Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 3
2.1 Definition und Klassifikation 3
2.2 Komorbiditäten 7
2.3 Diagnostik 8
2.3.1 Differenzialdiagnostik 9
2.4 Epidemiologie. 9
2.5 Verlauf und Prognose 11
2.6 Ätiologie 13
2.6.1 Risiko- und Schutzfaktoren 14
2.6.2 Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren 15
2.6.3 Ätiologiemodelle. 18
3 Grundlagen der Resilienz 23
3.1 Definition und Merkmale 23
3.2 Exkurs: Antonovskys Modell der Salutogenese 25
3.2.1 Modelle mit salutogenetischem Ansatz. 25
3.2.1.1 Das Konzept „Sense of Coherence“ 25
3.2.1.2 Das Konzept „Hardiness“ 26
3.3 Entwicklung der Resilienzforschung 27
3.3.1 Studien der Risiko- und Resilienzforschung 29
3.3.1.1 Die „Kauai- Längsschnittstudie“ 29
3.3.1.2 Die „Mannheimer Risikokinderstudie“ 31
3.3.1.3 Die „Bielefelder Invulnerabilitätsstudie“ 32
3.4 Charakteristika des Resilienzkonzepts 33
3.4.1 „Resilienz ist ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess“ 33
3.4.2 „Resilienz ist eine variable Größe“ 34
3.4.3 „Resilienz ist situationsspezifisch und multidimensional“ 35
Inhaltsverzeichnis II
3.5 Das Risiko- und das Schutzfaktorenkonzept 35
3.5.1 Das Risikofaktorenkonzept 35
3.5.2 Das Schutzfaktorenkonzept 39
3.5.3 Wirkprozesse und Mechanismen 42
3.5.4 Resilienzmodelle 44
3.6 Resilienzfaktoren - personale Ressourcen des Kindes. 49
4 Fragestellung 51
5 Resilienzförderung im Kontext der Prävention der Störung des Sozialverhaltens 52
5.1 Notwendigkeit von Prävention. 52
5.2 Ziele, Ebenen und Strategien. 53
5.3 Forschungsstand zur Prävention der Störung des Sozialverhaltens 57
5.4 Ansatzpunkte 57
5.4.1 Resilienzförderung auf der individuellen Ebene. 58
5.4.1.1 Förderung der Resilienzfaktoren. 59
5.4.2 Resilienzförderung auf der Beziehungsebene 71
5.4.3 Reduktion von Aggression 75
5.5 Programmbeispiele 78
5.5.1 „FAUSTLOS- Curriculum“ 79
5.5.2 „Kinder Stärken “ 82
5.6 Anforderungen an Präventionsprogramme 86
6 Fazit und Ausblick. 88
7 Literaturverzeichnis 94
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Zweidimensonales Modell für Störungen des Sozialverhaltens
Abbildung 2: Entwicklungsmodell der Störung des Sozialverhaltens
Abbildung 3: Bio-psycho-soziales Entwicklungsmodell dissozialen Verhaltens
Abbildung 4: Entwicklungsmodell von Verhaltensstörungen und
Abbildung 5: Ursachenmodell für Störungen des Sozialverhaltens.
Abbildung 6: Kombination aus Haupteffektmodell und Stresspuffermodell
Abbildung 7: Risikoerhöhende Merkmale
Abbildung 8: Risikoerhöhende und -mildernde Bedingungen.
