halten, in seiner rheinischen Dependance nur die engsten Mitarbeiter um sich haben, eine einigermaßen naive Vorstellung, die auf der Grundannahme basierte, der Arbeitschwerpunkt des US-Kommissars sei die Verwaltung seiner Zone, ergänzt lediglich durch wöchentliche oder noch seltenere Spitzentreffen in der Hauptstadtregion. In der Praxis bedeutete diese Fehleinschätzung, dass McCloy, während am Rhein der Politikbetrieb anlief, im Bonner Raum für geraume Zeit nur über seinen Anteil am gemeinsamen Amtssitz der Alliierten Hohen Kommission auf dem Petersberg und das ehemalige US-Verbindungsbüro beim Parlamentarischen Rat verfügte. Erst am 28. September 1949 begann man damit, Schloss Deichmanns Aue in Bad Godesberg zu einem modernen Bürogebäude umzubauen. Aus dem geplanten Einzug im Dezember 1949 wurde nichts; McCloy konnte seinen exquisiten Dienstsitz am Rhein schließlich erst im Mai 1950 beziehen. Die eigentliche Heimat des amerikanischen Hochkommissars blieb folglich, entsprechend der gewollten Ausrichtung auf Frankfurt, noch für geraume Zeit Bad Homburg. Im Sommer 1949 hatte McCloy als Residenz von seinem Vorgänger General Clay ”Haus Hohenbuchen” übernommen, eine 1937/38 durch den Industriellen Werner Reimers errichtete zweistöckige Villa mit 14 Zimmern. Für den Hochkommissar war das Domizil die perfekte Verbindung von modernem Wohnkomfort mit der Ruhe eines weitläufigen Anwesens. "Die Lage war spektakulär, und das Haus gab mir Gelegenheit, mich vom Stress des Arbeitstages zu erholen", erinnerte er sich noch im hohen Alter an sein geliebtes "Haus im Walde". ”Draußen, vor den Fenstern des McCloyschen Hauses, hörte ich den Schritt der hin und her gehenden Wachen”, erinnert sich Eugen Gerstenmaier nach einem Besuch an die akribische Sicherung des Komplexes durch Militärpolizei und Marinesoldaten, und nur zu bald fühlte er sich ”von dem glückhaften Gefühl durchdrungen ... , dass Deutschland endlich einmal auf der richtigen Seite stehe”.
Solange die amerikanische Kommission glaubte, den Bonner Politikbetrieb von Frankfurt aus überwachen zu können, blieb ihre personelle Präsenz am Rhein bescheiden. Ende Februar 1950 residierte nur der stellvertretende Hochkommissar mit seinen Mitarbeitern in Bad Godesberg. McCloys eigenes Sekretariat umfasste weniger als 40 Leute. Die ca. 40 leitenden Mitarbeiter, die jede Woche von Frankfurt nach Bonn fuhren, blieben im Durchschnitt weniger als einen Tag. Der Hochkommissar selbst z.B. bewältigte vormittags eine Kommissionssitzung mit Adenauer auf dem Petersberg, ein ausgiebiges Mittagessen mit dem französischen Kollegen auf Schloss Ernich und anschließend ein weiteres langes Treffen des Alliierten Rates auf dem Petersberg. Er brach morgens um 6.45 Uhr in Bad Homburg auf und
ließ sich nach 20 Uhr dorthin zurückchauffieren. Drängten nach langen Gesprächen in Bad Homburg Termine in Bonn, wählte McCloy den eigenen Triebwagenzug (aus Beständen der NS-Prominenz übernommen); so konnte man unterwegs frühstücken und die durch die Nachtruhe unterbrochenen Verhandlungen fortsetzen.
Doch recht bald sollten sich die Anforderungen an die amerikanische Anwesenheit in Bonn spürbar ändern. Der westdeutsche Regierungsapparat wuchs beträchtlich. Noch übergangsweise am Main gehaltene Reste der ehemaligen Bizonenverwaltung wurden an den Rhein gezogen. Je mehr Befugnisse die Siegermächte der deutschen Seite einräumten, desto stärker wuchsen die Anforderungen an die Kontrolle. Dagegen nahmen die Aufgaben für die US-Bürokratie in den Ländern, die man besser von Frankfurt, dem Drehpunkt der Zone aus wahrnehmen konnte, tendenziell eher ab. Den entscheidenden Schub bewirkten dann die zahlreichen und intensiven Verhandlungen auf dem Weg zu einer Ablösung des Besatzungsstatuts durch vertragliche Regelungen. Die Zahl der Reisen von Frankfurt an den Rhein vervielfachte sich, die beliebte Autobahn zwischen den Taunusresidenzen und dem Bonner Regierungsviertel wurde zum ernsten Sicherheitsrisiko. Mehrere Amerikaner starben bei Verkehrsunfällen.
McCloy zeigte sich beunruhigt, und als seine Wirtschaftsabteilung beantragte, 70 bis 100 Dienstkräfte an den Rhein zu versetzen, erwog er, seinen Stab ganz oder teilweise nach Bonn zu verlegen. Seine erschrockenen Mitarbeiter nannten gute Argumente gegen einen solchen Schritt. Zwar empfand man die Möglichkeit zu informellen Kontakten mit Briten und Franzosen als verführerisch, und in vielen Fragen sah man Vorteile in einem engen räumlichen Kontakt zur Exekutive des Bundes. Dennoch kam ein Ausschuss Ende Februar 1950 zum Schluß, es sei „politisch wünschenswerter, administrativ effektiver und billiger, das US-Hauptquartier in der amerikanischen Zone zu belassen“. Selbst der Umzug des Hochkommissars mit kleinem Stab wurde wegen des befürchteten Rutschbahneffekts verworfen. Doch die Planspiele sickerten nach außen. Anfragen in Washington ließen erkennen, daß die Deutschland-Abteilung im State Department und andere Behörden einen Umzug nach Bonn favorisierten. In der US-Hochkommission blühten Spekulationen und Kaffeesatzleserei. Um die lähmende Ungewissheit zu beenden, stellte Verwaltungsdirektor Glenn C. Wolfe am 27. Oktober 1950 als Entscheidungsgrundlage für McCloy ein neues Bündel von Empfehlungen zusammen. Gegenüber der Februar-Analyse kam er zum Ergebnis, dass Entwicklungen der vorausgegangenen acht Monate die Grundlage der seinerzeit getroffenen Entscheidung verändert hätten. So habe die inzwischen erfolgte Konzentration der britischen und französischen Kräfte in der Hauptstadtregion nachweislich
Arbeit zitieren:
Dr. Helmut Vogt, 2010, Pendler zwischen Main und Rhein, München, GRIN Verlag GmbH
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