GLIEDERUNG:
I. Persönliche Begegnung 3
II. Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes 3
1. Situation der Schule 3
2. Situation der Klasse 4
3. Beobachtungen zu einzelnen Schülerinnen und Schülern 4
4. Vorhergehender Unterricht 5
III. Theologische Orientierung 6
1. Kirchengeschichtlicher Blick 6
a. Deutschland um 1500 6
b. Jenseitsvorstellungen im Spätmittelalter 7
c. Der Weg in den Himmel 8
d. Vorabend der Reformation 8
e. Der junge Martin Luther 9
2. Systematischer Blick. 10
a. Reformation 10
b. Auseinandersetzung zwischen evangelischer und katholischer Position 11
C. Das Abendmahl als Streitpunkt innerhalb der evangelischen Kirchen 11
IV. Didaktische Orientierung 11
1. Das Exemplarische 12
2. Gegenwartsbedeutung 12
3. Zukunftsbedeutung 13
4. Struktur des Inhalts, Schwierigkeiten und Gefahren 13
5. Unterrichtliche Zugänglichkeit 14
V. Didaktische Entscheidungen 15
VI. Methodische Entscheidungen 16
VII. Verlaufsplanung 19
IIX. Kritische Reflexion 20
Literaturverzeichnis 22
Internetlinks: 22
2
I. PERSÖNLICHE BEGEGNUNG
Die von mir gehaltene Unterrichtsstunde beschäftigt sich mit dem Thema 8.3 des bayerischen Lehrplanes für Gymnasien: der Reformation. Sie bildet die erste Unterrichtsstunde dieses Themas und beschäftigt sich mit dem Hintergrund der Welt- und Glaubensvorstellungen der Zeit Luthers.
In diesem Abschnitt möchte ich mich mit meinen Zielen und möglichen Vorurteilen auseinandersetzen. Das Thema Reformation ist sozusagen eins meiner Herzthemen. In meiner Zulassungsarbeit, die ich im nächsten Semester schreiben werde, beschäftige ich mich mit den spätmittelalterlichen Höllenvorstellungen und ihre Veränderung durch Martin Luther. Ich halte dieses Thema auch für die Zukunft der Schüler sehr wichtig, da es die Grundlage ihres Verständnisses des evangelischen Glaubens bildet. Deswegen war ich bei der Planung des Unterrichts enthusiastisch und habe mir vorgenommen zu versuchen, meine Begeisterung für das Thema an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Daraus folgt auch mein erstes Unterrichtsziel: bei den Schülern soll im Zuge ihrer Auseinandersetzung ein Interesse für das Thema geweckt werden. Es ist mir jedoch auch bewusst, dass mein Enthusiasmus auch negative Folgen haben könnte, zum Beispiel, wenn ein Schüler deutlich macht, dass er das Thema unwichtig findet und ich ihm daraufhin aus Enttäuschung unbewusst eine negative Rückmeldung gebe - durch Mimik, Gestik oder Worte. Der Schüler interpretiert meine Rückmeldung so, dass ich ihn nicht für allzu begabt halte und könnte ein niedrigeres Fähigkeitsselbstkonzept aufbauen. Ein anderes Problem wäre, wenn ich negative Aspekte der Reformation ausklammern würde, um „mein“ Thema rein positiv darzustellen. Was mich bei der Unterrichtsvorbereitung sehr beschäftigte, war die Frage, inwiefern ich darauf reagieren soll, dass die Klasse oft unruhig und unkonzentriert ist. Ich habe mich nach langen Überlegungen dafür entschieden, ihnen ohne Vorurteile zu begegnen und zu versuchen, sie zu motivieren.
II. ANALYSE DES DIDAKTISCHEN BEDINGUNGSFELDES
1. SITUATION DER SCHULE […]
3
2. SITUATION DER KLASSE
In der achten Klasse befinden sich die Kinder laut Piaget im formal-operatorischen Stadium der kognitiven Entwicklung. 1 In dieser Phase sind sie in der Lage, systematisch und wissenschaftlich-logisch zu denken. Sie „markiert den Zeitpunkt, an dem Jugendliche das Denkpotenzial intelligenter Erwachsener erreichen“ 2 .
