1. Situative Rahmenbedingungen 3
1.1 Schulische Bedingungen 3
1.2 Allgemeine Lernvoraussetzungen der Lerngruppe und einzelner SuS 3
2. Sachanalyse 4
3. Didaktische Analyse 7
4. Tabellarischer Überblick über die Unterrichtseinheit 8
5. Prozess- und inhaltsbezogene Kompetenzen und Ziele der Un
terrichtsstunde 9
5.1 Prozessbezogene Kompetenzbereiche und prozessbezogene Kompeten
zen : 10
5.2 Inhaltsbezogene Kompetenzbereiche und inhaltsbezogene
Kompetenzen 11
6. Methodisch-Didaktische Entscheidungen 12
7. Verlaufsplanung 13
8. Literaturverzeichnis: 15
2
1. Situative Rahmenbedingungen
1.1 Schulische Bedingungen
Die gebundene Ganztagsschule SZ (mit der dazugehörenden Dependance XX) wird von ca. 700 SuS 1 in 33 Klassenverbänden besucht.
Das Umfeld der Schule zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Menschen mit Migrati-onshintergrund aus. Ein erheblicher Teil der Schülerschaft mit Migrationshintergrund hat Integrationsprobleme. Am Standort SZ ist die gymnasiale Abteilung des Schulzentrums angesiedelt. Der überwiegende Teil der Familien, die ihre Kinder an die gymnasiale Abteilung schicken, lebt in wirtschaftlich und sozial geordneten Verhältnissen und ist stark an Schule und Bildung interessiert.
1.2 Allgemeine Lernvoraussetzungen der Lerngruppe und einzelner SuS
Seit dem Schuljahre 2007/08 unterrichte ich die Klasse 5c als Klassenlehrer. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 die Fächer Deutsch, Welt-Umweltkunde und Ethik und seit der 7. Klasse die Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Biblische Geschichte (nur 2. Halbjahr). Aufgrund meiner nun dreijährigen Tätigkeit in dieser Klasse kenne ich die einzelnen Schüler/innen der Klasse sehr gut.
Die Klasse 7C besteht aus 33 SuS, davon 18 Mädchen und 15 Jungen. Am Biblischen Geschichtsunterricht nahmen in der 5. Klasse 11 SuS teil. In der 6. Klasse fiel der Biblische Geschichtsunterricht aus. Aufgrund meiner Teilnahme an der Weiterbildungsmaßnahme am RPI, konnte ich beim Direktor unseres Schulzentrums erwirken, dass ich für ein Halbjahr Biblische Geschichte in meiner Klasse unterrichten durfte. Die Lerngruppe, die diesmal Biblische Geschichte angewählt hat, besteht aus insgesamt 27 SuS. Die verbleibenden 6 SuS nehmen am zeitgleichen zu erteilenden Ethikunterricht teil. Die „Biblische Geschichtsklasse“ besteht aus 14 Jungen und 13 Mädchen. Die Religionszugehörigkeit der SuS deckt einen Großteil der Weltreligionen ab, so sind in der Klasse 7 Muslime, ein Buddhist, 2 religionslose SuS sowie 5 katholische, 16 evangelische und ein russisch-orthodoxer Christ. Das Unterrichtsklima ist in der Gruppe sehr angenehm, sodass ernsthafte persönliche Gespräche über Glaube, Ängste und Gefühle möglich sind.
Das Klassenklima ist indes ebenfalls geprägt von den unterschiedlichen Hintergründen der SuS. Auch wenn es keine offenen Feindschaften gibt, kommt es gerade im Fach Biblische
1 Den Ausdruck SuS verwende ich für Schülerinnen und Schüler.
3
Geschichte zu Missverständnissen und Verletzungen der unterschiedlichen religiösen Überzeugungen und Gefühlen.
Das religiöse Vorwissen der SuS ist sehr unterschiedlich ausgeprägt, bedingt durch die sehr heterogenen Lebenswelten. Aufgabe der Religionslehrkraft ist es daher auf die familiären und kulturellen Hintergründe und Prägungen differenziert einzugehen. Das Arbeits- und Sozialverhalten ist sehr gut und die Lern- und Arbeitsatmosphäre ist angenehm. Die Lerngruppe zeichnet sich durch eine sehr gute Unterrichtsbeteiligung und konzentrierte Mitarbeit, die von der gesamten Lerngruppe getragen wird, sowie durch ihre Offenheit und ihr Interesse für die Gegenstände und Belange des Biblischen Geschichtsunterrichts aus. Besonders stark wird der Unterricht von einer religionslosen Schülerin geprägt, die mit ihren Nachfragen und Ideen gute Impulse für ihre Mitschüler/innen setzt. Ein Schüler (P.) leidet unter dem Asperger-Syndrom - einer abgemilderten Form des Autismus. Dem Schüler ist eine qualifizierte Assistenz zur Seite gestellt, so dass bezüglich der Planung und Durchführung des Unterrichts keine speziellen Maßnahmen durch mich erforderlich sind. Im Ergebnis sind die Bedingungen für den Biblischen Geschichtsunterricht als sehr günstig anzusehen.
2. Sachanalyse
Der Homo Sapiens ist das einzige Lebewesen unter den Säugetieren, das nackt geboren ist und das Bedürfnis nach Kleidung verspürt. Die Kleidung der Menschen war immer schon vielfältig über die Jahrhunderte, entsprechend des Zeitalters, der Gewohnheiten, des Klimas, des Berufs, des Alters usw. Während es in den Gesellschaften mit indogermanischem Ursprung häufig Veränderungen bei der Kleidung gegeben hat, haben es die orientalischen Gemeinschaften vorgezogen, konservativer zu sein.
