Vorwort
Yoga gewinnt mehr und mehr in der westlichen Welt den Status eines Jungbrunnens für eine verlebte Zivilisation. Man nimmt einige Elemente aus dem Schatzkästlein der indischen Yoga-Philosophie heraus und reicht diese in unzähligen Abarten des Yoga wie eine Abendmahl-Oblate der nach mehr Sinnbefriedigung und Lebensqualität dürstenden kranken Menschheit. Die Ausübung von Yoga hat sicher unzählige Weise in Indien hervorgebracht, aber es gilt auch der Umkehrsatz: die Weisen übten den Yoga aus, weil sie weise waren. Ja, Sie haben richtig gelesen, es heißt den Yoga und nicht das Yoga oder der Yoga. In der westlichen Welt waren es viele bekannte Yogi aus Indien, die diese uralte Philosophie der Gottesverehrung nach Amerika und Europa brachten. So zum Beispiel Yogananda mit dem Kriya-Yoga oder Prabhupada mit dem Bhakti-Yoga. Aber alle hatten im Mittelpunkt ihrer Lehren die Gottesverehrung, die Demut, die Geduld, die Entsagung und die Verwirklichung des inneren Selbst. In unserer Zeit möchte die verwirrte Menschheit von allem alles haben und sieht im Yoga eine leuchtende Facette, um dem Zustand der maximalen Sinnbefriedung noch näher zu kommen. Erwartet werden bei den Kursbesuchern durch das praktizieren von Yoga, speziell dem Hatha-Yoga körperliche Fitness, verbesserte Gesundheit, übersinnliche Fähigkeiten, das wecken der Schlangenkraft (Kundalini), die Aufgabe schädlicher Angewohnheiten und vielleicht ganz am Ende der Wunschkette, vielleicht auch einwenig ein besserer Mensch zu werden. Aber auch nur vielleicht! Gleichwohl, welches Ziel die Lehrenden und die Schüler verfolgen mögen, so gibt es doch einige wesentliche Elemente im Yoga die unzweifelhaft vorteilig sind für den der diese kennt und ausübt. Ein äußerst wichtiger Stützpfeiler unseres Seins, wenn nicht gar der wichtigste ist die Atmung. Ohne Atmung gibt es kein Leben für
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uns Menschen. Das materielle Leben unseres Körpers ist auf die Atemluft angewiesen. Unser Leben beginnt mit einem befreienden Schrei der unsere Atemwege vom Schleim „befreit“ und endet mit einem Seufzer des letzten Atemzuges. Die Yogi wussten um die Wichtigkeit des Atmens und kennen viele geheime Techniken sich damit das materielle Leben des Körpers zu verlängern. Im Yoga werden davon einige Techniken verwendet, die als Pranayama bekannt sind. Prana ist Sanskrit und bedeutet Lebensluft oder Lebenselexier. Yama bedeutet in diesem Sinn soviel wie Regel oder Vorschrift (in anderer Weise stet dieses Wort für den Halbgott des Todes Yama), also ein „geregeltes Atmen der Lebensluft“. In dieser Broschüre erfahren Sie mehr über das Geheimnis der yogischen Atmung, die das materielle Leben unter bestimmten Bedingungen erheblich verlängern könnte. Vielleicht auch das Ihre, probieren Sie es aus!
