Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) „Primatstadt Paris“
3.) Die Bürostadt „La Défense“ - Symbol einer Megametropole
4.) Der Pariser Großraum - Die Region Île-de-France
5.) Schlussbetrachtung
Bibliographie
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1.) Einleitung
In der folgenden Arbeit werde ich anhand von Beispielen die Probleme des räumlichen Verdichtungsprozesses der Megametropole Paris erläutern. Ich werde mich explizit auf das Pariser Einzugsgebiet und die an der westlichen Peripherie der Pariser Innstadt gelegene Bürostadt La Défense beschränken. La Défense (Stadt der Zukunft) ist das größte Dienstleistungszentrum von Frankreich und gilt als größte und bedeutendste Bürostadt des Kontinents und ist somit ein Paradebeispiel für die dynamische Entwicklung im tertiären Sektor. Sie symbolisiert die herausragende Stellung von Paris unter den Hauptstädten Europas.
Paris´ hervorgehobener Status wird seit dem Merowinger Reich sichtbar, als sie von Chlodwig 508 n. Chr. zur Hauptstadt erhoben wurde und sich in karolingischer Zeit eine rasch wachsende Markt- u. Gewerbesiedlung etablierte. Im 13. Jh. war Paris die bevölkerungsreichste Stadt in Europa. Die erste Volkszählung von 1801 ergab, dass 546.856 Menschen in Paris lebten, was rund 2% der damaligen französischen Bevölkerung entsprach. Das Napoleonische Städtesystem (unter Napoleon I.) begünstigte Paris´ konkurrenzlose Führungsrolle und Zentralitätsfunktion aufgrund der Kontrolle aller Präfekturstädte der Provinz, deren Entwicklung somit nicht zur Entfaltung kam. Die gesamte Infrastruktur und die politischen Strukturen des französischen Zentralstaates wurden zu Gunsten der Hauptstadt ausgerichtet.
Paris als Zentrum der Region Île-de-France erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jh. durch Georges-Eugène Haussmann 1 eine radikale Umgestaltung des Stadtkerns um somit die prosperierende Bevölkerungsentwicklung bedingt durch die „Industrieellen Revolution“ und der daraus resultierenden Urbanisierung der Pariser Region bewältigen zu können. Die von Haussmann geschaffene moderne Metropole des Industriezeitalters hatte Beispielcharakter für andere Großstädte und ist mehr als 100 Jahre später die zweitgrößte Agglomeration nach London in Westeuropa. Heute ist Paris eine der tonangebenden Weltstädte in Politik, Kultur, Handel, Finanzen und Transport, denn sie ist keine gewöhnliche Hauptstadt, sonder eine „Hypercapitale“, was sich durch die überhöhte Zentralitätsfunktion begründet.
Im weiteren Verlauf werde ich versuchen aufzuzeigen, dass Paris gleichzeitig Resultat und Motor der Zentralisierung ist und das, wie schon erwähnt, speziell an dem Beispiel
1 1853-70 Präfekt von Paris unter Napoleon III.
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der Bürostadt La Défense. In dieser Arbeit werde ich auf die Verkehrsproblematik und die Schwierigkeiten in der Ver- u. Entsorgung von Grundbedarf (Grundnahrungsmittel, Strom, Müll, Wasser etc.) nicht weiter eingehen. Ebenso die Banlieues (Wohnviertel -vorwiegend Migranten aus dem sekundären Sektor) im Nord-Osten von Paris werden keine weitergehende Behandlung erfahren.
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2.) „Primatstadt Paris“
Paris liegt im Zentrum der Region Île-de-France im Norden Frankreichs und kann als Herz des Landes bezeichnet werden, aufgrund ihrer zahlreichen administrativen Funktionen die sie einnimmt. Von Paris aus werden gleichzeitig der Staat, die gesamte Provinz, die Region Île-de-France und die Metropole selbst verwaltet und koordiniert. Nördlich der Stadt, in direkter Nähe der 6 Kopfbahnhöfe und der Einmündung aller Autobahnen nach Paris, konzentrieren sich die meisten und wichtigsten Entscheidungszentren des Landes auf einer Fläche von nur 10 km 2 . Dieses Bündel von wichtigen Entscheidungsträgern spiegelt die monozentrische Stellung von Paris in Frankreich wider. Derzeitig hat das Dept. Paris (Kennziffer 75), was sich in 20 Arrondisements untergliedert, 2.166.200 Einwohner 2 , die auf einer Fläche von 105,40 km 2 leben. Die Agglomeration von Paris ist wesentlich größer mit einer Fläche von 2.723,03 km 2 und ca. 10 Mio. Einwohnern.
