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Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung

Title: Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jens Klinkicht (Author)

History - Miscellaneous
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Die Geschichte der modernen Gesellschaft ist notwendig eine Geschichte der konsequenten funktionalen Ausdifferenzierung des Gesellschaftssystems in mehrere Teilsysteme. Derartige Gebilde sind zuständig für jeweils einen gesellschaftlichen Problembereich (z.B. Wirtschaft, Politik, Religion, Recht und Kunst) der innerhalb ihrer Grenzen behandelt und gelöst werden muss bzw. soll – soweit kurz der Anspruch der Systemtheorie.
Kennzeichen für eine moderne Gesellschaft ist nun nicht die Prämisse, das eines der eben beispielhaft genannten „Funktionssysteme“ über den jeweils anderen steht (sozusagen das Leitsystem bildet), sondern jedes System seine eigene Funktion als primär behandelt (vgl. Luhmann 1987, S.34-35). Diese Teilsysteme zeichnen sich wiederum durch eine interne Ausdifferenzierung in verschiedene Subsysteme aus, welche gleichfalls auf die Ausdifferenzierung des gesamten Gesellschaftssystems (über den Austausch mit der Umwelt an der Systemgrenze) zurückschlägt und seine Struktur beeinflusst. Das bedeutet darüber hinaus eine immer weiter ansteigende Komplexität des umfassenden Sozialsystems und verlangt durch diese Veränderung(en) eine ständige und erneute Anpassung der gesellschaftlichen Teilsysteme (vgl. Luhmann 1987, S.261).
Bei diesen Prozessen haben wir es mit Interdependenzen und Wechselwirkungen, Strategien und Zielen zu tun. Auch die Sozialstruktur einer modernen Gesellschaft ist notwendigerweise differenziert, z.B. durch die Beschreibung von Klassen, Milieus, Schichten usw. Bei der Bestimmung solcher Begriffe wird unter anderem von (teilweise erheblichen) Differenzen in der Verteilung sozialer Güter ausgegangen. Derartige Gebilde entstehen allerdings nicht einfach so, sondern sind Folgen einer wechselseitigen (sich aufsummierenden) Verstärkung vieler Ungleichheiten (Bildung, Einkommen, sozialer Status, Beruf, Einfluss,…). Luhmann gebraucht für diese Beobachtung den Begriff einer „…Multidimensionalität der Ungleichheit…“ (Luhmann 1985, S.120). Nun interessiert uns an dieser Stelle aber nicht so sehr das Theoriegebäude der Systemtheorie von Luhmann, als vielmehr die Betrachtung von drei sozial entscheidenden Phänomenen (Distinktion, Lebensstil, Semiotisierung), deren Existenz, Wirken und Veränderung ebenfalls durch die Technik dramatisch an Bedeutung zugenommen hat und starken Einfluss auf gesellschaftliche Bewegungen sowie Ereignisse nimmt – damit ist das Stichwort „Technik und Alltag“ gemeint.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Begriffsklärung von Technik und Technisierung

III. Einige theoretische Implikationen zu den Begriffen Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung

3.1. Der Begriff der Distinktion

3.2. Der Begriff des Lebensstils

3.3. Der Begriff der Semiotisierung

IV. Die Stellung der Technik in Gesellschaft und Alltag

4.1. Das Automobil

4.2. Die Mode

V. Zusammenfassung und Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen der fortschreitenden Technisierung des Alltags und der sozialen Differenzierung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Technik als Katalysator wirkt, um kulturelle Möglichkeiten der Distinktion zu verstärken und damit zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beizutragen.

  • Theoretische Fundierung der Begriffe Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung.
  • Analyse des Einflusses von Technik auf die soziale Identitätsbildung.
  • Untersuchung des Automobils als Statussymbol und Instrument der Distinktion.
  • Betrachtung der Mode als Mechanismus sozialer Abgrenzung und Vergesellschaftung.

Auszug aus dem Buch

4.1. Das Automobil

Laut unserer These ist die Technisierung ein wesentlicher Prozess bei der verstärkten Herausbildung der angesprochenen sozialen Formen. Schon der Soziologe Sombart diagnostizierte zu Beginn den 20.Jahrhunderts das Aufkommen der technisierten Gesellschaft mit Begriffen wie Intensivierung des Daseins und Beschleunigung der Lebensführung. Ein Grundmerkmal dieses „neuen“ Gesellschaftstyps war die wachsende Differenz zwischen Natur und Gesellschaft, welche durch das Eindringen der Technik in den Alltag weiter vorangetrieben wurde (vgl. Kuhm 1997, S.1). Ein Ausgangspunkt in diesem Prozess der Verstärkung war zweifellos die Einführung der Fließbandarbeit von Henry Ford in den USA und die damit möglich gewordene Massenproduktion (nicht nur) des Autos, welche sich aber erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges wesentlich durchsetzte (vor allem in Europa).