Die zu unterrichtende Klasse setzt sich aus evangelischen Schülern der Klassen 8B und 8D zusammen. Diese Zusammensetzung ist im Schuljahr 2009/2010 neu eingeführt worden. Die Klasse umfasst 24 Schüler, von denen 10 Mädchen und 14 Jungen sind. Der evangelische Religionsunterricht findet in dieser Klasse am Dienstag in der vierten und am Freitag in der sechsten Stunde statt. Der Sitzplan sieht folgendermaßen aus: (gelöscht)
Im Raum, in dem der Unterricht am Dienstag stattfindet (im Gegensatz zu der Freitagsstunde), steht ein Overhead-Projektor zur Verfügung. Die Tafel ist beschädigt und kann nicht mehr bewegt werden. Es ist möglich, einen Beamer für den Unterricht zu besorgen, dazu gibt es ein Online-System für die Reservierung.
3. BEOBACHTUNGEN ZU EINZELNEN SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN
Die Schüler der zu unterrichtenden 8.Klasse kommen aus den westlichen Stadtteilen. Die Familien der Schüler sind vielfach aus dem Umland zugezogen. Die Eltern haben meist höhere Bildungsabschlüsse und sind in den Weltfirmen Siemens, Areva oder der Universität beschäftigt. Ihre Einkommen sind hoch oder mittel. Viele Schüler sind in örtliche Vereine (TV 48) eingebunden oder spielen Musikinstrumente. Die meisten Schüler bereiten sich in ihren Kirchengemeinden auf die Konfirmation vor.
Bei meinen Hospitationen ist mir zunächst aufgefallen, dass sich die Klasse beim Unterricht schwer konzentrieren kann. Vor allem bei einer Unterbrechung des Unterrichts (etwa bei der Ermahnung eines Schülers), ist es schwer, die Aufmerksamkeit der Klasse zurück zu gewinnen. Es ist auch noch deutlich, dass die Klasse aus zwei verschiedenen Klassen zusammengesetzt ist. Vor allem bei Gruppenarbeit kommt es deswegen zu Spannungen und es entstehen Subgruppen innerhalb der Klasse, zum Beispiel eine Jungengruppe. Diese Gruppe lenkt sich gegenseitig ab und verbringt die meiste Zeit einer Gruppenarbeit, indem Gespräche geführt werden, die mit dem eigentlichen Unterricht nichts zu tun haben.
1 Vgl. Siegler, S. 197.
2 Siegler, S. 197.
4
Eine andere Schülerin, fällt die ihre Lautstärke auf. Sie interpretiert häufig die neutralen Worte der Lehrkraft als einen Angriff auf ihre Person, wobei sie hier deutlich zwischen einer weiblichen und einer männlichen Lehrkraft unterscheidet. Bei Lehrern wird sie schnell verbal aggressiv, während sie bei Lehrerinnen durch ihr Verhalten nicht auffällt. Dies konnte ich selbst in meiner Unterrichtsstunde beobachten. Ihre Reaktionen dürften damit zusammenhängen, dass sich ihre Eltern gerade scheiden lassen und sie Probleme mit ihrem Vater hat, weswegen sie sich von dem männlichen Geschlecht distanziert. Auch mit ihren Mitschülern kommt sie nicht zu Recht, vor allem mit […], mit dem sie sich ständig streitet. […] ist ein begabter Schüler, der schnell arbeiten kann und deswegen eher als die anderen Schüler fertig ist und dann versucht, sie abzulenken.
In der ersten Reihe in der Mitte sitzt ein anderer Junge, der durch seine Versuche auffällig ist, Kontakt mit der Lehrperson zu knüpfen. Dies geschieht durch Meldungen, aber manchmal geht er nach der Stunde zur Lehrkraft, wie es in meiner Unterrichtsstunde war. Er fragte mich, ob ich seine Schrift denn überhaupt lesen kann, was mich sehr verwunderte, da er groß und sehr gut lesbar schreibt. Im Unterricht spricht er ziemlich leise, daher fiel es mir manchmal schwer, ihn in meinen Hospitationen zu hören. Sein Verhalten würde ich darauf zurückführen, dass er in die Klasse nicht integriert ist und sich entweder von der Klasse oder sie sich von ihm abgrenzt.
