Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Sinn und Geschmack fürs Unendliche: Der Religionsbegriff nach Schleiermacher 2
2.1 Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: ein biografischer Abriss. 2
2.2 Über das Wesen der Religion. 5
3. Sinn und Geschmack fürs Göttliche: Der Religionsbegriff nach Spalding. 10
3.1 Johann Joachim Spalding: ein biografischer Abriss 10
3.2 Über das Wesen der Religion. 12
4. Vergleich 17
5. Fazit. 24
6. Literaturverzeichnis. 27
7. Quellenverzeichnis 27
1. Einleitung
„Übergänge haben es in sich. Sie sind Brücken aus dem Vertrauten ins Fremde, sie gewäh-ren Gleichzeitigkeit von Herkunft und Zukunft, und sie verbinden das eine mit dem andern
zu einer neuen, aus Kontinuität und Diskontinuität eigentümlich gemischten Gestalt. Über-
gänge haben es in sich, weil sie das Bisherige mit sich führen ins Neue hinein.“ 1
Diese Übergänge, von denen Albrecht Beutel in seinem Aufsatz aus dem Jahre 1999 spricht, entsprechen genau dem Zustand der Menschen, wie er sich im Wechsel vom 18. ins 19. Jahr-hundert darstellte, einer Zeit, in der mit den gravierenden sozialen wie wirtschaftlichen Umwälzungen auch die Frage nach der Religion wieder zunehmend ins Interesse gerückt ist und mit der sich auch die Theologen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und Johann Joachim Spalding beschäftigt und in ihren zu jener Zeit erschienenen Religionsschriften zu beantworten gesucht haben, wobei gerade dem Werk Schleiermachers `Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern´ aus dem Jahre 1799 eine ungeheure, bis in die Gegenwart hineinreichende Bedeutung beigemessen wird. Aber was macht das Werk Schleiermachers so nachhaltig bedeutsam? Und inwieweit steht dies mit dem nur zwei Jahre zuvor erschienenen Werk Spaldings `Religion, eine Angelegenheit des Menschen´ in Zusammenhang? Wie wird Religion nach Schleiermacher und Spalding bestimmt? Bedeutet dieser Begriff für beide dasselbe? Oder unterscheiden sich die beiden Religionsverständnisse? Und wenn dem so ist, worin unterscheiden sie sich?
Die Beantwortung dieser Fragen bildet das Hauptanliegen dieser Arbeit. Beginnend mit Schleiermacher sollen so zunächst beide Religionsverständnisse im Einzelnen und in Anlehnung an ihre jeweiligen, oben genannten Werke herausgestellt (dabei gehen jedem derselben zur Orientierung wesentliche biografische Aspekte des Autors voraus) und daran anschließend einem Vergleich unterzogen werden. Hierbei muss vorab allerdings darauf verwiesen werden, dass es sich dabei nicht um eine alles erfassende Darstellung der den beiden Werken zugrunde liegenden Abweichungen und Berührungspunkte handeln kann, da dies dem Rahmen dieser Arbeit in Anbetracht der Komplexität der beiden Schriften bei weitem nicht gerecht werden würde. Insofern werden einzig die wesentlichsten Elemente beider Religionsverständnisse berücksichtigt werden können. Den Abschluss dieser Arbeit bildet sodann ein Fazit, mit dem allerdings weniger auf eine nochmalige Zusammenstellung aller Ergebnisse im Einzelnen als vielmehr auf die Herstellung einer Brücke zwischen den beiden Werken einerseits und ihrer jeweiligen Bedeutung für die Gegenwart andererseits abgezielt werden soll.
