1. Einleitung
Was bedeutet Spielen eigentlich? Warum ist spielen für Kinder wie Erwachsene interessant? Dies möchte ich kurz in der Einleitung meiner Arbeit beschreiben. Im ersten Hauptteil soll es dann zunächst um Schreibspiele gehen. Was können sie bewirken und wieso sind sie vielleicht eine gute Möglichkeit um in der interkulturellen Erziehung Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu verbinden? Im zweiten Teil meiner Hausarbeit soll es einige Fakten und Hintergründe zu Märchen und ihrer Bedeutung in der Pädagogik geben. Was sind Märchen? Was können sie für heilsame und kreative Kräfte freisetzen? Was steckt, im groben, hinter den Märchen? Als Synthese aus den beiden Hauptteilen werde ich am Ende meiner Arbeit versuchen darzustellen wie man ein Märchen in der interkulturellen Erziehung einsetzen könnte, unter anderem mittels Schreibspielen. Nun also ein kurzer Exkurs was Spielen ist und welche Bedeutung es für den Menschen hat. Die 5 Merkmale von Spiel nach Heckhausen sind die Zweckfreiheit oder der Selbstzweck des Spiels, der Aktivierungszirkel, die handelnde Auseinandersetzung mit einem Stück real begegneter Welt, die undifferenzierte Zielstruktur und die Quasirealität. Aus Sicht der spielenden Kinder ist das Spiel, also auch das Schreibspiel, zweckfrei. Es gibt für das Kind im Gegensatz zum Spielleiter kein übergeordnetes Ziel wie z.B.: „Ich möchte mit diesem Schreibspiel einen größeren Wortschatz haben oder eine besseres Sprachverständnis“. Diesen Zweck Charakter hat das Spiel aber vielleicht für den Lehrer oder die Lehrerin, die das Spiel deshalb mit einer Klasse durchführen.
Der Aktivierungszirkel ist eine Art sich immer wiederholender Schleife in welcher sich Spannung aufbaut beispielsweise durch Spannungsgefühle bei einer besonders gefährlichen oder kniffligen Aufgabe. Diese Spannung versucht der Mensch wieder loszuwerden, da er eine permanente Anspannung nicht erträgt. Er löst das Problem oder begibt sich durch seine eigene Kraft aus der gefährlichen Situation in eine weniger gefährliche. Dieses Hin und Her zwischen den beiden Polen wird als lustvoll empfunden und Situationen in denen man dieses Gefühl verstärkt spüren kann werden aufgesucht.
Spielen ist eine Begegnung mit der Umwelt, weshalb es auch als sehr lernintensiv gilt. Auseinandersetzung mit der Umwelt bedeutet, dass man nicht nur lernt sie zu
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manipulieren und zu gestalten, sondern man lernt auch mit Situationen zurechtzukommen, in welchen man nicht alles beeinflussen kann sondern auch über einen selbst als Person verfügt wird.
Die undifferenzierte Zielstruktur bedeutet, dass der Zweck des Spiels im Spiel selbst liegt. Der Zweck ist einfach nur der gegenwärtige Spaß am Spiel. Der Spieler befindet sich im Spiel in einer Art anderen Welt, einer zweiten „Quasirealität“. Diese Welt ist definiert durch beispielsweise Regeln und einen arrangierten Raum für das Spiel. In dieser Realität können Dinge neu erprobt werden was in der wirklichen Realität nicht möglich ist. Der Spieler fühlt sich durch die Regeln und den Raum geschützt und kann auch einfach neue Dinge erproben, die eigenen Grenzen ausloten. Das macht das Spiel so interessant, auch noch für Erwachsene. Aber es bietet für den Pädagogen auch viele Möglichkeiten um beispielsweise Kinder zu fördern, zu fordern und sie trotzdem nicht all zu sehr zu beengen und zu bedrängen.
