Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Machiavellis Leben und sein Werk im Überblick 5
3. Die Biographie von Niccoló Machiavelli und die damalige politische Situation Italiens 7
4. Die Machiavellsche Theorie zur Erhaltung von Herrschaft 11
4.1. Das politische Handeln und Denken Machiavellis 11
4.2. Das Menschenbild Machiavellis 14
4.3. Der uomo virtuoso" 16
4.4. Die Machtübernahme und -erhaltung des uomo virtuoso" 17
4.5. Die Festigung der Herrschaft 21
4.6. Der Abtritt des uomo virtuoso" 23
4.7. Der Kreislauf der Geschichte 24
5. War Machiavelli ein Machiavellist? Versuch eines Fazits 27
6. Literaturliste 33
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1. Einleitung
Machiavelli starb vor über vierhundertfünfzig Jahren, aber sein Name lebt weiter als
mörderische Machiavelli
des Abscheus für Moralisten aller Schattierungen zu sein, konservative und revolutionäre
Marx und Engels attackierten die Prinzipien des Machiavellismus mit nicht geringerer Heftigkeit, wobei sie freilich darauf insistierten, dass die wahren Exponenten einer machiavellistischen Politik diejenigen seien, die versuchten, Demokraten zu Zeiten revolutionären Wandels zu lähmen. Beide Seiten sind sich darin einig, dass die Übel des Machiavellismus zu den gefährlichsten Bedrohungen der moralistischen Grundlage des politischen Lebens gehören.
Machiavellis Name steht in einem derartig schlechten Ruf, dass der Vorwurf, ein Machiavellist zu sein, immer noch eine ernstzunehmende Anschuldigung in gegenwärtigen politischen Auseinandersetzungen darstellt. Als z.B. Henry Kissinger seine Philosophie in einem berühmten Interview in The New Republic im Jahre 1972 darlegte, bemerkte sein Gesprächspartner im Anschluss an die Diskussion seiner Rolle als Ratgeber des Präsidenten:
diese
Unterstellungen zurückzuweisen. Er und ein Machiavellist? Nein ganz und gar nicht!
Machiavelli steht mit seinen politischen Schriften bis in die heutige Zeit im Verruf, nur der fahrlässige Begründer einer Politik zu sein, die mit dem Ausdruck Machiavellismus" bezeichnet wird. Mit diesem Terminus wird gemeinhin der rücksichtslose Missbrauch des oder der Regierenden seiner beziehungsweise ihrer Herrschaft zum alleinigen Ziel der Machtsicherung charakterisiert.
Bei der Würdigung seiner Schriften schieden sich über Generationen hinweg die Geister. Die katholische Kirche setzte seine Werke auf den Index. Die erste deutsche Übersetzung des Il
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principe" erschien erst knapp 200 Jahre nach seinem Tod mit fingiertem Druckernamen und falschem Erscheinungsort. Friedrich der Große sah sich genötigt, mit einer Schrift die Menschlichkeit zur verteidigen, von der er überzeugt war, dass Machiavelli sie vernichten wollte. Nietzsche sah hingegen in dem Werk Machiavellis ein Ideal politischen Handelns. 1 Diese Arbeit setzt sich mit Machiavellis Hauptwerken Il principe" und die Discorsi sopra la prima deca Tito Livio" auseinander. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Machiavelli machiavellistisch ist. Anders gesagt: Wollte Machiavelli mit seinen Werken Alleinherrschern und Tyrannen eine Rechtfertigungstheorie für ihr Handeln zur Verfügung stellen oder verfolgte er vielmehr ein anderes Anliegen? Was steckt hinter diesem schlechten Ruf, den Machiavelli erworben hat? Hat er ihn wirklich verdient? Welche Ansichten über Politik und politische Moral hat er in seinen Hauptwerken wirklich vertreten? Das sind die Fragen, die ich versuche, im Zuge meiner Hausarbeit zu beantworten.
Um Machiavellis Lehre zu verstehen, muss man zuerst die Probleme entdecken, denen sich Machiavelli selbst in Der Fürst, den Discorsi und seinen anderen Schriften über politische Philosophie gegenübersah. Jede Theorie, die sich mit dem politischen Zusammenleben in einem realen oder fiktiven Gemeinwesen befasst, ist in der Regel niemals losgelöst von der Biographie des Autors zu betrachten. Die realen Gegebenheiten und Lebensumstände haben vielmehr einen wesentlichen Einfluss auf die Denkstrukturen eines jeden Theoretikers, das Sein bestimmt das Bewusstsein. Erst mit dem Wissen um die Biographie Machiavellis lässt sich nun auch sein politisches Denken verstehen. Dabei soll eingangs geklärt werden, auf welche Weise Machiavelli zu seinen Annahmen gekommen ist und was er für ein Bild von seinen Mitmenschen hatte. Nachdem auch dieses geklärt wurde, kann seine politische Theorie zur Erhaltung von Herrschaft erläutert werden. Dabei soll anhand von ausgewählten Zitaten aus seinen Werken dem Leser das Denken Machiavellis anschaulicher gemacht werden.
