1. Einleitung
Der Propaganda wurde im Dritten Reich besonderes Interesse zugewandt. Für deren breite Massenwirkung bedienten sich die Funktionäre des Nationalsozialismus des Films, Rundfunks und Bildes. Egal in welchem Medium die Parolen des Regimes verbreitet wurde, alle diente einzig und allein dem Zweck, die deutsche Bevölkerung für die Partei und den Nationalsozialismus zu gewinnen und Gegner zu beschwichtigen bzw. von den friedlichen Absichten des Führers zu überzeugen.
Den Nationalsozialisten war dabei die Bedeutung des Sprachstils durchaus bewusst. „Sie entwickelten ausgefeilte Techniken, um mittels Propaganda die Massen zu mobilisieren, durch Einsatz und Druck ein von ihnen gewünschtes Meinungsklima zu erzeugen oder um Inhalte verzerrt darzustellen“ (Minnerup, W., 1995, S. 214). Um diese Techniken der Presse im Dritten Reich soll es im Hauptteil dieser Arbeit gehen. Zuvor wird allerdings noch ein kurzer Einblick in den Bereich der Pressesprache sowie der nationalsozialistischen Propaganda gegeben. Anschließend soll im dritten Abschnitt die Medienpolitik des Dritten Reichs dargestellt werden, wobei vor allem darauf eingegangen wird, mit welchen Methoden es den Nationalsozialisten gelungen ist, die Presse zu kontrollieren. Im nächsten Abschnitt wird das Augenmerk auf die Techniken der Presse gerichtet, wobei nicht nur auf die direkte Sprache anhand der Benutzung von Worten eingegangen werden soll, sondern auch auf den Inhalt nationalsozialistischer Zeitungsartikel oder Rundfunkmeldungen. Dabei werden die Methoden wie die gezielt eingesetzte Lüge oder die Kunst der Verzerrung erläutert. Außerdem ist dieser Abschnitt in die Bereiche nationalsozialistische Presse im Inland und Ausland unterteilt, um auch hier Unterschiede in den Techniken deutlich zu machen.
Um die genauerer Betrachtung eines Zeitungsartikels aus der Zeit des Dritten Reichs soll es im letzten Abschnitt dieser Arbeit gehen. Hier wird gezeigt, in welcher Form die zuvor erläuterten Methoden tatsächlich verwendet wurden.
2. Pressesprache
Aufgrund der Existenz verschiedener Rubriken (Wirtschaft, Kultur, Sport usw.) und Präsentationsweisen (Nachricht, Kommentar, Reportage usw.) geht man davon aus, dass es die Pressesprache eigentlich nicht gibt (vgl. Lügner, H., 1995, S. 1). Allerdings lassen sich trotzdem zahlreiche gemeinsame Merkmale (Produktionsbedingungen, Mitteilungsabsichten) erkennen, die durchaus die Verwendung des Begriffs Pressesprache möglich machen, wenn auch nicht im Sinne eines „homogenen sprachlichen Systems“ (Lügner, H., 1995, S. 1). In der Literatur ist man sich einig, wenn es um die Einschätzung der Bedeutung von Presse- und Zeitungssprache geht. Auch wird ihr Einfluss auf die Sprachentwicklung als durchaus bedeutend angesehen. Die Pressesprache ist nicht nur Dokument des jeweiligen Sprachzustandes, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Ausprägung und Veränderung sprachlicher Normen (vgl. Lügner, H., 1995, S. 1). Genau dies trifft auch auf die Pressesprache im Nationalsozialismus zu. Mittels der Sprache in Zeitungen und Rundfunk gelang es den Nationalsozialisten bestimmte Schlagwörter oder Redewendungen in die Köpfe der Menschen einzupflanzen bzw. sie von ihren Ansichten und Vorgehensweisen zu überzeugen. Es war die Intention von Zeitungsautoren oder Rundfunksprechern den Leser bzw. Hörer zu beeinflussen und bestimmte Handlungsanweisungen zu vermitteln, etwas, dass nur funktioniert, wenn der Autor/Sprecher Wörter des allgemeinen Wortschatzes der Bevölkerung benutzte (siehe Techniken der Presse) (vgl. Schütt, K., 1997, S. 16).
