Proseminar: „Philipp II. von Makedonien“ Alte Geschichte
SS 1998
Philipps Politik gegenüber Mittelgriechenland
am Beispiel Thessaliens
Verfasser:
Wolfram Baier
Inhalt:
Seite
1. Einleitung 3
2. Thessalien 3
2.1. Geographische Lage 3
2.2. Politische Lage 4
3. Beziehungen Makedonien - Thessalien vor Philipp (ab 400) 5
4. Philipps Politik gegenüber Thessalien 7
4.1. Vor dem 3 Heiligen Krieg (359-356) 8
4.2. Im 3 Heiligen Krieg (356-352) 9
4.3. Philipp als Archon des thessalischen Bundes (352-346) 12
4.4. Die Tetrarchie in Thessalien 16
5. Schluß 17
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Mit dem Herrschaftsantritt Philipps II. von Makedonien 359 v. Chr. 1 begann eine neue Epoche in Griechenland: der Hellenismus. Philipp war der Wegbereiter für die Ausdehnung des Reiches unter seinem Sohn Alexander dem Großen bis zum Indus und damit für den Untergang des persi- schen Großreiches.
Wie hatte Philipp die Voraussetzungen dafür geschaffen, mit welchen Mitteln hatte er seine Au- ßenpolitik betrieben, um in Griechenland die führende Rolle spielen zu können? Am Beispiel seines direkten südlichen Nachbarn Thessaliens werde ich diesen Fragen nachge- hen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung bis zum Philokrates-Frieden von 346. Anhand Thessaliens lassen sich einige Aspekte seines Vorgehens und seiner Strategie verstehen und verallgemeinern.
Die wichtigsten Quellen zu diesem Thema sind bei Diodor, Demosthenes und Iustinus (Justin) zu
finden, 2 wobei nur Demosthenes Zeitzeuge ist. Die anderen beiden haben hunderte von Jahren später historische, heute teilweise nur in Fragmenten erhaltene Quellen ausgewertet. Makedonien und Thessalien wurden wenig beachtet in einer auf Athen zentrierten griechischen Geschichtsschreibung. Das ändert sich erst durch Philipp ein wenig, wobei man weiterhin darauf achten muß, von welcher Perspektive aus welcher Schreiber berichtet und aus welcher Zeit er stammt; denn chronologische Unsicherheiten und Vorurteile gegen Philipp bestimmen viele Be- richte und Kommentare.
2. Thessalien
2.1. Geographische Lage 3
Thessalien ist die nördlichste Landschaft Griechenlands. Im Süden ist es benachbart mit Lokris, Doris, Phokis und Boiotien. Im Westen mit Epirus und im Norden mit Makedonien. Der Zugang zum Meer ist südöstlich beim Pagasaeischen Golf möglich.
Für Philipp war dieses Gebiet wichtig, weil es den Eintritt in das Herz Griechenlands bedeutete: Delphi, Theben, Athen, Korinth. Dabei bot die Abgegrenztheit Thessaliens nach Süden durch Gebirge Schutz und die Möglichkeit des Rückzugs. Nur ein Küstenpaß, die Thermopylen, konn-
ten für größere Truppenbewegungen genutzt werden. 4 Philipp wußte um die strategische Bedeu- tung, suchte deshalb aber auch Umgehungen, die Gegner auf der anderen Seite oft genug in ein Hintertreffen brachten. Zusätzlich konnten die Häfen von Vorteil sein. In erster Linie der von
Pagasai bot sich als Flotten- und Handelsstützpunkt an. 5
2.2. Politische Lage
Das Stammesgebiet der Thessaler war lange Zeit in vier Tetrachien (τετραρχης) eingeteilt: Thessaliotis, Pelasgiotis, Hestiaiotis und Phthiotis. Die Oberhäupter hießen Tetrarchen. Die ab- hängigen Randvölker waren davon ausgeschlossen (Magnesia, Achaia und Perrhaibia). Mitte des fünften Jahrhunderts folgten vier jährlich gewählte Polemarchen, die hauptsächlich das Heeres- kommando übernahmen. In vielen anderen Gebieten diente diese Herrschaftsform schon als Sprungbrett zur Tyrannis (Korinth, Theben, Athen). Auch im thessalischen Bundesstaat sollte sich dies am Anfang des nächsten Jahrhunderts bestätigen. An der Spitze des Gesamtstammes stand ein lebenslänglich gewählter Tagos, der aber nicht immer bestellt wurde, dazu ein nicht
sehr einflußreicher Landtag. 6 In der Amphiktyonie zu Delphi verfügten die Thessaler mit ihren abhängigen Stämmen über 12 der 24 Stimmen.
