Vorwort
Die Idee für die vorliegende Arbeit entstand aus meinem persönlichen Interesse und der Begeisterung für Finanz- und Kapitalmärkte. Verstärkt durch die aktuellen Fehlentwicklungen an den internationalen Finanzmärkten und durch meine Mitarbeit im studentischen Netzwerk für Wirtschaftsethik habe ich mich bereits seit einiger Zeit mit alternativen Kapitalanlageoptionen befasst. Als ich das Marktsegment der ‚Nachhaltigen Geldanlagen’ entdeckte, setzte ich mich eingehender mit dieser Thematik auseinander. Das große Potential in diesem noch jungen und unausgereiften Markt, bestärkte mich in meinem Entschluss, meine Diplomarbeit dieser besonderen Thematik zu widmen.
Mit der Erstellung dieses Manuskriptes möchte ich dazu beitragen, das Bewusstsein über den Einsatz von Kapital, insbesondere bei Geldanlagen, zu wecken und zu schärfen. Geldanlagen dienen nicht nur dem Kapitalerhalt und der -vermehrung, sondern besitzen noch eine weitere bisweilen kaum beachtete Funktion: Die Mittelverwendung. Dessen eingedenk hat jeder Mensch die Möglichkeit, sein Geld nicht nur arbeiten zu lassen, sondern konkret etwas damit zu bewirken.
Bedanken möchte ich mich bei meiner Familie für die Korrektur und der Hilfestellung bei schwierigen Fragen. Besonders gilt dieser Dank meinen Eltern Iris und Karl-Heinz, die mich während meiner bisherigen schulischen und studentischen Ausbildung immer voll unterstützt haben. Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Kommilitonen Andreas Wagner, der mir besonders bei der technischen Umsetzung dieser Arbeit zur Seite stand.
Darüber hinaus gilt mein besonderer Dank Herrn Prof. Dr. Franz-Josef Eichhorn. Durch diverse Vorlesungen im Grund- und Hauptstudium hat er mein Interesse für die Chancen und Möglichkeiten auf den Finanz- und Kapitalmärkten geschärft und meine Kenntnisse weiterentwickelt. Bei der Konzeption dieser Arbeit und den damit verbundenen Fragestellungen stand er mir mit hohem persönlichem Engagement zur Seite. Des Weiteren gilt mein Dank Prof. Dr. Wieland Weiss für die Zweitkorrektur dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Vorwort I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Abk ürzungsverzeichnis VII
1 Einleitung. 1
1.1 Auf dem Weg in das regenerative Zeitalter- die Clean Technology. 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 4
2 Grundlegendes zu Nachhaltigen Geldanlagen 6
2.1 Begriffserklärung 7
2.2 Historie 13
2.3 Die Auswirkungen nachhaltiger Geldanlagen 16
3 Gegenwärtige Marktanalyse und Akteure 20
3.1 Entwicklung und Marktanteile nachhaltiger Geldanlagen 20
3.1.1 Weltweit 20
3.1.2 USA 21
3.1.3 Europa 23
3.1.4 Deutschland 25
3.1.5 Weitere EU-Länder. 27
3.1.6 Emerging Markets 29
3.2 Investoren und Zielgruppen nachhaltiger Investments 30
3.2.1 Private Investoren 31
Inhaltsverzeichnis III
3.2.2 Institutionelle Investoren 35
3.3 Anbieter nachhaltiger Geldanlagen 38
4 Strategien nachhaltigen Investierens 44
4.1 Aktiver Ansatz 45
4.2 Passiver Ansatz. 46
4.2.1 Negative Selektion 46
4.2.2 Positive Selektion 48
4.2.3 Best-in-class-Ansatz 50
5 Nachhaltige Anlageprodukte 52
5.1 Direkte nachhaltige Investments 53
5.1.1 Nachhaltige Aktien 54
5.1.2 Nachhaltige Anleihen 57
5.1.3 Nachhaltige geschlossene Fonds 59
5.1.3.1 Windkraftfonds 61
5.1.3.2 Solar- bzw. Photovoltaikfonds 63
5.1.3.3 Waldfonds 65
5.1.4 Nachhaltige Immobilien 67
5.2 Indirekte nachhaltige Investments 69
5.2.1 Nachhaltige Bankeinlagen 69
5.2.2 Nachhaltige Investmentfonds 71
5.2.2.1 Nachhaltige Aktienfonds 72
5.2.2.2 Nachhaltige Rentenfonds 77
5.2.2.3 Nachhaltige Indexfonds 79
5.2.3 Nachhaltige Zertifikate 82
5.2.4 Nachhaltige Altersvorsorge 85
6. Defizite und Risiken nachhaltiger Geldanlagen 88
6.1 Missbrauch des Terminus Nachhaltigkeit und mangelnde Transparenz 88
6.2 Schwachstellen innerhalb der Nachhaltigkeitsansätze 90
Inhaltsverzeichnis IV
6.3 Erhöhtes Klumpenrisiko 92
7. Fazit und Ausblick 93
Literaturverzeichnis X
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die Konjunkturzyklen nach Nikolai Kondratjew’
Abb. 2: Begriffsabgrenzungen Nachhaltige Geldanlagen’
Abb. 3: Vom Magischen Dreieck zum Magischen Viereck’
Abb. 4: Volumen des nachhaltig investierten Kapitals in Regionen’
Abb. 5: Entwicklung des Socially Responsible Investing in den USA
1995 - 2009’
Abb. 6: Entwicklung Anzahl und Volumen nachhaltiger Publikumsfonds
in Europa 1999 - 2009’
Abb. 7: Verteilung des Gesamtvolumens nachhaltiger Investments in
Europa (Stand 01.01.2008)’
Abb. 8: Investoren nachhaltiger Geldanlagen’
Abb. 9: Übersicht über Konzepte nachhaltigen Investierens’
Abb. 10: Beispiel für Herkunft und Systematik von Negativkriterien ’
Abb. 11: Klassifizierung nachhaltiger Anlageformen’
