das Parallelstoßen und Abwehrmaßnahmen als gruppentaktische Elemente eingeführt und geübt. Das Zielspiel ist dabei eine Variante des Handballspiels: Minihandball. Während in den bisherigen Sportstunden vor allem die gruppentaktischen Mittel fokussiert wurden, soll in der Lehrprobenstunde ein individualtaktisches Element eingeführt werden, das zum individuellen Gelingen der grundlegenden 5 Spielidee führen soll. Minihandball wird in den folgenden Doppelstunden weitergehend vertieft und mündet zum Abschluss der Unterrichtsreihe in eine Leistungsüberprüfung.
3. Rahmenbedingungen
Die zweite A-Lehrprobe findet planmäßig in der Sporthalle des Gymnasiums in ____im zweiten Teil 10 einer Doppelstunde von 11.10 Uhr bis 11.55 Uhr statt. Es stehen drei Minihandballfelder und Handbälle in ausreichender Zahl zur Verfügung.
4. Relevantes Eingangsverhalten Die Schüler… 15 - sind mit den Grundregeln des Handballspiels vertraut, bedürfen jedoch noch Hilfe bei der Beachtung der 3-Schrittregel.
- beherrschen in weiten Teilen das sichere Passen und Fangen.
- verfügen über vielseitige handballerische Grundfertigkeiten und Taktiken, führen diese jedoch zum Großteil intuitiv aus. 20 - verhalten sich gegenüber ihren Mitschülern fair und verantwortungsbewusst.
- haben aufgrund eines differenzierten Vereinssports großteils allgemeine Ideen zur Ausführung von Körpertäuschungen.
- bearbeiten Aufgabenstellungen in Kleingruppen zielorientiert.
25 5. Didaktische Entscheidungen
Das Mannschaftsspiel Handball wird durch das geltende Kerncurriculum Sport (Nds. Kultusministerium, 2007, S. 16) sowie durch die Grundsätze und Bestimmungen des Schulsports
30 Der Sportunterricht in der Mittelstufe dient in weiten Teilen der Qualifikation für das Prüfungsfach Sport in der gymnasialen Oberstufe (Nds. Kultusministerium, 2010, S. 11). Diesbezüglich orientiert sich der Kompetenzerwerb der Lehrprobenstunde an den hier geforderten Qualifikationen „Problemanalyse, Erarbeitung von Lösungsstrategien, Auseinandersetzung mit der Problemstellung durch Erproben und Experimentieren, Ergebnisanalyse und Sicherung“ (ebd. S. 20). 35 Handball wird dem Erfahrungs- und Lernfeld „Spielen“ zugeordnet. Unter diesem Aspekt wird gefordert, dass die Schüler eine spielformbezogene Spielfähigkeit in den Bewegungs- und Sportspielen erwerben. Insbesondere in regelgeleiteten Wettkampfspielen sollen die Schüler ihre taktischen und motorischen Grundfertigkeiten verbessern (Nds. Kultusministerium, 2005, S. 16). Der Erwerb bzw. die
2
Erweiterung der Spielfähigkeit in den Ballsportarten soll in dieser Unterrichtsreihe erzielt werden. Das Sportspiel Handball bietet sich in besonderer Weise dafür an, da es in der Erfahrungs- und Lebenswelt der Schüler äußerst präsent ist. Dies lässt sich u. a. auf die räumliche Nähe der Schüler zum hochklassigen 2. Bundesligaverein HSG-Nordhorn-Lingen zurückführen. Jüngste Erfolge der deutschen 5 Herrennationalmannschaft (WM-Sieger 2007 in Deutschland) und deren Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2011 in Schweden sowie die der Damennationalmannschaft für die EM im Dezember 2010, sprechen für eine hohe Medien- und Vereinspräsenz dieser Sportart. Handball lässt sich ohne großen Material- und Platzaufwand nahezu überall selbstorganisiert spielen. Die recht einfache Spielidee - Tore werfen und Tore verhindern - (Dietrich & Dürrwächter & Schaller, 2007, S. 112) führt 10 zu schnellen Erfolgserlebnissen. Die Variation der normierten Spielorganisation erlaubt dabei ein anspruchvolles Spiel, auch mit geringer Teilnehmerzahl. Die Einführung in das Sportspiel Handball ist laut dem Hauscurriculum des gymnasiums
