I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
0. EINLEITUNG 1
1. DEFINITIONEN. 1
2. METHODIK 2
I. K.-P. JÖRNS: ABSCHIED VOM SÜHNEOPFERMAHL. 3
1. AUTOR 3
2. DARSTELLUNG UND KRITIK 4
2.1 These. 4
2.2 Literarkritische bzw. redaktionsgeschichtliche Annahmen 4
2.3 Formgeschichtliche Annahmen 5
2.4 Religionsgeschichtliche Annahmen 6
2.5 Hermeneutische Annahmen 6
2.6 Auslegung der Deuteworte 7
2.7 Bewertung. 10
II. K. HAACKER: IST - ZUM SINN DER DEUTEWORTE 11
1. AUTOR 11
2. DARSTELLUNG UND KRITIK 11
2.1 These. 11
2.2 Textanalytische Annahme 11
2.3 Auslegung der Deuteworte 12
2.4 Bewertung. 14
III. E. MOLTMANN-WENDEL: ABENDMAHL AUS FEMINISTISCHER SICHT 15
1. AUTORIN. 15
2. DARSTELLUNG UND KRITIK 16
2.1 These. 16
2.2 Literarkritische Annahme. 16
2.3 Textanalytische bzw. redaktionsgeschichtliche Annahme 16
2.4 Auslegung der Deuteworte 17
2.5 Bewertung. 19
IV. P. TRUMMER: DASS ALLE EINS SIND 20
1. AUTOR 20
2. DARSTELLUNG UND KRITIK 21
2.1 These. 21
2.2 Textanalytische Annahme 21
2.3 Auslegung der Deuteworte 21
2.4 Bewertung. 24
V. SCHLUSS 25
1. ERGEBNIS. 25
2. EIGENER DEUTUNGSVERSUCH 26
Anhang :
- Anlage 1: Synopse der Deuteworte
- Anlage 2: Argumentationstypen in der Diskussion zur Bedeutung der Deuteworte
- Anlage 3: Deuteworte und Bundesschluss - Vergleich der Deuteworte mit Ex 24,8 und Jer 31,31
- Anlage 4: Analogien zu den Deuteworten - Nominalsätze mit der Struktur "Nomen X Nomen Y"
- Literaturverzeichnis
- Endnotenverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. Definitionen
Die Grenzen dieser Seminararbeit sind durch die Themenstellung abgesteckt:
• „Deuteworte“
Die sog. „Deuteworte“ sind Höhepunkt der Szene des letzten Mahles Jesu mit den Seinen. Es ist die wörtliche Rede Jesu im Zusammenhang der Austeilung von Brot („Brotwort“) und Kelch („Kelchwort“). 1 Die Evangelisten Markus (Mk), Matthäus (Mt), Lukas (Lk) sowie Paulus (Pls) haben die Deuteworte in ähnlicher Weise überliefert. 2 Gemeinsam sind ihnen inhaltlich die „Kernbegriffe“ 3 und formal die Parallelität 4 . Dies ist in der Synopse der Deuteworte (Anlage 1) gut zu sehen. Beim Evangelist Johannes (Joh) finden sich nur Anklänge an die Deuteworte, deshalb gehe ich in dieser Arbeit nicht näher auf Joh ein. Außen vor bleiben muss auch der nähere Kontext, also die „Danksagung“ und der „eschatologischen Ausblick“. Auf die Mahlszene insgesamt und ihren Kontext wird nur soweit notwendig eingegangen.
• „neuere exegetische Diskussion“ und „einiger Thesen“ Ich untersuche in dieser Seminararbeit vier Veröffentlichungen 5 zur Mahlszene von evangelischen und katholischen Theologen/innen 6 aus den letzten ca. 10 Jahren. 7 Eine Übersicht der Argumentationstypen in der Diskussion zur Bedeutung der Deuteworte findet sich in Anlage 2.
• „Darstellung“ und „kritische Auseinandersetzung“ Unter Darstellung verstehe ich die Nennung und Herleitung der These. Zur kritischen Auseinandersetzung wäre eine Exegese der Deuteworte optimal, dies ist im Rahmen dieser Arbeit (max. 30 Seiten) aber nicht möglich.
1
2. Methodik
Die ausgewählten Veröffentlichungen werde ich in zwei Hauptschritten analysieren:
• Autor
Jede Deutung ist subjektiv. Wir sind alle "Wahrnehmungsoriginale" 8 . Wie sich im Ergebnis zeigen wird, sind die Thesen zur Bedeutung der Deuteworte von den Vorverständnissen der Autoren/in geprägt. Deshalb beginne ich jeweils mit einer Betrachtung 9 des Autors und seiner Vorverständnisse.
• Darstellung und Kritik
Die Darstellung 10 beginnt jeweils mit der These zu den Deuteworten sowie grundsätzlichen Annahmen. Die einzelnen Auslegungen und Deutungen stelle ich dann anhand der Kernbegriffe 11 dar. Die kritische Auseinandersetzung mit der These vollziehe ich jeweils durch kritische Anmerkungen und abschließende Bewertung. Eine Trennung von Darstellung und kritischer Auseinandersetzung hätte zu unnötigen Wiederholungen geführt.