Abbildung 9: Rahmenmodell von Resilienz
Abbildung 10: Resilienzfaktoren
Tabellenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Prävalenz der Störung des Sozialverhaltens 10
Tabelle 2: Risiko- und Schutzfaktoren 14
Tabelle 3: Klassifikation von personalen, familiären und sozialen Schutzfaktoren 41
Tabelle 4: Steckbrief: „FAUSTLOS- Curriculum“ 79
Tabelle 5: Steckbrief „Kinder Stärken “ 83
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
AGS American Guidance Service AKF Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e. V. ALF Allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten a. M. am Main Aufl. Auflage Ausg. Ausgabe BA Bachelor of Arts Bd. Band Bde. Bände bearb. bearbeitet BGAG Berufsgenossenschaftliches Institut Arbeit und Gesundheit BRD Bundesrepublik Deutschland bspw. beispielsweise BzGA Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung bzw. beziehungsweise ca. lat.: circa (dt.: ungefähr) d die Effektgröße für Mittelwertunterschiede zw. zwei Gruppen mit gleicher Gruppengröße DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGVT Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e. V. d. h. das heißt Dr. Doktor DSM Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders Dt. Deutsche EFFEKT Entwicklungsförderung in Familien: Eltern- und Kindertraining engl. englisch erw. erweiterte et al. lat.: et alii (dt.: und andere)
Abkürzungsverzeichnis VI
etc. lat.: et cetera (dt.: und so weiter) e. V. eingetragener Verein F Medizinische Diagnoseverschlüsselung für psychische Störungen und Verhaltensstörungen f. folgende Seite ff. folgende Seiten FAGT Freiburger Anti-Gewalt-Training FoSS Förderung der Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung im Unterricht Ges. Gesellschaft gesetz. gesetzlich ggf. gegebenenfalls GM German Modification GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hrsg. Herausgeber i. Brsg. im Breisgau ICD International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems IKPL Ich kann Probleme lösen IPSY Information + psychosoziale Kompetenz = Schutz KiGa Kindergarten KiGGS Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiTa Kindertagesstätte lat. lateinisch min. Minute n Umfang der Stichprobe n. nach Nr. Nummer od. oder
Abkürzungsverzeichnis VII
ÖIF Österreichischer Integrations Fonds o. J. ohne Jahr Orig. Original RKI Robert Koch Institut PRiK Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen Prof. Professor Publ. Publikation PVU Psychologie Verlags Union S. Seite s. siehe sic. lat. so s. o. siehe oben sog. so genannte SPFH Sozialpädagogische Familienhilfe s. u. siehe unten STEP Systematic Training for Effective Parenting TR Text Revision u. und u. a. unter anderem überarb. überarbeitet URL Uniform Resource Locator UTB Uni Taschenbücher GmbH v. vom v. a. vor allem veränd. verändert vgl. vergleiche Verl. Verlag VIA Verhaltenstherapeutische Intervention zur Reduktion von Aggression
Abkürzungsverzeichnis VIII
vollst. vollständig VS Verlag Sozialwissenschaften WHO World Health Organization wuv Wien Universitätsverlag z. B. zum Beispiel zit. n. zitiert nach ZNS Zentralnervensystem ZPS Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie zw. zwischen
Einleitung 1
1 Einleitung
Wilhelm Busch beschreibt in seinem Buch „Max und Moritz“ (1865) (in Hochhuth o. J. S. 19-69) anschaulich die problematischen Verhaltensweisen seiner beiden Protagonisten, Max und Moritz, die inzwischen weltbekannte Kultfiguren sind:
„Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, Welche Max und Moritz hießen; Die anstatt durch weise Lehre Sich zum Guten zu bekehren, Oftmals noch darüber lachten Und sich heimlich lustig machten. Ja, zur Übeltätigkeit, Ja, dazu ist man bereit! Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen, Das ist freilich angenehmer Und dazu auch viel bequemer, Als in der Kirche oder Schule Festzusitzen auf dem Stuhle [...]“ (Busch 1856 S. 19).
Die von Busch in „Max und Moritz“ erzählten Handlungen deuten auf Symptome hin, welche - nach dem aktuellen Stand der Forschung - die Symptome einer Störung des Sozialverhaltens charakterisieren. Diese und andere Handlungen sind auch in der heutigen Zeit häufig bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten. Delinquente, dissoziale, aggressive und oppositionelle Verhaltensweisen werden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie unter dem Begriff Störung des Sozialverhaltens zusammengefasst (Baving 2006 S. 6; Grasmann 2009 S. 1). Kinder und Jugendliche, die ein solches Verhalten aufzeigen, unterliegen einem hohen Risiko, im Erwachsenenalter gewalttätig und kriminell zu werden, unter psychischen Problemen zu leiden oder auch eine Substanzabhängigkeit zu entwickeln (Essau & Conradt 2004 S. 11).
Einleitung 2
Die Störung des Sozialverhaltens geht mit erheblichen Problemen einher. Nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Gesellschaft. Zum einen direkt durch die Täterschaft, zum anderen indirekt durch erhebliche Kosten in der Behandlung, Betreuung und Rehabilitation, Maßnahmen in Heimen oder die Unterbringung in Gefängnissen. Verschiedene Bemühungen diesen Problemen entgegen zu wirken, führten zu entsprechenden Präventionsmaßnahmen (Lösel et al. 2006 S. 128). Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich im Wesentlichen in drei Hauptteile: Der erste Teil gibt zunächst einen systematischen Überblick über die Psychopathologie der Störungen des Sozialverhaltens.