in der Klassenstufe 7 festgelegt. Der Verlauf der Unterrichtsreihe hat gezeigt, dass der Großteil der Schüler bereits über grundlegende handballspezifische Taktiken und Fertigkeiten verfügt. 15 Im Sinne der Unterrichtsreihe gilt es diese sukzessiv zu verfestigen und zu erweitern. Die motorische Ausführung in handballspezifischen Spielsituationen vollzieht sich, bei Vereinsspielern sowie bei Anfängern der Lerngruppe, jedoch eher intuitiv und erfordert laut den Vorgaben des Kerncurriculums Sport (2007, S. 17) eine Bewusstseinschaffung ihrer Handlungsentscheidungen durch die Reflektion von Spielprozessen. Der Unterrichtsgegenstand der Lehrprobenstunde eignet sich dafür in besonderer 20 Weise, da individualtaktische Entscheidungen und deren motorische Ausführung auf engem Raum über das Gelingen bzw. Scheitern einer Körpertäuschung entscheiden und diese Spielsituation somit direkt Antworten auf die Qualität der eigenen Körpertäuschung liefert. Durch die Reduktion der Spielsituation auf eine Eins-gegen-Eins-Situation mit der Zielvorgabe der Durchführung einer Körpertäuschung mit abschließendem Torwurf unter der Beachtung der 3-Schrittregel sind diese scheinbar individuell 25 einfachen Lösungswege genauestens hinsichtlich ihrer Funktionalität zu untersuchen. Schwierigkeiten bei der Einhaltung der 3-Schrittregel können durch methodische und situationsangemessene Abwandlungen entgegengewirkt werden (Nds. Kultusministerium, 2005, S. 14). Das Thema der Lehrprobenstunde lässt sich einem der beiden Kernelemente des Handballspiels zuordnen „Herausspielen der Torgelegenheit“ (Dietrich & Dürrwächter & Schaller, 2007, S. 112). Das Parallelstoßen steht den Schülern bereits als raumgewinnende Mannschaftstaktik zur Verfügung 3 . Die 30
Durchbruchsaktionen einzelner Offensivspieler beschränken sich bisweilen jedoch stark auf die Schüler mit handballerischem Vereinshintergrund. Die Körpertäuschung stellt ein handballübergeordnetes Element der Spielfähigkeit dar (Trosse, 2002, S. 12) und sollte aufgrund der Transfermöglichkeiten in weiteren Sportspielen besondere Beachtung erhalten. Aufgrund der beschriebenen Heterogenität der 35 Lerngruppe bietet das Thema körperlich unterlegenen Schülern die Möglichkeit sich gegenüber stärkeren durchzusetzen und fördert dabei zusätzlich die Motivation und das Selbstvertrauen sich in solchen Situationen zu behaupten.
3 Siehe curriculare Einordnung
3
Grundsätzlich zielen Körpertäuschungen des Angreifers, mit dem Ziel des Durchbruchs und des Torabschlusses, darauf ab, den Abwehrspieler zu Fehlreaktionen zu veranlassen (ebd., S. 185). Die gelungene Körpertäuschung besteht aus der Verflechtung verschiedener Einzelelemente. Das Kernanliegen einer Körpertäuschung ist die authentische Simulation einer Stoßrichtung des Angreifers. 5 Das zentrale Kriterium der Authentizität ist maßgeblich für das Gelingen einer Körpertäuschung verantwortlich. Der Abwehrspieler soll durch diese aufgefordert werden in die simulierte Richtung mitzugehen, so dass eine explosive Richtungsänderung des Angreifers in die entgegengesetzte Richtung Raum für den Durchbruch des Angreifers entstehen lässt. Um die Richtungsänderung zügig auszuführen, ist dabei auf eine Stabilität der Beine und des Oberkörpers zu achten. Je nach taktischen 10 und motorischen Qualifikationen der Schüler sind verschiedene Lösungswege zum Durchbruch möglich. Die Qualität einer Körpertäuschung lässt sich leicht anhand der Abschlusshandlung, dem Torwurf, ablesen. Im Anhang 4 sind zwei Lösungsvorschläge beschrieben, anhand derer die Funktionalitäten der Einzelbewegungen für die Gesamtbewegung erkennbar werden. Sie stehen jedoch lediglich als exemplarische Lösungen, denn die Offenheit des methodischen Lehrweges und die 15 Sachstruktur können zu äußerst kreativen Schülerlösungen führen.
6. Stundenziel
Die SuS wenden Körpertäuschungen als individualtaktisches Mittel an, um einen Durchbruch gegen die Verteidigung zu erzielen und erweitern dadurch ihre handballspezifische Spielfähigkeit. 20
7. Lernziele Die Schüler… psychomotorischer Bereich
1. schulen ihre handballspezifischen Fertigkeiten und Fähigkeiten (Dribbeln, Passen, Zielwurf, 25 Anbieten und Freilaufen) gemäß ihrem individuellen Leistungsstand, indem sie diese in Spiel-und Übungsformen anwenden.
