III
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. III
Abbildungsverzeichnis. V
Tabellenverzeichnis. V
1. Einleitung 1
2. Theorie 3
2. 1 Motivation und Volition 3
2. 1. 1 Motivation 3
2. 1. 2 Volition 4
2. 2 Motivationale Modelle zur Erklärung von Gesundheitsverhalten 5
2. 2. 1 Health Belief - Modell 5
2. 2. 2 Selbstwirksamkeitstheorie 6
2. 2. 3 Selbstbestimmungstheorie 8
2. 3 Volitionale Modelle zur Erklärung von Gesundheitsverhalten. 9
2. 3. 1 Rubikon - Modell 9
2. 3. 2 Health Action Process Approach 10
2. 4 Die PSI - Theorie 12
2. 4. 1 Willensbahnung und Selbstwachstum 13
2. 4. 2 Affektregulation 16
2. 4. 3 Selbstregulation und Selbstkontrolle 17
2. 5 Fazit und Forschungsfrage 21
3. Methode 23
3. 1 Hypothesen 23
IV
3. 1. 1 Hypothesenblock A: Selbststeuerung und Erleben 23
3. 1. 2 Hypothesenblock B: Selbststeuerung und Verhalten 24
3. 1. 3 Hypothesenblock C: Selbststeuerung 25
3. 2 Allgemeiner Versuchsplan 26
3. 3 Stichprobenbeschreibung 27
3. 4 Aufbau der Fragebögen 31
3. 4. 1 Erleben des Sports 31
3. 4. 2 Sportverhalten 31
3. 4. 3 Selbststeuerung beim Sport 32
3. 5 Untersuchungsdurchführung. 36
3. 6 Verfahren der Datenauswertung 36
4. Ergebnisse 37
4. 1 Vorbereitende Analysen 37
4. 2 Hypothesenprüfung 40
4. 2. 1 Selbststeuerung und Erleben 40
4. 2. 2 Selbststeuerung und Verhalten 42
4. 2. 3 Selbststeuerung 45
5. Diskussion der Ergebnisse 47
5. 1 Kritische Betrachtung der Untersuchung 47
5. 2 Diskussion der Ergebnisse 49
5. 3 Ausblick für die weitere Erforschung der Sportteilnahme 52
6. Zusammenfassung 54
7. Literaturverzeichnis 55
8. Anhang 59
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1. Health Belief - Modell .......................................................................................................... 5 Abbildung 2. HAPA - Modell ...................................................................................................................... 11 Abbildung 3. Darstellung der PSI-Theorie ........................................................................................... 13
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1. Untersuchungsplan mit dem Inhalt der jeweiligen Erhebungen und den
Erhebungszeiträumen ................................................................................................................................ 26 Tabelle 2. Zusammensetzung der befragten Personen unterteilt nach
Untersuchungszeitpunkten und Teilnahme....................................................................................... 28 Tabelle 3. t - Test zur Überprüfung auf geschlechtsspezifische Unterschiede der Mittelwerte der Skalen Selbstregulation, flexible Selbstkontrolle und rigide
Selbstkontrolle. ............................................................................................................................................. 30 Tabelle 4. Zusammenhangsanalyse zwischen Alter und den Skalen Selbstregulation,
flexible Selbstkontrolle und rigide Selbstkontrolle. ....................................................................... 30 Tabelle 5. Selbststeuerungsskalen mit Beispielitems und interner Konsistenz. ................. 33 Tabelle 6. Liste der Items der Skala Selbstregulation mit Mittelwert, Standardabweichung und Trennschärfe r . ....................................................................................... 33 ¡
Tabelle 7. Liste der Items der Skala rigide Selbstkontrolle mit Mittelwert, Standardabweichung und Trennschärfe r¢ ........................................................................................ 34 £
Tabelle 8. Liste der Items der Skala flexible Selbstkontrolle mit Mittelwert, Standardabweichung und Trennschärfe r¤ ........................................................................................ 35 ¥
Tabelle 9. Gruppenzusammensetzung zur Überprüfung eines Unterschieds der
Ergebnisse aufgrund erfolgter oder nicht erfolgter Teilnahme. ................................................ 37 Tabelle 10. t - Test auf Mittelwertunterschied der Ergebnisse des 2. Fragebogens der
Gruppen A und B+D. .................................................................................................................................... 38 Tabelle 11. t - Test auf Mittelwertunterschied ausgewählter Ergebnisse des 3.