Kinder sind verletzlich - zahlreiche Risikofaktoren können ihre Entwicklung beeinträchtigen. Manchmal können Kinder aber auch schwierige Lebenssituationen erfolgreich bewältigen. In diesem Fall spricht man von „Resilienz“. Die Kernfrage lautet: „Was macht Kinder stark?“ (Wustmann 2009 S. 14). Mit den Befunden der Resilienzforschung beschäftigt sich der zweite Teil dieser Arbeit. Daraus ergibt sich die zentrale Fragestellung: Welche Erkenntnisse und neuen Wege lassen sich aus der Resilienzforschung ableiten, die für die Prävention einer Störung des Sozialverhaltens von Bedeutung sind? Die Beantwortung dieser Frage wird im dritten Teil der Arbeit behandelt.
Resiliente Kinder haben bessere Chancen, gesellschaftliche, familiäre und individuelle Krisen erfolgreich zu bewältigen. Somit erweist sich Resilienz als Voraussetzung, dass Kinder sich selbstsicher, gesund und zu kompetenten Persönlichkeiten entwickeln können. Entscheidende Anhaltspunkte für Fördermöglichkeiten erschließt die Resilienzforschung. Kinder benötigen entsprechende Basiskompetenzen, sowie auch Unterstützungsleistungen, um trotz widriger Einflüsse und Risikobedingungen nicht zu scheitern (Wustmann 2009 S 15).
In der Präventionspraxis der Störung des Sozialverhaltens muss daher alles dafür getan werden, dass Kinder mit den zur Verfügung stehenden Mitteln tatkräftig unterstützt werden (Wustmann 2009 S. 15).
Das Ziel dieser Arbeit ist es, theoretische Möglichkeiten der Resilienzförderung aufzuzeigen. Darüber hinaus sollen bestehende Programme, die in der Praxis bereits existieren, skizziert werden. Es handelt sich dabei um präventive Maßnahmen, die entwicklungsgefährdete Kinder und Jugendliche stärken. Der Fokus liegt stets darauf, durch Prävention die Prognosen einer Störung des Sozialverhaltens zu verbessern, um letztlich die Inzidenzrate und die Prävalenzrate langfristig zu senken.
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 3
2 Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens
Die Störung des Sozialverhaltens ist eine Störung des Kindes- und Jugendalters. Im Folgenden werden relevante Merkmale der Psychopathologie thematisiert.
2.1 Definition und Klassifikation
Die Störung des Sozialverhaltens umfasst eine hohe Anzahl von unkontrollierten Verhaltensweisen (Davison et al. 2007 S. 551). Die allgemeine Symptomatik ist gekennzeichnet durch ein wiederkehrendes und anhaltendes Muster von Dissozialität, Aggressivität und aufsässigem Verhalten (Knopf & Dauer 2005 S. 111); Hartmann (1977) spricht in diesem Zusammenhang von einem persistenten Sozialversagen,ein überdauerndes Verstoßen gegen die Regeln des Zusammenlebens (Schmidt 2004 S. 67 zit. n. Hartmann). Im Extremfall umfasst die Störung schwere Verletzungen der altersentsprechenden sozialen Normen und Gesetze. Bei der Diagnosestellung ist ein Verhaltensmuster gefordert, das über „tolerierbares Verhalten“, wie leichte Regelverletzungen und jugendliche Aufmüpfigkeit, oder auch einzelne kriminelle Handlungen hinausgeht (Baving 2006 S. 6; Blanz 2002 S. 198; Boumann 2008 S. 12; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190; Knopf & Dauer 2005 S. 111f.; Lentze et al. 2007 S. 1613; Schmidt 2004 S. 115; Steinhausen 2000 S. 225). Im ICD-10 (Weltgesundheitsorganisation 2010), wird die Störung des Sozialverhaltens im Diagnoseschlüssel F91 kodiert (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190-193). Der ICD-10 beschreibt insgesamt folgende 23 Symptome: „1. für das Entwicklungsalter ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche 2. häufiges Streiten mit Erwachsenen
3. häufige aktive Verweigerung von Forderungen Erwachsener und Hinwegsetzten über Regeln
4. häufiges, offensichtlich wohl überlegtes Handeln, das andere [sic] ärgert 5. häufiges verantwortlich machen anderer [sic], für die eigenen Fehler oder eigenes Fehlverhalten
6. häufige Empfindlichkeiten oder sich belästigt fühlen durch andere [sic] 7. häufiger Ärger oder Groll 8. häufige Gehässigkeit oder Rachsucht