Atemluft und Luftarten im Körper
Über die Wirkungsweise und die Arten der Lebensluft im Körper geben uns die Veden im „Srimad Bhagatavam“ eine gründliche Auskunft. Diese Antwort unterscheidet sich grundlegend vom Wissen unserer Medizin, die lediglich ein -und ausatmen in die Lunge kennt. „...und die Schlange, welche als fünfköpfig beschrieben wurde, ist die Lebensluft, die innerhalb der fünf Zirkulationsvorgänge wirkt. Die Lebewesen sind mit der Lebensluft verschmolzen, die zum Zwecke der Zirkulation auf verschiedene Weise wirkt. Es gibt Prana (Lebensenerige), Apana (verantwortlich für Ausscheidung, Sexualität und Menstruation), Udana (Hauptsitz in der Kehle), Vyana (verantwortlich für den Blutkreislauf) und Samana (Verdauungsfeuer) und weil die Lebensluft auf diese fünffache Weise funkti-
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oniert, wird sie mit einer fünfköpfigen Schlange verglichen. Die Seele bewegt sich durch den Kundalini-Chakra, so wie eine Schlange auf dem Boden entlang kriecht.“ 1 In begeisterten Worten beschrieb der große Yogi und indische Arzt, Swami Sivananda (1987-1963) die Wirkungsweise der pranischen Atmung wie folgt: „Durch Prana (Lebensenergie) leben die Götter, Menschen und Tiere. Prana ist wahrlich das Leben der Wesen. Deshalb nennt man es das universelle Leben oder das Leben aller. Prana ist das universelle Prinzip von Energie und Kraft. Es ist Lebenskraft. Es ist alldurchdringend. Es kann statisch oder dynamisch sein. Es findet sich in allen Formen, von den höchsten zu den niedrigsten, von der Ameise zum Elefanten, von der einzelligen Amöbe bis zum Menschen, von der Elementarform pflanzlichen Lebens zur entwickelten Form tierischen Lebens. Prana ist die Kraft auf jeder Seinsstufe, von der höchsten bis zur niedrigsten. Alles, was sich bewegt, aktiv ist oder Leben besitzt, ist nur ein Ausdruck oder eine Erscheinungsform von Prana. Das Strahlen Deiner Augen ist Prana. Durch die Kraft des Pranas hören die Ohren, sehen die Augen, fühlt die Haut, schmeckt die Zunge, riecht die Nase und erfüllen Gehirn und Verstand ihre Funktionen. Das Lächeln einer jungen Frau, die Melodie in der Musik, die Kraft in den begeisternden Worten eines Vortragenden, der Zauber in den Worten des Geliebten, all das beruht auf Prana. Feuer brennt durch Prana. Wind weht durch Prana. Flüsse fließen durch Prana. Das Flugzeug bewegt sich in der Luft durch Prana. Züge und Autos bewegen sich durch Prana. Radiowellen werden durch Prana übertragen. Prana ist Elektron. Prana ist Kraft. Prana ist Magnetismus. Prana ist Elektrizität. Prana pumpt das Blut vom Herzen in die Arterien oder Blutgefäße. Prana verdaut, scheidet aus und sondert ab. Prana kommt zur Anwendung beim Denken, Wollen,
1 vgl. Prabhupada, Shrila: Srimad Bhagavatam, vierter Canto, zweiter Teil, The Bhakti-Vedanta Book
Trust 1984, S. 569
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Handeln, Bewegen, Sprechen, Schreiben usw. Ein gesunder starker Mensch hat viel Prana, Nervenkraft, Vitalität. Das Prana wird aufgenommen durch Nahrung, Wasser, Luft, Sonnenenergie usw. Die Prana-versorgung erfolgt durch das Nervensystem. Das Prana wird durch die Atmung aufgenommen. Der Pranaüberschuß speichert sich im Gehirn und in den Nervenzentren. Wenn die Sexualkraft umgewandelt oder sublimiert wird, versorgt sie das System mit einem großen Maß an Prana. Es wird im Gehirn in der Form von Ojas (spirituelle Energie) gespeichert. Ojas ist nichts andqres als Prana. Der Yogi speichert ein Übermaß an Prana durch regelmäßige Praxis von Pranayama, so wie eine Speicherbatterie Elektrizität speichert. Der Yogi, der viel Prana gespeichert hat, strahlt Stärke und Vitalität aus. Er ist ein starkes Kraftwerk. Wer mit ihm in nahen Kontakt kommt, nimmt von ihm Prana, Stärke, Kraft, Vitalität und Frohsinn auf. So wie Wasser aus einem Gefäß in ein anderes fließt, fließt Prana tatsächlich wie ein ständiger Fluss von einem entwickelten Yogi zu einem schwachen Menschen. Das alles kann der Yogi tatsächlich sehen, der seine innere yogische Sicht entwickelt hat.“ 2
2 vgl. Sivananda, Swami: Göttliche Wonne, Ausgabe 1996, Yoga Viydia Verlag, Frankfurt a.M.,
S. 247
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Arbeit zitieren:
Diplom-Ingenieur Bernd Staudte, 2010, Atemtechniken der Yogis, München, GRIN Verlag GmbH
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