Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
S. 1
II. Die Geschichte der Migration in Deutschland
S. 2
II.1. Die Migration nach Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert
bis 1955. 2
II. 2. Die drei Phasen der Gastarbeitermigration 4
II.3. Zwei weitere Migrantengruppen 6
III. Migrationsforschung unter geschlechtsspezifischer
Perspektive
S. 7
III. 1. Die weibliche Seite der Migration 7
III.2. Spezifische Problemsituationen zugewanderter Frauen
und Mädchen 8
IV. Interkulturelle Erziehung
S.10
IV.1. Begriffsklärungen S.10
IV.2. Aufgaben und Zielsetzungen der interkulturellen Erziehung S.11
IV.2.1. Zwei Grundrichtungen der interkulturellen Erziehung
nach Hohmann S.11
IV.2.2. Zehn Ziele interkultureller Erziehung und Bildung S.12
V. Geschlechtsspezifische interkulturelle Projekte in
der Praxis
S.14
V.1. Bedeutung interkultureller Projekte für Zuwanderinnen S.14
V.2. Wirkung der Projekte auf die Migrantinnen S.14
V.3. Projektbeispiel: Internationales Mädchenzentrum in Gladbeck S.15
V.3.1. Allgemeines zum Mädchenzentrum S.15
V.3.2. Schwerpunkte der Arbeit des Mädchenzentrums S.16
V.3.4. Ziele des Mädchenzentrums in Gladbeck S.16
V.3.5 Das Interview S.17
VI. Schluss
S.20
VII. Literaturverzeichnis
S 22
I. Einleitung
Das Thema der vorliegenden Seminararbeit lautet geschlechtsspezifische Ansätze der interkulturellen Erziehung in Deutschland. In der Arbeit wird zunächst die Geschichte der Migration in Deutschland in Kurzform dargestellt, um den Hintergrund der Lebenslage und Erziehung der Migranten und Migrantinnen in Deutschland zu beschreiben. Als nächstes wird die weibliche Seite der Migration beschrieben sowie spezifische Problemsituationen dieser zugewanderten Frauen und Mädchen, wonach das Thema der interkulturellen Erziehung aufgegriffen wird und wichtige Ziele der interkulturellen Erziehung erwähnt werden. Hinzu wird die Bedeutsamkeit interkultureller, geschlechtsspezifischer Projekte betont. Abschließend wird ein Projektbeispiel aufgeführt, welches sich auf die interkulturelle Arbeit des Mädchenzentrums in Gladbeck bezieht. Auf der ganzen Welt verlassen immer mehr Menschen ihr Herkunftsland, um sich ein neues Leben in einem fremden Land aufzubauen. Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leben als Migranten in anderen Staaten, wovon einige nur für kurze Zeit dort verweilen, andere jedoch den Rest ihres Lebens dort verbringen wollen. 1
Bis 1970 gab es in Deutschland nur sehr wenige Veröffentlichungen zur Migration und es wurde in diesen Veröffentlichungen nicht nach Geschlechtszugehörigkeit unterschieden obwohl ebenfalls Migrantinnen in Deutschland lebten und arbeiteten. Vielmehr benutzte man einen Sammelbegriff für diese Zuwanderer. 1973, als das Ende der Anwerbephase erreicht war und der Nachzug der Familienangehörigen zunahm, hat man begonnen die Lebensweise von Migranten zu erforschen. Die weiblichen Zuwanderer wurden jedoch nicht in ihrer Situation als erwerbstätige Frauen wahrgenommen, sondern als Mütter, nachgezogene und nichterwerbstätige Ehefrauen und Hausfrauen. Häufig wurden sie als Opfer der Migration dargestellt. 2
Auch wenn diese Migrantinnen keine einheitliche Gruppe, aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunftsländer oder kulturellen und religiösen Orientierung
1 http://www.bpb.de/themen/Topo83,0,0,Migration_und_Integration_in_Deutschland.html (Migration
1.Abschnitt.)