4. VORHERGEHENDER UNTERRICHT
Mit meiner Unterrichtsstunde fängt das neue Thema „Reformation“ an. Vor diesem Thema haben sich die Schüler im Rahmen des Lehrplanthemas 8.1 „Leben in Gottes Schöpfung und Geschichte“ mit dem Umgang mit der Zeit beschäftigt.
Die Schüler sind vor allem an „klassische“ Unterrichtsmethoden, wie den Frontalunterricht, gewöhnt. Sie sagten am Anfang des Schuljahres selbst, dass sie selten in Gruppen- oder in Partnerarbeit den Unterrichtsstoff erarbeiten. Seit diesem Schuljahr versucht ihr Religionslehrer, diese Methoden einzuführen, was natürlich auf Probleme stößt, da sich die Schüler erst daran gewöhnen müssen. Dies zeigt sich auch in den bereits erwähnten häufigen Störungen. Die Schüler nehmen die Gruppenarbeit nicht immer ernst und nutzen oft die Gelegenheit, den Unterricht zu unterbrechen. Das ist meiner Meinung nach das schwierigste Problem bei der Gruppenarbeit in dieser Klasse. Ohne eine Veränderung wird sich die Lage aber nicht bessern und deswegen versuche ich auch in meiner Stunde neue Methoden anzuwenden.
5
III. THEOLOGISCHE ORIENTIERUNG
1. KIRCHENGESCHICHTLICHER BLICK
A. DEUTSCHLAND UM 1500
Zur Zeit Luthers befand sich die Gesellschaft im Umbruch in vielerlei Bereichen. Einige Historiker behaupten sogar, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Krise handelte 3 . Es gab viel Spannung in der Gesellschaft. So stand die Schwäche des Reiches (und des Kaisers) der steigenden Macht der Reichsstände gegenüber, so wie die Kirchenfrömmigkeit den kirchlichen Missständen. Die Städte erlebten einen wirtschaftlichen Niedergang, indem sie in Konkurrenz mit den Fürstenstaaten standen. 4
Die Gesellschaft war in Ständen gegliedert. An der Spitze der Hierarchie stand der Adel, dem die Hälfte des Grundbesitzes gehörte. Das Rittertum verlor immer mehr von seinem Einfluss. 90% der Bevölkerung lebten auf dem Land. Man kann die Situation der Bauern nicht allgemeingültig beschreiben, es kam sehr auf ihren Lebensort an, wie ihre soziale und wirtschaftliche Lage ausfiel. 5
Zu dieser Zeit wurde das geozentrische Weltbild durch Kopernikus abgelöst und ein neuer Kontinent entdeckt, dessen Reichtümer nach Europa flossen. Gutenberg erfand den Buchdruck, was die Informationsvermittlung um Einiges verbesserte. Schließlich wurde auch das Schießpulver entdeckt. 6 Alle diese Erfindungen und Entdeckungen verunsicherten den mittelalterlichen Menschen. Diese Verunsicherung, wie mit den Neuigkeiten umzugehen sei, wurde durch die kirchliche Lage noch verstärkt.
Die Kirche prägte das Mittelalter. Sie regierte über das Leben und das Heil der Menschen, sie offenbarte die Wahrheit und regulierte den Alltag, indem sie den Tag /die Woche/das Jahr begleitete und die Familie und Gesellschaft durch ihre Anordnungen formte. 7 Die una sancta catholica et apostolica ecclesia herrschte über das geistliche Reich des Abendlandes. Rom war das Zentrum der westlichen Welt und der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden und somit im Rang auch über alle weltlichen Fürsten. 8 Die Kirchenfrömmigkeit zeigt sich in der Kunst, im Bau von Spitälern und in der Heiligenverehrung. Hinter diesen Bestrebungen steckt Eins: die Angst vor der Hölle und vor dem Fegefeuer. Die Menschen fürchteten sich vor dem Jüngsten Gericht, vor dem richtenden Gott. Sie stellten sich zusammen mit Martin Luther die
3 Vgl. Moeller, S. 46.
4 Vgl. Moeller, S. 47.
5 Vgl. Thierfelder, S. 159.
6 Vgl. Thierfelder, S. 158.
7 Vgl. Moeller, S. 36.
8 Vgl. Otto, S. 22.
6
Arbeit zitieren:
Paula Svoboda, 2010, Die Reformation - Mit Fokus auf die Bedrohungen und Ängste im Spätmittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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