INHALTSVERZEICHNIS
0 Einleitung. 1
1 Allgemein 2
1.1 Dionysien. 2
1.2 Die Alte Komödie 3
1.3 Aristophanes und sein Stück Die Weiber am Thesmophorenfest 4
2 Textinterpretation 5
2.1 Das Spiel mit der Angst oder: Ist meine Frau ehrbar? 6
2.2 Die Thesmophorien als Ort männlicher Abwesenheit 10
3 Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
0 Einleitung
„[...] the Thesmophoriazousae is a for more complex and better integrated play than it might appear at first. It is located at the intersection of several relations: between male and female, between tragedy and comedy, between theater (tragedy and comedy) and festival (the Dionysiac, which provides the occasion for its performance and determines its comic essence), and finally between bounded forms (myth, ritual and drama) and the more fluid ‚realities‘ of everyday life. All these relations are unstable and reversible: they cross boundaries and invade each other’s territories, erase and reinstate hierarchical distances, reflecting ironically upon each other and themselves.“ 1 , schreibt Zeitlin in ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Aristophanes’ Die Weiber am Thesmophorenfest und führt gleich mehrere interessante Punkte auf, mit denen man sich bei einer Interpretation dieser Komödie beschäftigen könnte.
Mich interessierte das Frauenbild, welches Aristophanes in seinem Stück vermittelte - im Kontext von Vorstellungen einer ehrbaren Bürgerin im antiken Athen. Auch schien mir der Handlungsort dieser Komödie, das Thesmophorenfest der Frauen Athens, ein spannender Interpretationspunkt zu sein - immer in Hinblick darauf, dass der Verfasser von Die Weiber am Thesmophorenfest männlich ist und er für ein überwiegend männliches Publikum schrieb.
Im ersten Teil der Arbeit gebe ich zunächst einen kurzen Überblick über die Alte Komödie und deren Aufführungspraxis während der Dionysien in Athen. Danach gehe ich kurz auf das Leben des Dichters Aristophanes ein und gebe eine Zusammenfassung seines Stückes Die Weiber am Thesmophorenfest. Im zweiten Teil der Arbeit widme ich mich der Textinterpretation. Anschließend folgt ein kurzes Fazit.
Bei der Beschäftigung mit dem Thesmophorenfest waren vor allen Dingen Herbert W. Parke’s Athenische Feste: öffentlicher Kult und private Mysterien und Edith Specht’s Schön zu sein und gut zu sein: Mädchenbildung und Frauensozialisation im antiken Griechenland hilfreich. Außerdem konzentrierte ich mich auf Grund der Fragestellungen meiner Textinterpretation bei meiner Recherche auf wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Frauen in der Antike. Dieses Thema hat in der althistorischen Forschung eine lange Tradition. Vor allen Dingen die wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema von Elke Hartmann 2 erwiesen sich dabei als sehr ergiebig und interessant. Im Kapitel 1.2 gehe ich kurz darauf ein, dass die Verwendung von Alten Komödien als historische Quellen teilweise problematisch ist.
1 Zeitlin, Froma I.: Travesties of Gender and Genre in Aristophanes’ Thesmophoriazousae. In: Ders.: Playing the other: gender and society in classical Greek literature. Chicago, London 1996, S. 377.
2 Da es sich um mehrere Arbeiten von Elke Hartmann handelt, entnehmen Sie die Titel bitte dem anhängenden Literaturverzeichnis.
1
1 Allgemein
Im Folgenden werde ich kurz auf die alte Komödie und deren Aufführungspraxis während der Dionysien in Athen eingehen. Erläuterungen zur neuen Komödie und zum Lenäen-Fest werde ich in diesem Kapitel außer Acht lassen, da der Fokus meiner Arbeit auf Aristophanes als Vertreter der Komödie des 5. Jahrhunderts v. Chr. (und somit als Vertreter der Alten Komödie) und auf den Dionysien als Aufführungsort seines Stückes Die Weiber am Thesmophorenfest liegt.
1.1 Dionysien
Seit dem Jahr 486 v. Chr. gehörten die Komödien zum festen Bestandteil der Großen Dionysien in Athen und tauchten somit erst ca. 48 Jahre später als die Tragödien im offiziellen Festprogramm auf. Als Begründer der Großen Dionysien in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. gilt der Tyrann Peisistratos. 3
Dieses Fest und dessen Kulthandlungen galten dem Gott Dionysos, fanden jedes Jahr in der zweiten Märzhälfte statt und wurden von der Stadt Athen auch zur nationalen Selbstdarstellung genutzt. 4 Für die Ausrichtung des Festes war der „Repräsentant der Stadt in weltlichen Dingen“ 5 , der Archon Eponymos zuständig. Bei ihm stellten die Tragödien- und Komödiendichter bereits kurz nach den Dionysien den Antrag auf das Aufführungsrecht für das kommende Jahr. Bernhard Zimmermann weist darauf hin, dass „man kaum annehmen [darf], dass die Komödiendichter sich schon mit fertigen Stücken bewarben, da das Komödienpublikum mit höchst aktuellen Anspielungen rechnete“ 6 . Die Dionysien erstreckten sich über mehrere Tage, wobei die musischen und dramatischen Agone im Mittelpunkt dieses Festes standen. Der erste Tag begann mit einer großen Operprozession, dessen Zug vor dem Tempel des Dionysos Eleuthereus endete. Am Nachmittag trugen Chöre Dithyramben, die eigentlichen Festlieder des Dionysos, vor. Am zweiten Tag fanden die Aufführungen der Komödien statt, die fünf Stücke von je 2 Stunden Länge umfassten. Am dritten Tag begann der dreitägige Tragödienagon. Die Verkündung der Sieger des tragischen Wettkampfes am Abend des fünften Tages markierte den Schluss der Großen Dionysien. Zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges gab es, womöglich aus Kostengründen, eine zeitliche Kürzung. Die dramatischen Agone wurden auf drei Tage reduziert, wobei an jedem dieser Tage auf eine tragische Tetralogie eine Komödie folgte. 7