Im Pariser Einzugsgebiet befindet sich die größte Industrie- u. Gewerbeballung des Landes aufgrund des Dekonzentrationsvorganges der Industrie- u. Gewerbestandorte vom Innenstadtbereich in die Außenbezirke des Pariser Großraumes. Dadurch verlor das Dept. Paris zwischen 1979-1987 1.500 gewerblich-industrielle Unternehmen 3 , was die allmähliche Entleerung der Kernstadt und Abwanderung der Bevölkerung von der Innstadt in die äußeren Dept. der Île-de-France erklärt. Die Bevölkerungsverlagerung wurde weiter beschleunigt durch die gleichzeitige Fertigstellung der Villes Nouvelles. Anfang der 90er Jahre wurden 5 der neuen Städte (Cergy-Pontoise, Saint-Quentin-en-Yvelines, Evry, Melun-Sénart und Marne-la-Vallee) um Paris gleichzeitig fertig gestellt, welche die Bevölkerung immer mehr in die äußere Peripherie des Agglomerationsraumes ziehen und dadurch den Dezentralisierungsprozess der Hauptstadt begünstigen. Die Verluste im sekundären Sektor werden von der Global City durch die ständige Ausweitung im tertiären Sektor weitestgehend ausgeglichen. Das Pariser Einzugsgebiet reicht teilweise schon weit in den äußeren Ring der Île-de-France hinein und die Industrialisierungs- u. Urbanisierungszone von Paris 4 greift heute schon weit über die Grenzen der Region Île-de-France hinaus, es findet nämlich eine progressive Ausdehnung des Kernlandes auf Kosten des Umlandes statt.
2 INSEE 2005
3 Pletsch, A., Frankreich, 2. Aufl., S. 145, 2003
4 ZPIU - Zone de peuplement industriel et urbain
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Ein gigantisches Raumplanungsprojekt soll ein Gleichgewicht zwischen Paris und der Region Île-de-France sowie deren Nachbarregionen, die sich aufgrund der überhöhten Zentralitätsfunktion der Hauptstadt vernachlässigt fühlen, herstellen. Die historische Dreiteilung der Stadt (des heutigen Dept. Paris) in ville, city und université seit fränkischer Zeit, ist bis heute im Stadtbild nachvollziehbar. Im Westen von Paris befinden sich die les beaux quartiers (die schönen Viertel), wo sich entlang der Champsélysées die Monumentalbauten und Stadtpaläste aus der Zeit der Monarchie präsentieren, die mit der Zeit um Villen, großbürgerliche Appartementhäuser und grüne Parks bereichert wurden. Das heutige Regierungsviertel befindet sich ebenfalls überwiegend in diesem Stadtteil. In den „schönen Vierteln“ leben überwiegend Menschen aus der bürgerlich-intellektuellen, unternehmerischen Bevölkerungsschicht. Im Norden und Osten von Paris konzentrieren sich die Arbeiter- u. Industriebezirke, die durch die ersten Arbeiterunruhen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wegen der katastrophalen Arbeits- u. Lebensverhältnisse ihren Namen les quartiers rouges (die roten Viertel) erhielten. Die quartiers rouges beherbergen vorwiegend die Erwerbsbevölkerung des niederen Tertiären Sektors, des Handwerks und des Sekundären Sektors. Paris ist eine der migrantenreichsten Städte Europas, was auf die kolonial-geschichtliche Vergangenheit Frankreichs (Nord- u. Äquatorialafrika sowie Indochina) zurückzuführen ist und eine Schwerpunktbildung der ethnischen Gruppen in der Hauptstadt nach sich zieht. Rund 40% der ausländischen Bevölkerung im Zentralstaat Frankreich leben im Pariser Großraum, z. B. das Dept. Seine-St.-Denis (Region Île-de-France), wo eine schlechte wirtschaftliche Situation durch die dortige Altindustrie vorherrscht, ist der Konzentrationspunkt der algerischen Migranten, die eine der größten ethnischen Gruppen in Paris darstellen. Es gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in Bezug auf ihre soziale u. wirtschaftliche Integration, besonders die Migranten aus den nordafrikanischen Ländern sollen Problemgruppen darstellen. Die frz. Regierung bezeichnet diese sozial schwachen Bezirke (Banlieues) als Problemgebiete der Stadt, die sich durch die Unruhen von 2005 in der Hauptstadt anscheinend Gehör verschaffen wollten, um auf die immer weiter fortschreitende Vernachlässigung und Isolierung der Migranten in diesen Gebieten hinzuweisen.
Die räumliche Verteilung der verschiedenen Nationalitäten strukturiert sich wie folgt: In den westlichen Stadtteilen leben Spanier und Portugiesen, weil sie oft als Hausangestellte in bürgerlichen Familien angestellt sind. In den nordöstlichen Arrondisements, mit ihren schlechten Wohnbedingungen und hoher Arbeitslosigkeit, konzentrieren sich zum größten
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Arbeit zitieren:
Martin Krüger, 2009, Megametropole Paris, München, GRIN Verlag GmbH
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