Gliederung
Seite
Einleitung. 2
I Definition des Wissens 2
II Begriff der Wissensgesellschaft 3
III Dimension der Wissensgesellschaft am Beispiel Deutschlands 4
Fazit. 11
Literaturverzeichnis 13
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Einleitung
In der soziologischen Theorie sind viele unterschiedliche, sich ergänzende, aber auch widersprüchliche und konträre Theorien bezüglich des Begriffs der Wissensgesellschaft zu finden. Schon Klassiker wie beispielsweise Max Weber, Joseph Schumpeter, Werner Sombart oder auch Karl Marx haben in ihren Gesellschaftsanalysen mit dem Konzept der Wissensgesellschaft gearbeitet, wobei die Betonung vordergründig auf die Innovationsdynamik charismatischer Unternehmer und die Wissensbasierung bürokratischer Organisationen gelegt wurde. Die Theorie von Nico Stehr weist jedoch über diese Erklärungen hinaus und legt u. a. Wert auf die neu entstehende ökonomische Struktur und deren gesellschaftliche Grundlagen.
Ich werde mich in den folgenden Ausführungen mit der Problematik des Begriffs der Wissensgesellschaft befassen und der Frage nachgehen, ob wir uns, wie häufig behauptet, in einer solchen befinden, oder ob diese erst ihre Schatten vorauswirft und wir erst auf dem Weg in eine Wissensgesellschaft sind, so wie es Helmut Wilke und Christoph Hubig einst propagierten (vgl. Jäger 2002, S. 1). Schließlich fordert der globalisierte Wettbewerb die systematische Aufbereitung von „Wissen über Wissen“, so dass kein Weg daran vorbeiführt, die Ressource Wissen in der Organisation zu entwickeln und gezielt einzusetzen, um Problemlösungen und Zielsetzungen zu verbessern bzw. zu optimieren. Bevor ich jedoch mit meiner Diskussion beginnen kann, werde ich zunächst die Begriffe Wissen bzw. Wissensgesellschaft, so wie sie Nico Stehr verwendet, definieren.
I Definition des Wissens
Entgegen Karl Marx, der Wissen als „das allgemeine gesellschaftliche Wissen, knowledge“ bezeichnet, definiert Nico Stehr diesen Begriff als Fähigkeit zum sozialen Handeln und damit als Möglichkeit, einem Vorgang eine neue Richtung zu geben (vgl. Stehr 2003, S. 22). Für ihn ist Wissen ein Modell für die Wirklichkeit, das potenziell in der Lage ist, die Realität zu verändern. In diesem Sinn ist es ein universelles Phänomen bzw. eine konstante anthropologische Größe (vgl. Stehr 2001 a , S. 8 f.).
Seine Definition des Wissens stützt sich somit unmittelbar auf Francis Bacons berühmte und faszinierende These „scientia est potentia“, in der sich der besondere Nutzen
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des Wissens von der Fähigkeit ableitet, etwas in Bewegung zu setzen (vgl. ebd., S. 8 f.). Der Begriff „potentia“ umschreibt hier die Macht des Wissens. Nico Stehr weist in diesem Kontext jedoch darauf hin, dass Macht umgekehrt nicht zu Wissen führen bzw. sich nicht immer darauf stützen muss.
Dadurch, dass für Nico Stehr das Wissen fast immer strittig ist, verliert es teilweise seine Praxisrelevanz. Schließlich müssen die Interpretationsleistungen zu einem „Schluss“ kommen, da sie erst ab diesem Zeitpunkt als Handlungsfähigkeit wirksam werden (vgl. ebd., S. 10 f.). Die Aufgabe, Reflexionen abzuschließen und wissenschaftliche Erkenntnisse „nützlich“ zu machen, ist somit eine der zentralen Aufgaben in Wissensgesellschaften. Doch wann handelt es sich eigentlich um eine Wissensgesellschaft?
II Begriff der Wissensgesellschaft
Nico Stehr bezeichnet eine Gesellschaft als Wissensgesellschaft, wenn Wissen in steigendem Maße nicht nur als konstitutives Merkmal für die moderne Ökonomie und deren Produktionsprozesse und -beziehungen erscheint, sondern insgesamt zum Organisationsprinzip und zur Problemquelle der modernen Gesellschaft wird. Für ihn repräsentiert diese Gesellschaftsformation sowohl eine soziale als auch eine ökonomische Welt, in der Ereignisse und Entwicklungen zunehmend „gemacht“ werden, die zuvor einfach nur „stattfanden“. Danach sind demokratische Veränderungen keine schicksalhaften Ereignisse mehr und werden ebenso wenig von übermächtigen Institutionen gesteuert (vgl. ebd., S. 10 f.).
