Inhaltsverzeichnis
WISSENSMANAGEMENT IN DER HUMANITÄREN
LOGISTIK
Inhalt
INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. VII
GLOSSAR IX
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIEL DER ARBEIT. 1
1.2 AUFBAU DER ARBEIT. 4
2 GRUNDLAGEN DES WISSENSMANAGEMENTS. 7
2.1 DEFINITIONEN UND EINORDNUNG. 7
2.1.1 Wissen. 7
2.1.2 Wissensarten 8
2.1.3 Die Wissensspirale nach Nonaka und Takeuchi. 10
2.1.4 Wissensmanagement. 10
2.1.5 Wissensmanagementsystem. 11
2.2 KOMPONENTEN DES WISSENSMANAGEMENTS 11
2.3 GRUNDAUSRICHTUNGEN DES WISSENSMANAGEMENTS 13
II
2.3.1 Informationsorientierte Ansätze des Wissensmanagements. 13
2.3.2 Kommunikationsorientierte Ansätze des Wissensmanagements. 13
2.4 GANZHEITLICHES WISSENSMANAGEMENT. 15
2.4.1 Bausteine des Wissensmanagements nach Probst, G. et al. (1997) 16
2.4.2 Münchner Modell nach Reinmann-Rothmeier, G. (2001) 17
2.4.3 Instrumente des Wissensmanagements. 19
2.4.4 Technologien im Wissensmanagement 20
2.4.5 Methoden im Wissensmanagement 20
2.5 BARRIEREN UND HERAUSFORDERUNGEN DES WISSENSMANAGEMENTS 21
2.6 ERFOLGSFAKTOREN DES WISSENSMANAGEMENTS 22
3 GRUNDLAGEN DER HUMANITÄREN LOGISTIK 24
3.1 GRUNDLAGEN DER LOGISTIK. 24
3.1.1 Begriff der Logistik 24
3.1.2 Logistische Systeme 25
3.1.3 Logistische Prozesse 26
3.1.4 Bedeutungswandel der Logistik. 28
3.2 GRUNDLAGEN DER HUMANITÄREN HILFE 30
3.3 LOGISTIK IN DER HUMANITÄREN HILFE 32
3.3.1 Katastrophenlogistik 33
3.3.2 Entwicklungslogistik 36
4 WISSENSMANAGEMENT IN DER HUMANITÄREN LOGISTIK 40
4.1 WISSENSMANAGEMENT IN DER KATASTROPHENLOGISTIK. 40
4.2 WISSENSMANAGEMENT IN DER ENTWICKLUNGSLOGISTIK. 42
4.2.1 Wissensmanagement auf Seiten der Hilfsbedürftigen 42
4.2.2 Wissensmanagement auf Seiten der Hilfsorganisationen 49
III
4.2.3 Wissenstransfer zwischen Hilfsbedürftigen und Hilfsorganisationen 51
4.2.4 Instrumente zur Entwicklung eines Wissensmanagementsystems in der
Entwicklungslogistik 54
5 ANWENDUNG: ENTWICKLUNG UND IMPLEMENTIERUNG EINES
WISSENSMANAGEMENTSYSTEMS IN DER KAFFEE-SUPPLY-CHAIN IN
TANSANIA 59
5.1 VISION 59
5.2 ANALYSE 60
5.2.1 Allgemeine Rahmenbedingungen und Hintergründe 60
5.2.2 Supply Chain Analyse: „Die Kaffee Supply Chain in Tansania“ 64
5.2.3 Wissensanalyse 68
5.3 ENTWICKLUNG 73
5.4 IMPLEMENTIERUNG. 79
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK. 81
LITERATURVERZEICHNIS 84
ANHANG 104
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: International Logistics Performance Index 2009
Abbildung 2: Aufbau und Struktur der Arbeit.
Abbildung 3: TO-MModell
Abbildung 4: Bausteinmodell des Wissensmanagements nach Probst, G. et al.
Abbildung 5: Wissensprozessbereiche nach Reinmann-Rothmeier, G.
Abbildung 6: SCOR-Modell zur Darstellung der integrierten Supply Chain.
Abbildung 7: Bedeutungswandel der Logistik
Abbildung 8: Vereinfachte Supply Chain in der Landwirtschaft
Abbildung 9: Akteure landwirtschaftlicher Supply Chains.