Abb. 12: Mittelverwendung bei der Kreditvergabe der GLS Bank’
Abb. 13: Vergleich der Wertentwicklung grüner Aktienfonds mit normalen
Aktienfonds innerhalb der letzten 5 Jahre’
Abb. 14: Verteilung der Anlagethemen sowie Verteilung der nachhaltigen
Anlagezertifikate nach Zertifikatarten’
Abb 15: Europäisches Transparenzlogo für nachhaltige Publikumsfonds’
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: ‚Charakteristika privater und institutioneller Investoren‘………….31
Tab. 2: ‚Umwelt- und Ethikbanken in Deutschland im Überblick’………...41
Tab. 3: ‚Zehn nachhaltige Aktien im Überblick’.........................................56
Tab. 4: ‚Übersicht fünf populärer nachhaltiger Aktienfonds’………………76
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung ABS Alternative Bank Schweiz AEG Alterseinkünftegesetz AG Aktiengesellschaft AT Österreich AuM Assets under Management BE Belgien BP Beyond Petroleum bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa CHF Schweizer Franken DAX Deutscher Aktienindex DE Deutschland DESERTEC Desert and Technology DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DJSI Dow Jones Sustainability Index DJSIS Dow Jones Sustainability Index Series dt. deutsch EE Erneuerbare Energien EEG Erneuerbares Energiengesetz EIRIS Ethical Investment Research Service EK Eigenkapital EKK Evangelische Kreditgenossenschaft E.ON Energy On, größter nicht-staatlicher Energiekonzern der Welt et al. et alii (und andere) etc. et cetera evtl. eventuell ETF Exchange Traded Fund EU Europäische Union EUROSIF European Sustainable Investment Forum
EZB Europäische Zentralbank FTSE Financial Times Stock Exchange GBP Britische Pfund gem. gemäß GIV Gesamtinvestitionsvolumen GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GmbH &. Co. KG Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Compagnie Kommanditgesellschaft HNWI High Net Worth Individuals Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel Imug Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft Jhdt. Jahrhundert KAG Kapitalanlagegesellschaft Kap. Kapitel KGV Kurs-Gewinnverhältnis LOHAS Lifestyle of Health and Sustainability LEED Leadership in Energy and Environmental Design lt. laut mind. mindestens Mio. Millionen Mrd. Milliarden NAI Naturaktienindex NGO Non Government Organisation NL Niederlande OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ÖGUT Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik Öko-Dax Ökologischer Deutscher Aktienindex PR Performance Ratio RWE Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk, zweitgrößter Energieversorgungskonzern in Deutschland S. Seite SAM Sustainability Asset Management SIF Social Investment Forum
sog. sogenannt SRI Socially Responsible Investment Tab. Tabelle u.a. unter anderem US United States USA United States of America USD US-Dollar u.U. unter Umständen vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel ZKB Zürcher Kantonalbank
1 Einleitung
1.1 Auf dem Weg in das regenerative Zeitalter- die Clean
Technology
„Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht.“ 1 (Gerhard Knies, Aufsichtsratsvorsitzender DESERTEC)
Schmelzende Pole und Gletscher, steigende Meeresspiegel, zunehmende Wetterextreme mit Jahrhundertfluten und monatelangen Dürreperioden. Die Folgen des Klimawandels sind im Jahr 2010 bereits unverkennbar. Schafft es die Menschheit nicht, die oft nur nationalen Bestrebungen einiger Länder zu bündeln und möglichst rasch in global verpflichtende Abkommen umzusetzen, sehen die Prognosen für die Zukunft düster aus: Bis zum Jahr 2100 dürfte die Erdtemperatur um bis zu 4 Grad Celsius steigen, was ein vollständiges Verschwinden der Gletscher und Eismeere zur Folge hätte. Der Meeresspiegel würde um sechs Meter steigen, viele Küstenregionen auf der ganzen Welt wären dann nicht mehr bewohnbar. 2
Mittlerweile lassen viele Regierungen ihren jahrelangen Ankündigungen endlich konkrete Taten folgen, allen voran die dt. Bundesregierung: Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie soll bis 2020 deutschlandweit ungefähr die Hälfte des allgemeinen Strombedarfs decken und somit das prägende Element der künftigen Stromversorgung bilden. Prognosen zur Entwicklung der Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich erwarten eine Steigerung von aktuell 300.000 auf bis zu einer halben Million. 3 Auch andere große Nationen haben den Trend im Bereich der Erneuerbaren Energien (EE) längst erkannt: Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 150 Mrd. Euro in alternative Energien in den kommenden zehn Jahren zeigt der ‚Obama-Effekt‘ 4 in den USA allmählich Wirkung. Auch China holt auf und fördert nachhaltige