Vor der massenhaften Durchsetzung war das Automobil, vor allem in den ersten Jahren der Nachkriegszeit, weitgehend ein „Luxusartikel“ (Semiotisierung) der Oberklasse, eine Möglichkeit seinen materiellen Reichtum nach außen zu zeigen (Lebensstil). In dieser Zeit ging es vorwiegend um das emotionale und soziale Prestige, was damit erreicht werden konnte und den Automobilisten vom Rest der Gesellschaft noch ein Stück mehr abhob (Distinktion) – im Sinne von Bourdieu eine Steigerung des sozialen Kapitals durch den Einsatz von ökonomischem Kapital.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Es wird die systemtheoretische Perspektive auf die moderne Gesellschaft skizziert und die These aufgestellt, dass Technik die Differenzierung sozialer Lebensstile maßgeblich beeinflusst.

II. Begriffsklärung von Technik und Technisierung: Dieses Kapitel definiert Technik nicht nur als technisches Artefakt, sondern als sozialen Prozess der zweckgerichteten Schematisierung.

III. Einige theoretische Implikationen zu den Begriffen Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung: Die theoretischen Grundlagen nach Bourdieu, Weber und Beck werden dargelegt, um das Wechselverhältnis von Individuum, Gesellschaft und Zeichensetzung zu beleuchten.

IV. Die Stellung der Technik in Gesellschaft und Alltag: Anhand der Beispiele Automobil und Mode wird illustriert, wie technische Entwicklungen als Katalysatoren für Distinktionsprozesse fungieren.

V. Zusammenfassung und Schluss: Der Autor resümiert, dass Technik als Motor sozialer Beschleunigung und Ungleichheitsreproduktion wirkt, und wirft Fragen für zukünftige Technikfolgenabschätzungen auf.

Schlüsselwörter

Technisierung, Distinktion, Lebensstil, Semiotisierung, soziale Ungleichheit, Moderne Gesellschaft, Systemtheorie, Statussymbole, Automobil, Mode, Habitus, Individualisierung, soziale Differenzierung, Identität, Technikfolgenabschätzung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die zunehmende Technisierung des Alltags mit Prozessen der sozialen Differenzierung und Distinktion verknüpft ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Distinktion, Lebensstil und Semiotisierung sowie deren gegenseitige Beeinflussung durch technologische Entwicklungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung geht der Frage nach, inwieweit Technik als Katalysator wirkt, um soziale Ungleichheiten zu reproduzieren und individuelle Ausdrucksformen zu prägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte vorgenommen, die anschließend anhand von empirischen Beispielen (Automobil und Mode) illustriert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (Technik, Distinktion, Lebensstil, Semiotisierung) und die praktische Anwendung dieser Begriffe auf die Beispiele Automobil und Mode.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Technisierung, Distinktion, Lebensstil, Semiotisierung sowie soziale Ungleichheit und Statussymbole.

Welche Rolle spielt Bourdieu in der Argumentation?

Pierre Bourdieu liefert das theoretische Gerüst, insbesondere durch die Konzepte des Habitus und der Distinktion, um zu erklären, wie materielle Güter zur Abgrenzung zwischen sozialen Gruppen dienen.

Inwiefern unterscheidet sich das Automobil heute von der Nachkriegszeit?

Während das Automobil in der frühen Nachkriegszeit primär ein exklusiver Luxusartikel zur Demonstration ökonomischen Kapitals war, hat es sich heute zu einem notwendigen, aber hochgradig differenzierten Statussymbol entwickelt, das im Spannungsfeld zwischen individueller Mobilität und sozialer Einordnung steht.

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Details

Title
Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung
College
Dresden Technical University  (Institut für Technikgeschichte und Technikwissenschaften)
Course
HS: Die Technisierung des Alltags
Grade
1,3
Author
Jens Klinkicht (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V16070
ISBN (eBook)
9783638210195
Language
German
Tags
Technisierung Alltags Differenzierung Konzepte Distinktion Lebensstils Semiotisierung Technisierung Alltags
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Klinkicht (Author), 2003, Die Technisierung des Alltags und die damit einhergehende Differenzierung - die Konzepte der Distinktion, des Lebensstils und der Semiotisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16070
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