2. Schreibspiele
Was sind eigentlich Schreibspiele? Es gibt dafür keine wissenschaftliche Definition. Zumeist handelt es sich hierbei um einen spielerischen Umgang mit der schriftlichen Sprache. Entweder werden nur einzelne Wörter zerpflückt, neu zusammengesetzt oder in völlig neuen Zusammenhängen benutzt. Oder es werden gar neue Wortschöpfungen gemacht um phantastische Geschichten zu erzählen. Am kompliziertesten werden die Spiele wenn ganze Geschichten erzählt werden sollen oder wenn mit einer vorgegeben Geschichte spielerisch gearbeitet wird.
2.1. Argumente für Schreibspiele
Zunächst möchte ich versuchen zu begründen warum Schreibspiele in der interkulturellen Pädagogik für das Grundschulalter geeignet scheinen. In diesem Alter wird der Umgang mit der Schrift gerade erst erlernt. Alles was für Kinder neu ist lädt sie ein damit zu spielen. So kann man also in Schreibspielen beides vereinen und die Kinder fördern und fordern ohne das der Spaß an der Sache all zu schnell verloren geht. Allerdings ist ein gewisser Wortschatz in der Sprache in der man spielen soll eine Grundvoraussetzung um die Möglichkeit zu haben überhaupt mit
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Sprache zu spielen. Dies könnte die Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, im Spiel behindern und sogar hemmen. Aber es könnte dem Lehrer oder Betreuer auch den Zugang zu dem Kind erleichtern, da hier ohne Leistungsdruck gespielt werden soll. Also ist der Einsatz von Sprach- bzw. im besonderen Schreibspiele nicht ganz unproblematisch, aber er bietet eben auch die Chance sich in einer entspannten Umgebung mit den Problemen der Kinder zu befassen. Auch wird hier nicht nur der bloße Wortschatz gefordert, sondern eben auch der kreative Umgang damit.
2.2. Grundlagen für Schreibspiele
Grundvoraussetzung für eine entspannte Atmosphäre im Spiel ist eine vorbereitete Umgebung. Der Raum sollte nach Möglichkeit eine angenehme und fröhliche Atmosphäre ausstrahlen. Er könnte beispielsweise in hellen warmen Farben gestrichen sein und viele Fenster nach draußen haben. Alles sollte so einladend und interessant sein, dass die Kinder sich gerne in diesem Raum bewegen. Sie sollten sich nicht bereits durch die Gestaltung des Raumes eingeschränkt oder bedrückt fühlen. Dies wäre z.B. in einem dunklen und engen Raum eher der Fall. Wenn die Umgebung stimmt, dann können sich die Kinder freier auf das Geschehen und damit auf die Herausforderungen des Spieles einlassen. Je nach Art des Spiels werden Stühle, Tische oder auch eine Tafel benötigt, oder einfach nur ein freier Raum auf dem Boden. Das Papier sollte bei allen Mitspielern gleich in Größe, Form und Farbe sein. Der Reiz vieler Spiele besteht darin den Urheber des jeweiligen Werkes zu erraten. Dieser Reiz wäre natürlich nicht so groß wenn man bereits am Stift oder Papier erkennen könnte, wer der Verfasser der Geschichte war. Also sollten auch ebenso genügend gleiche Stifte zur Verfügung stehen.