Fragebogens der Gruppen C und A+B. ................................................................................................. 38
VI
Tabelle 12. t - Test auf Mittelwertunterschied ausgewählter Ergebnisse des 3.
Fragebogens der Gruppen A und C. ....................................................................................................... 39 Tabelle 13. t - Test auf Mittelwertunterschied ausgewählter Ergebnisse des 3.
Fragebogens der Gruppen A und B+C. ................................................................................................. 39 Tabelle 14. Zusammenhänge von Selbstregulation mit Zufriedenheit und Anstrengung. 40 Tabelle 15. Zusammenhänge von flexibler (flex.) Selbstkontrolle mit Zufriedenheit und
Anstrengung. .................................................................................................................................................. 41 Tabelle 16. Zusammenhänge von rigider (rig.) Selbstkontrolle mit Zufriedenheit und
Anstrengung. .................................................................................................................................................. 42 Tabelle 17. Zusammenhänge zwischen Selbststeuerung, Selbstregulation und den einzelnen Trainingshäufigkeiten an UZP1 - 3 (Training) sowie der gesamten
Trainingsmenge über UZP1 - 3 (Training gesamt). ........................................................................ 43 Tabelle 18. Zusammenhänge zwischen flexibler (flex.) und rigider (rig.) Selbstkontrolle und den einzelnen Trainingshäufigkeiten an UZP 1 - 3 (Training) sowie der gesamten
Trainingsmenge über UZP1 - 3 (Training gesamt). ........................................................................ 43 Tabelle 19. Zusammenhänge zwischen Selbstregulation sowie gesamter Selbststeuerung
und der Menge des betriebenen Sports pro Woche. ....................................................................... 44 Tabelle 20. Zusammenhänge von Selbstregulation, rigider und flexibler Selbstkontrolle
mit der Menge des betriebenen Sports pro Woche. ........................................................................ 45 Tabelle 21. Mittelwertvergleiche der Variablen Selbstregulation, flexible und rigide
Selbstkontrolle nach 1. und 3. UZP getrennt. .................................................................................... 45 Tabelle 22. Zusammenhänge der Skalen Selbstregulation, rigide (rig.) und flexible (flex.)
Selbstkontrolle zwischen UZP 1 und UZP 3. ...................................................................................... 46
1
1. Einleitung
Die positiven Wirkungen von Bewegung und Sport, wie die Verringerung von Erkrankungs- und Verletzungsrisiken sowie Verbesserung des psychischen Wohlbefindens, sind bekannt und werden als eines der kostenwirksamsten Mittel zur Förderung der öffentlichen Gesundheit angesehen (Thiex, 2006; WHO, 2005). Durch körperliche Inaktivität verursachte Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Herz-Kreislaufsystems sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das neben Einschränkungen in der Lebensqualität der Betroffenen hohe Kosten für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft verursacht. Gleichzeitig sind sich nach Auffassung von Thiex Menschen in Deutschland durchaus bewusst, dass sie ihren Gesundheitszustand durch sportliche Aktivität verbessern können (Thiex, 2006). Auch stellt er fest, dass ihnen ein breites sportliches Angebot von kommerziellen Anbietern und Sportvereinen zur Verfügung steht. Das ungenügende Bewegungsverhalten großer Teile der Bevölkerung liegt demnach an fehlender oder unzureichender Motivation oder an dem Scheitern bereits unternommener Sportteilnahmsversuche. Der Erfolg von möglichen Therapien, Ansätzen zu gesundheitsbewusstem Verhalten oder von Rehabilitationsmaßnahmen hängt jedoch von der Mitarbeit und der Motivation der Teilnehmer entscheidend ab. Damit eine dauerhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Leistungsfähigkeit von Menschen erreicht werden kann, ist es unerlässlich, dass durch Sportkurse oder Therapien erlernte Übungen in den Alltag integriert werden und die Sportteilnahme zur Gewohnheit wird. Prävention und dauerhafte positive Gesundheitseffekte lassen sich nur durch eine Regelmäßigkeit des Verhaltens, wie z. B. wöchentliches Kraft- oder Ausdauertraining erreichen (Thiel et. al, 2008).