1 Sander/Fath/Leiner (2010), S.87.
2 Vgl. Sander/Fath/Leiner (2010), S.416.
3 Vgl. BMU (2010) und Sander/Fath/Leiner (2010), S.8.
4 Mit dem sog. ‚Obama-Effekt‘ verbinden viele Amerikaner die Wunschvorstellung eines Um-
denkensin der amerikanischen Politik durch die Wahl des Präsidenten Barack Obama,
besonders auf den Gebieten des Umweltschutzes, der Außenpolitik und der Sozialpolitik.
Projekte mit aktuell ca. 40% seines rund 580 Mrd. USD schweren Konjunkturprogramms in. Länder wie Japan, Brasilien oder Südkorea- um nur einige zu nennen- befinden sich auf dem Vormarsch und fördern bereits in großem Stil umweltschonende Verfahren zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen und im Bereich Wasserwirtschaft. 5 Experten der Internationalen Energieagentur taxieren das weltweite Investitionsvolumen in den nächsten 20 Jahren im Bereich der EE auf fast 5.000 Mrd. Euro. 6 Das enorme Potential im Segment der nachhaltigen Technologien haben die großen Konzerne längst erkannt und richten ihre Geschäftsmodelle konsequent auf den Mega-Trend aus. „Hier tun sich gigantische Wachstumschancen für grüne Technologien auf“, 7 verteidigte Siemens-CEO Peter Löscher kürzlich die Milliarden-Investitionen des Konzerns in umweltfreundliche Zukunftstechnologien.
Wissenschaftler und Zukunftsforscher sehen in den Innovationen und der Entwicklung der Clean Technology die Kernelemente des nächsten Kondratjew-Zyklus. Die sog. Theorie der langen Wellen, vom russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew zu Beginn des 20. Jhdt. konzipiert, beschreibt regelmäßige Konjunkturbewegungen, die sich im Abstand von 40 bis 60 Jahren durch tiefgreifende Reorganisationsprozesse und Basisinnovationen vollziehen und erneuern. 8
5 Vgl. Sander/Fath/Leiner (2010), S.408-409.
6 Vgl. BMU (2010).
7 Sander/Fath/Leiner (2010), S.85.
8 Vgl. Hopfenbeck (2002), S.105-106.
‚Die Konjunkturzyklen nach Nikolai Kondratjew’ 9 Abb. 1:
Der sechste Kondratjew-Zyklus, der kurz nach der Jahrtausendwende begann, steht neben dem Aufschwung der asiatischen Länder unter dem Stern der Biotechnologie, Gesundheit, Ressourcenproduktivität und wirtschaftlichen Ökologisierung. 10 Der Überbegriff Clean Technology subsumiert all jene Produkte, Herstellungsverfahren und Serviceleistungen, die keine oder nur geringe Mengen nichterneuerbarer Energien verbrauchen und gleichzeitig die verstärkte Nutzung EE bzw. den nachhaltigen Umgang mit erneuerbaren Rohstoffen fördern. 11
Die Implementierung des Mega-Trends Nachhaltigkeit in den Finanzsektor ist bereits in vollem Gange. Seit Jahren steigen Angebot und Nachfrage von Geldanlagen, die soziale, ethische oder ökologische Kriterien berücksichtigen. Die Krise an den Finanzmärkten der vergangenen zweieinhalb Jahre, die
9 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Sander/Fath/Leiner (2010), S.242.
