I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit. 1
2 Informationsverarbeitung unter dem Einfluss von Heuristiken. 2
3 Anlegerfehlverhalten bedingt durch Rahmenabhängigkeit 5
4 Das Auftreten von Herdenverhalten an den Finanzmärkten 8
5 Auswirkungen psychologischer Einflüsse auf den Finanzmarkt. 11
6 Die Finanzkrise und die aktuelle Verfassung der Märkte 13
7 Die Anwendung von Behavioral Finance in der Praxis 17
8 Zusammenfassung 20
Literaturverzeichnis 21
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AG Aktiengesellschaft
DAX Deutscher Aktienindex
Nemax Neuer Markt Index
o. V. ohne Verfasser
S&P 500 Standard & Poor's 500
vgl. vergleiche
Abbildungsverzeichnis
Abb. Seite
1 Entwicklung des DAX Performance Index 13
2 Entwicklung des S&P 500 14
3 Bull/Bear- Index 16
4 Entwicklung der Infineon AG über 10 Jahre 19
1 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
Um etwa 2000 auf 5600 Punkte 1 ist der Dax seit seinem Tief im März 2009 gestiegen, aus fundamentaler Sicht wird dieses auf verbesserte Konjunkturdaten sowie die besser als erwartet ausgefallene Berichtssaison zurückgeführt. 2 Auch die durch die Notenbanken geschaffene Liquidität scheint mangels Alternativen den Weg in die Aktienmärkte zu suchen. 3 Es passt ins Bild, dass auch die Kursziele seitens der Analysten angehoben werden, so sieht die Commerzbank den Dax auf Jahressicht bei 6100 Punkten. 4 Weit weg
scheint also bereits die Finanzkrise, die den Markt noch Anfang des Jahres zum Einbrechen brachte.
Einige Titel, darunter beispielsweise Daimler, konnten sich ausgehend von ihren Jahrestiefs bereits verdoppeln. Noch stärker fiel der Anstieg bei vielen Bankaktien aus. So stand die Aktie der Deutschen Bank im Tief bei 15,38 5 , während diese im September bereits mit etwa 53 Euro 6 gehandelt Euro
wurde. Fraglich ist, ob sich die zugrundeliegenden Fundamentaldaten innerhalb dieser kurzen Zeitspanne derart verändert haben, dass eine solche Neubewertung gerechtfertigt wäre, oder ob es nicht vielmehr weitere Ein-flussfaktoren sind, die für die Schwankung verantwortlich zu machen sind.
Der „Neue Markt“ in Deutschland, mit seinem fulminanten Anstieg und dem darauffolgenden Crash, ist ein Beispiel dafür, dass Investoren sich nicht, wie es die Kapitalmarkttheorie mit dem idealtypischen Menschenbild des homo oeconomicus unterstellt, völlig rational verhalten.
So besagt die Effizienzmarkthypothese, dass alle zu einem Wertpapier vor-handenen Informationen bereits korrekt in den Kursen eingepreist sind. Tatsächlich aber lässt sich eine Rally, wie die des Neuen Marktes nicht ohne Bezugnahme auf Herdenverhalten und Auswirkung der Marktstimmung be- 7 schreiben. Das Verhalten der Marktakteure ist geprägt durch Gefühle wie Angst, Euphorie und Gier, welche das Marktgeschehen wesentlich beeinflus-
1 DAXPerfomance-Index, Stand 24.09.2009, Schlusskurs: 5.605,21.
2 Vgl. Hackhausen, Nervensache.
3 Vgl. Kuckelkorn, Die Rally trägt sich selbst, S. 1.
4 Vgl. Kramer, US-Arbeitsmarkt schürt Euphorie, S. 17.
5 Tiefkurs erreicht am 21.01.2009.
6 Stand 24.09.2009.
7 Vgl. Weber/Behavioral Finance Group, Idee und Überblick, S. 5.
sen. Laut Börsenspekulant Andre Kostolany kann „die Rolle der Psychologie im Börsengeschehen gar nicht überschätzt werden“ 8 .
Somit erklärt sich auch die zunehmende Bedeutung der wissenschaftlichen Forschungsrichtung Behavioral Finance, die sich mit dem Einfluss der Psychologie auf das Verhalten der Markakteure und das daraus resultierende 9 Es werden typische durch die Psyche bedingte Marktgeschehen beschäftigt.
Anlegerfehler untersucht, wie etwa das zu frühe Verkaufen von Gewinnaktien und das zu lange Halten von Verlustaktien. Im Folgenden soll zunächst auf die psychologisch bedingten Verhaltensmuster eingegangen werden, um anschließend deren Einfluss auf die Finanzmärkte zu untersuchen. Desweiteren ist es das Ziel, mögliche Lösungsansätze zur Vermeidung von typischem Anlegerfehlverhalten, welches gerade in turbulenten Zeiten auftritt, zu skizzieren.
