Inhalt
1 Zu Thema und Aufgabenstellung der Arbeit 3
2 Das Stück und seine Entstehung im historischen Kontext
2.1 Parallelen des Stücks zum Gangstermilieu 4
2.2 Parallelen zur nationalsozialistischen Zeitgeschichte 5-6
3. Die dramatische Umsetzung der Historie im Stück
3.1 Gangsterhistorie 6-7
3.2 Parabel 8-9
3.3 Satire 9-10
3.4 Satire nach Kurt Tucholsky 10-11
3.5 Textbeispiele
3.5.1 Prolog 11-13
3.5.2 Speicherbrandprozess 13-15
4. Fazit 15-17
5. Literaturverzeichnis 18
1 Zu Thema und Aufgabenstellung der Arbeit
„Brecht überspringt die Kluft zwischen Bildungssprache und Alltagssprache, zwischen Literatur und Publikum. Unbekümmert und kalkuliert zugleich. Der Versuch volkstümlich zu schreiben, ist Teil seiner List, die Wahrheit zu verbreiten.“ 1 Mit dem lange Zeit unbedeutenden, im Schatten bekannterer Werke stehenden, Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ versucht Brecht die nationalsozialistische Zeitgeschichte auf die Bühne zu bringen und für jedermann zugänglich zu machen. Es geht ihm jedoch weniger um die bloße Identifikation mit der Vergangenheit. Vielmehr sollen durch verschiedenste Methoden des epischen Theaters Zuschauer und Leser zum Denken animiert werden. In dieser Arbeit soll nun auf diese Methoden eingegangen werden. Zunächst werden das Stück und seine Entstehung in den historischen Kontext gesetzt und anschließend auf die Umsetzung der zeitgeschichtlichen Aspekte im Werk hin untersucht. Dabei wird die Form der Parabel, der Satire, und die Verfremdung (als Gangstermilieu und Historienfarce) von Bedeutung sein. Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit sollen zwei Textbeispiele die epischen und episierenden Elemente, die Brecht verwendete, und die tatsächliche Einarbeitung der Historie in den Text belegen. Im Schlussteil soll resümiert werden ob und wie es Brecht gelungen ist, die nationalsozialistische Vergangenheit in den UI einzubetten. Darüberhinaus soll auf offene Fragen verwiesen werden und eine kritische Zusammenfassung dessen, was erarbeitet worden ist, erfolgen.
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2.1 Parallelen des Stücks zum Gangstermilieu
1935 hielt sich Brecht in New York auf, um an den Proben der Inszenierung des Stückes „Die Mutter“ teilzunehmen. Bereits hier kam ihm die Idee zu seinem „Ui“. Charakteristisch für das New York der 1930er waren Auseinandersetzungen rivalisierender Gangsterbanden zur Prohibitionszeit. Geprägt durch eine scheinbar legale Verknüpfung von harmlosen Geschäften mit rigiden Monopolkämpfen, die von einer korrupten Polizei und erpressten Politikern gedeckt wurden, war die Stadt durch immerwährende Kriege und Konflikte zwischen den Banden in Unruhe. Je brutaler das Vorgehen der „Gangs“, insbesondere ihrer Anführer, war, desto bürgerlicher und ehrenhafter gaben sie sich im zivilen Leben. Diese Doppelgesichtigkeit, der nahtlose Übergang zwischen bürgerlichem Habitus und kriminell-kapitalistischer
Geschäftemacherei, die Verflechtung von korrupten Politikern, bestochenen Presseleuten und einer ohnmächtigen Öffentlichkeit ist ein Ansatzpunkt für Brecht, eine Parallele zwischen dem amerikanischen Gangsterwesen und dem Aufstieg Adolf Hitlers zu sehen.
Am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, emigrierte Brecht mit seiner Familie. Über mehrere Stationen gelangten sie nach Dänemark. Dort lebten sie mit einigen Unterbrechungen, wie der in New York, bis 1935.Vom Publikum und von der praktischen Theaterarbeit abgeschnitten, begann im Exil die reichste Phase von Brechts Schaffen. Wegen der herannahenden Bedrohung durch vorrückende deutsche Truppen flüchtete Brecht zunächst, längst auf amerikanische Visa wartend, nach Schweden und schließlich nach Finnland. Seine verzweifelte und scheinbar ausweglose Situation spiegelt ein Gedicht wider, das zu dieser Zeit entstand:
Am 29. April 1941, knapp drei Wochen nach der Aufnahme der Arbeit an „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, hatte Brecht das Stück nahezu fertig gestellt. Die anschließende Arbeit diente lediglich der Glättung einiger Verse. In seinem „Arbeitsjournal“ dokumentierte Brecht die kurze Entstehungszeit seines „Ui“. 3
2.2 Parallelen zur nationalsozialistischen Zeitgeschichte
Um die Zusammenhänge im Stück zu verstehen, sind detaillierte Kenntnisse der amerikanischen Gangster- und der nationalsozialistischen Zeitgeschichte notwendig, doch nicht immer selbstverständlich. Brecht setzt in diesem Stück ein Wissen um Personen und Ereignisse voraus, das dem zeitgenössischen Zuschauer wahrscheinlich geläufig war, dem Heutigen aber möglicherweise fehlt. Ohne die konkreten historischen Bezüge ist der Kontext des Stückes schwer zu fassen und deshalb sollen im Folgenden relevante Parallelen dargestellt und erläutert werden.
Viele Einzelheiten, mit denen Brecht seinen „Ui“ ausstattete, entnahm er dem Leben des Gangsterkönigs Al Capone. Dieser hatte 1925 in Chicago eine weitverzweigte Verbrecherbande übernommen, die er in kürzester Zeit organisatorisch so vervollkommnete, dass er mit ihr den größten Teil des Alkoholgeschäftes kontrollierte. In ihm präsentierte sich das Verbrechertum auf dem höchsten organisatorischen Standard der kapitalistischen Welt: dem des Trusts. Hiermit sind die ersten Schnittstellen mit dem Stück bewiesen. Auch „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ spielt in Chicago und die handelnde Organisation ist der „Karfioltrust“. Wie Capone kommt auch „Ui“ aus der Bronx, den Slums des New Yorker Stadtteils Brooklyn. („…Als ich Vor nunmehr vierzehn Jahren als Sohn der Bronx…“) 4 . Capone hatte sein Hauptquartier zur damaligen Zeit im Metropol-Hotel und „Ui“ residiert im Mammoth-Hotel. Wenn „Ui“ in Brechts Parabel „Cicero“ okkupiert, so spielt dies darauf an, dass Capone vorerst den Chicagoer Stadtteil Cicero unter seine Kontrolle brachte, als er begann die Stadt in seinen Würgegriff, zu nehmen. Eine weitere Parallele ergibt sich zwischen der Liquidierung Romas, des ehemaligen Kampfgefährten des Ui in Brechts
Arbeit zitieren:
B.A. Gordon Oslislo, 2008, Die zeitgeschichtlichen Aspekte von Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ und ihre dramatische Umsetzung im Stück, München, GRIN Verlag GmbH
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