Stehr differenziert jedoch zwischen den frühen Formen von Wissenschaftsgesellschaften, wie z. B. die altägyptische Gesellschaft, und den gegenwärtigen entwickelten Industriegesellschaften. Diese erhalten ihre Bezeichnung insbesondere aufgrund des Vordringens der modernen Wissenschaft und Technik in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen und Institutionen (vgl. ebd., S. 10 f.). Aus diesem Grund ist ihre Struktur zwangsläufig an Fortschritte in den Gebieten des wissenschaftlichen und technischen Wissens gebunden, wodurch dessen Bedeutung ständig zunimmt. Wissensgesellschaften sind nach Ansicht von Nico Stehr weder das Ergebnis eines einfachen, eindimensionalen gesellschaftlichen Wandlungsprozesses, noch entstehen sie aufgrund eindeutiger Entwicklungsmuster. Sie assimilieren sich vielmehr, indem sie je-
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weils eigenen Entwicklungsmustern folgen und in bestimmter Hinsicht verschiedenartig bleiben (vgl. Stehr 2000, S. 54 f.). III Dimensionen der Wissensgesellschaft am Beispiel Deutschlands
Nachdem ich die Begriffe Wissen bzw. Wissensgesellschaft im Sinne von Nico Stehr erläutert habe, werde ich in den folgenden Ausführungen nun diskutieren, ob Deutsch-land seiner Theorie zufolge eine Wissensgesellschaft ist. Dabei werde ich mich darauf konzentrieren, die ökonomische, technische sowie soziale Dimension zu analysieren, da diese Bereiche in der modernen Gesellschaft einen sehr bedeutenden Charakter haben und sie zunehmend prägen.
Zunächst zur ökonomischen Dimension. Nico Stehr stellt sie häufig in den Vordergrund, um die Wissenschaftsgesellschaft zu beschreiben. Die Kernthese seines Ansatzes besagt nämlich, dass die Entstehung und Entwicklung von Wissensgesellschaften vorrangig mit grundlegenden Transformationen der ökonomischen Strukturen der modernen Gesellschaften verbunden sind (vgl. Stehr 2001 b , S. 28 f.). Er behauptet, dass die Wissensge-
sellschaft in der Produktion und Distribution vorwiegend auf wissensfundierten Faktoren basiert, während die Industriegesellschaft hauptsächlich von materiellen Faktoren bestimmt wird (vgl. Stehr 2000, S. 63 f.). In diesem Zusammenhang greift er das Phänomen der Entmaterialisierung auf, die in Wissensgesellschaften zunehmend stattfindet. Ich werde diesen Begriff, der sinnbildlich den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft darstellt, vorerst bezüglich der ökonomischen und später auch hinsichtlich der technischen Ebene betrachten.
Aufgrund des intensiven Wettbewerbs auf den Märkten sind es vor allem die Unternehmen, die auf den Faktor Wissen angewiesen sind, weil sie ständig konkurrenzbedingt bestrebt sein müssen, die Herstellung, Lagerung oder den Vertrieb von Produkten auf neue bzw. effizientere Verfahren umzustellen. Sie sind permanent gezwungen, ihre Kosten so niedrig wie möglich zu halten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Frage, die ich mir in diesem Kontext stelle und deren Beantwortung vermutlich auch im Interesse vieler Unternehmen ist, beschäftigt sich jedoch nicht mit der Art der Informationsgewinnung oder dergleichen, sondern betrifft die Verarbeitung und Verwertung von Wissen und könnte wie folgt lauten: Wie schaffe ich es, meinen gegenwärtigen Wirtschaftsablauf weiter zu optimieren und mir gleichzeitig einen Wissensvorsprung gegenüber der
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Arbeit zitieren:
Diplom-Betriebswirt(FH) Christian Kaufmann, 2010, Wissensgesellschaft Deutschland - Wunschdenken oder Realität? Eine Diskussion basierend auf den Beiträgen des deutschen Kulturwissenschaftlers Nico Stehr, München, GRIN Verlag GmbH
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