Doch gerade die längerfristige Aufrechterhaltung von körperlicher Aktivität oder von anderem gesundheitsbewussten Verhalten scheint vielen schwer zu fallen. Nach Achtziger & Gollwitzer tun sich selbst hoch motivierte Personen häufig schwer, ein bestimmtes Vorhaben auch wirklich in die Tat umzusetzen (Achtziger & Gollwitzer, 2006). Einmal gebildete Vorsätze, wie z. B. das Rauchen aufzugeben oder regelmäßig Sport zu treiben, werden von vielen Menschen nach wenigen Wochen oder Monaten wieder aufgegeben. Sogenannte gute Vorsätze zum neuen Jahr, z. B. mehr Sport zu
2
treiben, scheitern zu 80%, davon 23% in der ersten Woche (FAZ, 2007). Nach Radinger (2001) gelingt es beispielsweise nur 3 von 10 Fitnessanfängern ihre sportliche Aktivität über einen längeren Zeitraum in ihre Alltagsgestaltung aufzunehmen. Neben mangelnder Motivation ist auch die Umsetzung oder Beibehaltung begonnener Sportvorhaben ein entscheidendes Problem auf dem Weg zu gesundheitsbewusstem Verhalten. So spricht Thiex von Abbruchsquoten bei Sportangeboten in Höhe von 40 bis 70% (Thiex, 2006). Es stellt sich die Frage, wie Menschen bei der Verwirklichung ihrer Vorsätze und Ziele auf dem Weg zu gesundheitsbewusstem Verhalten unterstützt werden können.
Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, herauszufinden, mit welchen Theorien und Modellen das Verhalten und Erleben beim Sport möglichst zuverlässig beschrieben und vorhergesagt werden kann. Anhand einer solchen Vorhersage wäre es möglich, empfundene Schwierigkeiten und Barrieren bei der Sportteilnahme zu prognostizieren und bereits im Vorfeld an ihrer Abmilderung oder Überwindung zu arbeiten. Großes Erklärungspotential für Phänomene bei der Vorbereitung und Durchführung von Handlungen gerade bei Schwierigkeiten bietet die PSI - Theorie von Julius Kuhl. Während sie in anderen Forschungsbereichen bereits vielfältige Anwendung findet, hat sie im Sport bis auf wenige Ausnahmen kaum Verwendung gefunden. Daher wird sie im folgenden Kapitel in Hinblick auf ihre Anwendbarkeit für die Fragestellung der Arbeit dargestellt.
3
2. Theorie
Zur Erklärung des Verhaltens von Menschen in Bezug auf ihre Gesundheit existieren eine Vielzahl von Theorien, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und sich teilweise überschneiden (Thiex, 2006). Um einen Überblick zu ermöglichen, werden zunächst die Begriffe der Motivation und Volition (=„Wille“) voneinander abgegrenzt und definiert. Sodann werden Theorien vorgestellt, die motivationale und volitionale Vorgänge zur Erklärung menschlichen Handelns in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung stellen.
2. 1 Motivation und Volition
Motivation und Volition werden je nach Ansatz als aufeinanderfolgende Phasen oder als sich ergänzende Steuerungslagen von Verhalten aufgefasst. Der Begriff Motivation bezieht sich nach Achtziger und Gollwitzer (2006) auf den Prozess der Zielbildung während die Volition sich auf die konkrete Umsetzung bezieht.
