Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Frauen an Bismarcks 3
2.1 Wilhelmine von Bismarck 3
2.2 Malwine von Bismarck 5
2.3 Bismarcks Affären 7
2.3.1 Laura Russell. 8
2.3.2 Isabella Lorain-Smith 9
2.3.3 Katharina von Orloff 10
2.3.4 Pauline Lucca 11
2.4 Marie von Thadden 12
2.5 Johanna von Puttkamer/ von Bismarck 14
3 Schlussbetrachtung 19
4 Quellen- und Literaturverzeichnis 21
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1 Einleitung
Otto von Bismarck - sowohl Mann, als auch Mythos. Sein politisches Handeln und Wirken sollte die deutsche Geschichte in andere Bahnen lenken.
„So bedeutend wie der Mann selbst (...) sind die vielen Kräfte, die seine Umwelt gestalteten und dann, in gewissem Maße, durch seine Bemühungen umgeformt wurden. Es ist deshalb notwendig, in einer Biographie des ersten deutschen Reichskanzlers auch die (...) Entwicklung des (...) geistigen Lebens, insoweit Bismarck davon beeinflußt wurde - oder auch nicht (...)“ 1 zu untersuchen und zu beleuchten.
Die Politik unter Bismarck wurde bereits zur Genüge in einschlägiger Fachliteratur analysiert, diskutiert und ausformuliert - den Gestalten jedoch, die hinter dem politischen Engagement standen und offensichtlich den weiteren Hauptbestandteil in Bismarcks Dasein darstellen sollten, wurde meist wenig Beachtung geschenkt: den unzähligen Frauen an der Seite des ersten Staatsmannes.
Diese Arbeit soll sich nun mit einigen ausgewählten Frauen aus dem Leben Bismarcks beschäftigen, sowie mit dem Einfluss, den sie auf ihn und seinen politischen Werdegang ausübten. Dies sind auf der einen Seite Familienangehörige wie seine Mutter Wilhelmine von Bismarck, seine Schwester Malwine sowie seine Braut und Ehefrau Johanna. Auf der anderen Seite hatte er zahlreiche Affären, von denen wir uns auf Pauline Lucca, Laura Russell, Isabella Lorain-Smith und außerdem Katharina Orloff beschränken wollen. Auch Marie von Thadden als langjährige Freundin Bismarcks soll nicht unerwähnt bleiben. Wichtig ist dabei jedoch immer, die eigentliche Biographie Bismarcks nicht außer Acht zu lassen.
Otto von Bismarck erblickte am 1. April 1815, auf dem väterlichen Gut Schönhausen bei Magdeburg, das Licht der Welt 2 . Nachdem er seine ersten fünf Lebensjahre auf dem Kniephof 3 verbrachte, besuchte er ab Januar 1822 die „Plamannsche Lehranstalt“, ein Berliner Internat. Nach seinem Abitur 1832 studierte er in Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften. Doch schon in diesen jungen Jahren sollte Bismarck problematisch werden: nach unzähligen Alkoholexzessen und Weibergeschichten wurde er der Uni verwiesen. Beeinflussten die Frauen bereits zu diesem Zeitpunkt sein Leben und Urteilsvermögen so drastisch? Am 20. Mai 1835 erlangte er an der Universität Berlin das
1 Vgl. Pflanze, Otto: Bismarck. Band 1: Der Reichsgründer (= Becksche Reihe, Bd. 1785), München 1997, S. 9.
2 Nach: Gall, Lothar: Bismarck. Ein Lebensbild, Bergisch Gladbach 1991, S. 10.
3 Der Kniephof war ein kleines pommersches Gut, das Karl von Bismarck 1815 von der Witwe eines Vetters gekauft hatte. Im Frühjahr 1816 siedelte die gesamte Familie Bismarck hierhin über. Nach: Ebd., S. 11f.
