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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - die Ehre und ihre Definition 3
2. Rolle der Ehre 5
3. Ehrverlust 7
3.1. Gründe für den Ehrverlust 8
3.1.1. Schand-, Ehren- und Körperstrafen 9
3.1.2. Ehrenhändel 12
3.2. Folgen des Ehrverlustes 16
4. Fazit 17
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 20
2
„Geld ist nicht die Hauptsache, Gesundheit ist viel mehr, die Ehre aber ist alles.“ 1
Heinrich Heine
1 HEINE, Heinrich: Briefe 1842-1849 Berlin 1995, 19
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1. Einleitung - die Ehre und ihre Definition
Aus dem Zitat von Heinrich HEINE lässt sich die große Relevanz der Ehre für die Gesellschaft entnehmen. Auch wenn sein Zitat auf den ersten Blick übertrieben scheint, war die Ehre doch sowohl in der Zeit, in der Heine gelebt hatte, als auch im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit von zentraler Bedeutung. In der frühneuzeitlichen Gesellschaft gab die Ehre Normen und Werte vor, sorgte damit für die Disziplinierung der Bevölkerung und diente sogar als eine Art Ersatz für die noch nicht vorhandenen Menschenrechte. Durch die Ehre konstituierte sich also der Wert jedes Einzelnen innerhalb einer Dorf- oder Stadtgemeinschaft. Die Wichtigkeit der Ehre ergibt sich ebenfalls aus der Tatsache, dass sie mit materiellem und rechtlichem Kapital verknüpft war, worauf in dieser Hausarbeit noch eingegangen werden soll. Insofern war die Ehre entscheidend für die Entstehung von Armut und Randgruppen.
Die Ehre zählte in der Frühen Neuzeit zu den wichtigsten und allgemein anerkannten Grundwerten, trotzdem gestaltet sich die Formulierung einer Definition schwierig. 2 Das liegt vor allem an der Abstraktheit der Ehre, die einer der führenden Ehre-Forscher, Martin DINGES, mit dem Ungeheuer von Loch Ness verglich: „Es gibt Zeitgenossen, die dieses Tier ganz bestimmt gesehen haben, aber selten erfährt man Genaueres“. 3
Klar und unumstritten ist jedoch, dass die Ehre zwei Ebenen umfasst - zum einen die Partizipation an bestimmten Werten als Begründung für die eigene Ehrwürdigkeit und zum anderen die Anerkennung dieser Ehrwürdigkeit durch andere Menschen. 4 Mit anderen Worten, es ist zwischen der inneren und der äußeren Ehre zu unterscheiden. Bei der äußeren Ehre handelt es sich um das öffentliche Ansehen, die Anerkennung und Achtung durch andere Mitglieder der Gruppe oder der Gesellschaft, also um die Reputation. Die innere Ehre hingegen meint das Selbstwertgefühl, das sich durchaus stark von der äußeren Ehre beeinflusst wird. 5 In dieser Arbeit soll die äußere Ehre im Mittelpunkt stehen, da es sich vor allem um die Ehre als einen durch
2 Vgl. NOWOSADTKO, Jutta: Betrachtungen über den Erwerb von Unehre. Vom Widerspruch „moder-
ner“ und „traditioneller“ Ehren- und Unehrenkonzepte in der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft. In:
VOGT, Ludgera; ZINGERLE, Arnold (Hrsg.): Ehre. Archaische Momente in der Moderne. Frankfurt am
Main 1994, S. 230.
3 Zitiert in: EBENDA, S. 230.
4 Vgl. BURKHART, Dagmar: Eine Geschichte der Ehre. Darmstadt 2006, S. 28.
5 Vgl. WELLMANN, Hans: Der historische Begriff der ‚Ehre’ - sprachwissenschaftlich untersucht. In:
BACKMANN, Sibylle; KÜNAST, Hans-Jörg; ULLMANN, Sabine U. A. (Hrsg.): Ehrkonzepte in der Frühen
Neuzeit. Identitäten und Abgrenzungen. Berlin 1998, S. 28.
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die Öffentlichkeit konstituierten Wert handelt.
Inhalt und Bedeutung der Ehre waren je nach Zeit, Ort und sozialer Zugehörigkeit
unterschiedlich und unterlagen außerdem einem ständigem Wandel. 6 Die Ehre war
„zu keiner Zeit wirklich greifbar und definierbar“ 7 Am besten ist sie deshalb aus
dem Kontext zusammenhängender Ehrauseinandersetzungen sowie durch die Gründe
und Folgen des teilweisen oder kompletten Ehrverlustes zu verstehen. 8 Durch die
Analyse dieser Kriterien soll in dieser Hausarbeit ein Versuch unternommen werden,
das Phänomen der Ehre bzw. des Ehrverlustes konkreter darzustellen. Dabei soll we-
niger auf die „unehrlichen“ Berufe als Grund für den Ehrverlust eingegangen wer-
den. Stattdessen wird dargestellt, auf welche Art und Weise die „ehrlichen“ Men-
schen ihre Ehre komplett oder teilweise verlieren konnten. Vor allem zwei Gründe
spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle - die Ehrauseinandersetzungen, die so
genannten Ehrenhändel, sowie die Schand-, Ehren- und Körperstrafen. Auf diese
beiden Gründe für den Ehrverlust wird in dieser Arbeit ausführlich eingegangen.