2 http://www.217.110.205.153/private/aktuell/images/Textbeitrag.pdf (S. 7-8)
1
sind, verbindet sie aber, dass sie aus einem anderen Land stammen und Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Rassismus ausgesetzt sind. 3 Die interkulturelle Pädagogik existiert schon seit mehr als zwanzig Jahren als erziehungswissenschaftliche Fachrichtung und geht auf die Folgen der Arbeitsmigration zurück. Sie hat sich durch die Migrationsbewegung entwickelt. Herausforderungen für die interkulturelle Erziehung und Bildung sind unter anderem die innergesellschaftliche Multikulturalität, Traditionen und Kollektivgeschichten und die Herausbildung der Weltgesellschaft mit ihrer kulturellen Vielfalt. 4
Diese Arbeit stellt nun die interkulturelle Erziehung in Bezug auf die Geschlechtsspezifik in den Mittelpunkt.
II. Die Geschichte der Migration in Deutschland
Über viele Jahre fanden in Deutschland Wanderungsbewegungen statt. Im Folgenden wird sich hauptsächlich auf die Migrationen in Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts bezogen.
II.1. Die Migration nach Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert bis 1955 Im 19. Jahrhundert galt Deutschland als klassisches Auswanderungsland. Rund fünf Millionen Deutsche verließen zu Beginn dieses Jahrhunderts ihr Land, um nach Ost- oder Südeuropa auszuwandern, da in Deutschland nicht genügend Erwerbsmöglichkeiten vorlagen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg das Arbeitsangebot jedoch aufgrund eines starken Wirtschaftswachstums an und die expandierende Industrie benötigte nun mehr Arbeitskräfte als der natürliche Bevölkerungszuwachs bot. Somit kamen Arbeitskräfte aus den, von Russland und Österreich besetzten Teilen des ehemaligen Polen als ausländische Wanderarbeiter nach Deutschland, welche zunächst in der Wirtschaft, später auch in der Industrie beschäftigt wurden. Es wurde jedoch ein System der Wanderungssteuerung und Ausländerkontrolle entwickelt, da aus
nationalpolitischen Gründen die Angst vor einer Polonisierung und einer Gefährdung der inneren Sicherheit seitens der Bevölkerung bestand. Die
3 http://www.d-a-s-h.org/dossier/09/02_verhaeltnisse.html (S.1)
4 Auernheimer, Georg.: Einführung in die interkulturelle Pädagogik. Darmstadt 2003. S.9.
2
polnischen Arbeitskräfte durften deshalb nur als Saisonarbeiter unter
Inlandslegitimierungszwang 5 in Deutschland verweilen, da eine dauerhafte Niederlassung nicht erwünscht war. 6 Bis zum 1. Weltkrieg stieg die Ausländerbeschäftigung kontinuierlich an und es waren über 1,2 Millionen ausländische Wanderarbeiter in Deutschland beschäftigt. 7 Während des ersten Weltkriegs wurden den Arbeitern Rückkehrverbote erteilt, da sie für den Krieg notwendig waren und es wurden zusätzlich Kriegsgefangene als Arbeitskräfte eingesetzt. Insgesamt stieg der Ausländeranteil bis 1918 auf rund 2 Millionen. Außerdem führten die unter Zwang erfolgten Massenbewegungen von Menschen im ersten Weltkrieg zu einem Lernprozess, mit dem Ergebnis des
Ausländereinsatzes in der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkriegs.
Im zweiten Weltkrieg kam es wiederholt zu einem Arbeitskräftemangel, welcher durch das Einsetzen von Fremdarbeitern von den Nationalsozialisten behoben wurde, indem sie Millionen Arbeitskräfte (zwischen 1939 und 1945: 14 Millionen Menschen) aus dem Osten zu Arbeitssklaven machten. 8 Während des zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit unterschied man vier verschiedene Typen von Zwangszuwanderern: Die Flüchtlinge, die aus den Kampfzonen und vor den vorrückenden Truppen flüchteten, Zwangsarbeiter, die man während des Krieges deportierte oder unter Zwang festgehalten hatte, die Displaced Persons und die Vertriebenen, aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches. Deutschland war nur deshalb in der Lage den zweiten Weltkrieg 6 Jahre lang zu führen, weil es den Krieg von vorneherein als Raub-und Beutekrieg geplant hatte und durchführte, wobei die Bedeutung dieser Menschen im Lauf des Krieges immer mehr an Bedeutung gewann, denn sie befanden sich in allen Wirtschaftszweigen, über das ganze Reich verteilt. Die deutsche Kriegswirtschaft war somit auf die ausländischen Arbeiter angewiesen. Ein drittel waren Frauen, größtenteils jünger als 20 Jahre alt. Jedoch strebte die nationalsozialistische Politik nach einer streng rassistisch ausgerichteten deutschen Ordnung, einer Hierarchisierung von Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten, so dass die Deportation der polnischen, tschechischen und
5 Die Arbeiter erhielten eine Legitimierungskarte, welche für ein Jahr ausgestellt wurde und wurden
ausgewiesen, wenn sie einen mangelnden Arbeitseifer zeigten.