3 Vgl. Zimmermann, Bernhard: Die griechische Komödie. Düsseldorf, Zürich 1998, S. 17.
4 Vgl. Blume, Horst-Dieter: Einführung in das antike Theaterwesen. Darmstadt 1984, S. 14-17.
5 Ebd., S. 17.
6 Zimmermann, Bernhard: Die griechische Komödie. Düsseldorf, Zürich 1998, S. 24.
7 Vgl. Blume, Horst-Dieter: Einführung in das antike Theaterwesen. Darmstadt 1984, S. 19-25.
2
1.2 Die Alte Komödie
Die Zeit der Alten Komödie, zu dessen Vertretern Aristophanes zählt, setzt Ehrenberg auf die Jahre zwischen 455 und 385 v. Chr.. Der Beginn der Zeit der Alten Komödie wird durch den Abschluss der Perserkriege markiert. Die wichtigsten Vertreter dieser Gattung sind die politischen Dichter Kratinos, Eupolis und Aristophanes. 8 Politisch deshalb, da ihre Komödien Themen, die die Polis betrafen, beinhalteten. 9 Diese Komödiendichter mussten immer über aktuelle Ereignisse informiert sein, um ihre Stücke auch noch kurz vor der Aufführung auf den gegenwärtigen Stand der Dinge zu bringen. Die Komödie hatte neben der Erheiterung des Publikums auch dessen Anregung zum Nachdenken als Ziel. Laut Ehrenberg ist die Alte Komödie eine „Mischung aus extremer Wirklichkeit und extremer Unwirklichkeit“ 10 , d. h. „sowohl die Menschen als auch die Handlung [sind][...] im einzelnen oft unmöglich, sie sind unwirklich oder über-wirklich: der Boden jedoch, auf dem sie stehen oder eher dem sie entspringen, ist die Wirklichkeit des politischen und sozialen Lebens“ 11 . Situationskomik und die Verspottung bekannter Leute wie Dichter, Philosophen oder anderer Intellektueller sind wichtige Elemente dieser Gattung 12 , wobei „der Spott sowie die oft in Verbindung mit der Verhöhnung von gewissen Personen auftretenden Obszönitäten (Aischrologie) [...] in enger Verbindung zum Dionysoskult und zu den an den Festtagen üblichen Freiheiten [stehen]“ 13 .
Wie seriös ist die Alte Komödie jedoch als Quelle zu betrachten? Otto Seel bezeichnet sie als „eine historische Quelle von Rang, von einer Eindringlichkeit in Mahnung und Warnung wie wenige sonst“ 14 und auch Victor Ehrenberg schreibt, „dass die Komödie die Wirklichkeit, das echte pulsierende Leben zeige“ 15 . Er bekräftigt dies mit der Anekdote, die in den beiden anonymen Biographien des Aristophanes zu finden sind, „nach der der Tyrann Dionysios gewünscht habe, alles über die politeia Athens, das heißt über das Volk von Athen und seinen Institutionen, zu erfahren, worauf Platon ihm die Stücke des Aristophanes geschickt habe“ 16 . Im Hinblick darauf, was uns die Alte Komödie über das Leben der Frauen verrät, sollte nicht vergessen werden, dass die Dichter der Alten Komödie athenische männliche Bürger waren 17 , d. h.
8 Vgl. Ehrenberg, Victor: Aristophanes und das Volk von Athen. Eine Soziologie der Altattischen Komödie. Zürich 1968, S. 22-26.
9 Vgl. Zimmermann, Bernhard: Die griechische Komödie. Düsseldorf, Zürich 1998, S. 57.
10 Ehrenberg, Victor: Aristophanes und das Volk von Athen. Eine Soziologie der Altattischen Komödie. Zürich 1968, S. 43.
11 Ebd. S. 47.
12 Vgl. Zeitlin, Froma I.: Travesties of Gender and Genre in Aristophanes’ Thesmophoriazusae. In: Ders.: Playing the other: gender and society in classical Greek literature. Chicago, London 1996, S. 378.
13 Zimmermann, Bernhard: Die griechische Komödie. Düsseldorf, Zürich 1998, S. 60.
14 Seel, Otto: Aristophanes oder Versuch über die Komödie. Stuttgart 1960, S. 166.
15 Ehrenberg, Victor: Aristophanes und das Volk von Athen. Eine Soziologie der Altattischen Komödie. Zürich 1968, S. 42.
16 Ebd., S. 47.
17 Ebd., S. 28.
3
Arbeit zitieren:
Melanie Bossen, 2009, Das Spiel mit der Angst und die Thesmophorien als Raum männlicher Abwesenheit: Aristophanes' "Die Weiber vom Thesmophorenfest", München, GRIN Verlag GmbH
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