I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Gesellschaftliche Rollenerwartungen an die Arzt-Patient-Beziehung 1
2.1 Rolle des Arztes. 2
2.2 Rolle des Patienten 3
3. Einflussfaktoren auf die Arzt-Patient-Beziehung. 4
3.1 Asymmetrische Beziehung 4
3.2 Information und Kommunikation. 5
4. Gegenwart und zukünftige Entwicklung des Arzt-Patient-Verhältnis 6
4.1 Verringerung der Asymmetrie. 7
4.2 Verkürzung des Informationsvorsprung. 9
5. Fazit 10
Literaturverzeichnis I
1
1. Einleitung
Betrachtet man das Arzt-Patient-Verhältnis in der heutigen Zeit, so stößt man vermehrt auf den Begriff des informierten Patienten. Wie ist dieser Begriff einzuordnen? Die richtige Charakterisierung des Arzt-Patient-Verhältnisses fällt seit jeher schwer. In der heutigen Zeit des umsatzstarken Absatzmarktes des Gesundheitswesens steht jedoch die Frage nach der optimalen Arzt-Patient-Beziehung im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Beziehung gilt als zentrales Handlungsfeld im Gesundheitssystem und befindet sich seit Jahren im Wandel. Die von Parsons beschriebenen Rollenerwartungen an beide Parteien sind als Idealfall anzusehen. Im Falle der Arzt-Patienten-Beziehung wird demnach deutlich, wem welche gesellschaftliche Rolle zukommt. Das bedeutet, dass der Arzt über ein bestimmtes Expertenwissen verfügt, während der Patient die Rolle des Laien anzunehmen hat. Aber ist das in der heutigen Zeit der weltweiten Information und Kommunikation durch Medien und Internet noch immer aktuell? Oder findet aufgrund genannter Veränderungen ein Wandel der Patientenrolle statt? Welche Rolle nimmt der informierte Patient ein? Verkörpert er die logische Weiterentwicklung und verringert somit den Abstand zwischen Arzt und Patienten? Und welche Auswirkungen hat diese neue Rolle auf das bestehende Arzt-Patient-Verhältnis?
Dies gilt es in der folgenden Arbeit näher zu betrachten. Nach einer differenzierten Betrachtung der einzelnen Rollen basierend auf den Annahmen von Parsons erfolgt eine gegenwärtige Darstellung der Situation, in der kritische Aspekte aus soziologischer Sicht näher betrachtet werden. Ob die Annahmen Parsons heute noch zutreffen und wie die zukünftige Entwicklung der Arzt-Patient-Beziehung aussieht, wird im letzten Punkt der Arbeit vorgestellt.
2. Gesellschaftliche Rollenerwartungen an die Arzt-Patient-Beziehung
An die Arzt-Patient-Beziehung werden bestimmte verhaltensorientierte Voraussetzungen geknüpft, die ein ideales Verhältnis darstellen sollen.
Der Arzt versteht das Problem des Patienten, kann es medizinisch beschreiben und gelangt gegebenenfalls zu klaren Therapieoptionen. Der Patient fühlt sich mit seinem Problem vom Arzt verstanden. Er versteht den vorgeschlagenen Therapieansatz. Er beteiligt sich aktiv an der Therapie, weil er sich davon die Lösung verspricht. Dieser Idealfall wird auch mit dem Begriff Compliance beschrieben. Compliance bedeutet die Bereitschaft eines Patienten, den
2
Rat des Arztes zu befolgen. Das bedeutet, der Patient befolgt sämtliche Anweisungen seitens des behandelten Arztes. 1 Doch die Realität sieht meist anders aus und so wird eine so genannte „Non-Comliance“, die verweigerte Kooperationsbereitschaft, 2 nicht als Problem des Patienten gesehen, sondern als Problem der Arzt-Patient-Beziehung.
Um die Beziehung zwischen zwei Menschen zu untersuchen, müssen vorab die elementaren Unterschiede der beiden Teilnehmer erläutert und näher betrachtet werden. Nach Parsons Rollentheorie werden den beiden Parteien, dem Arzt sowie dem Patienten, ein bestimmtes Verhalten in Form von Rollen zugetragen. Den Rollenträgern sind demnach bestimmte Verhaltensmuster (pattern variables) zugeteilt.