Abbildung 10: Vertikale Organisationsstruktur der Produzenten
Abbildung 11: Logistische Prozesse in der landwirtschaftlichen Supply Chain
Abbildung 12: Wissenssysteme und Wissensprozessbereiche der SC Akteure
Abbildung 13: Kaffee-Marketing-Chain Tansania
Abbildung 14: Formen der Supply Chain der kleinen Kaffee-Farmer in Tansania
Abbildung 15: Supply Chain der Kaffee-Farmer in Organisationen.
Abbildung 16: Material- und Informationsfluss in der Farmerorganisation
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Ansätze des ganzheitlichen Wissensmanagements 15
Tabelle 2: Wissensmatrix: Wissensbereiche nach Akteuren und Prozessen 48
Tabelle 3: Einsatz von Instrumenten im Wissensmanagement 55
Tabelle 4: Wissensmatrix: Anwendung. 72
VI
1 Einleitung
Diese Arbeit ist Teil des Projekts „Humanitäre Logistik“ im Bereich Logistik der Fakultät VII Wirtschaft und Management der TU Berlin. Das Projekt wurde im Juni 2009 gestartet und wird durch die Schweizer Kühne-Stiftung gefördert. Ziel des Projekts ist es, für eine langfristig verbesserte Versorgungssituation in Entwicklungsländern ein Instrumentarienportfolio für angepasste Logistikkonzepte zu entwickeln. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der Technologie- und Wissenstransfer miteinander verbindet. Derzeit (2010) befindet sich das laufende Projekt in einer zwei Jahre dauernden Pilotphase. Die Forschungstätigkeit beschränkt sich zunächst auf die Länder Tansania und Malawi.
Im Folgenden werden nun in Abschnitt 1.1 die Problemstellung und das Ziel der Arbeit erläutert und dann in Abschnitt 1.2 der inhaltliche Aufbau der Arbeit vorgestellt.
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Armut ist eines der größten Probleme der Gegenwart. Laut der „Food and Agriculture Organization“ (FAO) stieg die Zahl der Hungerleidenden im Jahr 2009 erstmals auf über eine Milliarde Menschen, was etwa einem Sechstel der Weltbevölkerung entspricht. 52 Täglich sterben rund 30.000 Menschen an Ursachen, die mit Armut und Hunger in Verbindung gebracht werden. 53 Die Gründe für Armut und Hunger sind vielschichtig und komplex. Grundsätzlich ist Armut aber ein Ergebnis gesellschaftlicher Verteilungsprozesse und somit ein Mangel an objektiv und subjektiv notwendiger Güter und Leistungen, wie zum Beispiel Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. 54 Speziell in Entwicklungsländern 55 (vor allem in Afrika) sind die Menschen permanenten Problemen bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern ausgesetzt. Problematisch für die Versorgung der Bevölkerung sind neben klimatischen Gründen insbesondere unstabile und unsichere politische Verhältnisse und starke Mängel in der technischen und sozialen Infrastruktur. Diese Negativ-Faktoren hemmen zusammen mit Handelsschranken in den Industrieländern (z.B. Zölle und Quoten auf Importe oder Subventionen auf einheimische Produkte) die Entwicklung und Ausprägung von
52 Vgl. FAO (2009)
53 Vgl. DifA (2008)
54 Vgl. Ghamari, S. (2006)
55 Definition „Entwicklungsland“ siehe Anhang I
konkurrenzfähiger Wirtschaft und Handelsmacht in Entwicklungsländern. 56 Während im Zuge der Globalisierung international eine starke Zunahme des internationalen Handel auf dem Weltmarkt zu beobachten ist, profitieren davon hauptsächlich die Industrieländer. Die Entwicklungsländer (vor allem Afrika) sind kaum involviert. 57; 58 Der Grad der Integration am internationalen Handel und somit die Produktivität und der materielle Wohlstand eines Landes hängt stark von seiner infrastrukturellen Entwicklung und seiner Logistik-Performance ab. Wie stark der Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft mit der Logistik zusammenhängt, wird durch den von der Weltbank erstellten Logistics Performance Index (LPI) ausgedrückt. In Abbildung 1 ist zu sehen, dass Entwicklungsländer (und vor allem Afrika) am unteren Ende der LPI-Skala zu finden sind.