Im Abschluss wird die eingangs gestellte Frage, ob Machiavelli ein Machiavellist war, wieder aufgegriffen und unter Berücksichtigung der gewonnenen Ergebnisse beantwortet werden.
1 Vgl. KERSTING, W: Niccoló Machiavelli. München 1988, Seite 154 ff
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2. Machiavellis Leben und sein Werk im Überblick 2
3. Mai: Niccolò Machiavelli wird als Sohn des Doctor iuris Bernardo Machiavelli
Mär
Juli: Mission bei Caterina Riario Sforza, contessa di Forli.
Juli bis Januar 1501: Mission bei Ludwig XII. von Frankreich in Nevers.
August: Machiavelli heiratet Marietta di Luigi Corsini. Aus der Ehe gehen vier
Oktober bis Januar 1503: Weitere Missionen bei Cesare Borgia in Imola und
Oktober: Nach dem
5. und 6. November: Machiavelli wird vom neuen Papst Julius II. in Audienz empfangen und bleibt bis Mitte Dezember in Rom.
April: Mission bei Giampaolo Baglioni, dem Herrn von Perugia, in Castiglione del
2 BUCK, A. Machiavelli Erträge der Forschung -, 1994, Darmstadt
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1506 Januar und Februar: Machiavelli hebt in Mugello und im Casentino Rekruten für
Dezember: Machiavelli wird zum Segretario der Vove dell ordinanza e milizia
1508
1509 November: Machiavelli übergibt dem Kaiser in Verona die erste Rate des ihm in
1510
1511
1512
1513 Februar: Machiavelli wird wegen des Verdachts der Teilnahme an einer Verschwörung gegen die Medici 14 Tage lang eingekerkert, gefoltert und am 11, Mä
1516 Machiavelli beginnt an den Zusammenkünften in den Gärten des Palazzo Rucellai
1518 März bis April: Machiavelli hält sich im Auftrage florentinischer Kaufleute in
1519
1526
am folgenden Tag Kanzler dieses Gremiums.
1528 21. Juni: Machiavelli stirbt in Florenz und wird am 22. Juni in Santa Croce
3. Die Biographie von Niccoló Machiavelli und die damalige politische
Situation Italiens
Niccoló Pietro Michele Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz als Sohn eines Rechtsgelehrten geboren. Seine Familie, die schon seit Generationen in Florenz lebte, bestand aus republikanisch gesinnten Bürgern. Der Großteil der männlichen Familienangehörigen schlug eine Laufbahn im Staatsdienst ein. Der Vater war anfangs in der päpstlichen Finanzverwaltung tätig und arbeitete später in Florenz als Anwalt.
Machiavelli genoss eine übliche Schulbildung und wurde in Latein unterrichtet. Auf Grund der Bücherleidenschaft des Vaters, die breiten humanistischen Interessen folgte, wurde Machiavelli schon früh mit der antiken Literatur vertraut gemacht. Der Besuch einer Universität blieb ihm aber wahrscheinlich auf Grund familiären Geldmangels nicht vergönnt. In dem Florenz dieser Zeit herrschte die Familie der Medici, genauer Lorenzo de Medici. Die Medici waren bedeutende Kaufleute, die das damals größte europäische Bank- und Handelshaus gründeten.
Der florentinische Stadtstaat war zwar offiziell eine Republik, jedoch erreichte es Lorenzo durch eine geschickte Verteilung aller politisch wichtigen Ämter an Getreue - Medici de facto eine Monarchie zu installieren.
Das Italien des 15. Jahrhunderts war nicht in einem einheitlichen Nationalstaat geordnet. Es existierte vielmehr ein labiles Staatensystem mit den Hauptmächten Mailand, Neapel,
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Venedig, dem Kirchenstaat und schließlich Florenz selbst. Lorenzo erreichte durch eine geschickte Außenpolitik unter der Führung seines Staates ein Gleichgewicht der Mächte in Italien und sicherte somit den Frieden nach innen und außen.
Florenz erlebte in dieser Zeit eine kulturelle Hochphase, mit der sich kein anderer Stadtstaat in Europa messen konnte. Bedeutende italienische Künstler der Renaissance wie Michelangelo, da Vinci, oder Botticelli wirkten am Hof Lorenzos, der aufgrund seiner Förderung der Künste den Beinamen der Prächtige" erhielt.