2
I. K.-P. JÖRNS: ABSCHIED VOM SÜHNEOPFERMAHL
1. Autor
Klaus-Peter Jörns ist nach meinem Eindruck bei der Abfassung des Buches stark vom „hochkirchlichen Umfeld“ (Theologiestudenten, Vikarsausbildung, Theologendiskurse) geprägt. 12 Biographische Elemente legt er kaum offen. 13 An Vorverständnissen scheint er folgendes mitzubringen:
• Gott ist die Liebe. In diesem Gottesbild gibt es keinen Platz für Heil durch Gewalt (Sühneopfertod). Dies würde zudem den Menschen ein schlechtes ethisches Vorbild sein (Negative Imitatio Dei). 14
• Der historische Jesus ist ein positives ethisches Vorbild, quasi die personifizierte Liebes-Ethik 15 Gottes (incl. Gewaltlosigkeit 16 und Kritik am Opferkult 17 ); Jesus wollte keine Kirche (incl. Rituale) gründen. 18
• Der Heilige Geist wirkt nicht nur bei den Autoren des Neuen Testaments, sondern auch heute bei uns. Deswegen "kann es durchaus sein, dass wir die theologische Gestalt biblischer Zeugnisse zwar respektieren, aber für uns nicht mehr akzeptieren können." 19
• Das Menschenbild ist positiv - alle Menschen sind "Gottes Söhne". 20 Die Vorstellung eines unperfekten Menschen 21 bzw. der Erbsünde 22 wird abgelehnt, weil dies die Grundlage für eine Sühneopfer-Theologie ist. "Wer die alte theologische Denkfigur [des Sühnopfers] festhalten will, muss erklären, ... warum Jesus längst vor seinem Tod Sünden vergeben und seine Jünger bevollmächtigen konnte, in seinem Namen dasselbe zu tun." 23
• Kirche soll ein Priestertum aller Gläubigen sein (herkommend von der Bevollmächtigung zur Sündenvergebung), d.h. ohne ein hervorgehobenes Priesteramt (herkommend vom Opfer-Ritus). 24 Außerdem ist die Kirche nicht besonders von Gott erwählt ("Bund" mit Gott als Ethnozentrismus). 25
3
2. Darstellung und Kritik
2.1 These
"Sehen wir die Kelchworte in den vier Überlieferungen an, so erweisen sie sich alle als gesteuert von der Wahrnehmung und reflektierenden Erinnerung des Todes Jesu als eines blutigen Opfers. Sie setzen den Tod Jesu und auch schon diese theologische Deutung voraus. ... Es hat ursprünglich wohl gar kein Kelchwort gegeben. ... Ich nehme an, dass der sprachliche Gestus des griechischen Brotwortes ... von dem Kelchwort ... inspiriert worden ist ... . Und deshalb ist es für mich wahrscheinlich, dass keines dieser beiden Deuteworte von Jesus gesagt worden ist ... ." 26
2.2 Literarkritische bzw. redaktionsgeschichtliche Annahmen
Jörns sieht die Möglichkeit "ein gutes Stück durch die überlieferten Texte 'hindurch' - also nicht an ihnen vorbei - etwas näher an den historischen Jesus heranzukommen" und gibt einen Kriterienkatalog 27 dafür:
• Historisch: Wo Jesus sich von der Tradition "abhebt"
• Historisch: Wo Jesus als "fragwürdige Gestalt" erscheint
• Historisch: Wo "Konflikte" von/mit Jesus berichtet werden
• Fraglich: Wo "hellenistische Wahrnehmungsmuster" auftauchen
• Fraglich: Aussprüche, die nicht ins "Gesamtbild der Verkündigung" passen
• Fraglich: Ältere Überlieferungsstadien der Texte
• Auch fraglich: Parallelisierungen 28
Die ersten drei Kriterien basieren auf der unausgesprochenen Annahme, dass nur Ungewöhnliches berichtenswert ist. Dies scheint mir sowohl für die mündliche wie die schriftliche Überlieferung 29 eine plausible Annahme. Kritisch stehe ich dem Aussschluss-Kriterium der "hellenistischen Wahrnehmungsmuster" gegenüber, denn nicht nur die ersten Christen 30 , sondern auch der historische Jesus selbst hat auch im kulturellen Einflussbereich hellenistischer Städte gelebt. 31 Das "Gesamtbild der Verkündigung" ist meiner Meinung nach selbst ein theologisches Konstrukt. Dieses methodische Kriterium läuft ständig Gefahr, Zirkelschlüsse zu erzeugen. 32 Von daher eignet
4
es sich m.E. ebenfalls nicht als Kriterium. Die letzten zwei Kriterien folgen der plausiblen Annahme, dass im Lauf der Zeit die Überlieferungen unbeabsichtigt schlechter oder beabsichtigt verändert werden. 33 Die Zuordnung zum Passa-Ritual durch die Rahmenhandlung (Mk 14,14 par) sei redaktionell, da in der Mahlszene nicht näher auf Elemente des Passa-Rituales eingegangen wird. 34
Das Gegenargument dazu hat Jörns bereits selbst geliefert: Warum sollte in der Mahlszene Gewöhnliches (Ablauf des Passa-Rituales) berichtet werden? Und wenn als Adressaten Heidenchristen angenommen werden, kann argumentiert werden, dass die Erklärung des Rituales bzw. die Schilderung einzelner Schritte den erzählerischen Fluss unterbrechen bzw. vom eigentlichen Inhalt ablenken würde.
