GLIEDERUNG:
I Persönliche Begegnung 3
II Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes 3
III Theologische Orientierung 5
1 Historischer Ort der Urgeschichte (Gen 1-11) 5
2 Exegese von Gen 1-2,4a 6
3 Jahwe als Schöpfer 7
4 Jahwe als Vater 8
5 Der Mensch in der theologischen Anthropologie 9
6 Der erste Glaubensartikel 9
7 Der Schöpferglaube aus der Selbstreflexion heraus 11
IV Didaktische Orientierung 11
1 Das Exemplarische 11
2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung 12
3 Struktur des Inhalts, Schwierigkeiten und Gefahren 13
4 Unterrichtliche Zugänglichkeit 14
V Didaktische Entscheidungen 14
VI Methodische Entscheidungen 15
VII Verlaufsplanung 18
Literaturverzeichnis 21
Anhang 22
2
I PERSÖNLICHE BEGEGNUNG
Die von mir zu entwerfende Doppelstunde beschäftigt sich mit dem Glauben an Gott als Schöpfer und den Menschen als das Ebenbild Gottes im Rahmen des Lehrplanthemas 11.2 „Wer bin ich?“. Dieser Glaube ist vom christlichen Glauben untrennbar und für das Verständnis der christlichen Grundlagen notwendig. Außerdem spielt sie eine große Rolle bei dem Selbstverständnis des Menschen und seiner Existenz. Deswegen ist seine Behandlung im Unterricht von Bedeutung. Die Lehrkraft sollte vor dem Unterricht diesen Glauben reflektieren und einen eigenen Standpunkt finden, um authentisch zu bleiben. Es muss berücksichtigt werden, dass nicht jeder diesen Glauben teilt. Daher ergibt sich die Schwierigkeit dieses Unterrichtsentwurfs in dem Bestreben, den Schülern den Glauben an die Schöpfung darzustellen ohne zu indoktrinieren. Der eigene Glaube darf natürlich zur Sprache kommen, die eigene Meinung der Schüler muss aber jederzeit respektiert werden und sollte im Unterricht eine wichtige Rolle spielen. Dies ist die Herausforderung, die sich mir persönlich stellt.
II ANALYSE DES DIDAKTISCHEN
BEDINGUNGSFELDES
Da es sich in dieser Hausarbeit um einen Unterrichtsentwurf handelt, der noch keine Anwendung in der Praxis Anwendung gefunden hat, fallen einige sonst übliche Punkte der Analyse weg: die Situation der Schule, Beobachtungen zu den einzelnen Schülern und der vorhergehende Unterricht. Ich werde mich ausschließlich mit der Situation der Klasse beschäftigen, die allgemein mit Hilfe der religiösen Entwicklungsstufen beschrieben werden kann. Diese Stufen bieten eine Hilfestellung an, man kann jedoch nicht annehmen, dass die Entwicklung bei jedem auf die gleiche Art und Weise verläuft. „Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.“ (1. Kor 13,2) Dieser Bibelvers zeigt, dass der Mensch in seinen verschiedenen Lebensphasen auf verschiedene Weisen wahrnimmt und dass sich der Unterricht mit den unterschiedlichen Lebensphasen auseinandersetzen muss, um die gewünschten Inhalte und Kompetenzen vermitteln zu können. Die Vorstellung, in welcher Stufe der religiösen Entwicklung sich die meisten Schüler befinden, ist für den Lehrer sehr hilfreich. Sie verhilft ihm dazu, die Klasse nicht zu überfordern und angemessene Fragen zu stellen.
3
In der elften Klasse sind die meisten Schüler laut Piaget in das formal-operatorische Stadium der kognitiven Entwicklung 1 einzustufen. Sie sind demnach in der Lage, über das Konkrete hinaus zu denken, sich auch Welten vorzustellen, die den Rahmen des Alltäglichen sprengen. Die wichtigste Fähigkeit, die in dieser Stufe erreicht wird, bezeichnet Piaget als hypothetico-deduktives Denken. Die Schüler verfügen über ein logisches System, das ihnen ermöglicht, Hypothesen zu bilden.
Von dem Modell der Stufen des religiösen Urteils nach Oser/Gmünder 2 ausgehend, das mittels einer Querschnitt-Untersuchung validiert wurde, werden die meisten Schüler der elften Klasse in die Stufe drei einzustufen sein. Diese „Perspektive der absoluten Autonomie und des Deismus“ 3 bedeutet, dass der Einzelne fähig ist, sein eigenes Ich und das Letztgültige voneinander zu trennen. Der eigenen Person wird große Verantwortung im Handeln zugetraut, während das Letztgültige als nicht beeinflussbar eingesehen wird. Dadurch ist es möglich, dass diese Stufe zum Atheismus oder zum religiös Extremen führen kann. Das Selbst ist entscheidungsfähig und selbstbestimmend, auch in Bezug auf das Letztgültige. Eine wichtige Rolle spielt die Sinnfindung. Das Problem des Religionsunterrichts in der Oberstufe ist unter der Sicht dieser Stufen, dass die Schüler die Stufe 3 erreichen, die behandelten Texte aber meistens auf der Stufe 4 (Perspektive der religiösen Autonomie und des Heilplanes) sind 4 . Diese wird dadurch gekennzeichnet, dass das Letztgültige als zeichenhaft in der Natur gesehen wird.