10 Vgl. SPN (2009).
11 Vgl. Sander/Fath/Leiner (2010), S.423 und Upgang (2009), S.62.
vielerorts zu einem radikalen Umdenken und zu einer Abkehr von reiner Gewinnmaximierung geführt hat, beschleunigt den Wachstumsprozess in diesem Markt. Der Ruf nach sinnvollen alternativen Kapitalanlagen wird nicht nur bei Großinvestoren, die häufig unter massiven öffentlichen Druck stehen, sondern auch bei immer mehr Privatanlegern laut. Kritiker prophezeien dem Boom der nachhaltigen Investments allerdings ein ebenso rasches Ende wie einst der Dotcom-Blase der Internetfirmen zu Beginn des Jahrtausends. Dass der Markt der nachhaltigen Investments eine ähnliche Entwicklung wie der der sog. New Economy hinlegt, glauben viele Experten jedoch nicht. Das benötigte Kapital in der Cleantech-Branche ist um ein Vielfaches höher, die Zeit bis zum tatsächlichen Erfolg eines Geschäftes wesentlich länger und das Marktpotential weitaus größer. 12 Und schließlich- und das sei lt. Investorenlegende John Doerr, der einst Unternehmen wie Amazon und Google finanzierte und sich nun in Unternehmen aus dem Umweltschutzbereich engagiert, das Wichtigste- gehe es bei diesem Investment nicht um Bits und Pixel, sondern „um das Überleben der Menschheit.“ 13
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Oberste Zielsetzung bei der Konzeption der vorliegenden Arbeit ist es, einem uninformierten interessierten Leser einen allgemeinen Überblick über den Teilmarkt der nachhaltigen Geldanlagen zu verschaffen. Spezielle Kenntnisse über den Finanzmarkt und über Kapitalanlagen werden dabei nicht vorausgesetzt. Bewusst hat sich der Autor dabei auf keine spezielle Anlageform konzentriert, um dem Ziel einer ganzheitlichen Abbildung möglichst nahe zu kommen. Dass dabei die eine oder andere Information an der Oberfläche bleibt und nicht jedes Anlagevehikel bis in kleinste Details analysiert werden konnte, schuldet dieser Intention. Dem Autor erschien es jedoch reizvoller, den Markt in
12 Vgl. Upgang (2009), S.64.
13 Upgang (2009), S.63.
seiner Gesamtheit darzustellen, anstelle der Fokussierung auf einzelne Aspekte wie Produkte, Ratingprozesse u.a. 14
Die Struktur der Arbeit gliedert sich analog der Kapitelaufteilung in fünf große Themenbereiche: Nach der Einleitung geht es im zweiten Kapitel (2) um grundlegende Aspekte wie den Versuch einer Begriffsdefinition, die geschichtliche Entwicklung und die Auswirkungen von nachhaltigen Geldanlagen. Im anschließenden Abschnitt (3) wird die Entwicklung dieses Marktes und der nationale sowie globale Markt analysiert. Zudem gibt das Kapitel Aufschluss über Marktakteure- zum einen die Anbieter, zum anderen die Investoren nachhaltiger Investments. Wie man soziale, ethische oder ökologische Kriterien in eine Geldanlage implementieren kann, zeigt der nächste Abschnitt (4), der sich mit den unterschiedlichen Strategien beschäftigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem fünften Kapitel (5), in dem es um die konkreten nachhaltigen Anlageformen geht. Zu guter letzt werden im letzten Abschnitt (6) Defizite und Nachteile der nachhaltigen Geldanlagen thematisiert. Abschließend folgen ein kurzes Fazit und ein Ausblick für die kommenden Jahre.
Um den Anspruch einer praxisorientierten Arbeit gerecht zu werden, hat sich der Autor um die Einbringung aktueller Bezüge und Produktbeispiele bemüht. Einzelne Produktabbildungen stellen dabei keinesfalls Empfehlungen seitens des Autors dar, sondern dienen lediglich der besseren Veranschaulichung. Mit aktuellen Informationen aus Fach- und Tagespresse versucht der Autor den gegenwärtigen Stand der Dinge wiederzugeben, wohlwissend, dass der Schnelllebigkeit im Finanzsektor kaum Rechnung getragen werden kann. So sind Zahlen von gestern i.d.R. heute schon wieder veraltet. Aufgrund des Mangels zeitgemäßer Literatur auf dem Gebiet der nachhaltigen Geldanlagen wurde bei der Datenerhebung zu großen Teilen auf Studien und Publikationen einzelner Institutionen sowie auf Finanzportale im Internet zurückgegriffen.
14 Trotz des Bestrebens des Autors, einen vollständigen Querschnitt des Marktsegments nach-
haltiger Geldanlagen abzubilden, musste aus Platzgründen auf wenige Themen wie bei-spielsweise Mikrofinanzierungen verzichtet werden. Im Kap. 5.1.3 Nachhaltige unternehme-
rische Beteiligungen/ Geschlossene Fonds beschränkt sich die Lektüre auf die Bereiche
Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse/Holz. Eine Einbeziehung weiterer EE wie z.B. Was-
ser oder Geothermie war aus Platzgründen ebenfalls nicht möglich. Für nähere Informationen
zu anderen Gebieten der EE empfiehlt der Autor die Lektüre von Sander/Fath/Leiner (2010).