2. 1. 1 Motivation
Die Motivationspsychologie befasst sich mit den Beweggründen menschlichen Handelns; es existieren unterschiedliche Ansätze mit verschiedenen Auffassungen darüber, was Beweggründe sind (Kuhl, 2006). Nach Kuhl können Beweggründe sowohl kognitiv repräsentierbar sein (Ziele, Projekte, Bestrebungen) als auch subkognitiv das Handeln beeinflussen (z. B. Bedürfnisse, Affekte). Ziele sind explizite, sprachlich ausdrückbare Motive, während implizite Motive individuelle Dispositionen sind, sich in gleichen Situationen ähnlich zu verhalten (Heckhausen & Heckhausen, 2006). Die Wechselwirkung von Motiven und Situation führt zur Motivation und gegebenenfalls zu Handlungen (Heckhausen & Heckhausen, 2006).
Das Konstrukt Motiv wurde eingeführt, weil beobachtet werden konnte, dass Menschen bei der Auswahl und Verfolgung von Zielen zu Beständigkeit tendieren (Dorsch, 2009). Die Messung oder Diagnostik von Motiven stellt in der Motivationsforschung einen wichtigen Teilbereich dar. Bei einem hohen Leistungsmotiv beispielsweise neigt der Mensch dazu, das eigene Handeln und die eigene Tüchtigkeit zu bewerten und zu messen (Brunstein & Heckhausen, 2006). Wenn eine Motivation den Charakter einer
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konkreten Handlungsabsicht annimmt, wird sie Intention genannt (Heckhausen & Heckhausen, 2006).
Aus gesundheitspsychologischer Sicht stellt sich die Frage, warum Menschen zu gesundem Verhalten motiviert sind bzw. nicht sind und wie sie zu solchem motiviert werden können. Nach der Auffassung vieler Autoren sagt das Bilden eines Zieles oder einer Intention jedoch nur unzuverlässig die tatsächliche Handlung voraus (Schwarzer, 2004; Heckhausen, 2006). Um das Verhalten von Menschen angemessen zu erklären, sind zusätzlich andere Theorien notwendig.
2. 1. 2 Volition
Der Wille oder die Volition ist eine Anzahl von zentralen Koordinationsfunktionen, die im Falle von auftretenden Schwierigkeiten das Beibehalten und Erreichen eines aktuellen Zieles optimieren (Kuhl, 2001). Willens- oder Volitionshandlungen werden von Goschke als solche Verhaltensweisen beschrieben, die auf die Erreichung von expliziten Zielen gerichtet sind (Goschke, 2002).
Die Volitionsforschung betrachtet den Prozess der Willensbildung, Verhaltensinitiierung und seiner Aufrechterhaltung und liefert Erklärungen für den Umgang mit Schwierigkeiten und Barrieren. Volitionale Prozesse sind entscheidend bei Tätigkeiten, die nicht oder nicht genug durch die Motivationslage des Handelnden unterstützt werden (Sokolowski, 1993; Kehr, 2004).
Volition ist beispielsweise vonnöten, wenn die Teilnahme eines ungeliebten Sportkurses trotz langer Fahrzeit und schlechtem Wetter durchgesetzt werden soll. Wird der Bus auf dem Weg dorthin verpasst und soll die Absicht entgegen dieser Barriere aufrechterhalten werden, müssen weitere volitionale Vorgänge unterstützend ablaufen. Um angesichts solcher Konflikte Ziele realisieren zu können, ist es notwendig, eine Vielzahl von sensorischen, motivationalen und kognitiven Teilsystemen zu koordinieren (Goschke, 2002). Im Gegensatz dazu werden Handlungen, zu denen ein Mensch ohnehin schon stark motiviert ist oder die bereits Gewohnheit sind, ausgeführt, ohne dass dazu besondere Willenskraft vonnöten wäre. Sie fallen dem Handelnden leicht, da das Verhalten und die zugehörigen Prozesse unwillkürlich geschehen (Sokolowski, 1993). Das Durchsetzten einer Absicht ohne günstige Motivationslage ist dagegen mit Anstrengung verbunden (Sokolowski, 1993). Demnach können Volitionsprozesse nicht permanent aufrechterhalten werden.