Abbildung 1: International Logistics Performance Index 2009 59
Die Transportinfrastruktur in Entwicklungsländern wurde während der Kolonialzeit (wenn überhaupt) für den Zweck des Exports von Rohmaterialien in westliche Länder konzipiert. Innerländliche Strukturen wie Straßen, Schienen, Luftfracht oder Binnenschifffahrt wurden stark vernachlässigt. 60 Als Konsequenz gehören Afrikas Transportkosten zu den höchsten weltweit. „Laut der UN Economic Commission for Africa UNECA kostet der Transport eines Autos von Japan nach Abidjan in Côte
56 Vgl. Opitz, P.J. (1999)
57 Vgl. Zachcial, M. (2000)
58 Le Monde diplomatique (2007)
59 Eigene Darstellung in Anlehnung an Worldbank (2009)
60 Vgl. Dadzie, K.Q. (1998): 274
d’Ivoire 1.500 USD. Der Transport des gleichen Wagens von Äthiopien nach Abidjan käme auf 5.000 USD.“ 61
Ein weiteres Hemmnis für die Logistik-Performance und somit die wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungsländern stellt im Vergleich zu den Industrieländern der starke Mangel an Informations- und Kommunikationstechnologien dar. Man spricht in diesem Zusammenhang von „digital divide“, also der Spaltung zwischen denen, die Zugang zu Informationen und neuen Techniken haben und denen die keinen Zugang dazu haben. Diese Diskrepanz wächst zunehmend, während auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Zugangs zu Informationen im Übergang zu stärker wissenszentrierten Ökonomien erheblich zunimmt. 62 Beispielsweise sind etwa 70 Prozent aller Internetseiten in den USA angesiedelt und etwa 80 Prozent sind englischsprachig. Nur etwa 10 Prozent sind nichtwestlichen Ursprungs, obwohl Entwicklungsländer knapp 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Besonders der afrikanische Kontinent weist beim Zugang zu Informationen dramatische Entwicklungsrückstände auf. 63
Problematisch ist auch die hohe Abwanderungsquote qualifizierten Personals („brain drain“) 64 und die mangelnde Qualität bei der Ausbildung von Logistikern in Entwicklungsländern. Dabei wird bemängelt, dass sich dessen Inhalt am Inhalt von Ausbildungen in Industrieländern orientiert und oft sogar eins zu eins übernommen wird. Es fehlt an Inhalten, die auf spezifische Probleme und Charakteristiken von Entwicklungsländern aufbauen. Die Wirtschaft von Entwicklungsländern ist im Gegensatz zu Industrieländern durch kleine Unternehmen und Landwirtschaft geprägt. Dies erfordert andere logistische Herangehensweisen. 65
Die Defizite der Entwicklungsländer in Logistik und in der Nutzung von Informationen und Wissen stellen für diese aber auch Perspektiven und Chancen dar. Sowohl die Logistik, als auch der Faktor Wissen gewinnen zunehmend an Bedeutung und besitzen enormes Potential für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern.
61 Janker, B. (2008)
62 Vgl. Eckert, D. (2001): 1 ff.
63 Vgl. Deutscher Bundestag (2002)
64 Vgl. Kovacs, G.; Spens, K. (2009): 522
65 Vgl. Dadzie, K.Q. (1998): 280
Wissen ist die zentrale Ressource für Entwicklung. Sie gewinnt als Produktionsfaktor neben Arbeit, Kapital und Boden immer stärker an Bedeutung. Der Umgang mit Wissen entscheidet über Leistungs-, Zukunfts- und Innovationsfähigkeit von Gesellschaften und Organisationen. 66 In Entwicklungsländern liegen insbesondere bei arbeitsintensiven Produkten komparative Vorteile. Um sich auf zunehmend globaleren Märkten zu bewähren, müssen lokale Unternehmen entsprechend international anerkannter Qualitätsstandards zuverlässig Produkte und Dienstleistungen liefern. Wissen und Fähigkeiten der Arbeiter werden dabei zu entscheidenden Wettbewerbsparametern. Sie befähigen die Menschen und die Organisationen dazu, Ressourcen möglichst effektiv und effizient einzusetzen. 67 Speziell Wissen über logistische Prozesse, kann den Betroffenen dabei helfen, Konzepte für eine verbesserte Versorgungssituation zu entwickeln. Die große Herausforderung dabei ist, den Menschen in Entwicklungsländern logistisches Wissen zugänglich zu machen und sie zu befähigen, dieses Ziel führend für ihre Belange und für eine nachhaltige Verbesserung ihrer Situation einzusetzen. Diese Arbeit widmet sich dieser Herausforderung und beleuchtet im Rahmen der Entwicklungshilfe aus Sicht der Hilfsorganisationen und der betroffenen Menschen vor Ort den Umgang mit dem Faktor Wissen in Bezug auf logistische Aspekte.