2 Grundlegendes zu Nachhaltigen Geldanlagen
Socially Responsible Investments, Grünes Geld, ethisch-ökologische Geldanlagen, Sustainability Investments, Öko-Aktien, Ethik-Fonds, Corporate Citizenship- im Zusammenhang mit der Bezeichnung ‚Nachhaltige Geldanlagen’ kursiert im deutschen sowie im angloamerikanischen Raum eine große Anzahl unterschiedlichster Begrifflichkeiten. 15 Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die verschiedenen Begriffe und Produkte:
‚Begriffsabgrenzungen Nachhaltige Geldanlagen’ 16 Abb. 2:
Im Folgenden wird zunächst erläutert, was der Begriff Nachhaltige Geldanlagen bedeutet und ob es überhaupt eine eindeutige Definition dafür gibt. Des Weiteren wird der geschichtliche Hintergrund und der eigentliche Sinn und Zweck von nachhaltigen Geldanlagen thematisiert und näher beleuchtet.
15 Vgl. Werner (2009), S.6.
16 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Werner (2009), S.21.
2.1 Begriffserklärung
Der Terminus ‚Nachhaltige Geldanlage’ setzt sich zusammen aus den Wörtern Nachhaltigkeit und Geldanlage. Nachhaltigkeit beschreibt im Allgemeinen eine Entwicklung, „die den gegenwärtigen Bedarf zu decken vermag, ohne gleichzeitig späteren Generationen die Möglichkeit zur Deckung des ihren zu verbauen.“ 17 In der Forstwirtschaft schon seit über 200 Jahren bekannt („Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann!“ 18 ) taucht der Begriff im wirtschaftspolitischen Diskurs erstmals richtig 1987 auf, als die World Commission of Environment and Development 19 der Vereinten Nationen ein Konzept zur Nachhaltigkeit erstellte. 20 Auf dieser Basis entwickelten die Vereinten Nationen fünf Jahre später das sog. ‚Drei-Säulen-Modell’. Nachhaltige Entwicklung soll demnach auf Basis von Ökologie, Gesellschaft und Sozialem sowie Ökonomie stattfinden. Wichtig dabei ist, dass alle drei Säulen als gleichrangig erachtet werden. Ökonomische, ökologische und soziale Interessen werden also gleichermaßen berücksichtigt. 21 Allerdings können dabei schnell Zielkonflikte innerhalb der einzelnen Säulen entstehen. So kollidiert beispielsweise Ökologie mit Sozialem, wenn der Staat auf Grundlage wirtschaftlicher Vorgaben einen Haushalt erstellt, der mit sozialen Kürzungen verbunden ist. Daran zeigt sich, dass der Wunsch nach Gleichrangigkeit der einzelnen Säulen in der Praxis oftmals nur schwer durchsetzbar ist, was eine große Schwäche im Modell der drei Säulen offenbart. 22 Als weitere Meilensteine für die internationalen Bemühungen, den weit gefassten Begriff Nachhaltigkeit in konkrete, verpflichtende
Rahmenvorgaben zu zwängen, können die Klimakonferenz in Kyoto 1997 und der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002 betrachtet werden. 23 Während in Kyoto sich nicht alle teilnehmenden Staaten auf allgemein-verbindliche Ziele verständigen konnten, wurde in Johannesburg
17 Gabriel (2007), S.24.
18 Schuler (2006), S.21.
19 Die damalige Kommission stand unter Vorsitz der norwegischen Politikerin Gro Harlem
Brundtland, weswegen die Vereinigung im Folgenden nur noch als ‚Brundtland Kommis-
sion’ bzw. das Konzept als ‚Brundtland-Bericht‘ bezeichnet wurde.
20 Vgl. Upgang (2009), S.60.
21 Vgl. Upgang (2009), S.61.
22 Vgl. Gabriel (2007), S.33-34.
23 Vgl. Pinner (2008), S.19-20.
zumindest ein politisches Commitment zum Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung 24 erkennbar, wenn auch hier die Ergebnisse vielerorts als zu unkonkret kritisiert wurden. 25
Im Zuge wachsenden Umweltbewusstseins und der zunehmenden Sensibilisierung der Gesellschaft gegenüber ökologischen Themen ist das Wort Nachhaltigkeit in den letzten Jahren zu einem Mode-Begriff geworden. Nahezu jedes Unternehmen schmückt sich damit, nachhaltig zu wirtschaften und Wert auf eine nachhaltige Entwicklung zu legen. Um das Wort Nachhaltigkeit hat sich ein Hype gebildet, der jedoch anstelle wissenschaftlicher Fundierung mehr und mehr politische und gesellschaftliche Interessenslagen akzentuiert. 26 Hier besteht leicht die Gefahr, von dem ursprünglichen Verständnis von Nachhaltigkeit, nämlich beim wirtschaftlichen Handeln immer auch die Vision von ökologischer Tragfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit mit einzubeziehen, abzurücken. Ein so weit gefasster Begriff wie Nachhaltigkeit hängt in seiner Ausformung und konkreten Umsetzung immer von den einzelnen Interessen und Zielvorstellungen der jeweiligen Akteure ab. 27
Unter einer Geldanlage, präziser gesagt einer Kapitalanlage, versteht man die Investition von Geldbeträgen in ein Finanzprodukt mit dem Ziel, einen Wertzuwachs bzw. einen Ertrag zu erwirtschaften. Neben dem Ertragsziel, der Rentabilität, kennzeichnet sich eine Geldanlage auch noch durch die Ziele Sicherheit und Liquidität. 28
Während die Rentabilität an dem finanziellen Erfolg einer Geld- und Vermögensanlage gemessen wird, richtet sich die Sicherheit nach den Risiken, denen sie unterworfen ist. Das können z.B. Zinsänderungs- und Kursrisiken, ebenso wie Geldwert- und Währungsrisiken sowie das Rückzahlungsrisiko an sich sein. Liquidität richtet sich nach der Möglichkeit, eine Anlage in Bargeld umzuwandeln, also der Verfügbarkeit des Geldes.