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Motivation umfasst also die Prozesse, die zu der Bildung einer konkreten Sportabsicht führen, wie z.B. regelmäßig Joggen zu gehen. Die konkrete Umsetzung der Absicht, wie die Planung und Verabredung mit einem Sportpartner oder der Umgang mit Konflikten, wird durch die Volition beschrieben.
2. 2 Motivationale Modelle zur Erklärung von Gesundheitsverhalten
2. 2. 1 Health Belief - Modell
Ein frühes Modell zum Gesundheitsverhalten, das immer noch Einfluss besitzt, ist das Health Belief - Modell (HBM) aus den 1950er Jahren (Schwarzer, 2004). Der Mensch wird bei der Steuerung seines Gesundheitsverhaltens als rational sowie Kosten und Nutzen abwägend aufgefasst. Je höher der Grad der erlebten Bedrohung durch eine mögliche Krankheit, und je größer der erwartete Nutzen, desto eher wird der Mensch nach diesem Modell geneigt sein, sich präventiv oder gemäß ärztlicher Empfehlungen zu verhalten (Schwarzer, 2004).
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Auch wenn das Health Belief - Modell die Grundlage moderner Diskussionen bildet (Schwarzer, 2004), so wird seine empirische Überprüfbarkeit bezweifelt. Die Annahme eines rational handelnden Menschen ist gerade in Bezug auf Gesundheitsverhalten, das häufig emotional beeinflusst wird, zu bezweifeln. Schwarzer erklärt die empirische Schwäche mit mangelnder logischer Schlüssigkeit und Operationalisierung. Der Einfluss einer möglichen Krankheitsbedrohung wird überschätzt und Prozesse nach einer Zielbildung, nämlich Willens- und Verhaltensprozesse nicht berücksichtigt (Schwarzer, 2004). Andere Autoren wie Fuchs oder Thiex sind der Meinung, dass der Zusammenhang zwischen wahrgenommener Verletzlichkeit und sportlicher Aktivität wie im HBM angenommen, nicht nachgewiesen werden kann (Fuchs, 2003; Thiex, 2006). Erlebte Bedrohung kann zwar zu sportlichem Handeln motivieren, ist aber kontraproduktiv in der Umsetzung und Beibehaltung (Fuchs, 1997). Die fehlende Unterscheidung zwischen motivationaler und volitionaler Phasen wird dem Prozesscharakter gesundheitlichen Handelns nicht gerecht (Schwarzer, 2004). Somit ist das HBM ein theoretischer Erklärungsansatz, der zur Erklärung von Sportteilnahme nicht geeignet ist.
2. 2. 2 Selbstwirksamkeitstheorie
Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit ist Teil der sozial-kognitiven Theorie von Bandura (Bandura, 1979), die nach Fuchs (2003) die am häufigsten benutzte Theorie zur Erklärung von Sportteilnahme ist. Sie misst der eigenen Selbstwirksamkeitserwartung, also der subjektiven Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen einen hohen Einfluss auf die Bewältigung von Aufgaben und Schwierigkeiten bei (Schwarzer, 2004). Je höher diese Erwartung ausgeprägt ist, desto eher werden Anforderungen erfolgreich gemeistert. Selbstwirksamkeit kann nach Schwarzer vor allem durch das Erleben von Erfolgen, durch Nachahmung von Vorbildern oder durch eigene oder fremde Überredung erhöht werden (Schwarzer, 2004).