2.3. Aufgaben der Spielleitung
Die Aufgaben des Spielleiters sind vielfältiger Art. Zunächst sollte er für eine vorbereitete Umgebung sorgen. Kinder werden sehr rasch ungeduldig. Dies bedeutet, dass das benötigte Material bereits in ausreichender Menge vorhanden sein sollte, oder es lässt sich mit der Hilfe und Mitwirkung der Kinder leicht vorbereiten. Man könnte beispielsweise einige Kinder einteilen die das Papier verteilen oder ähnliches. Die Spielleitung sollte sich mit den Regeln des Spiels bereits so intensiv auseinandergesetzt haben, dass es kein Problem ist diese so einfach und verständlich
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wie möglich zu erklären. Am Besten teilt man dabei die Gesamtregeln in mehrere kleinere und damit verständliche Abschnitte beim Erklären auf. Somit ist gewährleistet, dass sie besser und schneller verstanden werden können und das Spiel den Kindern leicht fällt und Spaß macht. Wenn die Regeln zu komplex belassen werden, dann läuft man Gefahr, dass einzelne Kinder sie nur unvollständig oder gar nicht verstanden haben und dem Spiel nicht folgen können. Ihnen wird somit die Chance genommen unter den gleichen Bedingungen teilzunehmen. Sie werden vermutlich frustriert sein und auch keinen Spaß bei der Sache empfinden. Die Spielleitung wird dies demotivieren und nicht dazu animieren weitere Schreibspiele anzubieten. Ein weiterer zu empfehlender Schritt den der Spielleiter einplanen sollte ist eine Art Probelauf vor dem eigentlichen Spiel. Auch hiermit können unverstanden gebliebene Regeln noch erklärt werden und man erreicht eine Rückmeldung wer das Spiel eventuell noch nicht verstanden hat. Dies geschieht in einem Augenblick da die Spieler noch in keiner Konkurrenz zueinander stehen, wie dann später im Spiel. Sie können also ungehemmter agieren bei aufkommenden Unsicherheiten. Während des Spiels hat der Leiter dann die Aufgabe das Spiel zwar anzuleiten, dies sollte aber mit soviel Zurückhaltung wie möglich geschehen. Dadurch können die Kinder unbeeinflusst ihrer Kreativität freien Lauf lassen und haben mehr Spaß am Spiel. Wenn den Kindern ständig belehrend oder mit wachsamem Auge ein Betreuer im Rücken steht, dann geschieht dies vermutlich nicht.
Ein ganz wichtiger grundsätzlicher Faktor um das Gelingen eines Spiels zu gewährleisten ist die Stimmung innerhalb der Gruppe und die Beziehung zu dem jeweiligen Spielleiter. Welche Einstellung der Leiter zu der Gruppe und zu dem Spiel haben spüren die Kinder intuitiv genau. Eine negative Stimmung überträgt sich dann auf die Kinder und diese kann damit das Spiel als Ganzes scheitern lassen. Wenn der Leiter z.B. das Spiel nur als Mittel zum Zweck sieht um ein bestimmtes Lernpensum schneller zu bewältigen, dann werden die Kinder dies spüren. Einige werden sich dagegen auflehnen und somit das Spiel „unspielbar“ machen. Aus diesem Grund scheint es angebracht zu sein wenn die Leitung während des Spiels mehr und mehr zu einem einfachen Mitspieler wird. Auch hierbei gilt wieder, dass sich die Kinder dadurch freier fühlen können und somit kreativer und aktiver am Spiel teilnehmen werden. Diese Form der Eingliederung in die Gemeinschaft wirkt sich entspannend
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und somit förderlich auf die Atmosphäre innerhalb der Gruppe aus. Aber natürlich soll dies nicht zu einer Anbiederung verkommen. Auch dieses Verhalten würden die Kinder schnell durchschauen und sich entsprechend abwenden.
2.4. Kultur und Spiel
Kultur wird in Spielen symbolisch dargestellt und von Generation zu Generation weitervermittelt. Aus diesem Grund eignen sie sich auch so ausgezeichnet in der interkulturellen Erziehung, um den Kindern spielerisch verschiedenste andere Kulturen näher zu bringen. In einer Gruppe von Kindern aus den unterschiedlichsten Kulturräumen können die Kinder im Spiel etwas von sich selbst und ihrer Kultur zeigen. Damit sind sie für einen Moment der Mittelpunkt und „Allwissende“. Im Alltag sind sie Außenseiter und Unwissende, zumindest was die sie umgebende Kultur betrifft. Sie befinden sich im Spiel mal in einer umgedrehten Konkurrenzsituation, kennen z.B. die Begriffe für bestimmte Dinge in ihrer Muttersprache, im Gegensatz zu den anderen Kindern, und können endlich mal den Anderen helfen. Heute ist die Weitergabe von Kulturgütern oftmals durch das vorgefertigte Spielzeug und die Technisierung des kindlichen Lebensraumes gefährdet.