24 Die beide Begriffe ‚Nachhaltigkeit’ und ‚nachhaltige Entwicklung’ werden in der Literatur meist
synonym verwendet.
25 Vgl. Gabriel (2007), S.27-28.
26 Vgl. Delbeck (2008), S.9.
27 Vgl. Gabriel (2007), S.28.
28 Vgl. Grill/Perczynski (2003), S.162-164.
Mit dem ‚Magischen Dreieck der Kapitalanlage’ wurde ein entsprechendes Model geschaffen, das die wechselseitigen Interaktionen der unterschiedlichen Ziele anspricht. Ein Kapitalanleger muss sich also immer fragen: ’Wie viel Ertrag möchte ich erwirtschaften, welches Risiko will ich dabei eingehen und wie lange kann ich u.U. auf mein Geld verzichten.’ 29 Zwischen den einzelnen Zielen einer Geldanlage besteht ein gewisses Spannungsverhältnis, d.h. der Anleger muss eine Art Kompromiss eingehen. So sind höhere Renditen beispielsweise zwangsläufig mit einem größeren Risiko verbunden, genauso wie eine kurzfristige Anlage i.d.R. weniger Ertrag bringt als eine langfristige. 30
Für den Begriff ‚Nachhaltige Geldanlagen’ existiert in der Literatur keine allgemein anerkannte Standarddefinition. Trotz zahlreicher Annäherungen bleibt der Begriff vielfach eine leere Worthülse, hinter dem sich keine eindeutigen Kriterien festmachen lassen. 31 Das Spektrum der Interpretationen ist groß und reicht von Umwelt- bzw. Klimaschutz über EE bis hin zum Thema gesellschaftliche Verantwortung und dem fairen Handel. 32 Die jeweilige Auslegung hängt immer auch vom Standpunkt des Betrachters ab. Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen und der Vielzahl synonym verwendeter Begriffe sah sich im Jahr 2004 eine interdisziplinär zusammengesetzte Expertengruppe veranlasst, zentrale Themen und Standards rund um das Thema nachhaltige Geldanlagen zu benennen und zu präzisieren. 33 Die Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie haben auf Basis des Drei-Säulen-Modells eine Art Kriterienkatalog erstellt und somit die klassische Finanzanalyse um das Thema Nachhaltigkeit erweitert. 34 Demnach erfordern nachhaltige Geldanlagen gemäß der Darmstädter 35 Definition: 36
29 Vgl. Deml et al. (1996), S.13-18.
30 Vgl. Pinner (2003), S.28.
31 Vgl. Hartwieg (2009), S.B9.
32 Vgl. Kremer (2010), S.112 und Financial Times Deutschland (2009a).
33 Vgl. Gabriel (2007), S.84.
34 Vgl. Faust/Scholz (2008), S.137 und Delbeck (2008), S.11.
35 Der Name ‚Darmstädter Definition’ leitet sich vom Tagungsort der Konferenz, Darmstadt, ab.
36 Vgl. Hoffmann/Scherhorn/Busch (2004), S.6-7.
In ökonomischer Sicht, dass
Gewinne auf Basis langfristiger Produktions- und Investitionsstrategien statt in kurzfristiger Gewinnmaximierung erwirtschaftet werden, Erträge aus Finanzanlagen in vertretbarer Relation zu den Erträgen der realen Wertschöpfung stehen,
die Erfüllung elementarer Bedürfnisse nicht gefährdet wird, Gewinne nicht auf Korruption beruhen.
In ökologischer Sicht soll die Gewinnerzielung im Einklang stehen mit der der Steigerung der Ressourcenproduktivität, der Investition in erneuerbare Ressourcen, der Wiedergewinnung und Wiederverwendung verbrauchter Stoffe, der Funktionsfähigkeit globaler und lokaler Ökosysteme.
In sozialer und kultureller Sicht soll die Gewinnerzielung im Einklang stehen mit
der Entwicklung des Humankapitals (z.B. Verantwortung für Arbeitsplätze, Aus- und Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie usw.),
der Entwicklung des Sozialkapitals (z.B. Schaffung von Erwerbschancen, Ausgewogenheit zwischen den Generationen, diskriminierungsfreier Umgang mit Minderheiten, Förderung zivilgesellschaftlichen Handelns), der Entwicklung des Kulturkapitals (z.B. Respekt vor kultureller Vielfalt unter Wahrung persönlicher Freiheitsrechte und gesellschaftlicher Integrität, Mobilisierung der Potenziale kultureller Vielfalt).