Ziel der Arbeit ist es, Rahmenbedingungen, beteiligte Akteure und Instrumente für ein Wissensmanagementsystem zur Handhabung logistischer Prozesse in der langfristigen Entwicklungshilfe zu benennen und zu analysieren. Im Fokus stehen dabei die Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Entwicklungsländern. Deren logistisches Knowhow und deren wirtschaftliche Stellung sollen sich durch Wissensmanagement und die Einführung eines Wissensmanagementsystems verbessern. Anhand der konkreten Situation der Kaffee-Supply-Chain in Tansania, wird ein solches Wissensmanagementsystem beispielhaft entwickelt und implementiert.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in vier Bereiche: Einleitung (Kapitel 1), theoretischer Hintergrund (Kapitel 2, 3 und 4), Anwendung der Theorie (Kapitel 5) und Zusammenfassung mit Ausblick (Kapitel 6). Abbildung 2 gibt einen groben Überblick
66 Vgl. Richter, C. (2006): 3
67 Vgl. Heine, J.; Schuler, G. (2006): 10
über den Aufbau und die Struktur der Arbeit und verdeutlicht deren inhaltliche Vorgehensweise.
Abbildung 2: Aufbau und Struktur der Arbeit 68
Das erste Kapitel stellt die Problemstellung und das Ziel der Arbeit vor und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen zu den komplexen Themen Wissen, Wissensmanagement und Wissensmanagementsystem.
68 Eigene Darstellung
Dadurch soll ein grundlegendes Verständnis über Konzepte und Instrumente für eine ganzheitliche Wissensbetrachtung vermittelt werden.
Im dritten Kapitel wird das Feld der humanitären Logistik vorgestellt. Dazu werden Grundlagen der Logistik mit Grundlagen der humanitären Hilfe verbunden und die beiden Grundausrichtungen der humanitären Logistik, der klassischen Katastrophenlogistik und der in der einschlägigen Literatur noch kaum erwähnten Logistik in der langfristigen humanitären Hilfe (der „Entwicklungslogistik“) vorgestellt. Das vierte Kapitel greift die Ansätze aus Kapitel 2 und 3 auf und erläutert, welche Rolle das Wissensmanagement in der humanitären Logistik spielt. Dazu werden zunächst im Sinne einer ganzheitlichen thematischen Einordnung die Aspekte des Wissensmanagements in der Katastrophenlogistik kurz umschrieben und anschließend das zentrale Thema der Arbeit, Wissensmanagement in der Entwicklungslogistik, ausführlich betrachtet. Dabei werden Aspekte zum Wissensmanagement auf Seiten der Hilfsbedürftigen und auf Seiten der Hilfsorganisationen aufgegriffen und der Wissenstransfer zwischen beiden analysiert. Danach wird ein Modell zur Klassifizierung und Auswahl von Instrumenten zur Entwicklung eines Wissensmanagementsystems in der Entwicklungslogistik vorgestellt. Im fünften Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zum Wissensmanagement in der Entwicklungslogistik angewendet. Hier wird entsprechend dem Titel dieser Arbeit ein Wissensmanagementsystem zur Handhabung komplexer logistischer Prozesse in der Entwicklungshilfe am konkreten Beispiel der Kaffee-Supply-Chain in Tansania entwickelt und Empfehlungen für dessen Implementierung genannt. Im Fokus stehen dabei die lokalen Kaffee-Produzenten und die Stärkung ihrer wirtschaftlichen Stellung. Das sechste Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick zu einer möglichen Weiterführung sowie weiterem Forschungsbedarf die Arbeit ab.
2 Grundlagen des Wissensmanagements
Die Theorie des Wissensmanagements spielt mit ihren Funktionen und Ausprägungen eine zentrale Rolle in dieser Arbeit. Daher wird zunächst ein einleitender theoretischer Hintergrund zu dieser Thematik gegeben. Nach einer grundlegenden Definition und Einordnung wichtiger Begriffe des Wissensmanagements (Abschnitt 2.1), werden wichtige Komponenten (Abschnitt 2.2) und Grundausrichtungen (Abschnitt 2.3) erläutert und zu einem ganzheitlichen Wissensmanagements verbunden (Abschnitt 2.4). Anschließend werden wichtige Instrumente des Wissensmanagements (Abschnitt 2.4.3), Barrieren und Herausforderungen bei der Implementierung (Abschnitt 2.5), sowie Erfolgsfaktoren (Abschnitt 2.6) aufgezeigt.