Die Ehrforschung ist ein relativ junges Feld der Geschichtswissenschaft. Trotzdem
kann man die Literaturlage als gut bezeichnen. Zu den wichtigsten Wissenschaftlern
auf diesem Gebiet zählen unter anderem Richard VAN DÜLMEN, Martin DINGES und
Jutta NOWOSADTKO. Ein grundlegendes Buch zum Verständnis der Ehre ist „Der
ehrlose Mensch“ von Richard VAN DÜLMEN (Köln Weimar Wien 1999), in dem die
Ehre in der frühneuzeitlichen Gesellschaft als ein komplexer und vielseitiger Wert
dargestellt wird. Eine epochenübergreifende und sehr differenzierte Abhandlung bie-
tet Dagmar BURKHART mit ihrem Werk „Eine Geschichte der Ehre“ (Darmstadt
2006). Bei den Sammelbänden sind vor allem zwei hervorzuheben - „Verletzte Ehre.
Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“ von Klaus
SCHREINER und Gerd SCHWERHOFF (Köln Weimar Wien 1995) sowie „Ehrkonzepte
in der Frühen Neuzeit. Identitäten und Abgrenzungen“ von Sibylle BACKMANN,
Hans -Jörg KÜNAST, Sabine ULLMANN und Ann B. TLUSTY (Berlin 1998) Beide bie-
ten zum einen Darstellungen mit regional und beruflich differenzierten Ehrkonzepten
und stellen zum anderen neue interessante Fragestellungen vor.
Aufgrund großer Unterschiede im Ehrverständnis je nach Zeit, Stand und Region war
6 SCHUSTER, Peter: Ehre und Recht. Überlegungen zu einer Begriffs- und Sozialgeschichte zweier
Grundbegriffe der mittelalterlichen Gesellschaft. In: BACKMANN, Sibylle KÜNAST, Hans-Jörg ULL-
MANN , Sabine .U A. (Hrsg.): Ehrkonzepte in der Frühen Neuzeit. Identitäten und Abgrenzungen. Berlin
1998, S. 65.
7 VAN DÜLMEN, Richard: Der ehrlose Mensch. Unehrlichkeit und soziale Ausgrenzung in der Frühen
Neuzeit. Köln Weimar Wien 1999, S. 96.
8 Vgl EBENDA, 96-97
5
es bei dieser Arbeit nicht möglich, eine klare Differenzierung vorzunehmen, ohne den vorgegebenen Umfang der Hausarbeit von 15 Seiten deutlich zu überstreiten. Das Thema scheint sehr breit gefächert zu sein, deshalb würde eine Differenzierung entweder den Rahmen sprengen, oder aber durch Auslassungen und Vernachlässigung der Unterschiede ein verzerrtes Bild liefern. Aus diesem Grund stellt die Hausarbeit nicht den Anspruch, auf konkrete Besonderheiten einzugehen, sondern zielt darauf, die Ehre und die Ehrlosigkeit im Ganzen darzustellen. Daraus kann zwar keine detaillierte, aber dafür eine möglichst allgemeingültige und die Grundwerte der frühneuzeitlichen Gesellschaft erfassende Darstellung entstehen. Des Weiteren wird in der Hausarbeit vor allem auf die Unterschicht Bezug genommen. Die Dreiteilung Oberschicht-Mittelschicht-Unterschicht wird zwar in heutigen Geisteswissenschaften selten verwendet, trifft allerdings auf die frühneuzeitliche Gesellschaft zu. Auf die bürgerlichen und adeligen Ehrkonzepte und auf den Ehrverslust bei der Mittel- und Oberschicht soll deshalb nicht eingegangen werden. Nach den bereits allgemein beschriebenen Grundzügen des Ehrphänomens soll anschließend die Rolle der Ehre für die zwischenmenschlichen Beziehungen erläutert werden, um die Definition der Ehre zu vervollständigen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, auf welche gesellschaftlichen Zusammenhänge die Ehrbarkeit der Person Einfluss nehmen konnte. Im darauf folgenden Abschnitt steht der Ehrverlust im Mittelpunkt, wobei nach einer kurzen Definition die wichtigsten Gründe analysiert werden. Schließlich erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Folgen des Ehrverlustes. Im Fazit wird dann die allgemeine Schlussfolgerung bezüglich der Bedeutung der Ehre für die frühneuzeitliche Gesellschaft vorgenommen.
2. Rolle der Ehre
Obwohl es schwer ist, eine allgemeingültige Definition zu finden, lässt sich mit großer Sicherheit sagen, dass die Ehre unabhängig von Stellung, ökonomischen Voraussetzungen, Geschlecht und Wohnort eine herausragende Rolle im Leben der Menschen in der Frühen Neuzeit spielte. Sie begründete den sozialen Status des Individuums innerhalb seiner Gruppe, aber auch innerhalb der Kommune, und war maßgebend für ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn, beruflichen Erfolg, Wahl eines Ehepartners und Erwerb des Amtes in der Dorf- oder Stadtgesellschaft. Daraus folgt, dass niemandem seine Ehre gleichgültig sein konnte. Jeder sah es als seine Aufgabe an, über die eigene Ehre und die Ehre der Gruppe zu wachen und sie gegen Angriffe zu verteidigen, denn sie konnte sehr schnell beschädigt werden oder gar verloren
Arbeit zitieren:
Slava Obodzinskiy, 2009, Ehrverlust bei den Unterschichtangehörigen in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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