Inhaltsverzeichnis
1. VIETNAM - DER BEGINN DER MEDIALEN MANIPULATION 3
2.(RATIONALISTISCHE) LIBERALE AUßENPOLITIKTHEORIE (LT) 4
3. MESSKRITERIEN DER ÖFFENTLICHEN MEINUNG 6
4. VERLAUF DER ÖFFENTLICHEN MEINUNG WÄHREND DES VIETNAMKRIEGES 6
5. ERKLÄRUNGSKRAFT DER (RATIONALISTISCHEN) LIBERALEN AUßENPOLITIKTHEORIE
(LT) 15
6. FAZIT: 17
ABBILDUNGSVERZEICHNIS : 19
LITERATURVERZEICHNIS : 20
INTERNETQUELLEN: 22
2
1. Vietnam - der Beginn der medialen Manipulation
Der Vietnamkrieg (1964-1973) gilt als erster Krieg, der im Fernsehen gezeigt und journalistisch stark begleitet wurde 1 . Das Fernsehen war sehr mächtig 2 und politisierte die amerikanische Bevölkerung 3 . Seit den 60-er Jahren ist in den USA eine Mediendemokratie entstanden 4 . Mediendemokratie bedeutet, dass in modernen Demokratien die Medien eine entscheidende Rolle innehaben und politische Akteure das mediale System verfolgen 5 . Aufgrund dieser Medienpräsenz stellt sich die Frage, ob und wie die beiden US-Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon die Medien im Vietnamkrieg nutzten und wie und warum sich die öffentliche Meinung während des Vietnamkrieges änderte. Medien als „Mittler und Vermittler, derer man sich bedient, um anderen etwas mitzuteilen“ 6 werden immer als Massenmedien angesehen. Zu den Massenmedien gehören Radio, Fernsehen und Druckpresse 7 , deren Aufgabe es ist, einem verbreiteten Publikum Informationen zugänglich zu machen 8 .
Dabei werden Medienwirkungsmodelle nach Jan Kleinnijenhuis und Ewald M. Rietberg unterschieden: das top-down Modell (die politischen Akteure geben nur die Informationen, die sie verbreitet haben wollen, an die Medien weiter), Mediokratie- Modell (Massenmedien beeinflussen die Öffentlichkeit und damit die Politik) und das bottom-up Modell (die Bevölkerung beeinflusst mittels der Medien (in)direkt die politische Agenda) 9 . Die (rationalistische) liberale Außenpolitiktheorie (LT) soll in dieser Hausarbeit die Theorie der internationalen Beziehungen sein, die zu Beginn erklärt wird. Im Hauptteil wird die öffentliche Meinung anhand von Meinungsumfragen, Wahlergebnissen, gesellschaftlichen Ereignissen, der Kriegsopferzahl sowie der Kriegsdauer während des Vietnamkrieges beobachtet und ausgewertet. Abschließend wird mittels der LT der Verlauf der öffentlichen Meinung in dieser Zeit erklärt, und es wird ein Ausblick gegeben.
1 vgl. Greiner, Bernd: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. Hamburg 2007, S. 12
2 vgl. Lake, Anthony (Hrsg.): The Vietnam legacy, New York 1976, S. 48
3 vgl. Ebd., S. 49
4 vgl. Hils, Jochen: Manipuliertes Volk? Mediendemokratie und die militärische Interventionspolitik der USA
am Beispiel der Kosovokriege, Baden-Baden 2007, S. 34
5 vgl. Das Parlament: Rusconi, Gian Enrico: Die Mediendemokratie und ihre Grenzen - am Beispiel von
Berlusconis Italien, in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 35-36 / 23.08.2004 Beilage von „Das Parlament“,
http://www.das-parlament.de/2004/35-36/Beilage/005.html (aufgerufen am 9.9.2009)
6 Döhn, Lothar/ Klöckner, Klaus: Medienlexikon. Kommunikation in Gesellschaft und Staat. Baden-Baden 1979,
S. 7
7 vgl. Ebd.
8 vgl. Maletzke, Gerhard: Grundbegriffe der Massenkommunikation unter besonderer Berücksichtigung des
Fernsehens. München 1964, S. 35
9 vgl. Alemann, Ulrich von: Parteien und Medien, in: Gabriel, Oskar W./ Niedermayer, Oskar/ Stöss, Richard
(Hrsg.): Parteiendemokratie in Deutschland, Bonn 1997, S. 478-494 (479f.)