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juristische Staatsexamen. Aber anstatt sich in der Berufswelt einzufinden, fiel er durch Abwesenheit und Unzuverlässigkeit, was wiederum auch der Damenwelt um ihn zu „verdanken“ war, auf und wurde suspendiert. Ein Jahr als militärisch Freiwilliger, in Potsdam und Greifswald, sollte vergehen, bis Bismarck sich endlich dem Junkerdasein zuwandte. „Er fühlte sich zum Schöpfer berufen, er konnte kein Werkzeug sein. Das war es, neben der Naturverbundenheit, was ihn am Beruf des Gutsbesitzers vor allem lockte: hier war er Herr.“ 4 Als stets konservativer Junker und leidenschaftlicher Monarchist nahm er ab 1847 die Arbeit in der Öffentlichkeit auf, um sich dann 1849, mit der Wahl in den preußischen Landtag, endgültig für ein Agieren in der Politik zu entscheiden. Bismarck wirkte, als preußischer Gesandter, beim Bundestag in Frankfurt, in St. Petersburg und Paris. Die Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten am 8. Oktober 1862 ebnete nicht nur ihm, sondern dem gesamten deutschen Volk, den Weg zur Reichsgründung am 18. Januar 1871, welche Bismarck zum ersten deutschen Reichskanzler machen sollte. Nachdem er am 29. März 1890 „von dem jungen Kaiser, von Wilhelm II., aus den Ämtern des deutschen Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten entlassen [wurde], die er ein ganzes Menschenalter hindurch innegehabt hatte“ 5 , setzte er sich in Friedrichsruh nieder und verbrachte dort seinen Lebensabend, mit stetigem Verfolgen und Kommentieren der politischen Ereignisse. Er starb am 30. Juli 1898 im Alter von 83 Jahren an Lungenversagen 6 .
2 Die Frauen an Bismarcks Seite
2.1 Wilhelmine von Bismarck
Um die Bedeutung seines Privatlebens in Hinblick auf sein späteres politisches Leben zu verstehen, muss bis in seine tiefste Kindheit zurückgegangen werden. Meist ist die Rolle der Mutter ausschlaggebend für die Entwicklung eines Menschen, da sie für gewöhnlich die erste Bezugsperson im Leben eines Menschen ist 7 .
4 Vgl. Meyer, Arnold Oskar: Bismarck: Der Mensch und der Staatsmann, Stuttgart 1949, S. 32.
5 Vgl. Gall, Lothar: Bismarck. Ein Lebensbild, Bergisch Gladbach 1991, S. 7.
6 Nach: Klußmann, Rudolf: Bismarck im Licht der Psychosomatik: Macht und Ohnmacht des "Eisernen Kanzlers", Lengerich 2004, S. 148.
7 Klußmann, Rudolf: Bismarck im Licht der Psychosomatik: Macht und Ohnmacht des "Eisernen Kanzlers", Lengerich 2004, S. 25.
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Bismarcks Mutter wurde 1789 in Oldenburg als Louise Wilhelmine Mencken geboren 8 . Sie war die Tochter des Kabinettssekräters und Kabinettrats Friedrichs des Großen, Anastasius Ludwig Mencken. Die Welt, in der sie lebte, war die Welt des Bürgertums. Nachdem ihr Vater verstarb, wurde sie am Königshof aufgezogen. Rudolf Klußmann sah in darin eine mögliche Ursache der von ihr oft gestellten hohen Ansprüche. Wilhelmine galt als klug und ehrgeizig und sie war stets bestrebt nach höherer geistiger Bildung 9 . Sie heiratete Ferdinand von Bismarck und nachdem sie Mutter wurde, übertrug sie ihren Ehrgeiz auf ihre Söhne - Otto von Bismarck war ihr viertes Kind. Der Gegensatz zwischen der bürgerlich wohlhabenden Herkunft der Mutter und der adlig ländlichen Herkunft des Vaters belasteten Bismarck schon seit frühester Kindheit: „Schweres Ringen mit sich selber wird (...) [ihm] als Schicksal in die Wiege gelegt, und nur, wenn (...) [er] dieses Ringen besteh[t], ohne innerlich zu zerbrechen, wird (...) [seine] Schöpferkraft frei.“ 10 Diese Eltern-Konstellation war nachhaltig prägend für Bismarck.
Die Mutter gab Otto im Alter von sechs bis zwölf Jahren in die Plamannsche Lehranstalt. Damit wurde er geliebten Heimat entrissen und sein geliebtes pommersches Landleben wurde gegen das Leben in der Stadt eingetauscht. In dieser Zeit fand er kaum mütterliche Beachtung und er erinnerte sich stets ungern und meist nur mit Bitterkeit an diese Zeit. Im Jahr 1847 schrieb er an seine Verlobte Johanna: „Sie [= Wilhelmine] wollte, daß ich viel lernen und viel werden sollte, und es schien mir oft, daß sie hart, kalt gegen mich sei.“ 11 Wilhelmine nahm ihre Mutterrolle nicht in dem Maße wahr, wie ein Kind es sich womöglich wünschen würde. So wurde sie von ihrem Sohn als „kühl, selbstsüchtig, streng und unerreichbar“ 12 empfunden.