2 Informationsverarbeitung unter dem Einfluss von Heuristiken
Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Auswahl und Verarbeitung von Informationen sowie dem daraus resultierenden Entscheidungsverhalten 10 Die Komplexität von Entscheidungssituationen, im Spe-der Marktakteure.
ziellen an Kapitalmärkten, macht es dem Menschen unmöglich, diese im vollen Umfang zu erfassen. 11 Zudem wird die Informationsverarbeitung durch den an Finanzmärkten gegeben Erfolgs- und Zeitdruck erheblich erschwert. 12
Um also die enorme Masse an Informationen bewältigen zu können, bedient sich der Mensch Heuristiken 13 , durch die er mit einem geringen Aufwand zu einem schnellen Ergebnis kommt. Dieses Ergebnis muss jedoch keinesfalls optimal sein und kann Fehlentscheidungen zur Folge haben. 14 Zu berücksichtigen ist auch, dass Markteilnehmer nicht in gleichem Maße an Informationen gelangen. So dürften institutionelle Anleger auf ein deutlich breiteres
8 Kostolany, Kostolanys Börsenseminar, S. 254.
9 Vgl. Shefrin, Börsenerfolg mit Behavioral Finance, S. 3 - 5.
10 Vgl. Goldberg/Nitzsch, Behavioral Finance, S. 27.
11 Vgl. Bosch, Behavioral Finance an der Börse, S. 71.
12 Vgl. Goldberg, Irrational, S.58.
13 Daumenregeln.
14 Vgl. Braun, Aktienanalyse, S. 85.
Spektrum an Börseninformationsdiensten zurückgreifen als beispielsweise ein Kleinanleger, der sich möglichweise bereits mit dem Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung begnügt. 15
Auch die Verfügbarkeit von Erinnerungen lässt sich unterscheiden. Informationen, die schneller und leichter verfügbar sind, werden höher gewichtet. 16 Diese unterschiedliche Gewichtung von Informationen wird durch die Verfügbarkeitsheuristik beschrieben, welche besagt, dass einem Ereignis eine umso höhere Wahrscheinlichkeit zugeordnet wird, desto verfügbarer Beispiele für ein solches Ereignis sind. Ein Investor, der bereits einen Crash miterlebt hat, wird diesem Szenario eine höhere Wahrscheinlichkeit beimessen als ein Anleger ohne solche Erfahrung. Ferner sind aktuell abgespeicherte Erinnerungen leichter verfügbar und beeinflussen somit unmittelbarer die Einschätzung von Sachverhalten.
Eine entscheidende Rolle spielt auch die selektive Wahrnehmung, die im Wesentlichen auftritt, wenn bereits eine Meinung zu einem Sachverhalt besteht oder bereits eine Entscheidung getroffen wurde. Dann werden neue Informationen aus der bereits eingenommenen Perspektive wahrgenommen, 17 Ein auf fallende Kurse sodass sie die ursprüngliche Meinung bestätigen.
setzender Marktakteur wird in jeglichen Nachrichten die Bestätigung seiner Einschätzung suchen, während der steigende Kurse erwartende Anleger umgekehrt die Nachrichten so interpretieren dürfte, dass diese seiner Markteinschätzung entsprechen.
Eine weitere Heuristik stellt die Repräsentativitätsheuristik dar. In dieser 18 Die Reprä-werden individuelle Erfahrungen als repräsentativ angesehen. sentativität wird als hoch angesehen, wenn etwas „in ein Schema passt“ 19 .
Ein Beispiel für Repräsentativität ist der Gewinner-Verlierer-Effekt. Laut Werner de Bondt und Richard Thaler ist die Entwicklung der Aktien, die in den vergangenen drei Jahren erhebliche Verluste erlitten, verglichen mit Aktien, die in diesem Zeitraum überdurchschnittlich abschnitten, in den darauf- 15 Vgl.Goldberg/Nitzsch, Behavioral Finance, S. 56.
16 Vgl. Braun, Aktienanalyse, S. 87.
17 Vgl. Goldberg/Nitzsch, Behavioral Finance, S. 57.
18 Vgl. Bosch, Behavioral Finance an der Börse, S. 78.
19 Goldberg/Nitzsch, Behavioral Finance, S. 72.
Arbeit zitieren:
Johannes Höllerich, 2009, Die praktische Anwendung von Behavioral Finance in Zeiten der Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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