Die einflussreiche Selbstwirksamkeitstheorie wurde in den letzten Jahrzehnten fortlaufend erweitert und auf unterschiedliche Forschungsfelder angewandt (Schwarzer, 2004). Vor allem beim Umsetzen von ungewohnten Tätigkeiten, wie zum
7
Beispiel der regelmäßigen Teilnahme an einem neuen Sportkurs, wird der Selbstwirksamkeitserwartung ein hoher Stellenwert beigemessen (Schwarzer, 2004; Thiex, 2006). So gibt es zahlreiche Studien, die den positiven Zusammenhang der Selbstwirksamkeit mit körperlicher Aktivität und Sportteilnahme belegen (Fuchs, 2003). Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung sind aktiver und erfolgreicher im Umsetzen ihrer sportlichen Ambitionen. Sie nehmen zudem an Sportangeboten länger teil als Teilnehmer mit einer geringeren Ausprägung (McAuley et al., 2003). Nach Schwarzer (2004) stellt die Selbstwirksamkeit einen Schlüssel zur Selbstregulation dar, die im Sinne von Baumeister und Vohs (2004) als Kontrolle über sich selbst verstanden wird. Selbstregulation und Selbstkontrolle werden in diesem Ansatz nicht wie bei Kuhl als unterschiedliche Steuerungslagen von Verhalten aufgefasst sondern sind austauschbare Begriffe (Baumeister & Vohs, 2004). Das Konstrukt Selbstwirksamkeit wurde in eine Vielzahl von Theorien zum Gesundheitsverhalten integriert (z.B. HAPA siehe 2.3.2).
Wenn Erfolge im Verlauf einer Handlung die Selbstwirksamkeit erhöhen, kann davon ausgegangen werden, dass eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Konstrukt und einer Handlung auch während ihres Verlaufs besteht. Diese wechselseitige Beziehung findet sich aber weder in der sozial - kognitiven Theorie von Bandura noch in Modellen zum Gesundheitsverhalten, in denen das Konstrukt Selbstwirksamkeit Verwendung findet (z.B. HAPA 2.2.4). Auch Thiex (2006) ist der Meinung, dass die Selbstwirksamkeit keine konstante Größe darstellt, sondern sich im Verlauf einer Tätigkeit verändern kann. In einer Zusammenfassung verschiedener empirischer Studien zur
Selbstwirksamkeitserwartung bezogen auf sportliche Aktivität verweist er auf inkonsistente Befunde. Selbstwirksamkeit sei ein wichtiger Faktor vor allem bei dem Erwerb neuer und ungewohnter Handlungen, aber sage wenig über die regelmäßige Sportteilnahme über einen längeren Zeitraum aus (Thiex, 2006). Kuhl weist darauf hin, dass durch einen gemessenen Zusammenhang zwischen einer optimistischen oder pessimistischen Überzeugung und einer Tätigkeit keine Sequenz von Ursache und Wirkung interpretiert werden darf. Nach seiner Auffassung ist eine solche Überzeugung nicht Ursache sondern die Folge von anderen Phänomenen, die er in Zusammenhang mit seiner PSI - Theorie näher erklärt (Kuhl, 2009, siehe Abschnitt 2. 4. 3).
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2. 2. 3 Selbstbestimmungstheorie
Die Self-Determination-Theory (SDT) oder auch Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan geht bei der Erklärung motivierten Verhaltens von den drei Grundbedürfnissen Kompetenz, Autonomie und soziale Zugehörigkeit aus. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse führt zu erhöhter Selbstmotivation, allgemeinem Wohlbefinden und Selbstbestimmung (Deci & Ryan, 2000). Sie unterscheiden zwischen intrinsischer Motivation und verschiedenen Stufen extrinsischer Motivation (Deci & Ryan, 2000). Bei der intrinsischen Form der Motivation entsteht Freude und Interesse durch die Tätigkeit selbst. Intrinsische Motivation führt zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, und sie wird durch externe Beeinflussung, wie beispielsweise Belohnungen, Drohungen oder Druck verringert.