6 Keim, Sylvia.: So richtig Deutsch wird man nie sein:… Frankfurt am Main, London 2003. S.45-46.
7 http://www.bpb.de/themen/Topo83,0,0,Migration_und_Integration_in_Deutschland.html.
8 Keim, Sylvia.: So richtig Deutsch wird man nie sein:… Frankfurt am Main, London 2003. S.46-48.
3
jüdischen Bevölkerung im Völkermord endete, wobei die jüdischen Menschen den wenigsten Wert besaßen und somit am meisten von der Vernichtungspolitik betroffen waren.
Die überlebenden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen wurden nach dem 2. Weltkrieg zum Teil wieder in die Herkunftsländer repartiert und zusätzlich flohen aus Polen und der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien bis 1949 rund zwölf Millionen Vertriebene nach Deutschland, wodurch eine große Massenwanderung stattfand. Nur ein geringer Teil der displaced persons blieb in Deutschland zurück. 9
II. 2. Die drei Phasen der Gastarbeitermigration
Die Gastarbeitermigration lässt sich grob in 3 Phasen einteilen. Die erste Phase umfasst die Anwerbung der Arbeiter im Zeitraum nach dem zweiten Weltkrieg von 1955-1973. Da zu Beginn dieses Zeitraumes in Deutschland ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften aufgrund der wirtschaftlichen Wachstumsphase bestand, wurden wiederholt Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben, da der heimische Arbeitsmarkt die Anfrage nicht erfüllen konnte. Im Zeitraum von 1955 bis 1968 wurden Abkommen mit den Ländern Spanien, Italien, Griechenland, Türkei, Marokko, Tunesien und Jugoslawien geschlossen, wonach sich dann auch die Zusammensetzung der Bevölkerung jeweils richtete. 1963 waren 900.000 ausländische Arbeiter vorzufinden, jedoch sollte es wieder nur eine Übergangserscheinung sein und nur auf die deutsche Wirtschaft ausgerichtet werden, was 1965 in einem Ausländergesetz festgehalten wurde, wobei der Aufenthalt gewöhnlich auf ein Jahr beschränkt war, dieser jedoch häufig sowohl seitens der Arbeiter und seitens der Bundesrepublik verlängert wurde. Da die ausländischen Arbeiter nur mit dem Ziel arbeiteten, viel Geld zu verdienen, um sich später in ihrer Heimat eine eigene Existenz aufzubauen, erledigten sie schmutzige Arbeit und sparten ihre Verdienste, indem sie in Arbeiterwohnheimen wohnten. 10
Die zweite Phase war gekennzeichnet durch den Anwerbestopp und den Nachzug der Familien im Zeitraum von 1973 bis zum Ende der 70er Jahre. Im Jahr 1973
9 http://www.bpb.de/themen/Topo83,0,0,Migration_und_Integration_in_Deutschland.html.
(Kapitel:Migration und Zwangswanderungen im Nationalsozialismus + Zwangswanderungen nach dem
Zweiten Weltkrieg).
10 Keim, Sylvia.: So richtig Deutsch wird man nie sein:… Frankfurt am Main, London 2003. S.48-50.
4
Arbeit zitieren:
Mareike Gemballa, 2006, Geschlechtsspezifische Ansätze der interkulturellen Erziehung in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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