Somit bietet die Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen ein recht umfassendes und differenziertes Verzeichnis von Anforderungen, das eine nachhaltige Geldanlage erfüllen soll. Oberstes Ziel der Initiatoren der Projektgruppe war es, „…dem Begriff und Verständnis von Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Verwaltung mehr Klarheit und Stringenz zu verschaffen. So kann in der Öffentlichkeit und ganz besonders bei Investoren das Bewusstsein gestärkt werden, dass nachhaltige Geldanlagen ein Schlüssel
für die Förderung einer zukunftsfähigen Wirtschaft sind.“ 37 Die ‚Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen’ ist der bisweilen einzige Versuch, offiziell anerkannte Maßstäbe zu etablieren, um eine nachhaltige Geldanlage als solche klar zu definieren. 38 Allerdings verursacht die genaue Zuordnung einzelner Vermögenswerte hinsichtlich der Kriterien Ökologie und Soziales/ Kulturelles oftmals Schwierigkeiten, da sich die exakte Wirkung nicht immer genau und präzise messen lässt. 39
Eine andere Methodik, nachhaltige Geldanlagen zu definieren bzw. eine eindeutige Abgrenzung zu konventionellen Geldanlagen herzustellen, zeigt sich am Zielsystem einer Geldanlage. Das bereits erwähnte ‚Magische Dreieck der Geldanlage’ - bestehend aus den Zielen Rentabilität, Sicherheit und Liquidität- wirdfür den nachhaltig interessierten Investor zum ‚Magischen Viereck’. 40 Den Anleger interessiert neben den genannten drei Kriterien zusätzlich, was mit seinem Geld passiert bzw. was die Bank mit seinem Geld macht: 41 Die Mittelverwendung, der Verwendungszweck der Kapitaleinlage rücken ins Blickfeld. 42 Durch die Integration nachhaltiger Konzepte erreicht die Geldanlage eine neue vierte Ebene, wie die folgende Abbildung zeigt:
37 Hoffmann/Scherhorn/Busch (2004), S.2
38 Das European Social Investments Forum (EUROSIF) hat für den Bereich der Nachhaltigkeits-
und Publikumsfonds Transparenzrichtlinien erlassen, deren sich Unternehmen freiwillig
unterziehen können und dann ein Gütesiegel bekommen. Mehr dazu im Kap. 6.2.
39 Vgl. Faust/Scholz (2008), S.139.
40 Vgl. Pinner (2008), S.57 und DAS INVESTMENT (2009)
41 Vgl. Deml et al. (1996), S.18-21.
42 Pinner (2003) und Upgang (2009) bezeichnen die vierte Dimension nicht als Mittelverwen-
dung, sondern als ethische bzw. nachhaltige Verantwortbarkeit.
‚Vom Magischen Dreieck zum Magischen Viereck’ 43 Abb. 3:
Somit kann der Anleger seine persönlichen Zielvorstellungen von sozialen und ökologischen Themen mit in die Anlageentscheidung integrieren. Die ökonomische Komponente, die der Begriff Nachhaltigkeit ebenfalls enthält, steckt in diesem Fall bereits in der Rentabilität. 44 Die Konflikte innerhalb der einzelnen Felder bleiben allerdings bestehen, d.h. der Anleger muss sich nach wie vor Gedanken um die Gewichtung zwischen den einzelnen Zielen machen. Gemäß seinen persönlichen Präferenzen muss er eine Entscheidung treffen und abwägen, welcher Zielsetzung er Vor- bzw. Nachrang einräumt. Denn nachhaltige Investments sind in der Regel längerfristige Anlagen, was beispielsweise mit dem Ziel kurzfristiger Liquidität kollidiert.
Anhand der Herleitung der Begriffe Nachhaltigkeit und Geldanlage wird deutlich, was nachhaltige Investments charakterisiert: Neben den Kernzielen einer Kapitalanlage- Ertrag, Sicherheit und Verfügbarkeit- fließen in größerem oder kleinerem Maße, je nach individueller Neigung des Anlegers, auch immer
43 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pinner (2008), S.58 und Finette (2007), S.23-25.