3
2.(Rationalistische) liberale Außenpolitiktheorie (LT)
Die LT bedient sich dem „homo oeconomicus“ als Akteursmodell 10 (ein rational denkender und handelnder Eigennutzenmaximierer), der nach Andrew Moravcsik „risikoavers“ 11 ist. Er entscheidet sich nur für den Krieg, wenn für ihn sein Nutzen größer ist als die Kosten. Die Gesamtheit aller erwachsenen Individuen stellen die erste Grundannahme (gesellschaftliche Individuen und Interessengruppen) dar 12 . Die zweite Grundannahme setzt sich aus dem Staat, der repräsentiert, und den repräsentativen Institutionen zusammen 13 . Die Massenmedien übernehmen dabei die Rolle des Mittlers, der Informationen zwischen den einzelnen Akteuren transportiert (siehe Abb. 1). Da der homo oeconomicus über vollständige Informationen verfügen sollte, ist er auf die Massenmedien angewiesen 14 . Der Einbezug der Massenmedien erfordert ein erweitertes Modell der liberalen Außenpolitiktheorie. Daher ergibt sich die erweiterte erste Grundannahme: die Präferenzbildung ist abhängig von den erhaltenen Informationen, d.h. liegen unvollständige Informationen vor, entsteht eine Kluft zwischen Grundinteressen und Akteurspräferenzen, wobei diese nur bei der Gesamtheit der nicht organisierten Individuen auftritt und nicht bei Regierung, Verwaltung und Interessengruppen. Diese verfügen über eigenständige Informationsquellen und sind nicht auf die Berichterstattung der Medien angewiesen 15 . Die dritte Grundannahme sieht den Einfluss der gesellschaftlichen Präferenzen auf das Staatsverhalten in den internationalen Beziehungen vor.
10 vgl. Schieder, Siegfried: Neuer Liberalismus, in: Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen
Beziehungen, Opladen 2003, S. 169-198 (181)
11 vgl. Hils, Jochen: Der demokratische Krieg als Folge verfälschter Präferenzbildung? Eine systematische
Formulierung des Manipulationsverdachts der liberalen Theorie der internationalen Beziehungen, in: Zeitschrift
für Internationale Beziehungen, 15:2 (Dezember 2008), S. 237-271 (241)
12 vgl. Moravcsik, Andrew: Taking Preferences Seriously. A Liberal Theory of International Politics, in:
International Organization, 51:4 (Herbst 1997), S. 513-553 (516)
13 vgl. Ebd., S. 518
14 vgl. Hils, Manipuliertes Volk?, S. 94
15 vgl. Ebd., S. 95
4
Abb. 1: Das erweiterte Außenpolitikmodell der liberalen Theorie 16 Aufgrund der Erweiterung des Modells der liberalen Außenpolitiktheorie müssen auch Faktoren wie Mediensystem, Medienberichterstattung und Medienwirkung untersucht werden 17 .
Betrachtet man die Medienwirkung, muss immer die Responsivität untersucht werden. Responsivität beschäftigt sich damit, ob Politiker die öffentliche Meinung beachten und ob die Regierung nach den Präferenzen der Bevölkerung handelt. Eine Meinungsänderung der Bevölkerung führt zu einer Kursänderung des politischen Systems 18 . Man unterscheidet zwischen 4 Typen von Responsivitäten des politischen Systems 19 :
a, authentische Responsivität: bedeutet, dass der Staat nach den authentischen Wünschen der Bevölkerung handelt, d.h. der Einfluss der öffentlichen Meinung ist hier hoch. b, blockierte Responsivität: bedeutet, dass der Staat nicht nach den authentischen Wünschen der Bevölkerung handelt, d.h. die Meinung der Öffentlichkeit spielt eine geringe Rolle. c, verfälschte Responsivität: bedeutet, dass der Staat nach den verfälschten Wünschen der Bevölkerung handelt, d.h. die Meinung der Öffentlichkeit spielt eine große Rolle. d, entkoppelte Responsivität: bedeutet, dass der Staat nicht nach den verfälschten Wünschen der Bevölkerung handelt, d.h. der Einfluss der öffentlichen Meinung ist hier gering.
