a.a.O., S. 26.
7 Vgl., ebd., S. 82.
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2. Damals und Heute
Schon Charles Dickens und Theodor Fontane änderten ihre Fortsetzungsromane auf Grund von Leserreaktionen. 9 Aber richtig entwickelte sich die deutsche Medienforschung erst nach dem zweiten Weltkrieg in den Forschungsabteilungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nach amerikanischem Vorbild. 10 Die Medienforschung an den Universitäten blieb auf Grund der propagandistischen Rolle, die die Medien während der Nazizeit spielten, kritisch. 11 Neue Forschungsmethoden entwickelten dann mit der Zeit private Marktforschungseinrichtungen, wie zum Beispiel die Media Analyse (MA). 12
In den 1970er Jahren hatten die Medienmacher große Furcht vor dem so genannten „Anpassungsjournalismus“, der Individualität im Schreibstil und der Themenauswahl beeinflusst hätte. Nur wenige Redakteure kamen deshalb in Kontakt mit der Leserschaftsforschung. 13 Für das Publikum zu schreiben, hätte für die damaligen Journalisten ein „Autonomieverlust“ bedeutet. 14 Es war einfach verachtet für das Publikum zu schreiben. Es wurden lieber eigene Erfahrungen gesammelt, man informierte sich im Gespräch mit den Kollegen, man las genauestens die Leserbriefe und achtete auf Höreranrufe. 15 Die „Ohne-mich-Haltung“ gegenüber der Forschung war chic. 16 Die Journalisten wussten ja selbst am besten, wie ihr Publikum aussah, nämlich so wie sie selbst. Aber leider verwechselten viele das reale Publikum mit dem idealen Publikum. 17 Das ideale Publikum galt als selbstbewusst, aufgeschlossen, politisch interessiert, intelligent und kritisch. Dass man das nicht von jedem Leser bzw. Hörer erwarten kann, versteht sich eigentlich von selbst. Journalisten bestätigten aber vor 30 Jahren genau zwei Klischees: Sie waren Alleinkämpfer und die Ergebnisse von Medienforschungen interessierten sie nicht. Noch in den 80er Jahren schreibt Dietrich Schwarzkopf: „Von den Programmpraktikern aber weiß ich, dass sie zur Medienwissenschaft fast keine Beziehung haben
8 Vgl., ebd., S. 84.
9 Vgl., ebd., S. 54.
10 Vgl., Neumann-Bechstein 1998, a.a.O., S. 367.
11 Vgl., ebd., S. 367.
12 Vgl., ebd., S. 367.
13 Vgl., Ralf Hohlfeld: Journalismus für das Publikum? Zur Bedeutung angewandter Medienforschung für die
Praxis. In: Ralf Hohlfeld/Klaus Meier/Christoph Neuberger (Hg.): Innovationen im Journalismus. Münster 2002,
S.156.
14 Vgl., Ralf Hohlfeld. Szenen einer Vernunftehe. In: journalist 54 (2004), H. 9, S. 40.
15 Vgl., ebd., S. 40.
16 Vgl., Hohlfeld 2003, a.a.O., S. 276.
17 Vgl., Hohlfeld 2004, a.a.O., S. 40.
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Arbeit zitieren:
Christine Engel , 2006, Der Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus: Die aktuelle Situation, München, GRIN Verlag GmbH
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