1 Beutel (1999): Aufklärer höherer Ordnung, S.277.
1
2. Sinn und Geschmack fürs Unendliche: Der Religionsbegriff nach Schleiermacher Mit seinem 1799 zunächst anonym veröffentlichten Werk `Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern´ hat Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher nicht nur seine Gedanken zu der in jener Zeit laufenden Debatte um die Religionsthematik zum Ausdruck gebracht, sondern zugleich einen innovativen Entwurf über die Religion dargelegt, dem noch zu seinen Lebzeiten drei weitere Auflagen folgten (1806, 1821, 1831). 2 Doch was beinhaltet sein Religionsbegriff konkret? Und was macht ihn so innovativ und nachhaltig bedeutsam? Diese Fragen sollen im Laufe dieser Arbeit, beginnend mit der Biografie und dem Religionsverständnis Schleiermachers ihre Beantwortung finden.
2.1 Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: ein biografischer Abriss
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher wurde am 21. November 1768 als zweites Kind des reformierten Feldgeistlichen Gottlieb Adolph Schleyermacher im schlesischen Breslau geboren. Nach einem Umzug der Familie in das bei Pleß gelegene Dorf Anhalt wurden Friedrich und seine Geschwister auf Wunsch der Eltern im Jahre 1783 der Herrnhuter Brüdergemeine zur Erziehung übergeben - Friedrich und sein vier Jahre jüngerer Bruder Carl traten in das Studienkloster, das Pädagogium der Herrnhuter Brüdergemeine zu Niesky bei Görlitz ein, während seine drei Jahre ältere Schwester Charlotte das Schwesternhaus Gnadenfrei in Niederschlesien bezog -, da deren Schulen als vorbildliche Ausbildungsstätten galten und der bis dahin eher planlose Unterricht der Kinder durch den oft nicht anwesenden Vater sowie später auf der Stadtschule in Pleß, wo der Unterricht zwar geregelter war, aber der sich dort erstmals regende Hang Schleiermachers zu Skepsis und kritischem Nachdenken den Eltern eine gewisse Sorge bereitete, in rechte Bahnen gelenkt werden sollte - eine Entscheidung, mit der Friedrich für immer von seinen Eltern Abschied nehmen musste: denn während seine ihm sehr nahe stehende Mutter nur ein Jahr später verstarb, brach der Kontakt zu seinem Vater weitestgehend ab. Während seiner Zeit in Niesky wuchs Schleiermacher dabei ganz in die herrnhutische Frömmigkeit hinein und der Tod seiner Mutter bestärkte ihn noch darin, „die Führung des Heilands und das `Gnadenlos´ der Gemeine zu bejahen“ 3 . Zugleich entwickelte Schleiermacher neben dem Eifer für die sprachlichen Studien auch ein reges Interesse für die Naturwissenschaften und die Mathematik, sodass er schließlich im Jahre 1785 voller Zuversicht in
2 Vgl. Meckenstock (2001): Historische Einführung, S.1. In: Schleiermacher (1799): Reden.
3 Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.18.
2
das Seminar der Brüdergemeine nach Barby, der Fakultät zur Vorbereitung künftiger Theologen überwechselte. 4
In Barby herrschte neben einer `streng pietistischen Bevormundung´ und Kontrolle der Studierenden ein strikter Vorrang des Religiösen bei jeglichen Beurteilungen. Bei den Vorlesungen überwog das Philosophische, jegliche Form von praktischen Disziplinen fehlte aber. Im Vordergrund standen vor allem Elemente der angewandten Mathematik, der Physik, der Chemie und der Geschichte inklusive enzyklopädischer Kenntnisse, neue philosophischwissenschaftliche Literatur jedoch wurde ihnen vorenthalten. Schleiermacher und seine Freunde widersetzten sich bald dieser strengen Kontrolle, indem sie die verbotenen Lektüren von Kant, Wieland, Goethe und `zeitgenössische sentimentale Romane´ heimlich lasen. Zweifel und Unzufriedenheit stiegen in ihnen auf und wurden letztlich so groß, dass Schleiermacher seinerseits seinem Vater im Januar 1787 einen Brief schrieb, mit der Bitte, sein Theologiestudium in Halle fortsetzen zu dürfen, was dieser letztlich befürwortete, da es sich weiterhin um das Studium der Theologie handeln sollte. Sein noch im Jahre 1787 begonnenes Studium in Halle, welches er vorwiegend bei dem Philosophen und Wolfianer Johann August Eberhard (ein ursprünglicher Theologe und scharfer Gegner Kants, der über Platon und Aristoteles lehrte) und dem Philologen Friedrich August Wolf (ein Wegbereiter des Neuhumanismus, bei dem die griechischen Klassiker im Vordergrund standen) absolvierte, nutzte Schleiermacher dabei vor allem auch für seine geistige Bildung: neben zeitgenössischer theologischer Literatur von z.B. Sack, Töllner, Michaelis und Leß studierte er auch die Werke Kants, die moralischen und metaphysischen Schriften von Aristoteles, Arbeiten seines Lehrers Wolf wie auch Xenophon und Untersuchungen zur griechischen Geschichte, stets auf der Suche nach einer einheitlichen Weltanschauung. 5