Eine immer wichtigere Rolle spielt bei den Schülern Autonomie. Sie wollen selbst darüber urteilen, welche religiösen Inhalte und Funktionen für sie wichtig sein sollen 5 . Beeinflusst werden die Schüler von ihrer Lebensumwelt und das auf eine vielfache Art und Weise 6 . Ihr Alltag ist oft durchgeplant, es werden auf sie hohe Erwartungen gestellt. Gleichzeitig ist es wegen der Pluralisierung schwierig, eine Charakteristik der Jugend zu entwickeln. Die Kindheit der heutigen Schüler hat sich verändert. Sie wachsen mit dem Bewusstsein auf, dass alles, was sie von den Eltern oder auch von den Lehrkräften erfahren, auch anders sein kann. Sie begegnen häufig bereits in der eigenen Familie verschiedenen religiösen Praxen und müssen sich damit auseinandersetzen. Daraus entwickelt sich häufig die Egotaktik. Die Jugendlichen sind selbstzentriert und ver-
1 Vgl.Wilkening 2009 - Entwicklungspsychologie kompakt, S. 47.
2 Oser 1992 - Der Mensch, S. 67-110.
3 Oser 1992 - Der Mensch, S. 86.
4 Vgl. Grethlein 2005 - Fachdidaktik Religion, S. 214.
5 Vgl. A. a. O., S. 210f.
6 Ich beziehe mich in Folgendem auf a. a. O., S. 218-228.
6 Ich beziehe mich in Folgendem auf Grethlein 2005 - Fachdidaktik Religion, S. 218-228.
4
suchen, aus den verschiedenen Chancen und Möglichkeiten das Beste für sich herauszuholen. Ihre Jugendphase ist gleichzeitig von Widersprüchen geprägt. Was die Kirche und Religion betrifft, brachte die Shell-Studie 7 hervor, dass sehr scharf zwischen Religion und Kirche unterschieden wird. Die Jugendlichen wollen ihren eigenen Glauben leben, unabhängig von den kirchlichen Institutionen. Hier spielt die erwähnte Selbstbestimmung eine wichtige Rolle.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Schüler der elften Klasse in der Lage sind a) Hypothesen zu bilden, b) über das Konkrete hinaus zu denken, c) eigene Verantwortung im Handeln anzunehmen.
Die Schüler streben in diesem Alter im Religionsunterricht danach, a) Sinn zu finden, b) mitzubestimmen, c) eigenen Glauben zu finden, d) zwischen Religion und Kirche zu unterscheiden.
III THEOLOGISCHE ORIENTIERUNG
Die zu unterrichtende Doppelstunde fällt in den Bereich des Alten Testamentes und der Systematischen Theologie. Die fachwissenschaftliche Analyse berücksichtigt beide Fächer, indem sie den historischen Ort beschreibt und die Exegese der Schöpfungserzählung vollzieht, um zum Schluss zum ersten Glaubensartikel zu kommen.
1 HISTORISCHER ORT DER URGESCHICHTE 8 (GEN 1-11)
Die Schöpfungserzählungen entstanden nach der Sesshaftwerdung der Israeliten. Ihr Ursprung ist in den ärmeren Schichten zu sehen, die in Kanaan einwanderten und den Gott ihrer Väter, den Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, verehrten. Diese Verehrung hebte sich von der der kanaanäischen Bevölkerung ab, die den Fruchtbarkeitsgöttern, wie etwa Baal, huldigten. Dieses Ringen zwischen zwei Religionen prägte die Israeliten bis zum Untergang des Königreichs Juda.
7 Vgl. Hurrelmann 2004 - Jugend 2002, S. 31-51. 8 Vgl. Reents - Urgeschichte, S. 29-31.
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Nachdem David Jerusalem und viele andere kanaanäische Städte erobert hatte, begann eine Konsolidierungsphase zwischen beiden Religionen. Dadurch lassen sich die zwei Schöpfungsberichte in Gen 1-2,4a und Gen 2,4b-25 erklären. Gen 2,4b-25 wird als älter angesehen und hat ihre Wurzeln wahrscheinlich in der frühen Königszeit. Ihre endgültige Fassung wird dem Jahwisten zugeschrieben. Die priesterliche Schöpfungserzählung in Gen 1-2,4a dürfte aus einem wasserreichen Schwemmland stammen, weil in ihr Wasser eine wichtige Rolle spielt. Da ich mich in meinem Unterrichtsentwurf ausschließlich mit dem priesterlichen Schöpfungsbericht beschäftige, behandele ich auch in der fachwissenschaftlichen Analyse lediglich diese Schöpfungserzählung und klammere die in Gen 2,4b-25 aus.