Im Anhang habe ich einige Schreibspiele aufgeführt. Dies soll dazu dienen einen kleinen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten von Schreibspielen zu ermöglichen. Ich habe darin auch die pädagogischen Möglichkeiten und Schwierigkeiten beschrieben. Diese Spiele sind eine subjektive nicht wertende Auswahl an Spielen. Welche Form von Spiel für welche Gruppe und welchen Zweck geeignet ist hängt von den räumlichen und zeitlichen Möglichkeiten des Pädagogen ab, sowie von seinem persönlichen Geschmack und Geschick.
3. Märchen
Überall auf der Welt werden die Kinder mit Geschichten von wundersamen Ereignissen und Wesen beglückt. Eltern und Großeltern geben die Geschichten an ihre Kinder und Enkel weiter. Das Erzählen der Geschichten geschieht in einer
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bestimmten Atmosphäre die Kinder wie Erzähler gefangen nimmt. An dieses Gefühl möchte man sich beim Erzählen erinnern und es weitergeben. Die Geschichten unterscheiden sich zwar von Land zu Land, aber dennoch ist es auffallend, dass sich bestimmte Motive ähneln über alle Landesgrenzen hinweg. Dies lässt die Vermutung zu, dass durch die Geschichten und Märchen vielleicht bestimmte Lebensweisheiten von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden sollen. In früheren Kulturen wie beispielsweise, der Kultur der Kelten in Europa, wurde Wissen nur mündlich von einem Wissenden, den Druiden, zu den Schülern weitergegeben. Auch geschichtliche Ereignisse wurden in sagenhafte Geschichten verpackt und an den Abenden weitererzählt an einen Kreis von Erwachsenen und Kindern. Heute gibt es eine derartige Erzähltradition in unserer Gesellschaft leider nicht mehr. Eltern sind daher darauf angewiesen sich auf Märchen- und Geschichtensammlungen zu stützen wenn sie ihren Kindern Geschichten erzählen wollen. Kaum ein Erwachsener dürfte wohl noch die Fähigkeit zum freien Erzählen haben. Diese wird auch nicht gerade gefördert, denn man kann sich beruhigt auf die riesigen Ansammlungen von Büchern und anderen medial aufbereiteten Geschichtensammlungen verlassen.
Was genau sind nun eigentlich Märchen? Worin liegt der Unterschied zu anderen Geschichten und Erzählungen? Gibt es den überhaupt? In meiner Vorstellung ist ein Märchen eine relativ kurze Geschichte mit einem Held oder einer Heldin. Diese erleben ein fantastisches Abenteuer, das zu einem guten Ende führt. Dieses Gute Ende und die Prüfungen würde ich als das charakteristische für Märchen bezeichnen. Wenn man sich in der Literatur nach Definitionen für Märchen umsieht stellt man schnell fest, dass eine Definition wohl nicht so einfach und allgemeingültig gegeben werden kann. J. Bolte und G. Polivka definieren Märchen in ihrem Buch „Anmerkungen zu den Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm“ wie folgt: “Unter einem Märchen verstehen wir seit Herder und den Brüdern Grimm eine mit dichterischer Phantasie entworfene Erzählung besonders aus der Zauberwelt, eine nicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpfte wunderbare Geschichte, die hoch und niedrig mit Vergnügen anhören, auch wenn sie diese unglaublich finden.“ (Bolte/ Polivka 1913-1932, S.4, zitiert nach Hetmann 1999, S.14). Max Lüthi, früher ein Professor für europäische Volksliteratur an der Universität Zürich und bekannter Märchenforscher, beschreibt das Märchen mit fünf Eigenheiten am
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Arbeit zitieren:
Aurelie Kuhn-Kapohl, 2003, Interkulturelle Erziehung in der pädagogischen Praxis - Schreibspiele und Märchen, München, GRIN Verlag GmbH
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