16 vgl. Hils, Manipuliertes Volk?, S. 93
17 vgl. Ebd.
18 vgl. Brettschneider Frank: Responsivität, in: Greiffenhagen, Martin/ Greiffenhagen, Sylvia: Handwörterbuch
zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland (2. Auflage), Wiesbaden 2002, S. 541-546 (543)
19 vgl. Hils, Der demokratische Krieg als Folge verfälschter Präferenzbildung?, S. 247
5
Demokratiedefizite sind demnach in b, c und d zu finden, da hier die Wünsche der Öffentlichkeit entweder verfälscht sind oder gar nicht berücksichtigt werden. Für die (rationalistische) liberale Außenpolitiktheorie sind Demokratiedefizite in einer Demokratie die Ursache, dass sich eine Kriegsneigung seitens der Bevölkerung entwickeln kann. Die mediale Manipulation zählt u.a. zu diesen Demokratiedefiziten. Diese ist definiert als Manipulation, die einerseits von Seiten des Staates mittels Medien durchgeführt werden kann. Zum anderen können aber auch Medien direkt die Bevölkerung manipulieren 20 . Dadurch, dass Medienberichte Menschen emotional berühren, können Menschen auch in ihrer Meinungsbildung in eine bestimmte Richtung gelenkt werden (sog. „Emotionalisierung“) 21 .
3. Messkriterien der öffentlichen Meinung
In der vorliegenden Untersuchung der öffentlichen Meinung sollen folgende hergeleitete Kriterien der Beurteilung dienen:
a, Unterstützt die mediale Kriegsberichtserstattung das Handeln der Regierung? b, Wie enden die Präsidentschaftswahlen 1968 und 1972? Gibt es Änderungen im Wahlverhalten der Bevölkerung?
c, Gibt es gesellschaftliche Ereignisse, die die öffentliche Meinung beeinflussen? d, Wie verändert sich die öffentliche Meinung in Bezug zur Kriegsopferzahl und zur Kriegsdauer?
4. Verlauf der öffentlichen Meinung während des Vietnamkrieges
a, Unterstützt die mediale Kriegsberichtserstattung das Handeln der Regierung? Um den Krieg mit Vietnam beginnen zu können, behauptete Präsident Johnson, dass der amerikanische US-Zerstörer „Maddox“ von nordvietnamesischen Patrouillenbooten zweimal angegriffen wurde 22 . Die „Golf-von-Tonkin-Resolution“ ermächtigte Johnson 1964, in den Krieg mit Vietnam zu treten. Erst 1971 wurde Johnsons Behauptung durch die Pentagon Papers 23 als Lüge entlarvt, um den Krieg beginnen zu können 24 .
20 vgl. Ebd., S. 237
21 vgl. Czempiel, Ernst-Otto 1996: Theorie und Strategie. Überlegungen nach Hajo Schmidts. Kommentar, in:
Zeitschrift für Internationale Beziehungen, 3: l (Juni 1996), S. 117-121 (119f.)
22 vgl. Scholl-Latour, Peter: Der Tod im Reisfeld. Dreißig Jahre Krieg in Indochina. Stuttgart 1980, S. 382
23 vgl. Kleinsteuber, Hans: „Pressefreiheit in den USA - Zwischen Marketplace of Ideas und The People´s Right
to Know”, in: Langenbucher, Wolfgang R. (Hrsg).: Die Kommunikationsfreiheit der Gesellschaft. Die
demokratischen Funktionen eines Grundrechts (Publizistik, Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung
Sonderheft 4/2003), Wiesbaden 2003, S. 72-95 (81f.)
24 vgl. Shapiro, Robert Y. / Nacos, Brigitte L. / Isernia, Pierangelo: Decisionmaking in a glass house : mass
media, public opinion, and American and European foreign policy in the 21st century, Lanham (Maryland) 2000,
S. 79
6
Arbeit zitieren:
Haike Blinn, 2009, Wie und warum änderte sich die Kriegsneigung der amerikanischen öffentlichen Meinung während des Vietnamkrieges?, München, GRIN Verlag GmbH
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