9. häufiges Lügen oder Brechen von Versprechen, um materielle Vorteile und Begünstigungen zu erhalten oder um Verpflichtungen zu vermeiden
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 4
10. häufiges Beginnen von körperlichen Auseinandersetzungen (außer
Geschwisterauseinandersetzungen)
11. Gebrauch von möglicherweise gefährlichen Waffen (z. B. Schlagholz, Ziegelstein, zerbrochene Flasche, Messer, Gewehr)
12. häufiges Draußenbleiben in der Dunkelheit, entgegen dem Verbot der Eltern (beginnend vor dem 13. Lebensjahr)
13. körperliche Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen (z. B. Fesseln, ein Opfer mit einem Messer oder mit Feuer verletzen) 14. Tierquälerei
15. absichtliche Zerstörung des Eigentums anderer [sic] (außer Brandstiftung) 16. absichtliches Feuerlegen mit dem Risiko oder der Absicht, ernsthaften Schaden anzurichten
17. Stehlen von Wertgegenständen ohne Konfrontation mit dem Opfer, entweder Zuhause oder außerhalb (z. B. Ladendiebstahl, Einbruch, Unterschriftenfälschung) 18. häufiges Schule schwänzen, beginnend vor dem 13. Lebensjahr 19. Weglaufen von den Eltern oder elterlichen Ersatzpersonen, mindestens zweimal oder länger als eine Nacht (außer dies geschieht zur Vermeidung körperlicher oder sexueller Misshandlung)
20. eine kriminelle Handlung, bei der das Opfer direkt angegriffen wird, (einschließlich Handtaschenraub, Erpressung, Straßenraub) 21. Zwingen einer anderen Person zu sexuellen Aktivitäten
22. häufiges Tyrannisieren anderer [sic] (z. B. absichtliches Zufügen von Schmerzen oder Verletzungen - einschließlich andauernder Einschüchterung, Quälen oder Belästigung)
23. Einbruch in Häuser, Gebäude oder Autos“ (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190f.).
Zusammenfassend nennt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (2007), neun wesentliche Leitsymptome der Störung des Sozialverhaltens:
„• deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten oder Tyrannisieren • ungewöhnlich häufige oder Schwere Wutausbrüche • Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen oder gegenüber Tieren • erhebliche Destruktivität gegen Eigentum
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 5
• Zündeln
• Stehlen • häufiges Lügen • Schule schwänzen • Weglaufen von zu Hause“
(Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 265). Jedes der oben aufgeführten Leitsymptome rechtfertigt bei schwerer Ausprägung über den Zeitraum von einem halben Jahr (nicht bei einmaligem Auftreten), die Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens (Baving 2006 S. 7; Blanz 2002 S. 198; Boumann 2008 S. 12; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 190; Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 265).
Bei der Diagnosestellung können zusätzliche Differenzierungen vorgenommen werden. Man unterscheidet den Zeitpunkt des ersten Auftretens in der Kindheit oder Adoleszenz vor oder nach dem 10. Lebensjahr (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 191). Darüber hinaus gibt es eine Unterscheidung in Untergruppen nach Schweregrad: leicht, mittelgradig oder schwer (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 192; Baving 2006 S. 7).
In der Beurteilung der Diagnosestellung sollte ebenfalls das Geschlecht, das Lebensalter sowie der jeweilige Entwicklungsstand berücksichtigt werden (Baving 2006 S. 34).
Im Wesentlichen wird eine Einteilung in die folgenden vier Untergruppen vorgenommen:
Auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens (F91.0): Hier wird auf die Beschränkung hingewiesen, die sich fast ausschließlich auf den häuslichen Rahmen und die Interaktion zwischen den Familienmitgliedern bezieht. Die Bindungen, die außerhalb der Familie bestehen, bewegen sich meistens im normalen Rahmen.
Störung des Sozialverhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen (F91.1): Diese Untergruppe beschreibt das Fehlen einer Peergroup, d. h. die Betroffenen sind unbeliebt und leben isoliert. Auch die Beziehungen zu Erwachsenen gestalten sich oftmals schwierig.
Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen (F91.2): Die Betroffenen verfügen über angemessene und auch andauernde Freundschaften (unter Ausschluss anderer dissozialer Gleichaltriger).
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 6
Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigen Verhalten (F91.3): Hierbei handelt es sich um eine leichte Form der Störung des Sozialverhaltens, die sich überwiegend bei jüngeren Kindern bemerkbar macht. Dabei werden die Gesetze und Grundrechte Anderer nicht verletzt.
(Baving 2006 S. 8; Boumann 2008 S. 12-17; Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 191-193; Steinhausen 2002 S. 215f.)
Des Weiteren sind im ICD-10 die Untergruppen Sonstige Störung des Sozialverhaltens (F91.8) und Nicht näher bezeichnete Störung des Sozialverhaltens (F91.9) aufgeführt. Hierzu finden sich jedoch keine näheren Erläuterungen (Baving 2006 S. 8). Als eine weitere Ausprägungsform kann sich die sogenannte hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (F90.1) zeigen. Hier liegen neben den Kriterien einer Störung des Sozialverhaltens ebenso Kriterien der Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung vor (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 189).
Die Kodierung F92 beinhaltet zusätzlich die Kombination eines gestörten Sozialverhaltens bei gleichzeitig gestörten Emotionen. F92.0 beschreibt die Störung des Sozialverhaltens mit depressiver Störung, F92.8 sonstige kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen und F92.9 nicht näher bezeichnete kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen (Dilling & Schulte-Markwort 2010 S. 194).
Die diagnostische Kategorie Störung des Sozialverhaltens im DSM-IV (Amerikan Psychiatric Association 1994) wird mit dem Oberbegriff „engl. disruptive behavior disorder“ beschrieben. Das DSM-IV unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen: die Störung des Sozialverhaltens „engl. conduct disorder“ und die weniger schwerwiegende Störung mit oppositionellem Trotzverhalten „engl. oppositional-defiant disorder“ (Saß 2003 S. 123-133). Das DSM-IV kategorisiert die Störung des Sozialverhaltens in vier Symptomgruppen: Aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Tieren Zerstörung von Eigentum Betrug und Diebstahl Schwere Regelverstöße
(Saß 2003 S. 123f.).
Hinsichtlich der diagnostischen Kriterien zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Klassifizierungssystemen. Müssen für die Diagnose einer „engl. conduct disorder“ laut DSM-IV insgesamt 3 Symptome vorhanden sein, so ist nach dem ICD-10 das Vorliegen eines einzigen Symptomes in außerordentlicher Ausprägung und für die
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 7
Dauer von 6 Monaten zur Diagnosestellung ausreichend (Baving 2006 S. 13). Des Weiteren kann im DSM-IV eine Differenzierung (ebenso wie im ICD-10) bezüglich des Auftretensbeginns vor oder nach dem 10. Lebensjahr sowie die Intensitätsgrade „gering“, „moderat“ oder „hoch“ in die Kodierung mit aufgenommen werden (Boumann 2008 S. 19).
Steinhausen (2002) stellt in seiner Orientierung an Frick (1993) ein zweidimensionales Modell für eine Störung des Sozialverhaltens auf.
Abbildung 1: Zweidimensonales Modell für Störungen des Sozialverhaltens
(Quelle: Steinhausen 2002 S. 211 in Orientierung an Frick et al. 1993) Das Modell auf Abbildung 1 berücksichtigt die Dimensionen des offen versus verdeckten Verhaltens sowie des destruktiven versus nicht destruktiven Verhaltens. Es beinhaltet sowohl die empirisch relevanten Merkmale der Störung des Sozialverhaltens, als auch die Merkmale, die für die Praxis wichtig sind (Steinhausen 2002 S. 211f.).
Gegenstand dieser Bachelorarbeit sind alle Störungen des Sozialverhaltens nach ICD-10 (die entsprechenden diagnostischen Kategorien F90.1, F91 mit den genannten Untergruppen und F92) und auch die zwei Formen „engl. conduct disorder“ und „engl. oppositional-defiant disorder“ nach dem DSM-IV. In Bezug auf den Präventionskontext sind auch diejenigen Merkmale der Störung des Sozialverhaltens zu berücksichtigen, die noch nicht den entsprechenden Diagnosekriterien gerecht werden, aber Verhaltensrichtungen aufzeigen, wie sie aus Abbildung 1 ersichtlich werden.