2 EXEGESE VON GEN 1-2,4A
Dieser Text wird wegen seiner Poetik und seinem Rhythmus als „Lehrgedicht“ bezeichnet 9 . Wie bereits erwähnt, wird er auf die priesterliche Redaktion zurückgeführt. Dies sieht man an der Gliederung der Schöpfung in sechs Tage, woraufhin am siebten geruht wird. Dadurch wird eine Parallele zu der Arbeitswoche geschaffen, auf die der Sabbat folgt. Diese Gestaltung hat also zum Ziel, den Sabbat als einen besonderen Tag hervorzuheben 10 .
Vers 1 bildet die Überschrift. Der Urzustand vor der Schöpfung wird als chaotisch beschrieben, als Gegenmacht dazu tritt Gott auf, der die Welt ordnet. Dieses Entgegentreten dem Chaos gegenüber diente als Trost in der (nach-)exilischen Zeit. Verse 3-5 haben die Trennung von Tag und Nacht, von Licht und Dunkel zum Thema. Es handelt sich um keinen Dualismus, das Chaos hat keine Macht. Der Schwerpunkt dieser Verse liegt eindeutig auf dem Wechsel von Tag und Nacht, wie er jeden Tag zu beobachten ist. V. 6-8: Die „Feste“ wird oberhalb und unterhalb vom Ozean umspült. In diesen Versen fehlt aus unbekannten Gründen die sonst immer vorkommende Billigungsformel. V. 9-13: Am dritten Tage werden zwei Schöpfungswerke vollzogen. Zunächst wird Erde vom Meer getrennt. Die Vorstellung, dass die Erde auf Wasser liegt, geht wahrscheinlich auf die Schwemmlanderfahrungen im babylonischen Exil zurück. Danach werden Pflanzen erschaffen und gebilligt.
V. 14-19: In diesen Versen ist die Rede von den Gestirnen als Leuchtkörpern. Diese haben bestimmte Aufgaben zu erfüllen: zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden oder die Erde zu erleuchten. Die Herrschaft von Sonne und Mond deutet auf ein mythisches
9 Vgl. A. a. O., S. 33.
10 Vgl. dazu und zu den folgenden Ausführungen in a. a. O., S. 34-37.
6
Denken hin, die beiden sind jedoch keine Götter. Sie haben eine begrenzte Funktion und werden von Gott als seine Diener eingesetzt. Es folgt wiederum die Billigungsformel. V. 20-23: Nach der Erschaffung des Lebensraumes folgt die Erschaffung der Lebewesen. Zunächst werden Wassertiere und Vögel ins Leben gerufen. Gott segnet sie und befiehlt ihnen, sich zu mehren.
V. 24-31: Tag sechs der Schöpfung bringt die Erschaffung der Landtiere und des Menschen. Die Worte Gottes „Lasset uns Menschen machen…“ in Vers 26 wurden in der alten Kirche als Zeichen der Trinität gedeutet, heutzutage geht die Forschung von der Vorstellung eines himmlischen Staates aus. Einen wichtigen Ansatz beschreibt Andrea Günter 11 , indem sie sich mit dem Wechsel von Plural und Singular in der Genesiserzählung auseinandersetzt. Plural und Singular werden sowohl für den Menschen als auch für Gott eingesetzt. Das hebräische Wort „Adam“ bedeutet „Menschen“. Gemeint ist ein Kollektivum, eine Gemeinschaft, nicht, wie lange tradiert wurde, Mann und Frau. Dadurch wird „die Wichtigkeit der Einzigartigkeit eines Menschen im Zusammenhang mit der Pluralität der Menschen 12 “ betont. Dies bedeutet, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit ein Teil des Zusammenspiels von Gott in seiner Vielfalt mit den Menschen ist.
In diesen Versen findet sich die Aussage von der Ebenbildlichkeit des Menschen, die durch zwei Ausdrücke zu Stande kommt: zäläm, das so viel wie Skulptur, Statue bedeutet, und demut (Modell, Abbild). Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen hat Auswirkungen für die Moral, denn sie schließt Herrschaft von Menschen über Menschen aus. Mann und Frau sind beide gleichsam Ebenbild Gottes und beauftragt, über die Erde zu herrschen. Daraus wird häufig die Verantwortung des Menschen für das ökologische Gleichgewicht abgeleitet.
Gen 2, 1-4a bildet den Abschluss der priesterlichen Schöpfungserzählung. Hier wird in Parallele zum Sabbat die Ruhe gesegnet. Der letzte Halbvers bildet eine zusammenfassende Unterschrift.
3 JAHWE ALS SCHÖPFER
Viele Kinderbibeln und Religionsbücher beginnen mit der Schöpfung und bilden auf diese Weise den Eindruck, die Schöpfung prägt seit je die ganze Bibel. Dem ist jedoch
11 Vgl. Günter 2008 - Geist schwebt über Wasser, S. 18f.
12 A. a. O., S. 18.
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