Nach dem Bestehen seiner ersten theologischen Prüfung in Berlin im Mai 1790 bekam Schleiermacher eine Hauslehrerstelle im Hause des Burggrafen Dohna in Schlobitten vermittelt, wo er drei Jahre lang blieb. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Grafen verließ Schleiermacher die Familie desselben dann im Mai 1793 und kam über verschiedene zeitweilige Tätigkeiten als Erzieher, Lehrer und Hilfsprediger, durch die er sowohl theologisch, philosophisch als auch menschlich zusehends heranreifte (in diese Zeit fiel neben seinem Bestehen des zweiten theologischen Examens und Erhalt der Ordination zum geistlichen Amt auch
4 Vgl. Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.9-13. 17-18.
5 Vgl. Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.18-29.
3
der Tod seines Vaters, mit dem er sich mittlerweile ausgesöhnt hatte) im Jahre 1796 schließlich nach Berlin, um dort eine Stelle als Prediger an der Charité anzunehmen. 6 Mit Berlin erschloss sich Schleiermacher nach anfänglichem Aufenthalt „in den Häusern der Prediger Sack und Spalding, in denen der Geist der Aufklärung […] mit Eifer hochgehalten wurde“ 7 eine ganz neue Welt, die Welt der Romantik, in die er vor allem durch das so genannte Salonleben, einem literarischen Kreis weniger Personen um den Hofrat und Arzt Dr. Marcus Herz, der sich durch Gespräche und gemeinsame Lektüre verschiedener, zumeist romantischer Werke auszeichnete, und die innige Freundschaft mit Henriette Herz, der Frau von Dr. Marcus Herz, und Friedrich Schlegel, mit dem sich Schleiermacher ab Ende 1797 eine Wohnung in der Nähe der Charité teilte, hineingeführt wurde und die für den literarischen Werdegang Schleiermachers von unsagbarer Bedeutung waren, hatten beide ihn doch zum Verfassen seiner `Reden´ mehr oder weniger gedrängt und ihn auch während seines Schreibens immer wieder motiviert und unterstützt. Den inneren Anlass zum Verfassen seiner Reden bildete dabei aber vor allem auch das Unverständnis einiger seiner Freunde für die Religion, welches sich offenbar in vorherigen Gesprächen im Salon herauskristallisiert hatte. Sein im Jahre 1799 zunächst anonym erschienenes Werk `Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern´ stellte dabei nur eines der bedeutenden Werke Schleiermachers dar, dem noch etliche weitere Schriften folgen sollten. 8
Im Jahre 1804 wechselte Schleiermacher dann nach Halle, um an der Universität erst als au-ßerordentlicher, später als ordentlicher Hochschulprofessor der Theologie und Philosophie zu arbeiten. In Halle blieb er jedoch nur bis 1807; dann ging er aufgrund der kriegsbedingten zeitweiligen Schließung der Universität nach Berlin zurück, wo er nicht nur Henriette von Willich heiratete (zu den zwei Kindern, die sie mit in die Ehe brachte, kamen vier gemeinsame hinzu), sondern ab 1809 auch als bedeutender und einflussreicher Prediger an der Dreifaltigkeitskirche wirkte und sich zudem für die Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität einsetzte, an der er dann ab 1810 bis zu seinem Lebensende als ordentlicher Professor der Theologie lehrte. Zudem übernahm Schleiermacher, im Jahre 1814 zum Sekretär der Berliner Akademie der Wissenschaften ernannt, 1815 das Rektorat der Universität. Neben seiner literarischen und akademischen Wirksamkeit war es dabei auch Schleiermachers kirchenpolitisches Engagement und seine Reisen nach England, Schweden, Norwegen und Dänemark, die sein Leben bis zu seinem Tod am 12. Februar 1834 infolge einer Lungenentzündung prägten. 9