2.1 Definitionen und Einordnung
In diesem Abschnitt werden wichtige Begriffe des Wissensmanagements definiert und in ihren jeweiligen Kontext eingeordnet. Zunächst wird kurz der Begriff des Wissens erläutert (Abschnitt 2.1.1) und durch Betrachtung verschiedener Wissensarten (Abschnitt 2.1.2) auf seine Vielschichtigkeit aufmerksam gemacht. Von besonderer Bedeutung ist hier die Unterteilung zwischen implizitem und explizitem Wissen, welche nach Nonaka und Takeuchi in einer komplementären Beziehung zueinander stehen (Abschnitt 2.1.3). Abschließend werden die Begriffe „Wissensmanagement“ (Abschnitt 2.1.4) und „Wissensmanagementsystem“ (Abschnitt 2.1.5) genauer betrachtet.
2.1.1 Wissen
Wissen ist ein komplexes Konzept, welches viele Philosophen, Wissenschaftler anderer Fachrichtungen und Praktiker beschäftigt. Verschiedene Typologien wurden entwickelt. 69 Der einzige Konsens scheint aber darin zu bestehen, dass Wissen mehr als Daten und Informationen darstellt. 70
Daten können als Basis für die Erzeugung von Informationen und Wissen verstanden werden. 71 „Daten sind das Gegebene zur Verarbeitung ohne Verwendungshinweise.“ Nach DIN 44300 (DIN 1972) werden Daten durch Zeichen repräsentiert und können
69 Vgl. Alavi, M.; Leidner, D.E. (2001)
70 Vgl. Greiner, M.E. (2007): 4
71 Vgl. Wilke, H. (1998): 7
ohne Bezug zum Kontext oder zu einer Person produziert, kodifiziert oder verteilt werden. 72
Im Gegensatz zu Daten sind Informationen kontextgebunden. Aus Daten werden Informationen, wenn sie zur Lösung eines Problems oder zur Erreichung eines Ziels eingesetzt werden. 73 Die Information stellt durch die Interpretation von Daten eine Mitteilung für den Empfänger dar und hat somit Bedeutung für diesen. 74 Durch die Verarbeitung der wahrgenommenen und kontextbezogenen Informationen entsteht Wissen. Wissen ist dabei „die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden.“ 75 Ausgehend von den vorangegangenen Begriffsunterscheidungen können noch weitere Ausdifferenzierungen des Wissensbegriffs, wie z.B. die von Weisheit oder Intelligenz, vorgenommen werden. 76
2.1.2 Wissensarten
Die Vielschichtigkeit des Begriffs „Wissen“ zeigt sich in den vielen Wissensarten. Diese lassen sich mit gegensätzlichen Begriffspaaren bezeichnen. Man unterscheidet (1) bewusstes und unbewusstes Wissen, (2) demonstratives und intuitives Wissen, (3) individuelles und organisationales Wissen, (4) internes und externes Wissen, sowie (5) implizites und explizites Wissen. 77
Beim bewussten und unbewussten Wissen wird im allgemeinen Sprachgebrauch davon ausgegangen, dass in beiden Fällen die zutreffenden Informationen im Gedächtnis vorhanden sind. Der Unterschied besteht darin, dass bewusstes Wissen für das wissende Subjekt aktiv zugänglich und anwendbar ist. Beim unbewussten Wissen ist der Zugriff auf zutreffende Gedächtnisinformationen hingegen aus unterschiedlichen Gründen blockiert und nicht möglich. 78
72 Rehäuser, J; Krcmar, H. (1996): 4
73 Vgl. ebenda: 5
74 Vgl. Nonaka, I.; Takeuchi, H. (1997): 70
75 Probst et al. (1997): 12
76 Vgl. Alparslan, A. (2002): 6
77 Vgl. Lucko, S.; Trauner, B. (2005): 10
78 Vgl. Plankenauer, N. (2008)
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Erik Lewerenz, 2010, Wissensmanagement in der humanitären Logistik, München, GRIN Verlag GmbH
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