Handlungen aus extrinsischer Motivation werden nicht aus ihrer selbst Willen verfolgt sondern erfüllen einen externen Zweck. Die verschiedenen Stufen extrinsischer Motivation unterscheiden sich in ihrem Grad der erlebten Selbstbestimmtheit und Autonomie. Handeln aufgrund von intrinsischer Motivation wird als selbstbestimmtes Verhalten, aufgrund von extrinsischer Motivation als weniger selbstbestimmtes Verhalten aufgefasst (Deci & Ryan, 2000).
Nach Auffassung von Jerusalem et al. (2007) beeinflussen sich die beiden Konstrukte Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung gegenseitig und sind eng miteinander verbunden. Selbstwirksamkeit bedeutet Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Selbstbestimmung wird durch Autonomie, Kompetenzerfahrung und soziale Eingebundenheit erreicht. Selbstwirksame Menschen, die überzeugt sind, ihr eigenes Leben aktiv gestalten zu können, empfinden eine höhere Selbstbestimmung als weniger selbstwirksame Menschen (Jerusalem et al., 2007).
Die Selbstbestimmungstheorie wurde in vielen Forschungsfeldern und Fachbereichen auf ihre Anwendbarkeit überprüft.
In Bezug auf Sportteilnahme weisen Lonsdale et al. (2008) in einer Studie mit 528 Studenten darauf hin, dass mit einem höheren Grad an Selbstbestimmung eine höhere und selbstständigere Bewegungsaktivität zu verzeichnen ist. Jacobs und Claes (2008) sind der Auffassung, dass im Rahmen der Gesundheitsförderung eine Unterstützung der
9
Autonomie von Präventionsteilnehmern rigiden Vorgaben überlegen ist. In einer Zusammenfassung verschiedener Studien kommen Ryan et al. (2008) zu dem Schluss, dass Patienten bei einer Unterstützung ihrer Grundbedürfnisse (Kompetenz, Autonomie und soziale Zugehörigkeit) ein verbessertes Gesundheitsverhalten zeigen. Rheinberg (2006) merkt an, dass die oben erwähnten Grundbedürfnisse der SDT als Anreiz zur intrinsischen Motivation zu wenig sind, da es andere wichtige Motivationssysteme gebe. Er nennt in Bezug auf Sportteilnahme u.a. die Anreize Freude am Risiko und an ungewöhnlichen Bewegungszuständen. Desweiteren ist er der Meinung, dass die Definition von intrinsischer Motivation unklar sei und zentrale Zusammenhänge der SDT wie der Korrumpierungseffekt (Belohnung senkt die intrinsische Motivation) empirisch nicht nachgewiesen wurden (Rheinberg, 2006).
Die bis hier beispielhaft dargestellten Theorien konzentrieren sich auf den Aspekt der Motivation, während volitionale Vorgänge weitgehend ausgeklammert werden. Wie das Verhalten nach der Intention zustande kommt, ist größtenteils unberücksichtigt geblieben. Die folgenden Modelle versuchen, die sogenannte Intentions -Verhaltenslücke (Intention sagt nur selten Verhalten voraus) zu schließen.
2. 3 Volitionale Modelle zur Erklärung von Gesundheitsverhalten
Volitionale Modelle berücksichtigen vor allem die Konstrukte und Prozesse, die nach der Intentionsbildung auf Verhalten und Willensumsetzung wirken (Renneberg & Hammelstein, 2006).
2. 3. 1 Rubikon - Modell
Das bekannteste Beispiel für die phasenbasierende Differenzierung von Motivation und Volition ist das Rubikon-Modell (Heckhausen & Gollwitzer, 1987). Es basiert auf einer Unterscheidung zwischen motivationaler- und volitionaler Handlungsphasen, deren Übergang einen Wechsel von Bewusstseinslagen bedeutet. Je nach aktueller, in chronologischer Abfolge durchlaufender Phase stehen andere Funktionen (Abwägen Planen Handeln Bewerten) im Vordergrund (Achtziger & Gollwitzer, 2006). Die
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