In der Religionsgeschichte besitzt der Schleier oder die Umhüllung (allgemeiner gesprochen) symbolische Bedeutung. Bei der religiösen Verschleierung muss man unterscheiden zwischen der Verschleierung aus Ehrfurcht vor Gott (vgl. Judentum, Christentum, Islam) 2 und der Verschleierung der Frau vor dem Mann als Zeichen der Zugehörigkeit.
2 Nach dem Alten Testament musste Mose nach dem Empfang der Offenbarungen am Berg Sinai sein
Haupt verhüllen, wenn er zu den Israeliten sprach (2. Mos. 34,33-35), und im Jerusalemer Tempel
war das Allerheiligste von einem Schleier bzw. Vorhang verhüllt, der bei dem Tod Jesu zerriss (Mt.
27,51).
4
Thema der Unterrichtsstunde soll die letztere Form der Verschleierung sein, die wir ebenfalls in den drei abrhamitischen Religionen antreffen. „Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.“ 3 heißt es im 2. Buch Mose. Die Tradition der Kopfbedeckung ist also nicht ein Phänomen des Islam (wie einige Menschen in der westlichen Welt annehmen), sondern schon im Judentum vorhanden sowie im Alten Orient, und von dort aus wurde sie auf das Christentum und den Islam 4 übertragen.
In einem Paulus Brief an die Korinther steht (11. Kapitel Vers 5-6) geschrieben wie eine Frau sich im Gottesdienst zu verhalten hat: „Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken.“ Heutzutage finden wir katholische Nonnen, die einen schwarzen Schleier tragen in Bezug auf die zitierte Bibelstelle. 5
In Europa wurde der Schleier im Kopftuchstreit zu einem viel diskutierten Thema. Während er von vielen Musliminnen als bewusstes Zeichen ihrer islamischen Identität verstanden wird, gilt das Kopftuch vielen Europäern als Zeichen kultureller Rückständigkeit und Frauenunterdrückung.
Im Zuge der Emanzipationsbewegung (ausgelöst durch die 68er Revolution) mutet es viele Menschen in Deutschland fremdartig an, wenn Frauen im 21. Jh. ein Kopftuch tragen. Auch die islamischen Rechtsgelehrten müssen angesichts neuer und freizügiger westlicher Moden zum ersten Mal in der Geschichte entscheiden, ob eine Verschleierung rechtskräftig in Koran und „Ahadith“ 6 begründet ist. Dabei kommen sie bei der Deutung der Suren 24,31 und 33,59
3 Gen. 24,65. Im orthodoxen Judentum bedecken verheiratete Frauen auch heute noch ihr Haar. Sie
berufen sich dabei auf Gen. 24,65, dort verschleiert sich Rebekka, die Frau Isaaks. Nach Gen
24,51 ist sie Isaak zur Frau gegeben worden. Als sie daraufhin ihrem Mann zugeführt wird, heißt
es:„Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.“ (sämtliche folgende Bibelzitate entstammen der
Lutherbibel (Standardausgabe, Stuttgart 1985)
4 In der Sure 33,53 wird den Frauen des Propheten aufgetragen, dass sie nur durch einen Vorhang mit Muhammed sprechen sollen, wenn sie ihn um einen Gegenstand bitten (vgl. (Henning, Max: Der Koran. Stuttgart 1991. S. 337-338)
5 Seit dem 4. Jh. n. Chr. verbreitet. Die Verschleierung der Nonnen steht symbolisch für die Nonne als
Braut Christi.
6 Kurz nach dem Tod Muhammeds begannen die Muslime, Berichte über einzelne Offenbarungen die
Muhammed durch den Engel Gabriel empfangen hat, zu sammeln, die einen Teil der Hadithe (der
Berichte über Muhammeds Taten und Worte) ausmachen. Die Summe dieser Überlieferungen mit
ihrem normativen Charakter bilden die Sunna des Propheten und ist somit Teil der religiösen Ge-
setze im Islam; sie ist nach dem Koran die zweite Quelle der islamischen Jurisprudenz (vgl.
5
Arbeit zitieren:
2010, Der Islam auf dem Vormarsch in Europa - Der Kopftuch-Streit in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Islam und die Offenheit für Religion in Deutschland
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Zur Kopftuchdebatte in Deutschland
Schränkt der §38 des Landessch...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 18 Seiten
Der Kopftuchstreit in Deutschland
Ein diskursanalytischer Blick ...
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Hausarbeit, 31 Seiten
Darstellung der Kopftuchaffäre in Frankreich und in Deutschland
Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Kopftuchproblematik am Beispiel 2 BvR 1436
Jura - Öffentliches Recht / Staatsrecht / Grundrechte
Seminararbeit, 34 Seiten
Strömungen im Islam: die Aleviten
Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft
Wissenschaftlicher Aufsatz, 19 Seiten
Theologie - Religion als Schulfach: Der Islam auf dem Vormarsch in Europa - Der Kopftuch-Streit in Deutschland ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Religion als Schulfach: neuer Titel erschienen: Der Islam auf dem Vormarsch in Europa - Der Kopftuch-Streit in Deutschland
Repräsentationen der islamischen Welt im Europa der Frühen Neuzeit
Gabriele Haug-Moritz, Ludolf Pelizaeus
0 Kommentare