2.1 Rolle des Arztes
Die ersten gesellschaftlich verankerten Pflichten eines Arztes erhält er durch das Genfer Ärztegelöbnis aus dem Jahre 1948. Dies besagt, dass der Arzt nach folgenden Prinzipien zu handeln hat: 3
• Wohl des Kranken
• Würde des Menschen
• Erhaltung des Lebens
• Abwendung von Schaden
• Vertrauenswürdigkeit.
Diese Prinzipien sind bewusst allgemein gehalten. Parsons 4 entwickelte ähnliche Charakteristika, welche den Rollenerwartungen des Arztes gerecht werden sollen. Seiner Meinung nach verkörpern vier idealtypische charakteristische Merkmale die Arztrolle. Als ersten Punkt nennt er die fachliche Kompetenz und funktionale Spezifität. Der Arzt erlangt sein Expertenwissen durch ein langjähriges Studium. Diese angeeignete Kompetenz veranlagt ihn dazu zu entscheiden, ob ein Patient krank ist oder nicht, und überträgt ihm somit das Recht zur Behandlung und Krankschreibung. Die funktionale Spezifität besagt, dass der Arzt
1 Vgl. Kruse 1996, S. 92.
2 Vgl. Kulbe 2009, S. 43.
3 Vgl. Hippokrates-Netz 2010, Online.
4 Vgl. Schluchter 2009, S. 82 ff.
3
nur in dem Bereich, in dem er ausgebildet wurde, tätig sein sollte. 5 Die nächste Eigenschaft beschreibt die der emotionalen Neutralität. Es wird demnach eine objektive Herangehensweise erwartet. Gefühlsregungen oder Sympathien für einen Patienten sollte ein Arzt ausblenden können und sich voll und ganz auf die Behandlung konzentrieren. Dieses Merkmal steht eng in Verbindung mit der nächsten Eigenschaft. Der Arzt muss universalistisch agieren. Jedem Patient sollte daher mit der gleichen Würde und dem gleichen gebührenden Respekt entgegengetreten werden. Seine Hilfeleistung gilt demzufolge jedem Menschen. Der Arzt nimmt eine allparteiliche Haltung ein, unabhängig von Geschlecht, Alter oder sozialer Herkunft des Patienten. Das letzte Merkmal setzt eine kollektive Orientierung des Arztes voraus. Er arbeitet im Interesse des Allgemeinwohls und hat die moralische Verpflichtung, Patienten zu helfen. Er stellt demnach die Interessen des Patienten vor die eigenen Interessen (z. B. Bereicherung). 6
2.2 Rolle des Patienten
Nach der Zuteilung bestimmter Merkmale an die Arztrolle wurden auch Charakteristika der Krankenrolle durch Parsons entwickelt. Diese sind auf den Patienten zu übertragen und stehen in enger Verbindung mit denen des Arztes. Das eine Krankheit als Rolle angesehen wird, liegt laut Parsons an der Tatsache, dass mit dem Beginn der Erkrankung automatisch gesellschaftliche Erwartungen, hinsichtlich des Handelns des betroffenen Individuums, erwartet werden. Nach Erkennung der Krankenrolle erfolgt somit die eigentliche Wahrnehmung der Krankheit und die Erkenntnis, sich in fachmännische Behandlung zu begeben. Mit Beginn der ärztlichen Behandlung schlüpft der Patient in die so genannte Patientenrolle. 7
Die Rolle des Patienten unterteilt sich ebenso in vier Charakteristika. Der erste Punkt ist die legitimierte Befreiung von den normalen Rollenerwartungen. Diese Entbindung wird von der Gesellschaft akzeptiert. Die Legitimierung erfolgt in Form der Krankschreibung durch den behandelnden Arzt. 8 Des Weiteren wird dem Kranken keine Verantwortlichkeit für seinen Krankheitszustand zugewiesen. Die Krankheit stellt keine gesellschaftliche Regelverletzung dar und wird dem Kranken auch nicht sozial angelastet, auch wenn die Erkrankung eventuell
5 Vgl. Schön 2007, S. 71.
6 Vgl. Faller/Lang 2006 , S. 159.
7 Vgl. Kulbe 2009, S. 34.
8 Vgl. Mathe 2005, S. 183.
Arbeit zitieren:
Lucas Hirt, 2010, Der informierte Patient , München, GRIN Verlag GmbH
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