Schon früh haben sich die großen Adelsfamilien in den Städten als wirkliche Machtträger über
weite Teile des Landes herauskristallisiert. 7 Darunter die Aleuaden von Larisa, die aufgrund dy- nastischer Verbindung freundschaftliche Kontakte mit dem makedonischen Königshaus pflegten, die Herrscher von Pharsalos und in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts das Geschlecht von Pherai. Diese Entwicklung störte das Gleichgewicht zwischen den ländlichen Regionen und den Städten.
Die Folgezeit wurde beherrscht von den rivalisierenden Adelshäusern. 404 entstand unter Ly-
kophron von Pherai nach dem Sieg gegen die Oligarchie in Larisa eine Tyrannis. 8 Seinem Nach- folger Jason gelang 380 die Vorherrschaft über das gesamte Gebiet. Er wurde auf gesetzlichem
Wege zum Tagos ernannt. 9 Seine Ziele waren eine langfristige Einigung Thessaliens und darauf aufbauend eine Hegemonie über Griechenland sowie ein panhellenischer Feldzug gegen Per-
3
sien. 10 Dazu kaufte er ein Söldnerherr und baute eine Flotte. 11 Der größte Hafen Pagasai gehörte schon längere Zeit zur Stadt.
Der Kriegszustand zwischen Larisa, dem Koinon und Pherai hielt noch weitere 20 Jahre an. Sparta, Athen, Theben wechselten die Bündnispartner, je nachdem welche strategischen Vorteile sie sich ausrechneten. Larisa bat in dieser Zeit häufig um das militärische Eingreifen der make- donischen Monarchie.
3. Beziehungen Makedonien - Thessalien vor Philipp
Ich werde nur stichpunktartig auf die Verhältnisse dieser beiden Landschaften zueinander einge- hen. Auch gestaltet sich eine genauere Darstellung schwierig, da nur wenige Quellen zu diesem Aspekt für diese Zeit vorliegen.
Allgemein ist zu erwähnen, daß die Makedonen in der Stammesgeschichte als ein ehemals im
Norden Thessaliens wohnhafter Volksstamm beschrieben werden. 12 Hauptsächlich die Führungs- schicht scheint wegen ihrer Namen (Archelaos, Perdikkas, Alketas), von griechischer Abstam- mung zu sein. Aber sonst wurde das Gebiet der Barbarenwelt zugeordnet und eher verächtlich behandelt. Eine erste weitgehend gesicherte Quelle berichtet von der Besetzung Larisas (401/0) durch Archelaos von Makedonien. Er vertrieb die pheraische Besatzung, wurde Bürger der Stadt,
konnte aber nur für eine kurze Zeit eine feste Stellung in Thessalien behaupten. 13 Mit thessalischer Hilfe konnte Amyntas III. (393/92) die Illyrer aus dem Norden Makedoniens
vertreiben. 14 Jason von Pherai vereinbarte mit dem Vater Philipps ein Bündnis (um 371). 15 Aber Jason wollte in naher Zukunft auch Makedonien unter seine Kontrolle bringen. 16
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Wolfram Baier, 1998, Philipps Politik gegenüber Mittelgriechenland am Beispiel Thessaliens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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