2.2 Komorbiditäten
Häufig stehen psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter mit anderen Schwierigkeiten im Zusammenhang. Bei Betroffenen mit einer Störung des
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 8
Sozialverhaltens sind durchschnittlich zwei bis drei diagnostizierbare psychische Störungen vorhanden. (Diese Aussage bezieht sich auf Betroffene, die in eine psychiatrische Behandlung kommen) (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 143 zit. n. Essau 2003). Komorbiditäten bei der Störung des Sozialverhaltens sind bei 50% der Betroffenen Formen der hyperkinetischen Störung (F90.1). Weiter können im Jugendalter bei 20% der Fälle jegliche Arten von Substanzmissbrauch (F1) auftreten. In manchen Fällen zeigen sich auch depressive Störungen (F92) (Boumann 2008 S. 23-27). Darüber hinaus können Phobische oder Angststörungen (F92) komorbid auftreten (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 269). Bei 40% der Betroffenen wird beim Übergang ins Erwachsenenalter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung (F.60.2) beschrieben (Boumann 2008 S. 25). Neben den eben beschriebenen Komorbiditäten gibt es noch viele weitere kritische Begleitphänomene. Dazu gehören z. B. Probleme im Bereich der Schule bspw. Leistungsprobleme, Klassenwiederholung, Ausgrenzung aus der
Klassengemeinschaft, Schulabbruch. Ferner treten Strafanfälligkeiten, die Tendenz zum Risikoverhalten, die Neigung zu Unfällen und frühe sexuelle Aktivitäten mit promisken Zügen auf (Boumann 2008 S. 27f.). Auch zeigen sich erhebliche Entwicklungsverzögerungen und ein Somatisierungsverhalten als
Vermeidungsverhalten bei sozialen Anforderungen (Boumann 2008 S. 28 zit. n. Fend 2001).
2.3 Diagnostik
Im Rahmen der Diagnostik werden die oben (s. Kapitel 2.1) angesprochene Problembereiche sorgfältig eruiert (Schmidt 1999 S. 215). Die Symptomatik wird mittels Interviews mit dem Kind/Jugendlichen und den Eltern erfragt. Darüber hinaus wird die Qualität der Familien- und der Peerbeziehungen ergründet. Beim Betroffenen wird auch das Freizeitverhalten, insbesondere gewaltbezogene Computerspiele, die bestraften Delinquenzen und Dunkelfelddelinquenzen, der Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum, die sexuelle Entwicklung und das Selbstbild erfragt. Bei den Eltern wird der Umgang mit Problemen, die familiären Ressourcen (Stress, sozioökonomischer Status, soziale Integration/Isolation), die elterlichen Erziehungsmethoden (Inkonsistenz, Gewährenlassen, Vernachlässigung,
Grenzsetzung, Strenge), der Umgang mit Aggression von Seiten des Kindes/Jugendlichen sowie Konfliktlösestrategien ermittelt (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 267f.).
Einen weiteren zentralen Teilbereich stellt die Erfragung der Entwicklungsgeschichte dar (Steinhausen 2002 S. 216). Hier werden möglicherweise relevante Aspekte, wie z. B. die pränatale Geburtsanamnese (insbesondere der mütterliche Alkohol- und Drogenmissbrauch), oder auch mütterliche Infektionserkrankungen erfasst. Weiter gilt
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 9
es, die Einnahme von Medikamenten, die medizinische Vorgeschichte (insbesondere ZNS- Beeinträchtigungen), bereits erlebte Erfahrungen bezüglich körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch, die Familiengeschichte in Bezug auf den Stieffamilienstatus, Adoption, Unterbringung in Pflegeheimen oder Heimen zu erfragen. Darüber hinaus ist es notwendig die Ausbildung von Gewissen und Schuldgefühl zu ermitteln sowie die Schullaufbahn und die Entwicklung etwaiger schulischer Leistungsschwierigkeiten zu betrachten (Dt. Ges. für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007 S. 267f.).