2.3 Formgeschichtliche Annahmen
Die Mahlszene bei Pls und Lk sind nach Jörns "klar als Kultätiologie zu erkennen: Es ist eine Stiftungsszene, in der Jesus selbst eine in der Kirche zu wiederholende Mahlfeier mit dem Ziel eingesetzt hat, 'meiner zu gedenken'". 35 Problematisch bei dieser Einordnung in die Gattung Kultätiologie ist, dass Begriffe für "Kirche" (ἐκκλησία, κοινωνία u.ä.) der Mahlszene selbst nicht vor-
kommen, und dass bei Mk und Mt auch kein „Wiederholungsbefehl“ überliefert ist. Zudem ist Jörns wie gesehen eigentlich der Meinung, dass Jesus keine Kirche gründen wollte. Folglich wirkt dies nicht überzeugend. Eine weitere Annahme von Jörns ist, dass alle Mahlerzählungen dem in der antiken jüdischen und hellenistischen Welt verbreiteten "Opferritual mit nachfolgendem Festmahl" mit dem "Drei-Schritt" von "Nehmen, Schlachten und Teilen" folgen: Gefangennahme Jesu, Hinrichtung Jesu und Teilen im letzten gemeinsamen Mahl bzw. Nehmen von Brot/Becher, Schlachten als "für euch gegeben/vergossen", Austeilen von Brot/Kelch. 36 In meinen Augen ist auch diese Gattungsbestimmung nicht überzeugend. Der "Drei-Schritt" wird jeweils nur durch Umstellung erreicht: In den Überlieferungen wird das letzte gemeinsame Mahl vor der Hinrichtung gefeiert bzw. das Austeilen von Brot/Kelch erfolgte vor dem "für euch" der Deuteworte (in beiden Fällen eigentlich: Nehmen-Teilen-Schlachten).
5
2.4 Religionsgeschichtliche Annahmen
Jörns sieht die Ursprünge der "Passa-Passio-Tradition" (und damit des Abendmahls als Sühneopfermahl) neben der Erbsündelehre 37 und dem antiken Hofzeremoniell 38 in der Suche nach Ersatzriten zusammen mit der Frage nach dem Sinn des Kreuzestodes Jesu: "Nach der Trennung vom jüdischen Kult musste das Jesus-Gedenken in eine eigene Kultpraxis integriert werden, wobei der gewaltsame Tod Jesu nicht umgangen werden konnte." 39 Die (ersten) Christen mit jüdischen Herkunft verschmolzen nach Jörns die Festerzählung des Passamahles mit der Sterbensgeschichte Jesu: "Indem nun aber Jesu Leiden und Tod als neue Heilsgeschichte in das in das Zentrum des Gedenkens der Judenchristen am Pessachfest eintraten, kam es zu einer Verwandlung des Pessachmahls von innen, von der Festerzählung, her. Dabei verschmolzen das Ritual des Pessachfestes mit seinem Mahlritus, zu dem ursprünglich das Essen der Pessachlämmer gehörte, und die Leidens- und Sterbensgeschichte Jesu." 40 Dass sich dieser Ritus bei Christen mit hellenistischen Herkunft halten bzw. gegenüber einfachen Gedenkriten durchsetzen konnte, sei nach Jörns einem Trend zu unblutigen Opfern zu verdanken: "Es könnte sein, dass der neue christliche Opferkult für viele Menschen deshalb besonders attraktiv gewesen ist, weil er zwar eines einmaligen blutigen Opfers (auf Golgatha) gedachte, dieses Gedächtnis aber in einem unblutigen Ritus mit Wein und Brot vollzog." 41
Die Herleitung der Passa-Passio-Frömmigkeit wirkt bestechend. Jörns betont aber selbst, dass es beim jüdischen Passaritus nicht um Sühne, sondern um das Gedenken an die göttliche Errettung 42 geht. Konnte ein Christ mit jüdischer Herkunft Passa tatsächlich als Sühneopfer missverstehen? Außerdem erscheint auch die besondere Attraktivität des Abendmahles im hellenistischen Umfeld fraglich. Wenn unblutige Opfer „in“ waren, warum sollte dann gerade ein Ritus besonders attraktiv sein, der auf einem blutigen Opfer basiert?
2.5 Hermeneutische Annahmen
Jörns möchte "das christliche Erbe mit dem Selbstverständnis ... verbinden, mit dem wir in unserer Kultur leben." 43 Er wehrt sich gegen einen ausschließlichen Rekurs auf die Bibel: "Die Zeugen [die Autoren des Neuen Testamenes] stehen
6
Arbeit zitieren:
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt, 2009, Zur neueren exegetischen Diskussion um die Bedeutung der "Deuteworte", München, GRIN Verlag GmbH
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