44 Vgl. Pinner (2003), S.28.
sozial-gesellschaftliche, unternehmens-ethische und ökologische Perspektiven in die Investmententscheidung mit ein. Es existiert keine allgemeingültige Definition, welche durch verbindliche Standards nachhaltige Investments qua definitionem als solche abgrenzt, es dreht sich jedoch alles um den zusätzlichen vierten Aspekt: Die Berücksichtigung von außerökonomischen Wertemaßstäben bei der Beurteilung einer Geldanlage. 45 Dabei reicht zumindest das theoretische Vorhandensein einer Chance auf nicht-finanziellen Erfolg (egal ob ethisch, ökologischer oder sozialer Art) schon aus. Eine nachhaltige Geldanlage kann als solche rückblickend nicht entwertet werden, sollte sich herausstellen, dass die außerökonomischen Zielsetzungen nicht erreicht wurden. 46
Aus der Fülle unzähliger Fachausdrücke, die inhaltlich das Gleiche implizieren, hat sich der Autor für die vorliegende Arbeit für die Terminologie ‚Nachhaltige Geldanlagen’ entschieden. Diese ist die in Deutschland am meisten verwendete Begrifflichkeit und besitzt zudem die größte Objektivität. Im amerikanischen Raum spricht man in der Regel von ‚Socially Responsible Investments’, während man sich im angelsächsischen Raum meist dem Begriff ‚Ethical Investments’ bedient. 47
2.2 Historie
Wer glaubt, nachhaltige Geldanlagen seien erst in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten entstanden, der irrt. Die Ursprünge reichen zurück bis in die griechische Antike, in der bereits der Philosoph Aristoteles die Untrennbarkeit von Wirtschaft und Ethik erkannte und gemeinsam mit der Politik die Grundlagen der praktischen Philosophie entwickelte. 48 Weitere Ansätze sozialen bzw. ethischen Handelns sind darüber hinaus zu Beginn unserer
45 Vgl. Faust/Scholz (2008), S.141 und Werner (2009), S.31.
46 Vgl. Werner (2009), S.31.
47 Bezeichnungen wie ökologische Investments oder auch ethische Geldanlagen implizieren
schon allein durch ihren Namen immer einen speziellen Schwerpunkt, während der Begriff
nachhaltig das ganze Spektrum von ökologisch, gesellschaftlich-verantwortlich bis unterneh-
mens-ethisch und sozial mit einschließt.
48 Vgl. Werner (2009), S.27.
Zeitrechnung vor mehr als 2000 Jahren erkennbar: 49 „Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben.“ 50 Im 18.Jhdt. zogen sich die Quäker 51 aus religiösen Motiven aus dem Geschäft mit dem Sklavenhandel zurück, da sie jede Betätigung in diesem Bereich für unvereinbar mit ihren Glaubensprinzipien hielten. 52 Mit dem ‚Pioneer Fund’ wurde 1928 von der Glaubensgemeinschaft der Methodisten in den USA der erste Ethikfonds aufgelegt. Ziel war der Ausschluss sämtlicher sog. ‚Sin Stocks’, also Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit Tabak, Alkohol oder Glücksspiel verdienten. 53 Die nächste Etappe in der Geschichte nachhaltiger Geldanlagen sind die 60er Jahre des letzten Jhdts., insbesondere die Zeit des Vietnam-Krieges. Im Zuge der an Gewicht gewinnenden ökologischen und pazifistischen Bewegungen versuchten Tausende von Kleinaktionären, Einfluss auf die Geschäftspolitik des US-Chemie-Konzerns Dow Chemical zu nehmen, da dieser Napalm für den Vietnam-Krieg produzierte. Durch
Massendemonstrationen und dem Aufruf zum internationalen Boykott verlor der Konzern rasch an öffentlichem Ansehen. Viele Anleger verkauften im Zuge dessen ihre Anteile und der Aktienkurs fiel merklich. 54 Als Folge des Vietnam- Kriegeswurde 1971 der ‚World Pax Fund’ aufgelegt, dessen Vermögen nur in Unternehmen investiert wurde, die nicht in der Waffen- und Rüstungsindustrie aktiv waren. 55 Ein anderes Beispiel für die Wirksamkeit von gesellschaftspolitischem Engagement, das das Interesse ethischer Investoren auf sich zog, war die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika in den späten 1970ern. Mit Hilfe der sog. ‚Shareholder-Advocacy’ 56 kauften vor allem US-Banken Aktien von Unternehmen, die geschäftliche Beziehungen zum südafrikanischen Regime unterhielten. Durch Ausübung der erworbenen Aktienstimmrechte auf den Hauptversammlungen konnte man medienwirksam
49 Vgl. Osthoff (2008), S.10.
50 Aus der heiligen Schrift (1981), S.166 nach Levitikus 25, 36-37.
51 Bei den ‚Quäkern’ handelt es sich um eine im 17. Jhdt. in England gegründete evangelisch-
puritanischeGlaubensgemeinschaft, vgl. Wahrig (2006), S.1184-1185.
52 Vgl. Broadhurst/Watson/Marshall (2003), S.XII.
53 Vgl. Rotthaus (2009), S.40 und Schneider (2006), S.120-121.
54 Vgl. Weber (2001), S.12 und Werner (2009), S.28.
55 Vgl. Rotthaus (2009), S.41.
56 Das Instrumentarium des Protest-Engagements hat sich gehalten und findet unter der Be-
zeichnung ‚Kritische Aktionäre’ bis heute in den USA und Europa Anwendung.
Arbeit zitieren:
Mario Rothenbücher, 2010, Nachhaltige Geldanlagen, München, GRIN Verlag GmbH
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