Der Status quo der italienischen Staatenwelt hielt die gesamte Amtszeit von Lorenzo an. Mit seinem Tod 1492 und der Machtübernahme durch seinen Sohn Piero de Medici änderte sich jedoch die politische Lage in Italien vollkommen. Piero lockerte die unter seinem Vater gepflegten Beziehungen zu Mailand und verbündete sich mit dem Königreich Neapel. Mailand, das sich unter diesen Umständen von der Gefahr der politischen Isolation bedroht sah, wandte sich infolgedessen an Frankreich, das selbst Ansprüche auf Neapel verfolgte. Der französische König Karl VIII. marschierte mit Truppen in Italien ein, was zu Auseinandersetzungen mit Österreich und Spanien führte. Italien wurde dadurch zum Objekt der Streitigkeiten. Der Staatenbund zerfiel, und die italienischen Staaten wurden gezwungen, sich zu wechselnden Allianzen mit den beiden Streitparteien zu bekennen. Dieses hatte zur Folge, dass sich die einstmals verbündeten Fürstentümer untereinander bekriegten.
Um die Auseinandersetzung zu ihren Gunsten zu entscheiden, heuerten die italienischen Staaten unter anderem sogenannte Condottiere" an, die Söldnerheere befehligten. Diese Männer handelten im Stile eines Unternehmers, denn sie mieden - so oft es ging - offene Schlachten, was einen möglichen Verlust von Teilen ihres Heeres bedeutet hätte. Stattdessen bevorzugten sie Manövrierungs- und Belagerungstechniken und wechselten je nach Angebot die Streitparteien.
Der Sohn und Nachfolger Lorenzos, Piero de Medici, konnte das Werk seines Vaters nicht fortführen und auch den Einmarsch der französischen Truppen nicht verhindern. Ehemalige Anhänger der Medici sahen sich gezwungen, sich unter diesen Umständen von ihrem Staatsoberhaupt zu trennen. Die geschlossene Haltung der Gegner Pieros sowie die
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Mobilisierung des Volkes gegen ihn führten schließlich 1494 zur Vertreibung der Familie aus der Stadt Florenz.
Das Aufkommen einer innenpolitischen Krise konnte dieses jedoch nicht verhindern. Der Dominikanermönch Girolamo Savonarola versuchte zwar ab 1496 die Krise mit einer auf strengen Gottesglauben und Entsagung allen Luxus beruhenden Theokratie zu überwinden. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch sein fanatischer und waffenloser Kampf gegen die Kirche und den Papst. Dieser exkommunizierte Savonarola 1498 und ließ ihn hinrichten. Seine Anhänger wurden aus allen politischen Ämtern entfernt. Im gleichen Jahr wurde der nunmehr 29jährige Machiavelli von der florentiner Bürgervertretung zum Segrataro della Republica gewählt und mit der Leitung der Seconda Cancellaria" (2. Kanzlei) beauftragt. Er war für Schreib- und Verwaltungsaufgaben zuständig, welche die inneren Angelegenheiten der Stadt betrafen. Da aber die Geschäftsbereiche der Innen- und Außenpolitik keiner strikten Trennung unterlagen, war Machiavelli auch über die innen- und außenpolitische Lage von Florenz informiert. Kurze Zeit später wurde er zusätzlich als Sekretär in den Rat der Zehn" einberufen, einem Ausschuss für militärische Angelegenheiten. In dieser Position arbeitete er den Gremien zu, bei denen die Entscheidungsbefugnisse lagen.
Seine politische Karriere dauerte 14 Jahre an. Sein größter Erfolg in diesem Zeitraum war die Rückeroberung von Pisa unter seiner Leitung. Pisa, das sich mit Hilfe Karls VIII. von Florenz gelöst hatte, stellte aufgrund des verfügbaren Seehafens eine besondere Bedeutung für den florentinischen Handel dar. Florenz versuchte lange Zeit vergeblich, Pisa mit Hilfe von Söldnertruppen wieder einzunehmen. Machiavelli, der den Söldnern den Sieg nicht zutraute, regte die Aufstellung einer Bürgermiliz an, der 1509 die Einnahme der abtrünnigen Stadt gelang.
Machiavellis Position führte viele Auslandsreisen im Namen von Florenz mit sich, zum Beispiel an den Hof der römischen Kurie, nach Frankreich zu Ludwig dem XII, zu Kaiser Maximilian aus dem Haus Habsburg, oder zu italienischen Kleinfürsten wie dem Sohn von Papst Alexander VI., Cesare Borgia. Alle diese diplomatischen Reisen prägten Machiavelli in seinem Denken, besonders die zu dem Condottiero" Borgia. Dessen skrupellose und vor keiner Tat zurückschreckende Handlungsweise, die es bewerkstelligte, jeden Widerstand in
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Arbeit zitieren:
Felix Frobel, 2004, Ist Machiavelli ein Machiavellist?, München, GRIN Verlag GmbH
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