2. erproben selbst entwickelte Körpertäuschungen, indem sie diese in verschiedenen Spielsituationen unter Beachtung der 3-Schrittregel anwenden und beispielsweise a. die Stoßrichtung der Bewegung ändern. 30 b. die Richtungsänderung explosiv ausführen. c. ihren Körper während der Richtungsänderung stabilisieren. kognitiver Bereich
3. entwickeln in Kleingruppen zwei unterschiedliche Körpertäuschungen, die zum Durchbruch gegen einen Verteidiger führen, indem sie ABB1 und ABB2 erarbeiten. 35 4. benennen funktionale Kriterien zur Beurteilung von Körpertäuschungen, indem sie beispielsweise sagen, dass
4 Arbeitsblatt 2 Lösungsvorschläge
4
a. die Körpertäuschung dadurch authentisch wird, indem der gesamte Körper eine Stoßrichtung simuliert.
b. die Explosivität der Richtungsänderung maßgeblich für das Gelingen des Durchbruchs verantwortlich ist. 5 c. die volle Ausnutzung der 3-Schrittregel den höchsten Raumgewinn nach sich zieht. 5. erkennen, dass Körpertäuschungen keine starren Gefüge sind, sondern von den eigenen Stärken bzw. Schwächen der Gegner abhängen. sozial-affektiver Bereich
6. verbessern ihre Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, indem sie in Kleingruppen eine 10 gestellte Bewegungsaufgabe lösen und im Spiel interagieren.
7. entwickeln durch die Verbesserung ihrer Angriffstaktiken- und Fertigkeiten zunehmend Freude am Mannschaftsspiel Handball.
8. Methodische Entscheidungen
15 Da die Lehrprobenstunde den zweiten Teil einer Doppelstunde darstellt, kann zu Stundenbeginn auf eine Erwärmungsphase verzichtet werden. Somit wird die Stunde durch eine kognitive Phase eröffnet. In den vorhergehenden Stunden hat sich dafür die Errichtung einer „kognitiven Ecke“ als konzentrationsfördernd und leicht organisierbar herausgestellt. Hier soll ein zentrales Spielproblem herausgestellt werden, dass sich im Stundenthema äußert. Um dieses Spielproblem zu verdeutlichen, 20 werde ich zwei Schüler dazu auffordern, eine typische Eins-gegen-Eins-Situation der zuvor gespielten Minihandballvariante nachzustellen. Um die Einsicht in die Problematik zu steigern, werde ich dafür zwei Schüler auswählen, die sich im biologischen Alter stark voneinander unterscheiden. Der ballführende Offensivspieler, mit rückschrittigem biologischem Alter, erhält den Auftrag, dieses Spielproblem zu lösen. An dieser Stelle wird das fehlende Handlungsrepertoire zügig einsichtig. Da sich 25 diese Klasse durch eine außerordentlich positive Klassengemeinschaft auszeichnet, antizipiere ich durch diesen Problemaufriss dabei keinerlei Bloßstellung, sondern die Schaffung von Motivation für das Stundenthema. Durch diese Form des Problemaufrisses wird den Schülern der konkrete Bezug zum Handballspiel sichtbar und die Erarbeitungsphase wird nicht durch ein isoliertes Techniktraining geprägt, das keine spielrelevanten Inhalte vermittelt (Bietz, 1994, S. 372ff). 30 Im weiteren Unterrichtsverlauf werden die Schüler dazu aufgefordert, Handlungsalternativen zur Problemlösung zu nennen, die ich an der Tafel festhalten werde. Schüleräußerungen, die sich auf Körpertäuschungen beziehen, werden nachfolgend von mir unterstrichen. Das Stundenthema „Körpertäuschungen“ wird nun als Überschrift festgehalten. Im Lehrer-Schüler-Gespräch werden das Ziel und die Hauptbewegungskriterien von Körpertäuschungen festgehalten. Diese dienen den Schülern 35 als erste Orientierungsrichtlinien für die folgende Erarbeitungsphase von Körpertäuschungen. Da der Lerngruppe während der gesamten Unterrichtsreihe beide Sporthallenhälften zur Verfügung stehen, wurden im Verlauf der Unterrichtsreihe drei Minihandballfelder eingerichtet, um möglichst bewegungsintensiv zu lernen.
5
Arbeit zitieren:
Marco Franke, 2010, Die selbstständige Erarbeitung von Körpertäuschungen im Handball in der Klassenstufe 9, München, GRIN Verlag GmbH
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