2.3.1 Differenzialdiagnostik
Eine differenzialdiagnostische Abgrenzung der Symptome der Störung des Sozialverhaltens ist v. a. hinsichtlich folgenden klinisch-psychiatrischer Störungsbilder erforderlich, da diese in mehreren Symptombereichen Parallelen aufweisen: Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0) Dissoziale Persönlichkeitsstörung (F60.2) Schizophrenie (F20) Manische Episode (F30) Intelligenzminderung (F7) Autistisches Syndrom (F84) Hirnorganische Psychosyndrome (F07) Impulskontrollstörung (F63) Posttraumatische Belastungsstörung ((F43.1) Anpassungsstörung (F43.2) Substanzmissbrauch (F1) Bulimia nervosa (F50.2) (Blanz 2002 S. 200).
2.4 Epidemiologie
Je nach AutorInnen und in Abhängigkeit zu den jeweiligen regionalen Unterschieden, den unterschiedlichen Terminologien, den verschiedenen Erhebungsmethoden (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 145) sowie der Altersgruppe und der Stichprobenbeziehung, variieren die Angaben zur Prävalenz (Lösel 2008 S. 2; Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 21).
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 11
(2008) zeigte sich mehr als eine Verdoppelung der Häufigkeit des Auftretens bei Störungen des Sozialverhaltens während des Untersuchungszeitraums von 1993 und 2003 (sie basieren auf Aussagen der Krankheitsdiagnostik zw. den genannten Jahren) (Boumann 2008 S. 30ff.). Bei einer Langzeituntersuchung über 20 Jahre, von Kleiber und Meixner (2000) konnte ein Anstieg der Delinquenzrate im Jugendalter an Hauptschulen festgestellt werden (S. 192). Nach Angaben der polizeilichen Kriminalstatistik ist eine deutliche Zunahme an Gewaltdelikten zu beobachten. Die Angaben zur Verurteilungsstatistik zeigen dem gegenüber nur einen geringen Anstieg (Ostendorf 2002 S. 22).
Schlussfolgernd, kann festgehalten werden, dass sich durch die Prävalenzrate die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen der Störung des Sozialverhaltens begründen lässt (so auch Beelmann 2004 S. 113).
2.5 Verlauf und Prognose
Steinhausen (2002) stellt in Orientierung an Loeber (1990) ein Entwicklungsmodell der Störungen des Sozialverhaltens auf.
Abbildung 2: Entwicklungsmodell der Störung des Sozialverhaltens
(Quelle: Steinhausen 2002 S. 212 in Orientierung an Loeber 1990)
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 12
Abbildung 2 zeigt mögliche Tendenzen des Verlaufs einer Störung des Sozialverhaltens. Dabei kann die individuelle Variation sehr unterschiedlich ausfallen (Boumann 2008 S. 33f.).
Unter den Symptomen der Störung des Sozialverhaltens zeigt die Aggressivität die geringste Neigung zu einer Rückbildung. Ein ausgeprägtes, aggressives und gewalttätiges Verhalten zeigt sich schon ab dem 5. Lebensjahr (Steinhausen 2000 S. 232). Wenn sich ein Problemverhalten einmal verfestigt hat, zeigt es sich stabil und lässt sich nur noch schwer beeinflussen (Fröhlich-Gildhoff & Abler 2006 S. 215). Die Betrachtung der Geschlechter, zeigen sich deutliche Unterschiede auf (s. Tabelle 1). Nicht nur in Bezug auf die Auftretenshäufigkeit finden sich Varianzen, sondern auch darin, wie sich das Verhalten äußert. Mädchen zeigen mehr oppositionelles Trotzverhalten, Jungen hingegen mehr aggressive und dissoziale Verhaltensweisen (Boumann 2008 S. 33f.). Dies steht in einem Zusammenhang mit dem Auftretensbeginn. Entwickelt sich die Störung im Jugendalter, zeigt sie sich oftmals weniger schwerwiegend, als wenn sie schon in der frühen Kindheit auftritt. Ein früher Beginn der Störung des Sozialverhaltens betrifft häufiger Jungen (Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2007 S. 142).