2.1 Nationalsozialistische Propaganda in der Presse
Propagandistische Sprache ist keine Sondersprache mit eigener Lexik und abweichenden morphologischen oder syntaktischen Strukturen, sondern sie bildet mit dem vorhandenen Gesamtvokabular einer Gesellschaft ein untrennbares Ganzes (vgl. Schütt, K., 1997, S. 16). Ohne die Leistungsfähigkeit der Propaganda wäre es den Nationalsozialisten kaum möglich gewesen, das Dritte Reich zu errichten. Zu den Mitteln dieser Propaganda gehörten neben der Primitivität der Sprache und Ursprünglichkeit der Ausdrucksformen auch die Anwendung leicht verständlicher, einfacher Beispiele sowie eine Wirkung, die nicht auf einzelne Akademiker zielte, sondern auf die gesamte Bevölkerung ausgerichtet war (vgl. Beißwenger, M., 2000, S. 11). Diese Propaganda sollte nicht überzeugen oder überreden, sondern den Menschen bestimmte Ansichten aufzwingen und deren Übernahme als unbedingt notwendig darstellen. Für die Durchsetzung dieser Ziele standen den Nationalsozialisten verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung, wobei die Sprache das bevorzugteste und am geschicktesten
eingesetzte Mittel war. Massenversammlungen, feierliche Weihungen, Aufmärsche oder predigtartige Kundgebungen überfluteten nach der Machtergreifung Hitlers 1933 Deutschland und mit Hilfe von Rundfunk und Presse nahm die gesamte Bevölkerung daran teil. Über diese Medien wurde immer wieder die faschistische Ideologie propagandiert, um die Massen zu betäuben, zu überzeugen/zwingen und zu mobilisieren (vgl. Schütt, K., 1997, S. 14).
2.2 Merkmale der propagandistischen Sprache
Die Merkmale der propagandistischen Sprache sind auch gleichzeitig Kennzeichen der Pressesprache im Nationalsozialismus. Eines der wichtigsten Merkmale ist es, den informativen Bestandteil der Sprache zugunsten eines gefühlsbetonten zu reduzieren. Die Funktion von Sprache, Informationen zu übermitteln, hat in der Propaganda keine bzw. nur eine geringfügige Bedeutung (vgl. Schütt, K., 1997, S. 17). Die Propagandisten appellieren an bestimmte Instinkte der Hörer bzw. Leser (Angst, Hass, Neid), um die Massen für bestimmte Inhalte empfänglich zu machen.
Weiterhin ist diese Art der Sprache von Schlagworten gekennzeichnet. Vor allem Substantive und Adjektive, welche die Nomen verstärken sollen, werden verwendet. Verben haben für die Vermittlung der Ideologie nur eine geringe Bedeutung (vgl. Schütt, K., 1997, S. 18). Außerdem findet man in der propagandistischen Sprache eine Häufung von Superlativen, das Stilmittel der Ironie - hauptsächlich verwendet um die Gegner des Regimes lächerlich zu machen - sowie Wiederholungen, um bestimmte Aussagen in den Köpfen der Menschen „einzuhämmern“. Auch der übertriebene Pathos und die Schwulst sind wichtige Kennzeichen der propagandistischen Sprache - letzteres wird vor allem dadurch deutlich, dass in der NS-Sprache auch geredet wird, wenn es eigentlich gar nichts mitzuteilen gibt (vgl. Minnerup, W., 1995, S. 215ff). Auf die Techniken der Pressesprache im Nationalsozialismus soll allerdings an anderer Stelle noch genauer eingegangen werden.
3. Nationalsozialistische Medienpolitik
Bereits vor der Machergreifung 1933 gab es eine nationalsozialistische Medienpolitik. Mehr als jede andere Partei kämpfte die NSDAP in der Weimarer Republik um Medienpräsenz und legte dabei viel Wert auf eine effektvolle Selbstdarstellung und unverwechselbare Symbole (vgl. Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 20). Die NSDAP verfügt schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts über eine funktionierende „Reichspropagandaleitung“ (Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 20). Dabei hatten öffentliche Kundgebungen oder Parteiversammlungen bis 1933 absolute Priorität, auch wenn man später über 300 NS-Zeitungen zu dieser Zeit nachweisen konnte. Außerdem gab es vor der Machtergreifung eine nationalsozialistische Medienpolitik auch im Rundfunk, womit sich die Partei auch gleich dieses noch relativ junge Medium zur Verbreitung ihrer Ziele und Interessen zunutze machte.