6 Vgl. Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.38-39.
7 Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.41.
8 Vgl. Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.40ff. sowie Ehrhardt (2005): Religion, S.19-21.
9 Vgl. Kantzenbach (1967): Schleiermacher, S.84ff. sowie http://www.bbkl.de/s/s1/schleiermacher_f_d_e.shtml. (10.03.09).
4
2.2 Über das Wesen der Religion
Was ist nun aber unter dem Begriff der Religion, so wie ihn Schleiermacher in seinen `Reden´ von 1799 dargelegt hat, konkret zu verstehen?
Gemäß der Ausführungen Schleiermachers ist die Religion eine innere Anlage jedes Menschen, die über eine „eigne Provinz im Gemüthe“ 10 verfügt und ihre Ausbildung notwendig zum Menschsein dazugehört, da sie einen eigenen Zugang zur Wirklichkeit verschafft. Dies bedeutet zum einen, dass die Religion als eigenständige Anlage einzig aus dem Inneren des Menschen hervorgehen und nichts Äußeres, d.h. keine äußere Einwirkung in Form von Lehre oder Erziehung auf die Ausbildung der Religiosität eines Menschen Einfluss haben kann, zum anderen betont Schleiermacher damit, dass die Religion gleichberechtigt neben der Moral, die den Willen steuert und der Metaphysik, die das Erkenntnisvermögen regiert steht und insofern nicht mit ihnen verwechselt werden darf, auch wenn sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben an manchen Stellen ähnlich sehen, eben weil sie überall vermischt vorzufinden sind und alle den gleichen Gegenstand haben: das Universum und das Verhältnis des Menschen zu ihm. Nichtsdestotrotz bildet die Religion das höchste und übergeordnete Moment dieser drei, das notwendige und unentbehrliche Dritte, welches aufgrund ihres empfangenden Bezugs zum Universum von beiden anderen strikt abgegrenzt werden muss, denn im Unterschied zur Metaphysik und Moral zeichnet sich die Religion nicht durch Denken oder Handeln aus, sondern einzig durch `Anschauung und Gefühl´; im Anschauen des Universums liegt demnach der Kern, „die allgemeinste und höchste Formel der Religion“ 11 . Doch was bedeutet es nun, wenn Schleiermacher betont, das Wesen der Religion sei `Anschauung und Gefühl´? Wenn Schleiermacher vom `Anschauen des Universums´ spricht, so impliziert dies für ihn weniger die zu jener Zeit übliche Betrachtung eines Gottes (der Glaube an eine Gottheit stellt nach Schleiermacher einzig eine `einzelne religiöse Anschauungsart´ dar) als vielmehr ein staunendes Anschauen des einzelnen Endlichen, in dem sich das Unendliche in seiner ununterbrochenen Tätigkeit in jedem Augenblick offenbart. Dabei geschieht dieses Anschauen jedoch nicht spontan oder unabhängig vom Angeschauten; vielmehr unterliegt alles Anschauen des Einzelnen dem Einfluss des Universums, einer ursprünglichen und unabhängigen Handlung des Unendlichen im Endlichen also, wodurch der Einzelne in seiner `kindlichen Passivität´, in seinem rezeptiven Bezug zum Unendlichen ergriffen wird und alles Anschauen letztlich nicht die Natur der Dinge selbst (die äußere Natur bildet nur den äußersten Vorhof der Religion), sondern lediglich das Resultat des Wirkens des Universums im