Bei den „engl. early starters“ zeigt sich die Störung bei etwa der Hälfte der Fälle relativ stabil (Lösel et al. 2006 S. 127 zit. n. Frick & Lonely 1999, Lipsey & Derzon 1998 Moffitt 1993). Es handelt sich oftmals um Intensivtäter. Später sind diese Jugendlichen für einen Großteil der „klassischen Kriminalität“ verantwortlich (Lösel 2008 S. 3 zit. n. Loeber, Farrington & Waschbusch 1998). Ein früher Störungsbeginn lässt hier in der Regel auch für die anderen psychosozialen Probleme im Erwachsenenalter schlechte Prognosen erwarten (Lösel 2008 S. 3 zit. n. Robins & Price 1991). Bei ungünstigem Störungsverlauf kommt es zu einem Auftreten weiterer Komorbiditäten und erhöht die Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung zu entwickeln steigt (Blanz 2002 S. 202; Boumann 2008 S. 34). Ebenso ist eine hohe Anzahl sowie eine schwere Ausprägung der Symptome als ungünstig zu beurteilen (Blanz 2002 S. 202; Boumann 2008 S. 34). Ein negativer Störungsverlauf ist mit einem hohen Behandlungsbedarf verbunden, der sich schwierig und auch langwierig gestaltet (Blanz 2002 S. 208). Ferner bringt die Behandlung der Störung des Sozialverhaltens erhebliche Kosten mit sich, besonders bei der Unterbringung der Betroffenen in stationären Einrichtungen, Heimen, Gefängnissen oder auch Kliniken (Lösel et al. 2006 S. 128). Dies kann pro Fall durchaus Kosten in Millionenhöhe verursachen (Lösel et al. 2010a S. 39 zit. n. Muñoz, Hutchings, Edwards, Hounsome, O´Céilleachair 2004, Forster, Prinz, Sander, Shapiro
Zur Psychopathologie der Störung des Sozialverhaltens 13
2008). Daher ist eine wirksame Prävention unter dem Aspekt des Kosten-/Nutzen-Gesichtspunktes wichtig (Lösel et al. 2010a S. 40).
Die Verhaltensauffälligkeiten verändern sich nicht, wenn nicht frühzeitig professionelle Interventionen stattfinden (Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff 2010 S. 26 zit. n. Krahè 2001, Essau & Conradt 2004). „Alles spricht dafür, frühzeitig die Risiken für Fehlentwicklungen zu vermindern“ (Lösel et al. 2006 S. 128).
2.6 Ätiologie
Die Prävalenzrate und der Verlauf bzw. die Stabilität der Störung des Sozialverhaltens führen zu der Frage, welche Ursachen und Wirkmechanismen den Entstehungsbedingungen zu Grunde liegen. Diese Ursachen genauer zu untersuchen ist nicht nur für eine Klärung ihrer Entstehungsgeschichte von Bedeutung, sondern vor allem im Hinblick auf die Gestaltung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Eine Kenntnis der Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge ist somit eine Voraussetzung für fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Präventionsmaßnahmen. Des Weiteren sind die Maßnahmen umso wirksamer, je mehr theoretisches Hintergrundwissen über die Einflussfaktoren der erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen in die Konzeption von Präventionsmaßnahmen mit einfließen (Beelmann & Raabe 2007 S. 47). In der Literatur finden sich verschiedene theoretische, empirische und konzeptionelle Veröffentlichungen, welche sich mit der Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren beschäftigen (Beelmann & Raabe 2007 S. 48 zit. n. Ciccetti & Cohen 2006a, Petermann & Scheithauer 1998, Oerter, von Hagen, Röper & Noam 1999, Sameroff, Lewis & Miller 2000, Silbereisen & Pinquart 2006).
Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Betrachtung von verschiedenen Einflussfaktoren (Baierl 2010 S.334). Damit ist eine interdisziplinäre Ausrichtung - psychologisch, biologisch, medizinisch, sozialwissenschaftlich, sowie eine Betrachtung von unterschiedlichen Ebenen der Funktion; von neurologischer Aktivität über individuelle Regulation bis hin zu gesellschaftlichen Prozessen gemeint. Weiter ist eine differenzierte Betrachtung des Funktionsbereichs des Individuums erforderlich (neurologisch, psychologisch, kognitiv emotional, behavioural). Über dynamische Anpassungs- und Entwicklungsprozesse ist ferner die Person selbst als aktiver Mitgestalter ihrer Umwelt zu betrachten (Beelmann & Raabe 2007 S. 48 zit. n. Ciccetti 2006).
Vor diesem Hintergrund ist die Betrachtung von einzelnen Einflussfaktoren nur aus der theoretischen Perspektive sinnvoll. Ein komplexes Zusammenspiel bleibt jedoch stets übergeordnet (Beelmann & Raabe 2007 S. 48).
Arbeit zitieren:
Angela Schickler, 2010, Die Bedeutung von Resilienz für die Prävention von Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag GmbH
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