Sofort nachdem die Nationalsozialisten im Januar 1933 die Macht an sich gerissen hatten, hat man Zeitungsverbote erlassen und aus den Nachrichtenagenturen wurden „Werkzeuge zur publizistischen Vorbereitung und Absicherung des politischen und [...] militärischen Kampfes“ (Uzulis, A., 1995, S. 63). Man setzte Verordnungen zum „Schutz von Volk und Staat“ (Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 22) durch, was zur Folge hatte, dass das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit außer Kraft gesetzt und kommunistische bzw. sozialdemokratische Zeitungen verboten wurden. Pressefreiheit im Sinne der Freiheit zur Kritik an der Regierung wurde nicht mehr geduldet. Die Medien hatten fortan nicht mehr die Aufgabe die Wahrheit als höchstes Ziel anzustreben, sondern einzig die Massen mit Hilfe der Propaganda zu mobilisieren (vgl. Uzulis, A., 1995, S. 68). Themen, die dem Regime nicht gefielen, wurden in den Medien nicht erwähnt. Außerdem wurde nicht nach „journalistischenpublizistischen Gesichtspunkten entschieden [was in welcher Form in der Presse erschien], sondern nach propagandistischen“ (Uzulis, A., 1995, S. 69). Die Medien sollten nicht länger objektiv informieren, sondern die Bevölkerung „anfeuern und antreiben“ (Uzulis, A., 1995, S. 76). Die Einseitigkeit der Presse durfte dem Leser bzw. Hörer allerdings nicht auffallen, da man sonst befürchtete, an Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Weiterhin wurde nach der Machtergreifung eine systematische Personenkontrolle für Journalisten durchgeführt. Danach durfte nur noch Schriftleiter, wer deutscher Reichsangehöriger, mindestens 21 Jahre alt, arischer Abstammung und nicht jüdisch verheiratet war (vgl. Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 28). Der oberste Grundsatz der Redakteure nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten war die Erziehung der deutschen Bevölkerung. Sie hatten alles zu tun, was der NSDAP nutzte und alles zu unterlassen, was der
Partei und damit dem Staat schadete (vgl. Uzulis, A., 1995, S. 79). Meldungen sollten nicht unter sachlichen Aspekten bewertet werden, sondern nach propagandistischen. Damit wurde die Presse entgültig zum Instrument der nationalsozialistischen Propaganda. Fitz Sänger (1975) drückte es in seinem Werk „Politik der Täuschungen“ am zutreffendsten aus: „In den Jahren, als der Nationalsozialismus in Deutschland die Macht ausübte, wurde die öffentliche Meinung nicht informiert, sondern durch Propaganda bearbeitet und beeinflusst.“ Bedeutendes Mittel der Nationalsozialisten zur Beeinflussung der Bevölkerung war die Zensur von Nachrichten (siehe Techniken der Presse). Die Reichspressekonferenz stellte dabei das wichtigste Instrument der Vorzensur dar (vgl. Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 29ff). Diese Konferenz hatte die Aufgabe, Informationen der Regierung erst zur Einsicht vorzulegen, um dann darüber zu urteilen bzw. zu zensieren, bevor diese der Bevölkerung zugänglich gemacht wurden. Die politische Berichterstattung bekam die Reichsregierung relativ schnell in den Griff und natürlich durften auch diesmal die Menschen im Staat nichts von diesen Lenkungsmaßnahmen erfahren. Innerhalb dieses gewaltigen Lenkungsapparates ist es verständlich, dass es immer wieder zu Fehlern bei der Übermittlung von zensierten oder für legitim erklärten Meldungen kam. „Bei schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Anweisungen, die im Laufe der Jahre ausgegeben wurden, waren Widersprüche und Fehler programmiert, wodurch die Glaubwürdigkeit - und damit auch die [...] Wirksamkeit - der Massenmedien Schaden nehmen musste“ (Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 34). Weniger Probleme gab es dabei im Bereich des Rundfunks. Durch die staatsnahe Organisation des Mediums waren Eingriffe von oben relativ einfach. Mit Hilfe der Übertragung der Programmkontrolle vom Innen- auf das Propagandaministerium war das gesamte Rundfunksystem innerhalb kürzester Zeit in nationalsozialistischer Hand (vgl. Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 35). In Folge dessen kam es zu einer hemmungslosen Ausnutzung des Rundfunks für Propagandazwecke, woraufhin sich jedoch schon kurze Zeit später die sogenannte „Programm-Langeweile“ (Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 36) einschlich. Goebbels reagierte darauf, indem er die Steigerung der Attraktivität des Rundfunkprogramms verlangte. Es muss ihm gelungen sein, denn infolge der zunehmenden Verbreitung des Radios kam es zu einem Rückgang der Zeitungsauflagen (vgl. Frei, N. & Schmitz, J., 1989, S. 36).
Arbeit zitieren:
Sabrina Oertel, 2005, Pressesprache im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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