10 Schleiermacher (1799): Reden, S.37.
11 Schleiermacher (1799): Reden, S.37ff. 50-55. 138ff.
5
Endlichen darstellt. So ist alles Einzelne, was sich in der Welt entwickelt, jedes Dasein, jede Form, jedes Wesen und jede Begebenheit als ein Werk des Universums begreifbar, als eine Darstellung und Ausführung seiner Gesetze, `von der Gottheit durchdringen und Eins´, was sowohl die Kraft und Gesetzmäßigkeit der Natur, ihre Ordnung und Zweckmäßigkeit als auch die Menschheit als Ganze in ihrem Sein wie in ihrem Werden, d.h. in ihrer fort- und immerwährenden Entwicklung bis hin zu dem für jeden Einzelnen gegenwärtigen Zustand unweigerlich mit einschließt. 12
Und eben dies macht das Wesen der Religion aus, der positiven Religion, wie Schleiermacher sie in Abgrenzung zur gemäßigten, natürlichen Religion als wahre, vom Universum geleitete Religion bezeichnet: jede Anschauung wird einzeln und für sich bestehend, selbstständig, unmittelbar für sich wahr und unabhängig von allen anderen betrachtet und als eine Handlung des Universums hingenommen. Keine einzelne Anschauung darf mit anderen zu einem Ganzen verbunden werden, denn die Religion impliziert einzig die unmittelbaren Erfahrungen, die einzelnen Anschauungen und Gefühle, welche aus dem Dasein und Handeln des Universums resultieren. Hiermit wird nicht nur auf das enge Beziehungsgeflecht zwischen dem einzelnen Endlichen und dem unendlichen Ganzen, sondern auch auf die notwendige Verbundenheit von Anschauung und Gefühl verwiesen, welche beide nur dann und deshalb etwas sind, „wenn und weil sie ursprünglich Eins und ungetrennt sind“ 13 . Diese ursprüngliche Einheit von Anschauung und Gefühl - ein flüchtiger, kurzer Moment, in dem sich das Universum dem Anschauenden durch ein bestimmtes in diesem ausgelöstes Gefühl offenbart - stellt nach Schleiermacher „die Blüthe […] die Geburtsstunde alles Lebendigen in der Religion“ 14 dar und ist in diesem Sinne unbedingt notwendig, um zur Religion zu gelangen, denn nur in dem durch diese Fundamental-Anschauung ausgelösten Gefühl, dessen Stärke zugleich auch den Grad der individuellen Religiosität bestimmt, kann im Angeschauten das Handeln des Universums überhaupt erst wahrgenommen und als solches erkannt werden. Diese erste religiöse Anschauung, die dem Einzelnen den `Sinn fürs Unendliche´ für immer aufgehen lässt, wird dabei zugleich `die Herrschende´ seiner Religion sein, auf die er alles andere um sich herum beziehen wird, denn dieser kurze Moment der „Vermählung des Unendlichen mit dem Endlichen“ 15 bestimmt seine Religion. Der `Sinn´ als passives Element zur Aufnahme der einzelnen Anschauungen, welcher zugleich unweigerlich mit der Fantasie des Einzelnen verbunden
12 Vgl. Schleiermacher (1799): Reden, S.38-56. 77-79. 82-87. 122-130. 236-237. 244-250. 271-276. 286. 312. sowie Ehrhardt
(2005): Religion, S.22-24. 28-32. 38-42. 66. 73-78.
13 Schleiermacher (1799): Reden, S.73.
14 Schleiermacher (1799): Reden, S.75.
15 Schleiermacher (1799): Reden, S.267.
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