„Während er sich aber häufig über seine Mutter und über seine Lehrer beklagte, sprach er vom Versagen seines Vaters als Erzieher nur selten und doch haben wir gesehen, daß der nicht sonderlich lebenstüchtige und von der Mutter beherrschte Vater dem jungen Otto nicht das starke, idealisierbare Vorbild war, das dieser gebraucht hätte, um sein ödipales Problem zu lösen.“ 13
In dem Brautwerbungsschreiben an den Brautvater schrieb Bismarck: „Mein Vater ließ mich nachsichtig gewähren, meine Mutter tadelte mich aus der Ferne, wenn ich meine Studien
8 Heyck, Eduard: Bismarck (= Monographien zur Weltgeschichte; Bd. 4), Bielefeld 1898, S. 19.
9 Vgl. Meyer, Arnold Oskar: Bismarck: Der Mensch und der Staatsmann, Stuttgart 1949, S. 10f.
10 Meyer, S. 11.
11 Donath, Gisela (Hrsg.): Was all die dürren Winde nicht erkälten. Bismarcks Briefe an seine Frau, Berlin 1990, S. 82.
12 Klußmann, S. 28.
13 Pflanze, Otto: Bismarck. Band 1: Der Reichsgründer (= Becksche Reihe, Bd. 1785), München 1997, S. 569.
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und Berufsarbeiten vernachlässigte.“ 14 Die Mutter wählte für ihren Sohn die Universität Göttingen aus und wollte, dass er das Studium erfolgreich abschließt, um der Familie Ehre zu machen. Otto sollte Beamter oder gar Minister werden und damit in die Fußstapfen der Familie Mencken treten. Doch der Sohn widerstrebte sich gegen die Beamtenlaufbahn, denn er sah darin „kein selbständiges Wirken, keine Freiheit in Meinung und Handlung“ 15 .
Zeit ihres Lebens dominierte sie ihren Sohn und versuchte, ihm viele Entscheidungen abzunehmen und seine beruflichen Wege zu lenken. Wilhelmine erkrankte an Krebs und ihre Heilung erschien hoffnungslos. Otto kam so oft wie möglich nach Berlin, um an ihrem Bett zu sitzen und ihr vorzulesen 16 . Sie starb schließlich am 1. Januar 1839 17 . Es schien, als sei er erst damit wirklich „frei“ zu sein, denn die „dominierende, doch ferne und egozentrische Mutter“ 18 bestimmte fortan nicht mehr sein Leben.
Auch nach vielen Jahren sprach er noch immer scharf gegen seine verstorbene Mutter. Ein englischer Besucher hörte Otto von Bismarck in höherem Alter sagen: „She spoilt my character“ 19 . Die Beziehung zu seiner Mutter wurde nach Klußmann als sehr ambivalent charakterisiert, da er sie ablehnte und zugleich bewunderte 20 . Diese Einstellung sollte ihm auch bei anderen Frauen begegnen und wiederholte Male wurde er enttäuscht, bevor er sein familiäres Glück finden konnte.
2.2 Malwine von Bismarck
Ottos Schwester Malwine, liebevoll „Malle“ genannt, wurde am 12. Juli 1827 auf dem Gut Kniephof geboren 21 als er bereits 12 Jahre alt war. Da alle Kinder der Familie Bismarck viel Zeit in Lehranstalten verbrachten, sahen sie sich nicht sonderlich oft. Nach ihrer Konfirmation im Jahr 1843 kehrte Malwine schließlich auf das Familiengut zurück 22 . „Auffallend war schon bald die Zuneigung und innige Vertrautheit zwischen Otto und Malle (…).“ 23 Diese Beziehung konnte sich in späteren Jahren weiter ausprägen und wurde durch einen regen Briefverkehr
14 Donath, Gisela (Hrsg.): Was all die dürren Winde nicht erkälten. Bismarcks Briefe an seine Frau, Berlin 1990, S. 56.
15 Meyer, Arnold Oskar: Bismarck: Der Mensch und der Staatsmann, Stuttgart 1949, S. 31.
16 Meyer, S. 31f.
17 Kolb, Eberhard: Bismarck (= Beck’sche Reihe, Bd. 2476), München 2009, S. 13.
18 Pflanze, S. 569.
19 Deutsch: „Sie verdarb meinen Charakter/ meine Persönlichkeit.“, Zitiert nach: Pflanze, S. 48.
20 Klußmann, Rudolf: Bismarck im Licht der Psychosomatik: Macht und Ohnmacht des "Eisernen Kanzlers", Lengerich 2004, S. 30.
21 Vgl. Elbin, Günther (Hrsg.): Mein geliebter Otto, liebste Malle: Geschwisterbriefe. Malwine von Bismarck und ihr Bruder, Düsseldorf 1996, S. 5.
22 Klußmann, Rudolf: Bismarck im Licht der Psychosomatik: Macht und Ohnmacht des "Eisernen Kanzlers", Lengerich 2004, S. 38.
23 Elbin, S. 5.
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Arbeit zitieren:
Maxi Pötzsch, Maria Palaschevsky, 2010, Bismarck und die Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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